November 14, 2009 von hormuthsfrederic
Billig-Ramsch ist ja oft ärgerlich und peinlich. Lustig wird es aber, wenn der Billig-Ramsch versucht, sich ein männlich-herbes Abenteurer-Image zu verpassen. Mir fiel dieser Tage ein Prospekt des Versands „Atlas for men“ in die Hände, vorne drauf ein Cowboy und der Slogan „Brechen Sie auf zu neuen Horizonten…“. Die drei Punkte beziehen sich bestimmt darauf, dass man wohl keine Chance hat, von den Horizonten heil zurückzukehren, wenn man sich mit den angebotenen „Outdoor-Qualitäts-Produkten“ einkleidet.
Ob Parka „Expedition“ oder Parka „Kanada“, beide kosten 29 Euro und ich möchte nicht wissen, wie viele Cowboys darin schon erfroren sind, nachdem sie sich in den „Ranch“-Schuhen mit verstärkten Steppnähten für optimale Haltbarkeit (19,90 Euro) die Füße blutig gelaufen hatten.
Der Prospekt hat ein Vorwort: „Sie lieben Natur und Freiheit? Begeben Sie sich auf die Spuren der Pioniere. Das große Abenteuer kann beginnen!“. Und prompt findet sich auf Seite 17 der Pantoffel „Maxi-Komfort“. Und das Bimsstein-Fuß-Peeling. Kein Witz. Beides für 5,95 Euro. Als „Cocooning“ Sonderangebot. Also, Männer, wenn die Liebste am Wochenende wieder nörgelt, dass ihr als Pantoffelheld fußpflegend auf dem Sofa lümmelt, dann lautet die korrekte Antwort: „Nein, Baby, ich bin ein cocoonender Cowboy auf dem Weg zu optimal haltbaren Horizonten!“. Yeah.
Veröffentlicht in Freizeit, Kurioses | 1 Kommentar »
November 13, 2009 von hormuthsfrederic
Vor gut 2 Wochen hatte sich der Bundestagspräsident Norbert Lammert drüber aufgeregt, dass ARD und ZDF das Zusammentreten des neu gewählten Bundestages nicht ausgestrahlt, sondern auf den eher randgruppigen Phoenix-Kanal ausgelagert hatten. Fand ich übertrieben. Heute nehm ich alles zurück.
Denn Trauerfeiern und Aufbahrungen von Fußballern werden ohne mit der Wimper zu zucken direkt zur besten Sendezeit im Ersten und Zweiten übertragen. Wir sind weit vorangekommen auf dem Weg von der Demokratie zur Ballokratie.
Der größte Skandal ist es aber, wenn ein Fernsehteam der ProSiebenSat1. Media AG noch vor der Witwe an den Bahngleisen steht, in Bild und Ton dokumentiert, wie sie schreiend die Helfer fragt, ob ihr Mann noch lebe, und diese Aufnahmen dann auch 1:1 mehrfachst ausgestrahlt werden. Um dann am nächsten Tag bei der Pressekonferenz der armen Frau auch noch die Tränen einzeln von den Wangen zu filmen.
Es gibt Situationen, da wünscht man sich fürs Zoomen die Todesstrafe. Wenn es sowas wie ethische Produkthaftung gäbe, müsste man den Geschäftsführer dieser Media AG irgendwo auf die Gleise fesseln.
Veröffentlicht in Deutschland, Gesellschaft, Medien, Sport | 6 Kommentare »
November 12, 2009 von hormuthsfrederic
Kinder sind nicht einfach Kinder. Millionärskinder bekommen durch das Wachstumsbeschwörungsgesetz von Schwarzgelb im Monat knapp 40 Euro mehr Kindergeld. Arbeiterkinder nur 20 Euro und mindestens 1 Million HartzIV-Kinder null Euro, weil es da „mit dem Einkommen verrechnet wird“.
