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Archiv für die Kategorie ‘Technik’

Du kommst hier nicht rein!

Meine Haltung zur Bildzeitung ist seit Jahren: Ich lese die Schlagzeilen auf dem Bäckertresen und surfe im Internet gerne mal drüber über das meingsmachende Drecksblatt ohne Gewissen. Aber ich würde nie dafür Geld ausgeben und Springer in den Rachen werfen. Wenn irgendein Promi oder Politiker mal was besonders blödes in der Bild von sich gibt, liest man es als Zitat sowieso überall.

Aber was sich der Verlag jetzt in Sachen “neue Medien” erlaubt, ist ja wohl besonders dreist. Seit gestern kann man die Seite bild.de vom iPad aus nicht mehr direkt ansurfen. Dafür soll man sich ein App kaufen und dann für jede Ausgabe bezahlen. Auf jedem PC sind die Seiten weiterhin abrufbar. Das heißt: iPad-User werden gezielt bestraft, bevormundet und abgezockt. Weil die das von Apple ja eh gewohnt sind.

Ihr glaubt doch nicht, dass mir die Bildzeitung auch nur einen Cent wert ist. Wenn iPad-Leute was für Geld lesen wollen, dann eine richtige Zeitung. Ich hoffe, der Schuss geht ordentlich nach hinten los. Im Internet gibt es jetzt eine kurze Spezialfolge von “Dittsche”, in der Kai Diekmann sein iPad im Imbiss vergessen hat und Ingo begeistert von dem Gerät und der digitalen Bildzeitung schwärmt. Alice Schwarzer, Atze Schröder, Olli Dittrich – die Liste der Komiker, die mit Springerwerbung auf der dunklen Seite der Macht gelandet sind, wird immer länger…

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Rainer Brüderle erweckt ja nicht nur in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsminister konsequent den Eindruck launiger Minderkompetenz. Jetzt hat er seine unverminderten Sicherheitsabstand zu jedweder Form von Altersweisheit auch beim Thema WikiLeaks dokumentiert. Die dort zu Tage tretende Sammelwut habe ihn an die Stasi erinnert, sagt er. Irgendjemand hätte ihn mal drauf hinweisen sollen, dass diese Informationen von den amerikanischen Botschaftern gesammelt worden sind.

Außerdem findet Brüderle, WikiLeaks habe gezeigt, dass es im Internet riesige Sicherheitslücken gebe. Rainer! Die Dokumente sind doch Washington nicht rausgerutscht, weil sie kein Virenschutzprogramm hatten oder aus Versehen auf gefährliche Schmuddelseiten geklickt haben. Nochmal einfach für dich: Da hat einer der Ami-Stasi die Unterlagen gemopst und sie im worldwide Käsblatt veröffentlicht. Deswegen musst du jetzt aber nicht das Internet schließen lassen.

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Er ist der James Bond unter den Nerds, der Robin Hood der Neuzeit, der von den Informationsreichen nimmt, um es den Informationsarmen zu geben: Julian Assange. Er ist kein Hacker und kein Dieb, er stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der das in die Öffentlichkeit gelangen kann, was zum Himmel schreit. Da sind Diplomatenprotokolle noch das Geringste.

Während die Regierungen der Welt den gläsernen Bürger zum Staatsziel erklärt haben, tun sie sich mit dem gläsernen Politiker doch ziemlich schwer. Als wäre die Existenz zweier Parallelwahrheiten, die der Mächtigen und die der Ohnmächtigen, die Grundlage jedes demokratischen Gemeinwesens.

Klar ist Assange irgendwie dubios und WikiLeaks irgendwie gefährlich. Aber wer hat denn mit der ganzen Verarsche angefangen? Die, die Aufrichtigkeit als Betriebsunfall empfinden. Natürlich gibt es Lügen – aber das können ja nicht alles nur unter Artenschutz stehende Notlügen sein da draußen. Die Welt hat ein Schwarzes Brett geschenkt bekommen und erschrickt, was da jetzt so alles dran hängt. Und es hängt ne Menge dran.

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Die neue Ausdruckslosigkeit

Der WWF hat sich was ausgedacht. Und der WWF ist ein ehrenwerter Verein. Weil weltweit zu viele Bäume abgeholzt werden für zu viel Papier, auf dem zu viel ausgedruckt wird, macht der Verein jetzt ernst mit dem papierlosen Büro: Wer ein Dokument im neu entwickelten “.wwf”-Format abspeichert, stellt damit sicher, dass es nicht mehr ausdruckbar ist. Papier gespart, Planet gerettet, Kosmos lacht.

