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King of Cash

Jetzt wo der Ersten schon das Ende der Krise sehen wollen, kommt mir der Kapitalismus immer mehr wie Michael Jackson vor. Er hat mal richtig was gekonnt. War ursprünglich ne ehrliche Haut, wurde aber immer blasser und wusste am Ende nicht mehr, wer oder was er war.

Und alle haben sie an ihm rumgedoktert, Mittel reingepumpt in den Kreislauf. Nur, damit er seine Performance noch mal hinkriegt, diese Schwerelosigkeit und Coolness. Erst die Gier, dann der Crash. Seine Kinder sind seitdem allein, auf sich gestellt und den Geiern ausgesetzt. Vielleicht waren sie auch nur gekauft.

Und jetzt, wo er tot ist, ist er mehr wert denn je. Das ist sein größtes Comeback, getragen von nachsichtigem Vergessen und ungeahnten Umsätzen. Der macht nix, der will nur spielen.

Es ist ein Mysterium. Seit ein paar Wochen weiß man es, aber keiner hat eine vernünftige Erklärung. Die aktuelle Preisfrage lautet: Warum fallen in Westdeutschland nur 30% der Fahrschüler im ersten Anlauf durch, im Osten aber signifikant mehr, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt ganze 44,4%?

Die Prüfungsaufgaben sind die selben, das Unterrichtsmaterial auch. Wer ist also schuld, die Stasi, die NPD, oder die Wolfgang Lippert? Gibt es Probleme mit dem Dialekt, den Ampelmännchen oder dem Spee-Fuchs? Blöder sind die Ost-Fahrschüler nicht, zumindest laut Pisa-Studie. Also müssen die Ost-Fahrlehrer blöder sein, oder unmotivierter.

Jedenfalls steht die Mauer noch, unsichtbar zwischen Fahrschule Ost und Fahrschule West. Vielleicht müssen wir wieder Päckchen rüberschicken. Diesmal mit Spielzeugautos, Verkehrskasperle und Übungsmaterial. Mysteriös.

Im Wirtschaftsministerium rechnet nach einer “internen Schnellschätzung” für das zweite Quartal 2009 mit einer “schwarzen Null”. Ich finde es ja etwas uncharmant, so von der Kanzlerin zu sprechen, aber wer weiß, vielleicht regiert sie auch noch im vierten Quartal!

Leicht hat sie es nicht, die Union, von HRE bis Vattenfall. Erst hat sie sich von den Banken und Finanzfuzzies verarschen lassen, jetzt verarschen sie auch noch die AKW-Betreiber. Das ist bitter, wenn all deine Helden aus der Vergangenheit immer peinlicher werden. Ich kenn das, ich war vor 15 Jahren mal Fan von Heinz Rudolf Kunze.

Währenddessen holt Hubertus Heil für seine Partei die RTL-Supernanny Katharina Saalfrank als Wahlkämpferin an Bord. Da ist er nicht der Einzige, der meint, die SPD bräuchte dringend ein Kindermädchen.

Steinbrück macht den Clement und findet die SPD grenzwertig, weil sie sich mit der Union auf eine “Rentengarantie” geeinigt hat. Manche vermuten, dass er sich damit direkt um einen Job in der Finanzbranche bewirbt. Die ja die Rente gerne privatisiert hätte und an der Rentenpolitik deshalb traditionell kein gutes Haar lässt, sondern immer hysterisch “Generationengerechtigkeit” schreit, wo es doch nur um Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich geht.

Dass die Rente nicht sinken soll, wenn die Löhne sinken, das ist mal ein echtes Versprechen. Ein Versprechen, dass die Löhne sinken werden.

Heavy Metal

Sachen gibt´s, die kann sich keiner ausdenken… In der Samstagsausgabe des Bergsträßer Anzeigers findet sich folgende Heiratsannonce. Die Kommentare in den kursiven Klammern sind von mir.

“Reiner, guter Beruf, Eltern selbständig (Metallbranche), ich bin 186 cm groß, braune, dichte Haare, blaugrüne Augen, Sternzeichen Krebs, römisch katholisch! (Dichte Haare, aber kein Alter, hm. Immerhin scheinen die Eltern ihn zur Not durchfüttern zu können mit ihrer kleinen Metallerei)

Hobbys: Weiterbildung, Bibilothek, Unterhaltungselektronik, Sport, Gastronomie, Modelle, Urlaub, Wochenendspritztouren mit dem Auto, Kino, Circus, klassische Unterhaltung, Feste, Feierlichkeiten, Brieftauben! (fehlen eigentlich nur Tennissocken, Masturbation und Klöppeln) Suche passende Frau zwecks Heirat (2-3 Tage Luxushochzeit) (Kommen die Brieftauben mit?)