Das ist gerecht, denn der Unterhalt eines Besserverdienerkindes ist finanziell wesentlich aufwendiger. Was allein der Gucci-Schulranzen, die Moleskin-Hausaufgabenhefte mit den Swarovski-Initialen und das Hin- und Herfahren im Porsche Cayenne GTS mit seinen 15 l / 100 km kostet!
Da hat es das Transferempfängerkind einfacher, das schreibt auf die Rückseite eines Aldiprospekts, bekommt seine Bildung von RTLII frei Haus und spielt ansonsten mit den in der Wohnung reichlich vorhandenen Kronkorken.
Aber an den Besserverdienerkindern hängt unsere Zukunft. Das ist die derzeit sehr angesagte Pferdeäpfeltheorie, die besagt: Wenn oben immer mehr Geld ankommt, dann fällt auch hinten für die große Masse immer mehr ab. Für die einen ist es Dünger, für die anderen einfach Scheiße.
Veröffentlicht in Arbeitsmarkt, Berlin, Deutschland, Erziehung, Gesellschaft, Kanzlerin, Politiker, Schwarzgelb, Wirtschaft | 3 Kommentare »
November 11, 2009 von hormuthsfrederic
Der Papst will noch rechtzeitig vorm Weihnachtsgeschäft eine CD veröffentlichen, eine Mischung aus Originalaufnahmen seiner Reden und Musik. Hat sein Vorgänger auch schon mal gemacht, das Werk hieß „Abba Pater“ und befindet sich in meinem Plattengiftschränkchen.
Ein übermäßiger Hit ist es damals nicht geworden, auch wenn man sich vom „Abba“ im Titel vielleicht mehr Umsätze erwartet hätte. Das Problem ist einfach, dass die Plattenläden nicht wissen, in welche Abteilung sie so was einsortieren sollen, ist es „Weltmusik“, „Soul“ oder „Folklore“?
Die Scheibe von Benedikt dem XVI (als Bandname würd ich ja einen Songtitel von Elton John vorschlagen: „Benny and the Jets“) soll „Alma Mater“ heißen. Da steckt „Mutter“ drin, wie beim Abba-Musical, das ja „Mamma Mia“ hieß – passt schon!
Das Problem ist nur die Sache mit dem Index. Denn dieser Tage ist ja die neue Platte von Rammstein im Auftrag des Familienministerium indiziert worden, „weil in den Texten zu ungeschütztem Sex aufgerufen“ werde. Hoffentlich hat man für die Papst-CD auf Redefragmente zum Thema Kondome verzichtet.
Veröffentlicht in Kirche, Kurioses, Musik | Kommentar schreiben »
November 10, 2009 von hormuthsfrederic
Es ist immer toll, wenn Politik versucht, den Eindruck von Dynamik zu erwecken. Klang schon der Begriff „Schuldenbremse“ irgendwie reißerisch nach Motorsport und einem finanzpolitischen Seifenkistenrennen entlang des Abgrunds, schlägt die Koalition jetzt vor lauter Bewegung fast schon Loopings und beschließt ein „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“.
Dieses Wort muss man nur anschauen, um zu wissen, dass damit irgendeine Ungerechtigkeit nebulös ins Off geschwurbelt werden soll. Das ist eines von diesen Wörtern, bei denen man gar nicht mehr genau hinliest. Da könnte auch „Wachturmbeschleimungsgeschwätz“ stehen, man würde es kaum merken.
Worum geht es im Gesetz? Mehr Kinderfreibetrag, halbe Mehrwertsteuer für Übernachtungen und unternehmerfreundliches Erben. Also klassische Klientelpolitik für bessererbende Unternehmer, die mit ihren Kindern im Hotel übernachten. Was hat die Kanzlerin heute in ihrer Regierungserklärung gesagt? „Es wird schlimmer, bevor es besser wird“.
Veröffentlicht in Berlin, Deutschland, Gesellschaft, Kanzlerin, Politiker, Schwarzgelb, Wirtschaft | 4 Kommentare »
November 9, 2009 von hormuthsfrederic
Wo war ich am 9. November 1989? Vorm Fernseher natürlich. Frisch mit der Band dem Probekeller entstiegen, saßen wir beim Gitarristen im Wohnzimmer und freuten uns für unsere Brüder und Schwestern, die uns bis dahin ungefähr so nahe gewesen waren wie ein Patenkind in der Dritten Welt.
