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Archive for the ‘Gewalt’ Category

Ich zitiere wörtlich: “Bild am Sonntag begleitete die Kanzlerin in den Krieg. Angela Merkel: Frontfrau in Afghanistan… Merkel trägt Anorak über ihrem schwarzen Blazer, zieht sich gegen den eisigen Wind eine Decke über die Knie, studiert Unterlagen für den bevorstehenden Besuch. Und man fragt sich, was sich eine Kanzlerin so alles antun muss, um die eigenen Soldaten fern der Heimat zu besuchen und zu ermutigen?”

Na, das schreit ja direkt nach einer Verfilmung mit Bruno Ganz. Bild wäre jedenfalls bereit für echte, markige Kriegsberichtserstattung, Feldherrenpathos und Landserdramatik. Soviel jahrelang ungeschriebenes darf endlich wieder aus der Feder fließen! Ach, hätte Ernst Jünger noch berichten können über diesen Friedenseinatz! Den die Mehrheit der Deutschen nicht will, aber für den die Kanzlerin anscheinend Mitleid und Anteilnahme verdient hat.

Endlich werden wieder Kampfhubschrauber ins Bild gerückt, endlich umweht wieder Wüstensand die deutsche Politik. Endlich heißt PR wieder Propaganda.

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Computerspiele können Kunst sein. Und Kunst kann den Betrachter gezielt vor moralische Herausforderungen stellen, ihn auch in ethische Fallen tappen lassen. Wenn Kunst nur der Unterhaltung und Entspannung diente, hieße sie nicht Kunst, sondern Feierabendbier.

Wenn jetzt ein Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein Spiel veröffentlicht, das im Todesstreifen der innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 spielt, über Monate hinweg von seinem Professor begleitet wurde und keinen kommerziellen Zweck verfolgt – dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn es weh tut. Daraus kann man lernen, das ist die alte Sache mit der Herdplatte.

Die Spieler des Games können auf Flüchtlinge schießen, aber damit nicht gewinnen. Sie können sich auch mit den Flüchtlingen verbünden, sie können vom Grenzer zum Flüchtling werden. Oder als Angeklagter beim Mauerschützenprozess enden. Ein Spaß ist das nicht, die Ballerspielcharts wird es so nicht anführen können. Das Spiel ist im aufklärerischsten Sinne pervers und so schizophren wie die deutsche Geschichte.

Der empörte Aufschrei von Politikern und Boulevardpresse ist so nachvollziehbar wie dumm. Jedes Kreuzigungsgemälde der letzten 2000 Jahre war genau so provokativ, unnötig und aber doch erkenntnisfördnernd. Das Spiel heißt übrigens “1378 km”. Ich würde es gerne kaufen. Und ungern spielen.

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In Berlin ist die Reichstagskuppel für Besucher gesperrt. Ich bin nicht ganz sicher, zu wessen Schutz. Der Besucher, der Parlamentarier oder der Kuppel. „Terror“ ist das meistgedruckte und getippte Wort dieser Tage, Experten rechnen aus, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer ist als die, vom Islamisten erwischt zu werden. Es sei denn, du läufst bei Gewitter mit einer Mohammed-Karikatur durch Kreuzberg.

Bald diskutieren wir über ein Vermummungsverbot für Weihnachtsmänner und den Einsatz der Bundeswehr im Wohnzimmerinneren. Fast ist man geneigt zu denken: Wenn da demnächst kein Anschlag passiert, ist die Politik in Erklärungsnot. So gesehen wäre ein Attentat fast schon eine vertrauensbildende Maßnahme. Es gibt Zynismus, der ansteckend ist. Hässlich, grade in der Vorweihnachtszeit.

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Wenn der Dschihadist zweimal klingelt, dann ruft er wiederholt beim BKA an. Und erzählt, dass seine Kollegen vor haben, im Reichstag ein Blutbad anzurichten. Und schon herrscht höchste Sicherheitsstufe. Um Schrecken zu verbreiten, langt es also, einen Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Reichstagsattentate haben ja Tradition in Deutschland. Leider sind sie rein historisch vorbelastet und befeuern nur Verschwörungstheorien. Da hätte sich der Islamist vielleicht etwas mehr einlesen sollen in die Geschichte. Es ist halt doch immer wieder ein Bildungproblem.

Bald wird der erste Politiker fordern, dass die 120 namentlich bekannten “Gefährder” sicherheitshalber, zwangsweise und präventiv im Reichstag einquartiert werden sollten.

