Feeds:
Beiträge
Kommentare

An einem Glatteisweihnachten wie heute sind zwei Dinge besonders wichtig: Heimkommen oder Daheimsein. Und das in diesen mobilen Zeiten mit Patchworkfamilien und Schwiegerelternhopping! Manch einer wird froh sein wie schon lange nicht mehr, wenn er endlich unterm Tannenbaum sitzt. Und nimmt gerne die Familie in Kauf, Hauptsache, man muss nicht mehr raus.

Eigentlich ein prima Tag, um sich mal zusammen friedlich einschneien zu lassen. Aber vorsichtig. Denn die Fluchtwege sind nicht immer gut geräumt, da wird die Familienfeier auch schnell mal zur klassischen Agatha-Christie-Situation.

Alles besser, als den Weg nach Hause nicht zu schaffen, so dass aus dem Fest der Liebe nur eines der Liegengebliebenen wird. Wer heute auf dem Flughafen sitzt oder auf der Autobahn feststeckt, lernt mehr Demut, als es noch feierlich ist. Ich wünsche all meinen Lesern ein möglichst erreichbares und behagliches Zuhause! Und nicht verzweifeln: Der Sohn Gottes kam auch nur pünktlich, weil sie in Bethlehem verdammt gut gestreut hatten.

Advertisements

Der Einzelhandel jubelt. Oder genauer: Die Sprecher des Einzelhandels jubeln jeden Advent ihr kreischendes Zweckhosianna durch die Medien, auf dass der Kaufrausch uns in ein boomendes 2011 katapultiere. Fast meint man, der Sinn des Weihnachtsfestes habe von jeher darin bestanden, Volkswirtschaften mit Exportüberschuss ein etwas solideres Fundament zu verschaffen.

Wahrscheinlich waren Maria und Josef zwei VWL-er, die beschlossen hatten, künftigen Wirtschaftskrisen etwas entgegenzusetzen, und sei es einen Marktwirtschaftsmessias. Dann wäre ihr Gott allerdings schon damals nur der noch heute schnöde Mammon gewesen. Und die unbefleckte Empfängnis mehr so in einem „Geld stinkt nicht“-Sinne unbefleckt. Und der Stern, dem sie gefolgt sind, gehörte einer großen Bethlehemer Rating-Agentur.

Es ist ja ein alljährlicher Running Gag dieses Blogs, dass ich in den Tagen vor Weihnachten immer nicht weiß, was man dem Briefträger und dem Zeitungszusteller so gibt. Und dass grade der Briefträger dazu neigt, immer intensiver und zwinkernder Blickkontakt zu suchen, als wollte er sagen: „Schauen sie mal, da hinten, da müsste doch ihr Geldbeutel liegen!“

In den seligen Zeiten, als man noch EINEN Briefträger hatte und fertig. Jetzt herrscht bei uns aber eine Zustellerschwemme. Im Moment stapeln die sich nur so, die Leute von: der Post, dhl, ups, dpd, Hermes und den diversen Früh-, Spät- und Sonderschichten. Das ist mir emotional zu viel. Ich bin postalisch noch eher der monogame Typ. Auf so viel Personal kann ich mich nicht einstellen, da hab ich einfach zu wenig Königshaus in den Genen.

Und jetzt fangen die alle auch noch an zu reden. Das ist neu. Dieses Jahr reichen ihnen die Blicke nicht mehr. Vorhin der erste Briefträger: „Na, wie geht’s? Alles klar?“ Dann der zweite Päckchenmann: „Das wird noch ein langer Tag heute, aber ich will nicht klagen!“ Bald stehen sie als Formation vor der Tür und spielen, singen und tanzen ein Trinkgeld-Musical. Und ich werde mich nicht wehren können, denn sie sind eindeutig in der Überzahl.

Da lob ich mir die Zeitungsfrau. Vielleicht ist es auch ein Zeitungsmann. Jedenfalls sieht und hört man nix von ihm oder ihr. Das muss belohnt werden!

Es scheint ansteckend zu sein, so wie sich das im Moment verbreitet. Nein, ich meine nicht die Schweinegrippe, sondern Versicherungsagenturen.

Da, wo bis vor kurzem noch eine Bäckerei war, ist seit Woche eine Filiale der DEVK und da, wo vorher eine Sprachschule war, ist seit heute HUK-Coburg. Die Versicherungen erobern die Innenstadt wie Außerirdische die Erde im Hollywoodfilm. Oder sind die mittlerweile das, was früher die Ein-Euro-Ramschläden und noch viel früher die Handyshops waren? Quasi die Algenpest des gewerblichen Immobilien. Du weißt, dein Laden ist pleite, wenn Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer schon wie ein Aasgeier um das Objekt kreist.