Das Ganze fühlte sich so unwirklich an wie eine aufgekratzte Mischung aus Silvester, Kriegsende und einer Wetten-Dass-Außenwette. Von daher ist es völlig korrekt, dass der Tag heute in Berlin als eine Art Domino-Day begangen wird, mit einer Umfall-Kettenreaktion entlang der ehemaligen Grenze.
Unser neuer Verkehrsminister feiert das historische Jubiläum, indem er inhaltlich leicht geisterfahrend den Aufbau West ausruft. Und der sinnfreie Professor Sinn will den Ossis zu Feier des Tages am liebsten Hartz-IV kürzen, um die Wirtschaft anzukurbeln, denn: „Die Ostdeutschen sind sich gegenseitig zu teuer“. Sinn und Ramsauer sind die unvermeidlichen Typen, die auf jeder Party in der Küche stehen und schlechte Laune verbreiten.
Veröffentlicht in Berlin, Deutschland, Gesellschaft, Politiker, Wirtschaft | 2 Kommentare »
November 8, 2009 von hormuthsfrederic
Heute bin ich über drei schöne, frische Zitate gestolpert und mach ein kleines Sonntags-Boulevard-Quiz draus. Wer sagte:
„In anderen Ländern geht man mit Idolen anders um, und ich bin ein Idol in Deutschland. Und wie man mit so einem Idol umgeht in Deutschland, da muss sich Deutschland schämen“?
a) Daniel Küblböck, b) Oskar Lafontaine oder c) Lothar Matthäus
„Ich erinnere mich noch heute an die Wärme und Herzlichkeit in Ostdeutschland.“?
a) Gregor Gysi, b) Wladimir Putin oder c) Wolfgang Lippert
„Ich hatte schon immer einen etwas anderen Frauengeschmack. Heidi Klum war für mich damals eher eine bildhübsche Sportstudentin als ein zukünftiges Model.“?
a) Thomas Gottschalk, b) Guido Westerwelle oder c) Boris Becker
Der erschreckende Gedanke ist natürlich der, dass im Prinzip alle Antworten richtig wären. Neugierige, die gerne etwas mehr Orientierung hätten, was zum Festhalten, finden die offizielle Lösung im Kommentarbereich.
Veröffentlicht in Deutschland, Kurioses, Medien, Promis | 8 Kommentare »
November 7, 2009 von hormuthsfrederic
Was macht der indische Bollywood-Produzent, wenn er mal richtig exotische Filmkulissen sucht? Er kommt nach Südhessen. Zapft dort Filmfördermittel ab, lässt sich von kamerageilen Lokalpolitikern den Hintern kraulen und tanzt alibimäßig ein paar Takte vor irgend einem Fachwerkhaus.
Ich fand es schon immer etwas absurd, dass die indische Filmindustrie sich in ihrer Motivsuche irgendwie zwischen Weinbergen, Baggerseen und Aldiparkplätzen verirrt haben sollte. Aber immer nur der Ganges und das Taj Mahal wird wohl auf die Dauer öde, dachte ich.
Diverse örtliche Landräte hatten schon das Schreiten auf roten Teppichen geübt, sich die Gesichtshaut straffen lassen, ihre Gattinnen auf mögliche Affären mit jungen willigen Filmstars vorbereitet und wiederholt Ärger mit den Jungs vom Straßenbau bekommen, weil sie bei jeder Gelegenheit ihre Patschehände in frischen Asphalt gedrückt hatten.
Und jetzt kommt die Ernüchterung: Bollywood war gar nicht Bollywood, sondern nur eine professionelle Schleuserbande auf Visa-Jagd. Ein Betrug auf höchstem Oceans-Eleven-Niveau, nur mit mehr rhythmischem Gehüpfe. Eine Mischung aus Hochstapelei und Tanz. Und unter dem Strich eben doch: ganz großes Kino. Diese Geschichte sollte verfilmt werden, von Tarantino, den Coen-Brüdern oder Wes Anderson.