Sie soll gebildet, sportlich, reinlich, schön, sich im Haushalt in der Theorie und Praxis vom Leben auskennen und eine gute Mutter in unserer Ehe sein! (Theorie und Praxis des Lebens im Haushalt! Warum klingt “gute Mutter in unserer Ehe” für mich so sehr nach Psycho?)

Reiche Frau, Studentin (Metallbranche), Studentin Betriebswissenschaft, oder auch abgeschlossene Berufsschullehrerin (Metall)? (Warum nicht gleich eine reiche, reinliche Metallverarbeitungsprofessorin?) Zuschriften flexibel und aktuell mit Lebenslauf an den Verlag!” (Was sind flexible Zuschriften?)

Ich hoffe, die Anzahl der Zuschriften bewegt sich deutlich im Minusbereich. Und ich wette, diese Anzeige haben Mama und Papa Metallbranche für ihren 50-Plus-Nesthocker aufgegeben, um eine Schwiegertochter zu finden, die statt seiner den Betrieb übernimmt, während Sohnemann weiter Modelle baut. Bewerbungen leite ich gerne weiter… Und jetzt habe ich Gänsehaut und das dringende Bedürfnis, duschen zu gehen.

Arrrrgh

Arrrrgh

Julia Plecher hat heute in Berlin den sogenannten “Stiletto Run” gewonnen, einen auf High Heels zu absolvierenden 100-Meterlauf, veranstaltet vom Magazin “Glamour”. Damit künftig, wenn Sie vorm Schuhgeschäft-Schaufenster “Damit kann doch kein Mensch laufen” sagt, Er antworten kann: “Doch, und zwar 100 Meter in 14,2 Sekunden”.

Jetzt gibt es für das Scheiße-durch-die-Gegend-Staksen also auch schon Preise. Dass nächstes Jahr ein vom Magazin Playboy veranstalteter “Straps Run”, ein vom Dachverband der Silikonkissenhersteller ausgerichteter “Möpse Run” oder gar ein vom örtlichen Nagelstudio initiiertes “French Nail Krabbenpulen” stattfinden könnte, ist zu befürchten.

Schönes Zitat vom “Sternekoch” Vincent Klink: “Die Industrie gaukelt den Leuten etwas vor. Das sind die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus. Und ich würde gar nicht der Politik die Schuld geben. Das Problem sind die Lobbyisten, diese ganzen Betrugsanimateure .”

Quizfrage: Wovon redet er? a) von unseriösen Finanzprodukten, mit denen Rentner unwissend ihren Lebensabend verspielt haben oder b) von Atomkraftwerkbetreibern, denen regelmäßig die Trafos durchbrennen, die aber ihre hochsubventionierte Technik als billig, sauber und sicher verkaufen oder c) sogenannten Lebensmittelherstellern, die Gel-Schinken, Analog-Käse und Fischimitate als Genussmittel anpreisen oder vielleicht gar von d) Autobauern, die jahrelang davon gelebt haben, der ganzen Welt auf Pump Spritfresser anzudrehen?

Eines davon hat er gemeint. Die anderen stimmen aber auch. Wir sind eben in jeder Beziehung mitten in Teufels Küche.

Was ist eigentlich los mit uns? Die beliebtesten drei Politiker Deutschlands heißen Merkel, Guttenberg und Steinmeier. Das ist, als wären die beliebtesten Hobbys der Deutschen Cholera, Pest und Schweinegrippe.

Wenn sich unsere Eltern mit solchen Leuten rumtrieben, wir würden sie entmündigen lassen. Diese drei Charismalegastheniker haben doch zusammengenommen so viel Mitreißendes an sich wie ein labberiger Händedruck von Wackelpudding zu Wackelpudding. Dagegen ist selbst ein Mc-Donalds-Brötchen kernig.

Wie wenig muss man eigentlich bieten, um sich bei uns beliebt zu machen? Das scheint eine Art Negativ-Versteigerung zu sein, wir kaufen am liebsten dem Politiker alles ab, der sich am langweiligsten verramscht. Und dann schimpfen wir darüber, dass es keine Charakterköpfe mehr gibt und begnügen uns mit dieser Schnarch-Trokia, diesem Betäubungsmittel auf sechs Beinen.

