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Archive for the ‘Bücher’ Category

Zu Recherchezwecken habe ich ein Buch gelesen, aus der Abteilung Ratgeber. „Entdecken Sie Ihr inneres Trüffelschwein“ hat es pfiffig versprochen. Und mich dann so gelangweilt, dass ich mit meinem inneren Trüffelschwein lieber ein Tartuffo-Eis essen gegangen bin.

Und dann haben wir zusammen bei Amazon geschaut, wie andere Leser das wohl so fanden. Es gab eine einzige Kundenrezension, mit vollen 5 Sternen. Da sagte das Trüffelschwein in mir: „Lass uns das relativieren, es wird dir gut tun!“.

Also habe ich 2 Sterne vergeben. Immerhin, wo mich das Buch doch wirklich bis zum Schluss genervt hat. „Auch dieses Buch erliegt leider der typischen Ratgeberkrankheit, altbekannte Binsenweisheiten (´werde aktiv´, ´sieh das Positive!´) anekdotisch auf 250 Seiten aufzublasen.“ – so mein Kommentar.

Heute hat die Autorin persönlich meinen Kommentar kommentiert und zwar mit den großen Worten: „…sagt ein Mann, der sonst nur Horror und Radiowecker beurteilt …. na ja ……“. Klingt, als wäre „Mann“ allein schon verdächtig.

Und dass die Dame sich die Mühe gemacht hat, nachzuforschen, was ich auf Amazon bisher schon beurteilt habe, ehrt mich fast. Die meisten anderen Dinge außer Radioweckern und Computerspielen beurteile ich ja gern und häufig in Artikeln, Blogs und auf Bühnen. Aber das kann sie ja nicht wissen und will sie auch nicht.

Ist das nicht wahnsinnig uncool, gleich auf die erste negative Kritik mit einer kleinen persönlichen Blutgrätsche zu antworten? Soll ich die Beurteilung des Werks jetzt auf einen Punkt herabstufen, weil ich den Sympathiebonus für Neuerscheinungen weiblicher Coaching-Experten abziehe?

Oder soll ich schnell noch was Pornographisches kaufen und beurteilen, einen Autokalender und ein Kilo Trüffel, um mein Beurteiler-Profil noch mysteriöser zu gestalten? Bin für jeden Hinweis dankbar und durchaus nicht beratungsresitent.

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Roland Koch hat ein Buch geschrieben, es trägt den Titel „Konservativ“. Was ungefähr so überraschend ist, wie wenn Lady Gaga eines geschrieben hätte, das „Plemplem“ hieße.

Dennoch enthält es Sätze, die man nicht automatisch von ihm erwarten würde, etwa diesen: „Die Konservativen leben noch. Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum.“ Klingt ein bisschen wie Zombies mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Konservatismus neigt also aktuell zu latenter Sinnlosigkeit und erschöpft sich im unmotivierten Bewahren von irgendwas. Klingt wie Briefmarkensammeln ohne eine Frau zu kennen, der man die Sammlung zeigen wollte. Das ist ernst.

Die Konservativen müssen „eindeutiger und verständlicher, aber auch einfühlsamer und zukunftsgewandter“ werden, so Koch. Wir alle würden ihm gerne dabei zuschauen.

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So langsam muss aber auch mal wieder Schluss sein mit dem verspäteten Sommerloch in Form von Thilo Sarrazin. Der medial dauerpräsente Schnauzer und Hobby-Genforscher verstopft mit seinen Rechenschieber-Thesen derartig die Talkshows, dass man sich fast schon nach der Zeit zurücksehnt, als noch rund um die Uhr mit Guttenberg geredet wurde.

Gestern bei Plasberg blieb Sarrazin wieder so beharrlich unklar eindeutig, dass ich mich gefragt habe, was er wohl sagt, wenn der erste Neonazi mit seinem Buch eine Moschee anfeuert. Wahrscheinlich würde er vorrechnen, dass er daran zu 50-80% unschuldig ist.

Gestern hat man dann erfahren, dass eine seiner größten Ängste ist, dass in hundert Jahren keiner mehr „Wanderers Nachtlied“ von Goethe kennt. Gottchen! Mir würde es ja schon langen, wenn in hundert Jahren keiner mehr Sarrazin kennt. So existenziell wichtig für das Zusammenleben der Menschen ist der Geheimrat ja nun auch wieder nicht. Wie ging das gleich noch mal? So, glaube ich:

„Über allen Gipfeln
Krawall,
Und von den Stammtischen
kommt überall
falscher Applaus
Der Sarrazin schweigt viel zu selten
Warte nur, balde
Stirbt auch er aus.“

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Die NPD bejubelt Thilo Sarrazin und sagt: „Komm zu uns, wir machen genau deine Politik und es gibt auch noch Fackelzüge!“

Ansonsten gilt der Mann, für den es ein Juden-Gen gibt und der Angst vor migrationsunwilligem und migrationsunwürdigem Gen-Material hat, erschreckend vielen Medien als „Tabubrecher“ und „Querdenker“, der nur etwas zu pointiert formuliert hat.

Und das, obwohl er selbst zugibt, die Zahlen, mit denen er argumentiert, teilweise mangels Erhebungen einfach erfunden zu haben. Würde man den Genpool des Barons von Münchhausen mit dem von Joseph Goebbels kreuzen, es müsste wohl etwas sehr Ähnliches herauskommen wie der Bundesbanker der Herzen, dieser Herrenreiter, der immer wirkt, als trage er ein Monokel im Hintern. Nein, das hier ist kein Sachlichkeitswettbewerb.