Veröffentlicht in Deutschland, Kurioses, Medien, Politiker, weltweit | Kommentar schreiben »
November 6, 2009 von hormuthsfrederic
Die SPD hat das selbe Problem wie die katholische Kirche. Münte hatte ja immer schon gesagt, der Parteivorsitz sei „das schönste Amt gleich nach dem Papst“ und auch die Schröderschen „Basta“-Anfälle hatten ja durchaus was von päpstlicher Unfehlbarkeit. Die SPD ist zur Ex-Katedra-Partei geworden.
Damit hat sie sich eine Gegenbewegung wohl verdient. Nach „Kirche von unten“ gibt es jetzt „SPD von unten“. Und der Versuch, in der SPD die Basisdemokratie wiederzubeleben, ist durchaus ähnlich anstrengend, wie der, den Papst für Kondome zu begeistern.
Am 8.11. wollen sie sich in Kassel treffen, die Partei-Reanimateure. Es gibt viel zu tun: Den Laden in eine stabile Seitenlage zu bringen, Puls zu fühlen und Wiederzubeatmen. Klassische Erste Hilfe eben, direkt nach den Wählen, äh, dem Unfall. Das Ganze wird natürlich umgehend schon wieder diffamiert als Zusammenrottung des rachsüchtigen linken Parteiflügels. Aber das ist so überflüssig, wie wenn man den Ersthelfern vorwirft, sie würden da am Straßenrand den Kommunismus ausrufen.
„SPD von unten“ hat ein Papier veröffentlicht mit 14 steilen Thesen. Unter anderem: „Wähler wählen diejenigen, die sie vertreten – nicht die Besserwisser“, „Das Wahlergebnis verbietet jedes ´Weiter so!´“ und „Die SPD verlor, weil sie unglaubwürdig wurde, nicht wegen der Gemeinheit anderer“. Kumbayh, my Lord! Ich kann nur sagen: Falls Ihr von „SPD von unten“ mal ein Kuchenbuffet aufmacht für die gute Sache – ich koch Euch Kaffee!
Veröffentlicht in Berlin, Opposition, Politiker, Wahlkampf | 1 Kommentar »
November 5, 2009 von hormuthsfrederic
Unser neuer, lustiger, gemütlicher Wirtschaftsminister Brüderle sagt zum Thema Opel: „Eine völlig inakzeptable Entscheidung. Ein solcher Umgang mit den Arbeitnehmern acht Wochen vor Weihnachten ist in keiner Weise hinnehmbar“. Naja, ist halt ne wirtschaftliche Entscheidung, mein lieber Herr Wirtschaftsminister, das müsste doch im erweiterten Rahmen Ihrer Verstehenskompetenz liegen!
Und was heißt hier Weihnachten? Nach Weihnachten kommt Ostern und danach die Sommerferien, Jobverlieren tut immer weh. Gut: Kurz vor den Wahlen wär es besonders blöd gewesen, aber da hat die Kanzlerin ja noch mal Glück gehabt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagt, GM müsse die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro jetzt fristgerecht zurückzahlen. Das ist deshalb interessant, weil es fast klingt, als wäre die Frist sonst egal gewesen.
Von der Logik her bin ich zu Zeit eh überfordert, denn: Wenn Opel keine Zukunft hätte, würde GM das Unternehmen nicht behalten wollen. Wenn es keine hätte, dürfen wir es aber auch nicht subventionieren. Allerdings hätte Opel wohl kaum über einen Verkauf nachgedacht, wenn viel Zukunft zu sehen gewesen wäre.
Das Beste, was man jetzt sagen kann, wo Merkel das Opelrettungsporzellan vor die Füße gefallen ist, wäre: Der Wahlkampf ist nun definitiv beendet.
Veröffentlicht in Arbeitsmarkt, Berlin, Deutschland, Kanzlerin, Politiker, USA, Wirtschaft | 5 Kommentare »