November 23, 2009 von hormuthsfrederic
Immer hat sie Steine im Weg, die Kanzlerin. Steinmeier und Steinbrück ist sie gut losgeworden, den einen hat sie in die Opposition katapultiert und den anderen in die freie Wirtschaft vertrieben. Der aktuelle Stein ist ein zäher Brocken, eine Frau.
Erika Steinbach ist Vertriebenenpräsidentin und in Warschau noch unbeliebter als ein Polenwitz. Weil sie nervt und es mit Grenzen nicht so genau nimmt, wie ein Dieter Bohlen der Vertreibung. Aber sie will unbedingt in den Rat der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Angie könnte auf sie verzichten. Bloß die CDU-Hardliner nicht, die sagen: „Das kann sich der Pole nicht aussuchen, wie wir uns mit ihm versöhnen!“
70 Jahre nach dem eben diese Polen (konservativ gefühlt) in Deutschland einmarschiert sind, liegt die Steinbach wie ein Findling im Weg und ist der europäischen Völkerverständigung blöd auf die Füße gerollt. Westerwelle könnte auch auf sie verzichten. Doch die Vertriebenen sind halt ein Teil des christdemokratischen Brauchtums und gehören zu der Ecke der Union, die sich hartnäckig nicht aussitzen lassen will.
Und die Steinbach lässt sich nicht mal mit lukrativen Posten oder finanziellen Zusagen bestechen. Da ist sie flexibel wie Granit. Steinbach und Merkel: Granit trifft auf Wackelpudding, das ist ein echter Kulturschock. Im Grunde unversöhnlich.
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November 22, 2009 von hormuthsfrederic
Der Wortwitz an und für sich ist ja eine Art Billigdroge, quasi das Klebstoffschnüffeln der Kleinkunst. Einmal angefangen, kann man damit nicht mehr aufhören. Irgendwann liegt man nur noch grinsend im Eck, übt sich in Schnappatmung und vernachlässigt sein soziales Umfeld.
Manche Wortwitze sind so gefährlich blöd, dass man sie nie auf einer Bühne verwenden sollte. Aber sonntags bloggen kann man sie immer. Am besten als Bilderrätsel. Die Quizfrage des Tages lautet also: Welche Hauptfigur einer TV-Serie ist hier dargestellt? Wer innerhalb der nächsten 24 Stunden als Erster auf die Lösung kommt, gewinnt einen Ehrentitel und einen Reisetipp. Also bitte:

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November 21, 2009 von hormuthsfrederic
Mit Ach und Krach und dem elftschnellsten Supercomputer der Welt hat IBM jetzt erstmals die Rechenleistung eines Hirns simuliert. Allerdings keines Menschenhirns. Auch nicht dessen von Heidi Klum.
Man bewegt sich da derzeit auf dem Niveau eines Katzenhirns, immerhin. Das heißt: Computer sind heute schon so komplex, dass sie vielleicht sogar Menschen dazu bringen können, ihnen eine Dose aufzumachen. Außerdem kann der Katzencomputer wahrscheinlich wahnsinnig gut ignorant an dir vorbei schauen. Und wenn du bloggen willst, legt er sich einmal quer über die Tastatur.
Wenn du ihn fragst, was 2 plus 3 ergibt, leckt er sich die Pfote. Oder dreht sich um und würgt dir einen Haarballen vor die Füße. Das ist ein Computer, der mit seiner eigenen Maus spielt und dann plötzlich das Interesse dran verliert. Beim Hochfahren schnurrt er. Sobald du ihn an Linux gewöhnt hast, will er nur noch Windows. Und sobald du ein Fenster geschlossen hast, kratzt er dran, bis du es wieder aufmachst.
Wenn der technische Fortschritt so weiter geht, werden bald die ersten Computer wie Hunde funktionieren. Und in der Nachweihnachtszeit an der Autobahn ausgesetzt.
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November 20, 2009 von hormuthsfrederic
Einen Gebrauchtwagen würde ich Josef Ackermann nicht abkaufen wollen. Eher schon ihn meinen Gebrauchtwagen verkaufen lassen, gerade wenn ich weiß, dass die Karosserie verzogen ist, der Gilb in der Klimaanlage sauniert und der Zahnriemen vermutlich morgen nicht mehr kraftvoll zubeißen können wird.
Da holt der Acki das Bestmögliche raus, die Mühle vertickt er so, dass ich durch eine geschickte Mischung von staatlichen Rettungsschirmen, Steuervorteilen und Fahrzeugbrief-Derivaten am Ende vom Erlös einen nagelneuen 3er-BMW in der Garage stehen hab und in der Karibik am Strand sitze. Das heißt: Der Mann ist für mich eine Sammlung von 1000 legalen Finanztricks auf zwei Beinen. Die Victory-Zeichen gewordene Rendite-Sau.
