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Archive for the ‘Opposition’ Category

Welcome to Castor-Country! Erwartet werden rund 40.000 Demonstranten, so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und das kann nur der Anfang sein. Denn auch die Anti-AKW-Bewegung hat jetzt ihre Restlaufzeiten verlängert. Und sie kontaminiert mit ihrem Widerstand die Bevölkerung, vielleicht sogar die Wahlen.

Natürlich ist es ein absurdes Schauspiel, wenn 16.500 Polizeibeamte einen überdimensionalen Mülleimer absichern und sich bunt bemalte und bunt betücherte Bürger ihnen in den Weg setzen. Aber darum geht es: Das Absurde zu zeigen. Müll, der tausende von Jahren strahlt, in ein Salzbergwerk stellen zu wollen, von dem keiner weiß, ob es jetzt geeignet dafür ist, oder nicht – das ist eine groteske Sitzdemo des menschlichen Verstands. Ein Knüppelschlag ins Gesicht künftiger Generationen. Das ist so viel Wahnsinn, der passt in keinen Castor-Behälter.

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Entthilofizierung

Die SPD bastelt am Parteiausschlussverfahren für Thilo Sarrazin. Damit wird sie ihn, wenn der Deckmantel gnädigen Vergessens ihn warm und weich umschlungen hat, spätestens im Frühjahr wieder in die Schlagzeilen hieven.

Wenn sein Verlag clever ist, bringt er dann passend zur Märtyrer-Premiere ein neues Buch auf den Markt: „Die Sozis schaffen mich ab“. Dann kann Sarrazin einen auf Drehtür machen: Raus aus der SPD, rein in die Talkshows. Totschweigen wäre wohl die bessere Lösung.

Als „Rassist“ wollen sie ihn jetzt doch nicht rausschmeißen, das ist schon mal misslungen. Diesmal soll er als „Sozial-Darwinist“ für parteiunwürdig befunden werden. Nicht als „komischer Schnauzbartträger“ jedenfalls, denn das gäb Irritationen bei Günther Grass. Spannender als die Frage, wie man ihn los wird, wäre vielleicht die Frage, wie man ihm jahrelang politische Verantwortung geben konnte.

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“Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen”, sagt Mephisto über den lieben Gott. Und ich aber manchmal über Gerhard Schröder.

Ist schon ein skurriles Schauspiel, zu sehen, wie er so aus seiner Gazprom-Versenkung rausgespringteufelt kommt, um in einer unerwarteten Verlängerung der legendären Elefantenrunde die Merkel anzupflaumen. Jetzt hat er ihren Aufschwung für sich reklamiert. Von wegen “meine Agenda” und so.

Fast hätte er sich bei ihr noch ´ne Flasche Bier bestellt. Gemein, das. Grad, wo sie umfragetechnisch am Asphalt kratzt, kommt der alte Zirkusgerd und macht noch mal auf dicke Sozeneier. Und plötzlich ist wieder ein Hauch Testosteron und Rock´n Roll in der Politik – nach dem ganzen Pragmatiker-Koma und Gel-Adel-Hype.

Vielleicht kann er sich noch hochpöbeln bis zu einer Art Keith Richards der Berliner Republik. Oder er legt ein bisschen Make-Up auf und torkelt ab und zu aus Richtung Russland so Jack-Sparrow-mäßig in die Debatte. Aye!

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Der Mappus hat dem Heiner Geißler jetzt noch mal erklärt, was ein Baustopp ist: dass man nur dezent im Hintergrund baggert und bohrt, während der Schlichter im Vordergrund versucht, die Demonstranten gewaltfrei davon zu überzeugen, dass sie sich geirrt haben. So kommt dann ein Kompromiss zustande. Aus Selbstaufgabe und Protestalzheimer.

Weil die Landesregierung immer dialogbereit ist, solang der Bahnhof kommt. Und der kommt pünktlicher als die Bahn. Die CDU, ein Bahnfetischclub – der ADAC wird schon neidisch. Während noch der endgültige Videobeweis fehlt, wer wann das erste Pfefferspray gegen wen erhoben hat, wird der begründete Verdacht immer lauter, Polizisten hätten gezielt im schlecht getarnten Zivilistenoutfit die Eskalation herbeigesprüht. Kann sein, dass einer der nächsten Friedensnobelpreisempfänger aus dem Stuttgarter Widerstand ist.

Der Oberbürgermeister will noch einmal klären lassen, dass die Argumente der Gegner zu “100%” nicht zutreffen. Wie verbohrt kann man eigentlich sein, denen nicht mal 1% Wahrheit zuzugestehen? Wenigstens wurde “Karl der Käfer” endlich doch mal gefragt. Wer hätte gedacht, dass der Juchtenkäfer entscheidender fürs Überleben demokratischer Strukturen ist, als eine gewählte Regierung?