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Es ist nicht nur ein Bahnhofs-, Demokratie- und Politik-Skandal, sondern auch ein Polizeiskandal. Die “Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten e.V.” hat in ihrer jüngsten Presseerklärung dargelegt, dass sie den Einsatz eines “Agent Provocateurs” beim “blutigen Donnerstag” in Stuttgart für wahrscheinlich und beweisbar hält.

Demnach hat die Polizei einen ihrer Leute vermummt und Pfefferspray sprühend vor die Kameras geschleust. Damit er dort als “Autonomer” die Polizei hollywoodreif angreift, der Konflikt eskaliert, die schon mit den Hufen scharrenden Wasserwerfer loslegen dürfen und der Knüppel aus dem Sack kann.

Friedlich im Weg rumdemonstrierende Bürger sind kein Dauerzustand, erst wenn Bürgerkrieg herrscht, kann der Staat zeigen, wo der Hammer hängt. Wenn da was dran ist, dann kann der Geißler doch direkt heimfahren, da braucht keiner mehr zu schlichten und zu demonstrieren. Da verliert dann sogar die lodenbemantelte Schwabenmutti ihren Glauben an den Staat. Das ist das “Apocalypse now” der Demokratie.

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Der Bahnchef Grube findet, es gäbe kein Recht, gegen einen parlamentarisch beschlossenen Bahnhof zu protestieren. Da muss also nur ein Bahnhofsermächtigungsgesetz abgenickt werden und schon ist jeder Widerstand so sinnlos und illegal wie die “Weiße Rose” oder der die “Operation Walküre”?

Jetzt ist die Bahn also nicht nur unpünktlich und unklimatisiert, sondern auch noch diktaturnah. Gut, das war sie ja vor 60 Jahren schon. Eigentlich müsste man sie boykottieren. Da biste aber echt im Dilemma: Rette ich die Zivilcourage oder die Umwelt?

Der baden-württembergische Innenminister schimpft auf die Demonstranten, die sich aggressiv in die Wasserwerfer geworfen hätten. Fast meint man, er spielt Bürgerkrieg, nach dem Motto: “Seit Donnerstag 12:48 wird zurückgeknüppelt!” Der Mann ist immer gut für vorschnelle Legendenbildung, schon nach dem Winnenden-Amoklauf hatte er einen angeblichen Bekennerbrief aus dem Internet gefischt, für den er sich später entschuldigen musste. Und diesmal eben Pflastersteine, die sich später als Kastanien entpuppt haben.

Ich lang mir ja zu Zeit auch regelmäßig an den Kopf bei Leuten, die sagen: “Wer seine Kinder mit auf ne Demo nimmt, muss sich nicht wundern, wenn sie auf die Fresse kriegen!” Ja. Ist aber kein Grund, mit Wasserwerfern drauf zu halten. Ich überfahr ja auch keine Kinder, nur weil sie bei Rot über die Ampel gehen. Ich überfahr ja nicht mal Kinder, die von ihrer Mutter bei Rot über die Ampel geschubst werden. Die Mütter übrigens auch nicht. Das ist eine Stilfrage. Es gibt Formen von Rechthaberei, da siehst du nicht mehr wie ein Sieger aus, sondern nur noch wie ein Arschloch.

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In Stuttgart stehen sich jetzt zwei Lager gegenüber, die sich gegenseitig nicht ernst genommen haben, bevor es zu spät war.

Die protestierenden Bürger hätten nie gedacht, dass sie mal vom Freund und Helfer einen Knüppel ins Gesicht bekommen könnten. Das ist doch bisher nur den Krawallanarchisten in Gorleben passiert. „Wir sind brave Leute, wenn wir unsere Kinder an der Hand haben, fällt doch keiner einen Baum“ – der Gedanke ist nicht aufgegangen.

Und der Gegenseite war nicht klar, dass die Bürger Ernst machen könnte mit dem zivilen Ungehorsam. Jetzt sind die da, die hässlichen Bilder von blutigen Gesichtern und ramponierten Rentnern. Jetzt sind sich Staat und Volk endgültig suspekt.

Das „Demo und Kehrwoche“-Kombiticket hat sich als Illusion erwiesen. Es gibt Barrikaden, die kann man nicht stürmen, um hinterher wieder sauber durchzufegen. Stuttgart ist beschmutzt durch die Spuren einer Entfremdung, die jetzt wie Popcorn aufgeplatzt ist, aber schon lange im Dampfkochtopf war.

Es geht nicht um einen Bahnhof. Es geht darum, dass Politik ihre Bürger nicht mitgenommen hat. Auf der Straße hat stehen lassen. In Stuttgart ist der Zug abgefahren, vielleicht kommt er mit Verspätung wenigstens passend zur Wahl an.

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