Ich frag mich nur, warum ich so viel blöder bin als der WWF. Weil: Ich kapier’s nicht. Wenn mir das wichtige Umwelt-Themenpapier, mit dem ich mich beschäftigen möchte, nur als “wwf” geschickt wird, dann sitz ich beim Lesen und Denken nicht mit Ausdruck und Textmarker auf dem Sofa, sondern mit dem Notebook. Das braucht Strom. Und da würde ich gerne den Planeten fragen: “Wie hättest du es denn lieber?”

Ich hoffe, das mit dem “.wwf”-Format ist nur eine PR-Eintagsfliege. Nicht, dass am Ende noch ein AKW-Betreiber verkündet: “Wir produzieren unseren Atomstrom nachhaltig, weil die Betriebsanleitung des Reaktors nur als wwf vorliegt!”

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Gesichterfasching

Vor ner Woche gab es bei Facebook diese lustige Aktion, bei der die Mitglieder seuchenartig ihre Portraits durch Comicbilder ersetzt haben. Ich war dabei, ich fand’s lustig und hatte auch keine Sorge wegen der aufkommenden “die verklagen uns alle!”-Hysterie. Den Anwalt hätte ich mal sehen wollen, der weltweit Hunderttausende abmahnt. Und den Comicrechte-Inhaber, der sich bei Comicfreunden mal so richtig zum Arschloch macht. Ich hätte ihm ne Rechnung geschickt, über 5 Tage Werbung.

Aber jetzt wird’s albern. Jetzt hat sich angeblich jemand ausgedacht, es könnte witzig sein, wenn weibliche Facebook-User statt Gesicht ein Foto ihrer Brüste ins Netz stellen. Nee, klar… Und als nächstes vielleicht die PIN- und TAN-Nummer? Oder einfach das Foto von jemand, der man lieber wäre? Kann alles passieren, solange es Leute gibt, die auch “Bill Gates will Geld verschenken”-Emails hundertfach weiterverschicken, weil sie seit Hermann, dem Kettenbriefteig, nichts dazugelernt haben.

Grade hat die Facebook-Community den Otto-Versand gefoppt und bei einer “Wer wird Model”-Wahl einen männlichen Studenten mit blonder Perücke zum Sieger auserkoren. Da herrscht also echt Witzzwang auf Facebook, das ist ja schlimmer als beim Comedy-Freitag auf SAT1. Und man ahnt, dass das Internet keine wirkliche Alternative zur parlamentarischen Demokratie ist.

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Dreck ums Eck

Die neuste Castingshow heißt DSDZ – Deutschland sucht das Zwischenlager. Das ist ein Ort, an den man Atommüll stellt, für den es kein Endlager gibt. Also quasi der Teppich, unter den man den Müll kehrt, den man nicht rausbringen will.

Und dieser Teppich liegt vielleicht bald vor meiner Haustür und hört auf den Namen Biblis. Die hessische Umweltministerin sagt, hier sei keine Lagerung möglich. Der hessische Möchtegernplayboy Ministerpräsident hingegen findet, Hessen könne nicht „bei uns nicht!“ sagen. Das passt ungefähr so harmonisch zusammen wie Cindy und Bert auf Ecstasy.

Ich bin dafür. Aber nur, wenn Bouffier dann bitte auch nach Biblis zieht und dort seinen per elektronischer Fußfessel nachweisbaren Lebensmittelpunkt hat. Immer her mit den Fässern und Castoren, dann schreib ich in meine Biografie, ich sei Deutschlands verstrahltester Kabarettist und hab endlich ein todsicheres Alleinstellungsmerkmal.

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I did it!

Was für ein Nachmittag! Ich habe 3500 E-Mails von Thunderbird nach Outlook2010 überführt. Das ist, für die Älteren erklärt, als ob man für 1000 Reichsmark Grammophonnadeln kauft und diese einzeln mit der Draisine in die ostafrikanischen Kolonien transportiert.

Und das Schlimmste ist dabei ist immer diese Angst, dass jeden Moment ein Apple-User um die Ecke gesprungen kommt und feixend “Mein Rechner macht das auf einen Knopfdruck und sieht dabei auch noch viel schöner aus!” ruft.