Und was macht der dieser Tage? Er denkt über die nächste Krise nach. Die Krise nach der Krise, die uns das kommende Jahr verhagelt, wenn vor lauter Schuldenbremsen und Haushaltssperren der Staat uns so in die Schraubzwinge klemmen wird, dass die Kerne quietschen.
„Wie gehen wir am besten mit der nächsten Krise um?“, fragt sich Ackermann. Er sieht sie also direkt kommen. Die Krise ist systemimmanent, wahrscheinlich sogar systemrelevant, ohne Krise läuft nichts in der Finanzwelt. Das Licht am Ende des Tunnels ist also nur der beleuchtete Eingang in den nächsten.
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November 19, 2009 von hormuthsfrederic
Annette Schavan ist die Queen der deutschen Bildungspolitik. Sie darf lächeln, winken, reden. Entscheiden tun andere, vor allem die Länder. Denn Bildung ist ja bei uns seit der Föderalismusreform keine Bundessache mehr.
In diesem repräsentativ-politischen Kettenkarussell gefangen, wird der Ministerin so schwindelig, dass sie die Orientierung verliert. Vor 4 Wochen fand sie die Reformen „richtig“ und auf einem „guten Weg“, jetzt spricht sie von „handwerklichen Fehlern“. Vor drei Wochen hat sie gesagt, es gäbe keine Pläne, die BAföG-Sätze anzuheben, jetzt will sie sich für eben diese Anhebung einsetzen. We are amused.
Setzt sie in eine Kutsche und lasst sie durch die Studentendemos fahren, damit man sie mit Eiern bewerfen kann und sie sich damit wenigstens irgendwie nützlich macht. Schmunzeltanten haben wir genug, das kann die Von-der-Leyen nebenher noch locker mitmachen.
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November 18, 2009 von hormuthsfrederic
„Lafontaine hält seine letzte Rede vor der Krebs-OP – Bild.de ist live für Sie dabei“. Demnächst kommt dann exklusiv in Bild ein Interview mit dem entfernten Tumor und Fragen wie „Sind sie froh, der Linkspartei entkommen zu sein?“. In der Hoffnung, dass sich mit Lafontaine auch die Linke erledigt, ist der Krebs ein willkommener Gast auf dem Boulevard. Wahrscheinlich fieberträumen die Redaktionen schon von einer öffentlichen Aufbahrung in Saarbrücken.
Wie weit auch der Spiegel schon in den Sumpf hinabgeschlittert ist, sieht man daran, dass dieses Blatt noch am Montag lüstern sabbernd die Gründe für Lafontaines Rückzug als Fraktionschef in einer Affäre mit Sahra Wagenknecht gesucht hat. Was für eine Altmännerphantasie: Das Albtraumpaar der Konservativen, wie Bonnie und Clyde eine Spur der Verwüstung in der Parteienlandschaft hinterlassend.
Irrationaler als mit Lafontaine ist die Presse der BRD noch mit keinem Politiker umgegangen. Gute Besserung! Für Oskar. Den anderen ist kaum noch zu helfen.
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November 17, 2009 von hormuthsfrederic
0,5 Milliarden hätte es gekostet, den HartzIV-Kindern auf den Regelsatz mal eben die 20 Euro drauf zu legen, die ihnen in Form einer Kindergelderhöhung durch die Lappen gehen, weil sie „angerechnet“, oder auf deutsch abgezogen werden. Dafür hat die schwarzgelbe Regierung kein Geld.
Das ist dann aber vorhanden, wenn es darum geht, für Hotelübernachtungen den Mehrwertsteuersatz auf 7% zu reduzieren. Das kostet 1 Milliarde. Und ist laut CSU nötig, um „die deutschen Hotels und Pensionen im Vergleich zu ihrer europäischen Nachbarn wettbewerbsfähiger zu machen“. Das ist die Begründung des Jahres.
Verliebte werden demnächst nicht nach Paris fahren, sondern ein Schnäppchenwochenende in Bielefeld verbringen. Dann heißt es Mönchengladbach statt Madrid, Ludwigshafen statt London und Salzgitter statt Salzburg. Jetzt brummt die Binnenwirtschaft, wir übernachten aushäusig, bis der Aufschwung kommt.
Das erinnert mich an einen historischen Ausspruch: „Die Leute haben kein Geld? Sollen sie doch in eine Pension ziehen!“. Irgendwie hab ich das Gefühl, unsere Regierung sitzt nachts zu lang an der Hotelbar…
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November 16, 2009 von hormuthsfrederic
Der Klimagipfel naht. Und wieder werden gezielt alle Erwartungen abgesenkt. Nur damit man es dann als großen Erfolg werten kann, wenn man danach wieder zu den alten Erwartungen zurückkehrt. Wenn ich das Klima wär, ich würd mich verarscht fühlen, ich würd denen die Hölle heiß machen!
