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Archiv für die Kategorie ‘Erziehung’

Höllehölleholle

Heute waren sie mal wieder alle draußen, die Bekloppten und die Kabarettisten. Zum großen Silvestereinkauf. Es war im Supermarkt so voll, als gäb es ab dem Ersten keine Lebensmittel mehr ohne ärztliches Attest.

In den Gängen auch wieder dabei: Der Klassiker in Form einer Mutter, die ihre Kleinkind seelenruhig Regale ausräumen und Konserven in Spielzeug verwandeln lässt. Nicht mit hilflosem Blick, nicht einmal mit leerem Blick. Nein, mit Stolz im Blick. Weil die Brut sich so schön mit sich selbst beschäftigen kann. Und einem Dutzend Eintopfdosen, mehreren Pfützen Steifel-Tauwasser und dem Nervenkostüm der um sie herumeiernden Kunden.

Ansonsten war ich damit beschäftigt, Röstzwiebeln zu suchen. Die waren so gut versteckt, als ginge es darum, dass sie auf keinen Fall gekauft werden dürfen. Fast hätte ich mir einen Julian Assange mit so etwas wie RöstzwiebelLeaks gewünscht, um Einsicht in die verbrecherischen Versteck-Pläne des Supermarkts zu bekommen. Ich hab sie dann auch so gefunden. Beim Ketchup. Auf Schienbeinhöhe. Wo man sie normalerweise nur entdeckt, wenn man sein Kleinkind da unten spielen lässt.

Produktname des Tages: “Black Puty”. Das war keine falsch geschriebene Pferdesalami, sondern ein scharfer Putenaufschnitt mit Wortspielzwang. Spätestens da wusste ich: Ich will nach Hause! Und das war noch bevor ich nach dem Ausräumen des randvollen Einkaufswagens aufs Laufband feststellen musste, dass Blicke töten können. Vor allem, wenn man aus Versehen an der 10-Teile-Kasse gelandet ist.

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Verkehrsminister Ramsauer kämpft in seinem Amt gegen Anglizismen. Wahrscheinlich, weil er mal irgendwo gehört hat, dass Deutsch eine Verkehrssprache sei. Jedenfalls hat er in seinem Amt jetzt eine Vorfahrtregelung für, nennen wir es mal, Deutschismen installiert. Und mögen die noch so krampfig sein.

Klar: “Kick-off-Meeting” statt “Auftaktveranstaltung” ist pseudopolyglottes Blödgeschwurbel. Aber “Klaprechner” statt “Laptop”? das grenzt an Deutschtümelei. Es klingt doch nicht alles automatisch besser, nur weil es sich nahtlos in eine historische Reichsparteitagsrede einfügen würde.

Die Neonazis sind doch immer chronisch im “Weltnetz” unterwegs, von denen sollte man sich als Bildungsbürger schon noch absetzen wollen. Und wenn es englisch ist. Im Verkehrsministerium heißt es jetzt statt “Flipchart” tatsächlich “Tafelschreibblock”. Das ist in erster Linie länger, hässlicher und haarsträubender. Und macht mir noch mehr Angst als eine Flipchart an sich.

Man möchte dem Ramsauer zurufen: “Sire, geben sie Fremdsprachenfreiheit!” Nicht dass am Ende noch sowas dabei rauskommt wie “Mobilfunksprechgerät” statt “handy” oder “Erschütterungszustand” statt “Schock”. Eines beruhigt mich: Auf der Internetseite des Ministers gibt es immer noch “Interviews”, keine “Fragenbeantwortungsgespräche”.

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Ihr Kinderlein zahlet?

Jetzt will die GEMA also auch noch Geld von den deutschen Kindertagesstätten. Weil diese Noten und Liedtexte kopieren und öffentlich aufführen. Klingt wie ein Aufreger, nach dem Motto : Jetzt zocken sie auch noch Kleinkinder ab!

Die GEMA ist ja berüchtigt für ihre Eintreiberfähigkeiten. Manche befürchten, dass sie sogar Gebühren in Rechnung stellt, wenn jemand Blähungen hat, die etwas zu melodisch sind und damit urheberrechtlich in die Nähe zu den Kompositionen von Dieter Bohlen geraten.

Im Ernst: Nur weil es um Kinder geht, darf man die Rechte von Komponisten nicht ignorieren. Ich will jedenfalls nicht, dass mir Rolf Zuckowksi deshalb als Sozialfall auf der Tasche liegt.

Das dürfen die Erzieherinnen auch gerne den Kleinen vorjammern, das mit der GEMA, wer weiß, vielleicht ergreift eines dann mal irgendwann einen kreativen Beruf. Ist ja auch kein Zustand, wenn die Kindergärtnerin ihren Schützlingen erst das Raubkopieren und dann die Uhr beibringt.

Sollen sie doch Volkslieder singen. Die kosten nix und sind auch schön. Außerdem sind die nicht in Patschepatschekinderliederdeutsch, sondern in einer Sprache, die sagt: Sie haben Anschluss an die Hochkultur!