Vielleicht ist es aber auch nur so, dass die Versicherungsbranche downgesized wird und sie ihre Stahl-und-Glas-Paläste in den Metropolen verlassen müssen, um kostengünstig in der Provinz unterzukommen.

Bilder des Grauens

Wenn man heutzutage einen neuen Arzt sucht, dann macht man das ja im Internet. Da kannst du dir die Nasen genau angucken. Und die Bilder von ihrer Praxis. Und dann kannst du sagen: Also dieser Doktor soundso, der grinst so blöd, der nimmt bestimmt nur Privatpatienten. Oder Drogen. Oder beides abwechselnd. Und dieser hier, von dem dachte ich erst, er hätte Bilder von einem Kaninchenstall ins Netz gestellt, dabei war es sein Wartezimmer!

Ich war mal auf der Homepage eines Zahnarztes, da war auch die Handynummer angegeben, unter der er einen Cadillac verleiht. Da hat man schon irgendwie das Gefühl, dass man als Patient nur Mittel zum Zweck ist. Der hatte auf dem Wartezimmerfoto übrigens ein Aquarium, das war schon vom Bild her derartig umgekippt, dass ich sagen würde: Da ist nichts mehr zu machen, das muss komplett raus!

Und trotzdem stand daneben, sie würden sich bemühen, in ihren Räumen für eine entspannte Urlaubsatmosphäre zu sorgen. Urlaubsatmosphäre beim Zahnarzt? Damit dann die Patienten besonders früh aufstehen, um sich den Behandlungsstuhl mit nem Handtuch zu reservieren???

Auf Zahnarzthomepages sehen sowieso alle immer so glücklich aus. Wie eine Mischung aus Lachgas und Scientology. Die lächeln, als würde es heißen: Ein Tag ohne Zahnarzt ist ein verlorener Tag! Wer von meinen Lesern Tipps hat mit Links auf besonders schöne Arzt-Homepages: Her damit, ich sammel die!

 

Die nackte Kanone

Ich zitiere wörtlich: „Bild am Sonntag begleitete die Kanzlerin in den Krieg. Angela Merkel: Frontfrau in Afghanistan… Merkel trägt Anorak über ihrem schwarzen Blazer, zieht sich gegen den eisigen Wind eine Decke über die Knie, studiert Unterlagen für den bevorstehenden Besuch. Und man fragt sich, was sich eine Kanzlerin so alles antun muss, um die eigenen Soldaten fern der Heimat zu besuchen und zu ermutigen?“

Na, das schreit ja direkt nach einer Verfilmung mit Bruno Ganz. Bild wäre jedenfalls bereit für echte, markige Kriegsberichtserstattung, Feldherrenpathos und Landserdramatik. Soviel jahrelang ungeschriebenes darf endlich wieder aus der Feder fließen! Ach, hätte Ernst Jünger noch berichten können über diesen Friedenseinatz! Den die Mehrheit der Deutschen nicht will, aber für den die Kanzlerin anscheinend Mitleid und Anteilnahme verdient hat.

Endlich werden wieder Kampfhubschrauber ins Bild gerückt, endlich umweht wieder Wüstensand die deutsche Politik. Endlich heißt PR wieder Propaganda.

Das Kartonrätsel

Heute hab ich beim Frühstück mal meine Milch gelesen, also die Packung. Und darauf einen spektakulär mysteriösen Aufdruck gefunden:

„Karton aus verantwortungsvollen Quellen“ – wow! Soll das heißen, er stammt nicht von WikiLeaks? Das mit den „Quellen“ klingt irgendwie nach Geheimdienst, aber sollte der momentan nicht eher mit der Terrorgefahr beschäftigt sein als damit, dem Hormuth Kartons zusammenzufalten? Und was sind überhaupt verantwortungslose Kartonquellen? Drogensüchtige Pappkameraden? Wenn schon verantwortungsvoll, dann hätte ich ja gerne gewusst, wer es ist. „Quellen“ klingen da so seriös wie irgendwelche Spendernamen, die Helmut Kohl bis heute nicht rausrücken will. Packungen zu lesen lohnt sich immer. Ich werde nie den Karton vergessen auf dem der irgendwie sehr zweideutige Satz stand: „Flachgelegt gehöre ich ins Altpapier“.