Die SPD hatte ihren Parteitag in Dresden. Ein symbolträchtiger Ort, wenn man einen Wiederaufbau vor sich hat. Mit Andrea Nahles als Trümmerfrau, äh, Generalsekretärin. Was wurde beschlossen? Die Jusos haben die Vermögenssteuer durchgedrückt. Das gilt bei der SPD heute schon als Revolution. Ansonsten? HartzIV, Agenda, Rente? Soll nächstes Jahr alles mal geprüft werden. Die Union kritisiert das jetzt schon als Linksruck, dabei war es doch kaum mehr als ein Blinkersetzen.
Die Katholische Kirche rät ihren Schäfchen wegen der Schweinegrippe zur „Zurückhaltung bei der Nutzung des Weihwasserbeckens“. Klingt ja fast, als sollte man nicht drin baden, zumindest nicht ohne Mundschutz. Und Priester sollen „vor ihrem Dienst die Hände waschen“. Tja, Gottvertrauen und Hygiene sind eben doch nicht dasselbe.
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November 15, 2009 von hormuthsfrederic
Spätestens seit Schröder und der Agenda 2010 (benannt nach dem Plan, die SPD bis 2010 unter die 20%-Marke zu bringen) gibt es in der Politik immer wieder ein Killerargument, wenn es darum geht, unbeliebte (aber vielleicht einfach auch nur ungerechte) Maßnahmen zu rechtfertigen und durchzudrücken: das der Alternativlosigkeit. „Wir haben keine andere Wahl“, oder auf Englisch „there is no alternative“. Manche kürzen das ab als TINA.
Und diese Tina, das ist eine echte Schlampe. Die macht alles mit, die lässt sich von jedem benutzen. Tina lässt sich von jedem begrabbeln und vorführen, der zu faul und geistig unattraktiv ist, um echte Argumente kennen lernen zu wollen. Tina besorgt es dir schnell und diskret, das ist effektive Politbetriebabfuhr ohne Herz. Tina hat eine Mords Oberweite, also zumindest jede Menge Brustton der Überzeugung.
Und vor allem: Tina wird dir immer das Gefühl geben, dass du der Größte bist. Gut: Du musst sie dir mit einer Unmenge ekelhafter Drecksäcke teilen. Aber wenn Tina den Raum betritt, sind alle Zweifel wie weggeblasen. Politik ohne Tina, das wäre wie Zahnärzte ohne Karies. Ich kann meinen Lesern nur zurufen: Grüßen Sie Tina, wann immer Sie sie sehen. Und das ist verdammt oft.
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November 14, 2009 von hormuthsfrederic
Billig-Ramsch ist ja oft ärgerlich und peinlich. Lustig wird es aber, wenn der Billig-Ramsch versucht, sich ein männlich-herbes Abenteurer-Image zu verpassen. Mir fiel dieser Tage ein Prospekt des Versands „Atlas for men“ in die Hände, vorne drauf ein Cowboy und der Slogan „Brechen Sie auf zu neuen Horizonten…“. Die drei Punkte beziehen sich bestimmt darauf, dass man wohl keine Chance hat, von den Horizonten heil zurückzukehren, wenn man sich mit den angebotenen „Outdoor-Qualitäts-Produkten“ einkleidet.
Ob Parka „Expedition“ oder Parka „Kanada“, beide kosten 29 Euro und ich möchte nicht wissen, wie viele Cowboys darin schon erfroren sind, nachdem sie sich in den „Ranch“-Schuhen mit verstärkten Steppnähten für optimale Haltbarkeit (19,90 Euro) die Füße blutig gelaufen hatten.
Der Prospekt hat ein Vorwort: „Sie lieben Natur und Freiheit? Begeben Sie sich auf die Spuren der Pioniere. Das große Abenteuer kann beginnen!“. Und prompt findet sich auf Seite 17 der Pantoffel „Maxi-Komfort“. Und das Bimsstein-Fuß-Peeling. Kein Witz. Beides für 5,95 Euro. Als „Cocooning“ Sonderangebot. Also, Männer, wenn die Liebste am Wochenende wieder nörgelt, dass ihr als Pantoffelheld fußpflegend auf dem Sofa lümmelt, dann lautet die korrekte Antwort: „Nein, Baby, ich bin ein cocoonender Cowboy auf dem Weg zu optimal haltbaren Horizonten!“. Yeah.
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