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Beim “2. Michendorfer Nikolauslauf” sind heute knapp 600 Nikolause Strecken zwischen 2,5 und 10 Kilometer gelaufen. Der veranstaltende Laufclub Michendorf spricht stolz von der “größten, laufenden Weihnachtsmann-Parade”. So, liebe Kulturkreisanalphabeten, Brauchtumsschänder und Kinder, da muss ich jetzt doch mal wieder die Spaßbremse machen. Bevor mir der Stollen hochkommt.

Erstens: Nikolaustag ist morgen. Zweitens: Der Weihnachtsmann ist nicht der Nikolaus. Und drittens: 600 rennende Nikolause sind ja wohl die unbesinnlichste Vorweihnachtsperversion überhaupt. Ja, da bin ich pingelig. Aber ihr besteht ja auch immer drauf, dass Harry Potter kein drogendealender Hütchenspieler und Darth Vader nicht die Supernanny ist. Nur mal so als Beispiel.

Man muss die Mythen schon sauber halten, da gilt das Mythenreinheitsgebot, sonst landen wir direkt in der Hölle. Oder noch schlimmer: in Disneyland. Wenn nächstes Jahr irgendwo der 1. Messiasmarathon statt findet, bei dem am 23. Dezember 1200 Jesusse 42 Kilometer zurücklegen, feiert der Veranstalter das wahrscheinlich als die neue Love-Parade…

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Das Schlimmste an Halloween sind ja die Mütter. Es klingelt, du öffnest die Tür, vor dir steht ein als Zombie verkleidetes Kind und guckt dich ängstlich an. Zwei Meter hinter ihm schaut die Mutter strahlend um die Hausecke und feuert den Nachwuchs an: “Ja, geh hin, mach dem Mann richtig Angst, dann kriegst du auch Bonbons!”.

Was in den 80ern die Tennismütter waren, sind heute die Halloweenmütter. Der reinste Horror. Und nachher kann RTL dann wieder berichten, wie Kinder für Bonbons jedem Schänder hinterherlaufen.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Phillipp H. Mißfelder (das “H” steht für die Hüftgelenke, die er vor Jahren mal den Senioren nicht gönnen wollte) findet es schlimm, wie Halloween den Reformationstag und Allerheiligen aus dem Bewusstsein verdrängen. Halblang! Bei uns war in den Zeiten vor Halloween Allerheiligen auch nur der Tag, an dem das Einkaufszentrum im wenigen Kilometer entfernten Nachbarbundesland offen hatte.

Und den Reformationstag würde auch keiner kennen, wenn die Protestanten nicht als Halloween-Abwehr neuerdings Lutherbonbons verteilen würden. Ohne Halloween wüssten wir gar nicht, was wir nicht vermissen. Darauf einen Kürbis.

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Auch Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, hatte sich ja für eine „Deutschpflicht auf Schulhöfen“ ausgesprochen. Also dafür, Kindern mit Migrationshintergrund in der Pause ihre Muttersprache zu verbieten. Aus meiner Schulzeit weiß ich noch: Das, was man uns verboten hat, war am interessantesten.

Das ist echt noch Verbotspädagogik alter Schule, am besten pflastert man den Hof mit lauter „Man spricht Deutsch!“-Schildern. Und dann stellen die Schulen Unmengen von Sprachlotsen ein, die sich undercover zwischen den Schülern bewegen, um Sprachverbrecher direkt zur Anzeige zu bringen.

Oder man rekrutiert sie direkt aus den Reihen der türkischen und arabischen Schüler, die a) am wenigsten dabei auffallen und b) damit ihre Kopfnoten aufbessern dürfen. Vielleicht lassen sie auch als „Agent Provocateur“ hier und da ein „Inshallah“ oder „merhaba“ fallen, damit sie andere anstecken, an denen dann die wichtigen abschreckenden Exempel statuiert werden können.

Und dann nennen wir das Ganze Integrationsstasi und Frau Böhmer macht die Margot Honecker.

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Lady Gutti

Wenn er Kanzler wird, wird sie die First Lady. Die Guttenbergin läuft sich warm. Erst hat sie ein Buch geschrieben, das heißt „Schaut nicht weg!“ und beschäftigt sich mit Kindesmissbrauch. Ein ehrenwertes Anliegen, das sie aber durch eine besonders blondhafte Horizontverengung untergräbt.

Etwa, wenn sie Lady Gaga und ihren „pornografischen“ Outfits die Schuld gibt für übersexualisierte Kinderseelen. Sie ist Jahrgang 1975. Die erste Hälfte der Siebziger ist an ihr vorbeigingen, da hat sie die Gnade der späten Popmusikgeburt und keinen Schimmer von den Outfits der Glamrocker.

Madonnas Outfits der 90er hätte sie aber schon mitbekommen können. Jetzt sind wir im Jahr 2010 und Madame zu Guttmensch macht sich Sorgen über die dadaistisch angehauchte Frau mit dem Schnitzelkleid. Wenn sie 2013 Kanzlergattin wird, wäre sie spießiger als es Hannelore Kohl je gewesen ist.