 

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In Stuttgart stehen sich jetzt zwei Lager gegenüber, die sich gegenseitig nicht ernst genommen haben, bevor es zu spät war.

Die protestierenden Bürger hätten nie gedacht, dass sie mal vom Freund und Helfer einen Knüppel ins Gesicht bekommen könnten. Das ist doch bisher nur den Krawallanarchisten in Gorleben passiert. „Wir sind brave Leute, wenn wir unsere Kinder an der Hand haben, fällt doch keiner einen Baum“ – der Gedanke ist nicht aufgegangen.

Und der Gegenseite war nicht klar, dass die Bürger Ernst machen könnte mit dem zivilen Ungehorsam. Jetzt sind die da, die hässlichen Bilder von blutigen Gesichtern und ramponierten Rentnern. Jetzt sind sich Staat und Volk endgültig suspekt.

Das „Demo und Kehrwoche“-Kombiticket hat sich als Illusion erwiesen. Es gibt Barrikaden, die kann man nicht stürmen, um hinterher wieder sauber durchzufegen. Stuttgart ist beschmutzt durch die Spuren einer Entfremdung, die jetzt wie Popcorn aufgeplatzt ist, aber schon lange im Dampfkochtopf war.

Es geht nicht um einen Bahnhof. Es geht darum, dass Politik ihre Bürger nicht mitgenommen hat. Auf der Straße hat stehen lassen. In Stuttgart ist der Zug abgefahren, vielleicht kommt er mit Verspätung wenigstens passend zur Wahl an.

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Als Kabarettist macht man ja zu Recherchezwecken die ekelhaftesten Sachen. Musikantenstadl gucken, auf Wahlkampfveranstaltungen der Jungen Union gehen oder das neue Buch von Thilo Sarrazin bestellen. Ihm 22 Euro in den Rachen werfen, die ich ihm dann bei Bedarf Cent für Cent auf der Bühne wieder aus dem Textkörper prügeln werde.

Ja, ich hab deswegen auch Bücher von Eva Herman und Peter Hahne. Im Dunkeln trau ich mich kaum an meinem Bücherregal vorbei. Alles nur, um dem Argument “Du hast es ja nicht mal gelesen” entgegnen zu können: “Doch, und es war schlimmer, als befürchtet!”

Bei Amazon sammeln sich grade die 5-Sterne-Kundenmeinungen zu diesem Buch. Das ist fast noch unheimlicher als die Diskussion an sich. Von Amazon-Buchbesprechern möchte man wahrlich nicht regiert werden, die werfen in den unmöglichsten Zusammenhängen mit gelben Sternen um sich.

Aber eines halte ich jetzt schon mal fest: Lieber Herr Sarrazin, ein Deutschland, das aus lauter Leuten bestünde, die zu Ihrem Gedankenkosmos (merken Sie, wie nett ich zu sein versuche?) ostentativ “Recht hat er!”, “Kommende Generationen werden ihm dankbar sein” und “Wird man doch wohl noch sagen dürfen!” sagen, wäre ein Deutschland, von dem ich tatsächlich hoffte, es stürbe aus.

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Weil auch ich irgendwann mal Feierabend habe, poste ich hier mal das, was ich veröffentlichen würde, wenn Christian Wulff wie erwartet spätestens im dritten Wahlgang gewählt würde. Die stille Hoffnung, es könnte anders kommen, gönne ich mir quasi als politisches Feierabendbier am Ende eines heißen Tages…

Jetzt ist er also nicht mal mehr zweite Wahl. Der, den keiner wollte, der aber so sehr im Angebot war, dass er dann doch noch dringend gewählt werden musste. Im Präsidentenausverkauf. Der Wulff im Schafspelz. Der “Kinderlachen ins Schloss Bellevue bringt”, wie die Kanzlerin gestern sagte, die wohl zu viel “Kleiner Prinz” gelesen hat.

Das ist Demokratie: Wir machen das, was keiner wollte, aber alle dachten, tun zu müssen. Gewählter Drittewahlpräsident – das ist ein bisschen wie Brötchen vom Vortag. Durchaus noch genießbar. Günstig. Aber schon auch etwas zäh und pappig. Gegen den Teflonwulff wäre Gauck ja ein Gebirgsmassiv an Streitbarkeit gewesen. Frag mal die Linke. Die mit ihrer Zausel-Luc kaum mehr als engagierte Seltsamkeit demonstriert hat.

Und jetzt: Das Märchen vom Wulff und seiner jungen Frau, ein feuchter Traum für den Boulevard. Da hängt ein Hauch von Windsor über Bellevue. Fast als hätte die Kanzlerin nach Jahren stiller Demut endlich ihren Fitnesstrainer geheiratet. Glückwunsch. Gauck wird als gesalbter Festredner eine leuchtende Zukunft vor sich haben. Und Luc Joachimsen kommt vielleicht als Kommissarin in irgendeinem Tatort unter. Hauptsache, die Kinder lachen.

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