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Archive for the ‘Bildung’ Category

Verkehrsminister Ramsauer kämpft in seinem Amt gegen Anglizismen. Wahrscheinlich, weil er mal irgendwo gehört hat, dass Deutsch eine Verkehrssprache sei. Jedenfalls hat er in seinem Amt jetzt eine Vorfahrtregelung für, nennen wir es mal, Deutschismen installiert. Und mögen die noch so krampfig sein.

Klar: „Kick-off-Meeting“ statt „Auftaktveranstaltung“ ist pseudopolyglottes Blödgeschwurbel. Aber „Klaprechner“ statt „Laptop“? das grenzt an Deutschtümelei. Es klingt doch nicht alles automatisch besser, nur weil es sich nahtlos in eine historische Reichsparteitagsrede einfügen würde.

Die Neonazis sind doch immer chronisch im „Weltnetz“ unterwegs, von denen sollte man sich als Bildungsbürger schon noch absetzen wollen. Und wenn es englisch ist. Im Verkehrsministerium heißt es jetzt statt „Flipchart“ tatsächlich „Tafelschreibblock“. Das ist in erster Linie länger, hässlicher und haarsträubender. Und macht mir noch mehr Angst als eine Flipchart an sich.

Man möchte dem Ramsauer zurufen: „Sire, geben sie Fremdsprachenfreiheit!“ Nicht dass am Ende noch sowas dabei rauskommt wie „Mobilfunksprechgerät“ statt „handy“ oder „Erschütterungszustand“ statt „Schock“. Eines beruhigt mich: Auf der Internetseite des Ministers gibt es immer noch „Interviews“, keine „Fragenbeantwortungsgespräche“.

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Jetzt will die GEMA also auch noch Geld von den deutschen Kindertagesstätten. Weil diese Noten und Liedtexte kopieren und öffentlich aufführen. Klingt wie ein Aufreger, nach dem Motto : Jetzt zocken sie auch noch Kleinkinder ab!

Die GEMA ist ja berüchtigt für ihre Eintreiberfähigkeiten. Manche befürchten, dass sie sogar Gebühren in Rechnung stellt, wenn jemand Blähungen hat, die etwas zu melodisch sind und damit urheberrechtlich in die Nähe zu den Kompositionen von Dieter Bohlen geraten.

Im Ernst: Nur weil es um Kinder geht, darf man die Rechte von Komponisten nicht ignorieren. Ich will jedenfalls nicht, dass mir Rolf Zuckowksi deshalb als Sozialfall auf der Tasche liegt.

Das dürfen die Erzieherinnen auch gerne den Kleinen vorjammern, das mit der GEMA, wer weiß, vielleicht ergreift eines dann mal irgendwann einen kreativen Beruf. Ist ja auch kein Zustand, wenn die Kindergärtnerin ihren Schützlingen erst das Raubkopieren und dann die Uhr beibringt.

Sollen sie doch Volkslieder singen. Die kosten nix und sind auch schön. Außerdem sind die nicht in Patschepatschekinderliederdeutsch, sondern in einer Sprache, die sagt: Sie haben Anschluss an die Hochkultur!

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Die Qual der Zahl

Sofort ausweisen, den Horst Seehofer! Schickt ihn da hin, wo es egal ist, ob Politiker auch nur im Entferntesten Ahnung haben. Der Mann kann keine Zahlen. Hantiert hauptberuflich mit Milliarden und Millionen von Steuergeldern, aber hat keinen blassen Schimmer davon.

Bei einer TV-Spendengala hat er sich mit der Moderatorin gemeinsam so unterirdisch entblödet, dass es der reinste Bildungs-Limbo war, nur ohne Musik. Die Spendensumme „3.014.237“ konnte er nur vorlesen als „Drei-Punkt-Nulleinsvier-Punkt-Zweidreisieben“. Dann hat er noch etwas rumgestammelt und am Schluss irgendwas von „Dreimillionen Hundertvierzigtausend“ gemurmelt. Da redet echt der Blinde von der Farbe.

Nein, das ist nicht menschlich. Das ist bezeichnend. Der Mann rechnet so, wie Oettinger Englisch spricht. Jetzt ist auch wieder klar, warum Politiker kein Ausbildungsberuf ist, die Betriebe würden einfach keine geeigneten Lehrlinge finden. Viel Spaß beim Fremdschämen:

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Eltern von Schulschwänzern sollen Bußgelder zahlen, wenn es nach FDP-Generalsekretär Lindner geht. Das endet dann wie bei den Verkehrsbußgeldern: Kaum einer fährt innerorts 50, aber die Städte und Gemeinden haben ein schönes Zubrot.