Aktuell übt die bessere Hälfte unseres Top-Gun-Verteidigungsministers sich ja im Schlammcatchen und robbt durch den Sündenpfuhl RTLII um dort Kinderschänder zu überführen. In der Sendung „Tatort Internet“ lockt sie zu Thriller-Klängen Pädophile in die Falle, wie es ekliger nicht mehr geht. Doppeleklig quasi.

Gegen die Mopsparade und Dauerbetittung von RTLII ist Lady Gaga ein Einpersonen-Nonnenkloster. Und Stephanie zu Guttenberg hat einen Überblick wie ein Einäugiger im 3D-Kino. Damit kann sie es noch weit bringen.

P.S.: Hab mal auf RTL in die erste Folge reingeschaut. Allein die Hollywoodmusik ist ein Verbrechen. Ansonsten liebe ich Vorstellungen wie: “Stephanie zu Guttenberg – Urenkelin von Otto von Bismarck und Mutter von 2 Kindern”.

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Es ist ein wahrlich schwarzgelbes Wochenende. Zwei Dinge sind festzuhalten, die allein schon ein vollständiges Bild ergeben. Die Pharmaindustrie hat bei der Gesundheitsreform durchgesetzt, dass künftig der zuständige Bundesausschuss neue Medikamente nur noch ablehnen kann, wenn er in der Lage ist, ihre Unwirksamkeit nachzuweisen.

Bisher mussten die Kassen ein Medikament nicht bezahlen, wenn die Wirksamkeit nicht nachgewiesen war. Jetzt ist das praktisch umgekehrt. Die Versicherten zahlen für alle Pillen, deren Unwirksamkeit hinreichend unklar bleibt. Was uns nicht umbringt, kostet.

Und gleichzeitig beschließt man eine lächerliche Erhöhung der Hartz-IV-Bezüge um 5 Euro. Die man sich wahrscheinlich auch noch vor dem Amt in einen Hut werfen lassen muss. Für Kinder gibt es keine Erhöhung. In Worten: Keine! Da wollen sie eher kürzen. Möge ihnen alles “Kinder sind unsere Zukunft”-Gerede oder “Bildung ist der Schlüssel”-Gekreische im Halse steckenbleiben wie die heilige Salzbrezel, die fast einen George Bush von uns genommen hätte.

Ich ahne langsam, warum die Revolution in Deutschland auszubleiben scheint: weil das politische Personal nicht einmal das Format für die Guillotine hat.

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Schulbuße

Eltern von Schulschwänzern sollen Bußgelder zahlen, wenn es nach FDP-Generalsekretär Lindner geht. Das endet dann wie bei den Verkehrsbußgeldern: Kaum einer fährt innerorts 50, aber die Städte und Gemeinden haben ein schönes Zubrot.

Wenn Papa sich die Fluppen nicht mehr leisten kann, dann wächst im Kind natürlich eine wahnsinnig authentische innere Motivation. Damit funktioniert die Bußgeldidee aber nicht beim Besserverdienerkind, es sei denn, das Bußgeld wäre einkommensabhängig und würde einen Ackermann mehrere Millionen kosten.

“Wenn Eltern nicht überfordert, sondern unwillig oder zu bequem sind, muss das Folgen haben”, sagt der Lindner. Als könnte er “unwillig”, “bequem” und “überfordert” immer so einfach auseinanderhalten. Wenn ich unwillig und bequem bin, dann wird das ja schnell zu echter Überforderung.

Und wenn dann dein Kind noch die Schule schwänzt, kannst du schon mal einen Kredit aufnehmen für die Bußgelder, von denen dann am Ende doch nur wieder die Hypo Real Estate gerettet wird. Ich finde ja, Politiker, deren gerettete Banken unwillig, bequem und überfordert sind, sollten ein Bußgeld zahlen. Damit könnte man dann mehr Schulpsychologen finanzieren.

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So langsam muss aber auch mal wieder Schluss sein mit dem verspäteten Sommerloch in Form von Thilo Sarrazin. Der medial dauerpräsente Schnauzer und Hobby-Genforscher verstopft mit seinen Rechenschieber-Thesen derartig die Talkshows, dass man sich fast schon nach der Zeit zurücksehnt, als noch rund um die Uhr mit Guttenberg geredet wurde.

Gestern bei Plasberg blieb Sarrazin wieder so beharrlich unklar eindeutig, dass ich mich gefragt habe, was er wohl sagt, wenn der erste Neonazi mit seinem Buch eine Moschee anfeuert. Wahrscheinlich würde er vorrechnen, dass er daran zu 50-80% unschuldig ist.

Gestern hat man dann erfahren, dass eine seiner größten Ängste ist, dass in hundert Jahren keiner mehr “Wanderers Nachtlied” von Goethe kennt. Gottchen! Mir würde es ja schon langen, wenn in hundert Jahren keiner mehr Sarrazin kennt. So existenziell wichtig für das Zusammenleben der Menschen ist der Geheimrat ja nun auch wieder nicht. Wie ging das gleich noch mal? So, glaube ich:

“Über allen Gipfeln
Krawall,
Und von den Stammtischen
kommt überall
falscher Applaus
Der Sarrazin schweigt viel zu selten
Warte nur, balde
Stirbt auch er aus.”

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