Dafür, dass E-Mails immateriell sind, kann man ganz schön lange auf sie warten und hat auch jede Menge Schweißperlen auf der Stirn. Vor allem, wenn Frau Honigbrot darauf hinweist, dass mindestens 3457 davon einen hohen emotionalen Wert haben. Wenn da was im digitalen Nirwana verschwindet, bin ich ein toter Mann. Das ist ja das Unheimliche: Ein falscher Klick und du bist in der Beziehungshölle.

Ich habe Glück gehabt. Ich war nur in der Datentransferhölle. Manchmal lastet auch das papierlosteste Büro schwerer auf deinen Schultern als ein Zehnerpack Brockhauses, oder wie immer da der Plural heißen mag. So. Feierabend.

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Welcome to Castor-Country! Erwartet werden rund 40.000 Demonstranten, so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und das kann nur der Anfang sein. Denn auch die Anti-AKW-Bewegung hat jetzt ihre Restlaufzeiten verlängert. Und sie kontaminiert mit ihrem Widerstand die Bevölkerung, vielleicht sogar die Wahlen.

Natürlich ist es ein absurdes Schauspiel, wenn 16.500 Polizeibeamte einen überdimensionalen Mülleimer absichern und sich bunt bemalte und bunt betücherte Bürger ihnen in den Weg setzen. Aber darum geht es: Das Absurde zu zeigen. Müll, der tausende von Jahren strahlt, in ein Salzbergwerk stellen zu wollen, von dem keiner weiß, ob es jetzt geeignet dafür ist, oder nicht – das ist eine groteske Sitzdemo des menschlichen Verstands. Ein Knüppelschlag ins Gesicht künftiger Generationen. Das ist so viel Wahnsinn, der passt in keinen Castor-Behälter.

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Lieber Christian!

Du kannst das, Du schaffst das, Du bist guuuut! Go, go, go! Du bist der Wulff im Schafspelz, Du bist der Rocknroller im Bellevue! Wer, wenn nicht Du? Gut, da gäb es viele. Aber jetzt bist Du halt dran.

Was haben wir über Dich gelacht, den rundgelutschten Schwiegermüttertraum, der Kinderlachen mit in seinen Amtssitz bringen wollte. Und dann hast Du einfach gesagt, dass der Islam zu Deutschland dazugehört. Strike! Yesss! Das war echt schon mal ein ganz kleiner Anfang von Profil und Kante. Zumindest eine größere Microkante. Jedenfalls eine gute Handvoll Nanokanten.

Und jetzt bleib da dran! Sei wild! Komm auf die gute Seite der Macht und mach uns den Skywalker-Präsi! Jetzt das Gesetz zu Laufzeitverlängerung einfach so abzuzeichnen, wär ein zu großer Rückschritt für Dein Image. Mach das nicht kaputt! Lass die Schwarte krachen! Zeig der Merkel, wo der Hammer hängt! Wo eh alle denkenden Juristen überzeugt sind, dass diese Entscheidung am Bundesrat vorbei nicht geht.

Hol deine Lederjacke raus, fahr mit dem Moped rüber ins Kanzleramt und wirf ihr die Gesetzesbrocken vor die Füße. Ganz präsidial natürlich. Also nimm die gute Lederjacke oder lass Dich beim Styling von Joschka Fischer beraten. Wir glauben an dich! Du kannst das, Du schaffst das, Du bist guuu… naja jedenfalls: Du weißt, was zu tun ist!

Hau rein!

Dein Herr Honigbrot

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Wahnsinn on Tour

So. Die ersten bestellten und auch abgeholten Castor-Behälter mit Atommüll sind unterwegs. Strahlenschutzexperten finden, dass davon keine Gefährdung ausgehe. Und gleichzeitig empfehlen sie den mitreisenden Sicherheitsbeamten Abstand zu halten: “Je weiter weg, desto besser!”

Für Polizisten, die näher als fünfeinhalb Meter dran kommen, wird die Aufenthaltsdauer genau gemessen. Wahrscheinlich nur für den Fall, dass man sich mal vor Gericht wiedersieht. Oder als wissenschaftliches Experiment. Polizisten müssen ja für viel herhalten, wenn man sie nicht grade auf Rentner knüppeln lässt.

Die Castordinger halten übrigens nur 40 Jahre, da möchte man kommenden Generationen zurufen: “Viel Spaß beim Umfüllen!” Übrigens werden sie bis zu vierhundert Grad heiß und stehen dann in Hochsicherheits-Lagerhallen, weil keiner weiß, wo man sie endlagern könnte. Nicht die Polizisten.

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