Moment! Ich habe mich geirrt. Infratest-Dimap fragt nicht nach Beliebtheit, sondern nach „Zufriedenheit mit der Arbeit“ der jeweiligen Politiker. „Beliebt“ würde bedeuten: Ja, den mag ich, mit dem würd ich ein Bier trinken gehen. „Zufriedenheit“ heißt nur: Ja, den kann man sich schönsaufen.

Günther Oettinger ist der Dachshund der CDU. Oder vielleicht auch das Jagd-Frettchen. Ja, das passt. Den schickt die Kanzlerin immer voraus, für sie muss er ins Dunkle reinschnüffeln, um zu schauen, ob man da auf die Fresse kriegt. Nervös zucken seine Nüstern, hektisch erkundet er den Bau, bis es dann “Batsch!” macht und er ohnmächtig wird. Wecken tut ihn dann das Piep-Signal, wenn die gruß- und formlose Dankes-SMS der Kanzlerin bei ihm eintrifft.

Vor zwei Wochen war es noch das Thema Mehrwertsteuer, jetzt ist es die Atomenergie: “Wir werden die noch 20 Jahre brauchen”, sagt er, und: “Krümmel ist ein Kraftwerk mit Zukunft, sofern die technischen Voraussetzungen stimmen”. Klar. Und Johannes Heesters ist ein Künstler der Zukunft, sofern die biologischen Voraussetzungen stimmen.

Aber toll, wie der Oettinger da immer mit zittrigem Schnurrhaar die Abgründe austestet. “Frettieren” nennt man das laut Wikipedia, wenn das “Frettchen mit Maulkorb und Glockenhalsband durch den Jäger in den Kaninchenbau gesetzt” wird. Die kennt echt alle Tricks, die Kanzlerin.

War heute viel auf der Autobahn unterwegs. Hab dabei meinen Augen kaum getraut, denn auf einmal fuhr ich hinter einem Lkw mit Wechselplakat auf der Rückseite. Ihr wisst schon, diese Plakatständer, die alle Minute ein neues Motiv aufrollen. Auf einem Lastwagen! Fahrend! Ein echter Hingucker, ein Wunder, dass es keinen Auffahrunfall gab.

Wo soll das den hinführen? Gibt es demnächst Lkws mit Flachbildschirmen hintendrauf, damit mich dann diese Froop-Göre mitten auf der A7 ankrakeelen kann? Oder klappt auf einmal bei 100 km/h die Tür auf und eine flippige Theatertruppe überzeugt mich mit einer lustigen Spielszene von der Qualität der transportierten Schnittblumen? Werden die Schweine auf dem Tiertransporter-Dach ein Tänzchen aufführen, um zu beweisen, wie glücklich sie waren, bevor sie wussten, wo die Fahrt endet?

Der TÜV-Mann, der dieses Wechselplakat aufm Laster genehmigt hat, dem wünsche ich lebenslänglich bewegte Heidi-Klum-Burger-Werbung an die Schlafzimmerdecke. Mit Ton!

Wenn mich ein Außerirdischer (oder auch ein silberhaariger Seniorentellerberechtigter) fragte, wie das denn sei mit dem Internet und der Informationsgesellschaft, würde ich mit einem Wort antworten: Tsatsiki. Ich würde es so aussprechen, als wäre ich sicher, wie man es schreibt. Dabei weiß ich nicht mal, wie man es zubereitet.

Gib in eine Suchmaschine Tsatsiki ein, und du findest mehr Rezepte, als du je gewollt hast. Du wirst Wissen in dir ansammeln, das dich hungrig zurücklässt. Die einen sagen Joghurt, die anderen Quark, die einen Zitrone, die anderen Dill, wieder andere sagen: Gar keine Kräuter, auf keinen Fall! Zwiebel muss auch rein, sagen manche. Oder Essig. Sicher ist eigentlich nur Gurke und Knoblauch.

Irgendwo stand sogar, Tsatsikiquark sei eine prima Basis für Tsatsiki. Und wenn du nach Tzatziki oder Zaziki suchst, sieht es nochmal ganz anders aus. So. Und am Ende haste 20 Rezepte und nix aufm Brot. So isses, das Internet.

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