Wenigstens die TAZ hat heute klipp und klar mehrfach „Rassist“ geschrieben, wo andere „umstrittener Autor“ stehen hatten. Sarrazin will für immer „in der Volkspartei SPD“ bleiben. Das mit dem Völkischen der Sozis hat er wohl etwas falsch verstanden. Was für ein Glück, daß Sarrazin nur über das Charisma eines verstaubten Knäckebrots verfügt, sonst hätte die neue Rechte ihren Führer gefunden.

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Als Kabarettist macht man ja zu Recherchezwecken die ekelhaftesten Sachen. Musikantenstadl gucken, auf Wahlkampfveranstaltungen der Jungen Union gehen oder das neue Buch von Thilo Sarrazin bestellen. Ihm 22 Euro in den Rachen werfen, die ich ihm dann bei Bedarf Cent für Cent auf der Bühne wieder aus dem Textkörper prügeln werde.

Ja, ich hab deswegen auch Bücher von Eva Herman und Peter Hahne. Im Dunkeln trau ich mich kaum an meinem Bücherregal vorbei. Alles nur, um dem Argument „Du hast es ja nicht mal gelesen“ entgegnen zu können: „Doch, und es war schlimmer, als befürchtet!“

Bei Amazon sammeln sich grade die 5-Sterne-Kundenmeinungen zu diesem Buch. Das ist fast noch unheimlicher als die Diskussion an sich. Von Amazon-Buchbesprechern möchte man wahrlich nicht regiert werden, die werfen in den unmöglichsten Zusammenhängen mit gelben Sternen um sich.

Aber eines halte ich jetzt schon mal fest: Lieber Herr Sarrazin, ein Deutschland, das aus lauter Leuten bestünde, die zu Ihrem Gedankenkosmos (merken Sie, wie nett ich zu sein versuche?) ostentativ „Recht hat er!“, „Kommende Generationen werden ihm dankbar sein“ und „Wird man doch wohl noch sagen dürfen!“ sagen, wäre ein Deutschland, von dem ich tatsächlich hoffte, es stürbe aus.

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Pünktlich zu Weihnachten ist er erschienen, der Messias. Er hat ein riesiges Kinn und kann sehr schnell mit einem Auto im Kreis fahren. Künftig tut er das für Mercedes, das lässt der Konzern sich einige Millionen kosten. Und der Betriebsrat kotzt: „Die Belegschaft hätte es eher verstanden, wenn Mercedes aus dem teuren Formel-1-Geschäft ausgestiegen wäre“. Der Sportchef des Autoherstellers rechnet damit, dass jeder Schumacher-Sieg einen direkten Image-Gewinn für sein Unternehmen bedeutet und jede Menge Hutfahr-Rentner sich dann doch für die Marke mit der eingebauten Vorfahrt entscheiden.

Ich glaube, dieses ganze Comeback kam nur zustande, weil Schumacher falsch beraten worden war. Von seiner Frau. In Oktober hatte er noch erzählt: „Die Bücher, die ich in den vergangenen zehn Jahren gelesen habe, kann ich an einer Hand abzählen. Aber ich bin gerade total fasziniert von so einem Bücherband, ´Twillight´. Es geht um die Beziehung zwischen einem Mädchen und einem Vampir. Corinna hat das für uns besorgt, wir haben dann zusammen den Film gesehen, und das hat mich so gefesselt, dass ich mehr wissen wollte.“

Oh mein Gott. Schumi hat einen schwülstigen Mädchenroman gelesen und war gefesselt. Dieses Herumrasen im Kreis kann nicht gesund sein. Wer weiß, hätte ihm Corinna die „Feuchtgebiete“ in die Hand gedrückt, wär sein Hirn implodiert. Und dann hätte er mit einem Corsa die Formel-1 von hinten aufgerollt und auf die Weise Opel gerettet.

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In seinem brandneuen und bestürzend erhellenden Buch „Meinungsmache“ fasst Albrecht Müller an einer Stelle ganz brutal und knapp den Meinungs-Mainstream zusammen, den die neoliberalen Denkfabriken für teuer Geld als unumstößliche Wahrheiten und Absichten in unser aller Köpfen verankert haben. Und in den Köpfen der Union und der FDP. Sowie in den entscheidenden Köpfen von SPD und Grünen:

„Die Deutschen müssen sich an mehr Ungleichheit gewöhnen; die Risiken des Lebens müssen privatisiert werden; Unternehmer und Eliten müssen durch niedrige Steuern im Land gehalten werden; die wahren Ausbeuter sitzen in der Unterschicht; ´Chancengerechtigkeit` ersetzt eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen; die Deutschen müssen in der Welt größere Verantwortung übernehmen und dazu auch Kampfeinsätze durchführen.“

Zaun drum, Knarre in die Hand, Reichtum als Chance, Armut als Krankheit. Dafür kriegen wir vorgelogen, wir seien zu teuer, zu alt, zu blöd und zu staatsgläubig. Uns könne man praktisch nicht regieren, uns könne man höchstens noch als gesellschaftliche Konkursmasse an die Privatwirtschaft verkaufen. Und so wählen wir uns Entscheidungsträger zusammen, die am Ende sich und uns abschaffen, weil wir als konfuse Mischung aus Volk und Volksvertretern dem Kapital eh nur störend zwischen den Füßen rumstolpern.

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