Wenn Papa sich die Fluppen nicht mehr leisten kann, dann wächst im Kind natürlich eine wahnsinnig authentische innere Motivation. Damit funktioniert die Bußgeldidee aber nicht beim Besserverdienerkind, es sei denn, das Bußgeld wäre einkommensabhängig und würde einen Ackermann mehrere Millionen kosten.

„Wenn Eltern nicht überfordert, sondern unwillig oder zu bequem sind, muss das Folgen haben“, sagt der Lindner. Als könnte er „unwillig“, „bequem“ und „überfordert“ immer so einfach auseinanderhalten. Wenn ich unwillig und bequem bin, dann wird das ja schnell zu echter Überforderung.

Und wenn dann dein Kind noch die Schule schwänzt, kannst du schon mal einen Kredit aufnehmen für die Bußgelder, von denen dann am Ende doch nur wieder die Hypo Real Estate gerettet wird. Ich finde ja, Politiker, deren gerettete Banken unwillig, bequem und überfordert sind, sollten ein Bußgeld zahlen. Damit könnte man dann mehr Schulpsychologen finanzieren.

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So langsam muss aber auch mal wieder Schluss sein mit dem verspäteten Sommerloch in Form von Thilo Sarrazin. Der medial dauerpräsente Schnauzer und Hobby-Genforscher verstopft mit seinen Rechenschieber-Thesen derartig die Talkshows, dass man sich fast schon nach der Zeit zurücksehnt, als noch rund um die Uhr mit Guttenberg geredet wurde.

Gestern bei Plasberg blieb Sarrazin wieder so beharrlich unklar eindeutig, dass ich mich gefragt habe, was er wohl sagt, wenn der erste Neonazi mit seinem Buch eine Moschee anfeuert. Wahrscheinlich würde er vorrechnen, dass er daran zu 50-80% unschuldig ist.

Gestern hat man dann erfahren, dass eine seiner größten Ängste ist, dass in hundert Jahren keiner mehr „Wanderers Nachtlied“ von Goethe kennt. Gottchen! Mir würde es ja schon langen, wenn in hundert Jahren keiner mehr Sarrazin kennt. So existenziell wichtig für das Zusammenleben der Menschen ist der Geheimrat ja nun auch wieder nicht. Wie ging das gleich noch mal? So, glaube ich:

„Über allen Gipfeln
Krawall,
Und von den Stammtischen
kommt überall
falscher Applaus
Der Sarrazin schweigt viel zu selten
Warte nur, balde
Stirbt auch er aus.“

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Liebe Langenscheidts und liebe Jugend! Ich finde, das habt Ihr gut gemacht. Ich kenn Euch ja beide persönlich kaum. Wörterbücher hatte ich zuletzt in der Uni und Jugend auch, alles schon ein bisschen her, das.

Aber Eure aktuelle Internet-Wahl zum „Jugendwort 2010“ begeistert mich. Und da ist es mir jetzt auch mal egal, ob die Jugend wirklich so redet, oder sie sich nur den Spaß gemacht hat, den Sprachwissenschaftlern vorzumachen, sie rede so. Die Wörter, um die es dabei geht, sind jedenfalls allerliebst:

„Änderungsfleischerei“ für eine Schönheits-OP-Klinik, „Flatratelabern“ für Reden, ohne auf den Punkt zu kommen, „Schnitzelhusten“ für Schweinegrippe und „Speckbarbie“ für aufgetakelte Mädchen in viel zu enger Kleidung – ganz große Klasse. Wenn so die Jugend spricht, möchte ich dazugehören!

Oder zumindest eine Flasche Rotwein trinken und dabei auch neue Wörter erfinden. Vielleicht „Grabschbrett“ für das Ipad, „Uran-Happy-Hour“ für AKW-Laufzeitverlängerungen, „Befahrbares Haushaltsloch“ für Stuttgart 21 und „Gefälltmirmaschine“ für Facebook. Langenscheidt, ich komme!

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Angeblich haben britische Wissenschaftler eine Software entwickelt, die anhand einer Sprachauswertung von Chat-Texten erkennen kann, wo sich ein Pädophiler als Kind ausgibt, um Minderjährige anzubaggern. Ich bezweifle, dass das so einfach geht.

Erstens können Erwachsene mit bösen Absichten sich voll krass die Kiddiesprache drauftun, ey, weißtu? Und zweitens reden wir Erwachsenen heute doch eh gern infantil. Quiz: Welches der folgenden Zitate ist vom einem oder einer Minderjährigen?

a) „Das ist so derbe, ich zitter, das ist echt fett!“
b) „Wir sind eine gut intrigierte Truppe“
c) „Kleidung hat die Fähigkeit, eine ganze Gefühlswelt herbeizurufen.“
d) „Ich bedaure das aufs Allerhärteste!“

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