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Archive for the ‘weltweit’ Category

Der Markt regelt alles. Und wer hat ihm das erlaubt, wo er doch bekanntermaßen ein Arschloch ist, mit Aszendent Charaktersau? Wir. Selber schuld. Und da jammern wir, dass es heute keine moralischen Instanzen mehr gibt. Dabei haben wir den Markt diese Welt und unser kollektives Bewusstsein ordentlich aushöhlen lassen.

Heutzutage überlegt doch jeder dahergelaufene Papst, wie er seinen Laden am Markt positioniert und vor der Konkurrenz behauptet. Politiker sind nur noch Meinungs-Trader und handeln mit Ansichten, als wären es Aktien, die allein von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Und selbst die Künstler und Poeten sind seltener auf der Suche nach einer guten Idee, als auf der nach einem guten Sponsor.

Der Markt hat uns zersetzt, wie die Körperfresser im Film, er ist der Hirnfresser Nummer eins. Jedes Mal, bevor wir die Haustür verlassen, schauen wir in den Spiegel, um zu sehen, ob sich der Typ gut verkaufen lässt, den wir da im Angebot haben. Wenn nicht, wird investiert, in Ersatzteile, Silikon oder Fettabsaugung.

Wir investieren in Beziehungen, in unsere Kinder und in die Zukunft. Wir rechnen selbst die Liebe entsprechend der täglichen Wechselkurse um in vermögenswirksame Leistungen und Emotional-Devisen. Der Markt macht uns hässlich. Und das rechnet sich auf die Dauer für ihn.

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Ball 2.0

Wegen der akuten Schiri-Geisterfahrten dieser WM denkt die Fifa jetzt über die Einführung technischer Hilfsmittel nach, was die Torlinie und deren Überschreiten angeht. Zum Beispiel den Chip im Ball. Toll. Dann ist bald das erste Tor ungültig, weil der Ball einen Virus hatte.

Oder das Spiel muss abgebrochen werden, weil der Ball abgestürzt ist. Ganz schlimm auch die Vorstellung, Hacker könnten sich Zugang zum Chip verschaffen. Dann sagt der Schiedsrichter: „Vom Sehen her hätt ich auch gedacht, der wär auf der Tribühne gelandet, aber er war wohl eindeutig drin.“

Und dann kommen die Datenschützer und warnen, dass der Ball speichern könnte, von wem er wann und wie getreten worden ist. Wie wäre es denn einfach mit zwei Torlinienrichtern? Die kosten nicht viel, brauchen keinen Strom und produzieren keine Fehlermeldungen wie „Ihr Ball konnte nicht gelesen werden, bitte kicken sie ihn noch mal ins Tor!“

Warum einfach, wenn es kompliziert geht? Man kann auch Omas einfach über die Straße helfen, oder ihnen Chips einbauen, die dann per Verkehrsleitsystem die Autos um sie herum routen…

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Seit der WM in Südafrika mag ich plötzlich Nationalhymnen. Weil da wenigstens mal für 1 Minute dieses Getröte nachlässt.

Ist schon lustig, wie empfindlich wir da sind und wie festgefahren, was unsere Seh- und Hörgewohnheiten angeht. Man könnte einfach den Fernseher leiser machen und gut. Aber nein, ohne Fangesänge und Gejohle ist es kein Fußball für uns. Wir haben die lauten Geräusche gerne zielgerichtet und aktionsbedingt. Wohingegen der Dauerton eher was kultisches ist, fast ein das Spiel tragendes Mantra. Gut, eine Mischung aus Mantra und Tinnitus.

Ich sag mal so: Grade wir sollten uns nicht über 90 Minuten Vuvuzela aufregen, denn bei uns regiert eine ganz bestimmte Tröte schon seit geschlagenen 5 Jahren – die Angeelameekel!

Es hat halt jeder seinen eigenen Umgang mit der WM. Meine Tante Ursel interessiert sich so wenig für Fußball, wenn da mal ein Autokorso durch die Stadt fährt, sagt sie glatt: „Oh, eine Hochzeit!“. Andere sind so mitgenommen und ergriffen, dass sie zu Hause vorm Beamer das Deutschlandlied mitsingen. Da gebe ich aber zu bedenken: Leute, die beim heimischen WM-Gucken zur Hymne aufstehen, sind wahrscheinlich die selben, die auch beim Pornogucken Viagra nehmen.

Zusammenfassend: Fußball ist immer nervig, ob mit Tröte, oder ohne, sonst wär es ja kein Fußball. Mööööööööööööööööööööööööööööööööh!

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Jetzt ist also WM. Und ich hab mir wieder die drei Sätze zusammengesucht, die ich beim Fußballgucken abwechselnd sage, um wichtig zu klingen. Und eventuell anwesende Fußballfans in den Wahnsinn zu treiben: „Hätte man geben können!“, „Mach ihn rein!“ und, besonders sportfeuilletonistisch, „Da ist aber auch KEINE Idee!“

Das ist ja mit das Schlimmste an diesem Sport, dass Deppen wie ich einfach mitfeiern und mitreden dürfen, wenn sie sich nur was schwarz-rot-gelbes ins Gesicht malen oder genug Bier mitbringen. Ich freu mich auch schon wieder auf die Bilder von Angela Merkel auf der Tribühne, wie sie die Fäustchen reckt und sich freut, mal einer Meinung mit ihrem Volk zu sein.

Bitte nicht vergessen: Die lustige Frau, die da dem Schweini die Wange tätscheln und Podolski in den Hintern kneifen wird (also nur, wenn wir das Finale erreichen, denke ich), die mit Blazern in den Nationalfarben nur so um sich wirbeln und der Mannschaft für ihre „Tatkraft auch und grade in Zeiten großer Herausforderungen“ danken wird, das ist die selbe, die jetzt die Krise den Armen aus den Rippen spart, sich in Europa zur Wurst gemacht und die Bundespräsidentenwahl zur Lachnummer gemacht hat. Bei jeder ordentlichen Party muss es auch einen geben, der doof im Eck steht. Ich schlage vor, die Kanzlerin macht das.

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Jetzt geht er bald wieder los, der große Partyspaßnationalismus. Kurz vor der WM tauchen an den ersten Autos wieder diese Stoffteile auf, die man sonst toten Soldaten auf den Sarg legt, diese, äh, wie heißen die noch mal? Fahnen! Hab ich´s wieder!

Schon die Satelliten-Lena hatte sich ja nach dem Endsieg beim Song Contest die komplette Wirkung ihres kleinen Schwarzen durch das uninspiriert-befangene Rumschleppen einer Fahne ruiniert. Sofort war klar zu sehen: Sexy plus Flagge ist gleich weniger sexy!

Ich freu mich trotzdem auf die WM. Auf diese herrlichen Bilder von erwachsenen Fußballern, die gezwungen werden, öffentlich eine Hymne zu singen. Dieser Singzwang erinnert mich irgendwie immer an Weihnachten. Die eine Hälfte der Spieler flüchtet sich ja in die Pantomime und bewegt nur die Lippen. Wahrscheinlich so, dass Gehörlose instinktiv aufspringen und auf den Fernseher klopfen, weil sie denken, da liegt eine Störung vor. Die andere Hälfte singt wirklich und entgeht dabei den fiesen Richtmikrofonen nicht. Das sind dann so die Momente, in denen Gotthilf Fischer sich eine neue Tablette einwirft.

Apropos: Gestern Nachmittag hat der Nachbarsjunge stundenlang mit einer Höllenmaschine herumexperimentiert, die in unwahrscheinlicher Lautstärke ein wahnsinnig krächzendes „Oléoléoléolé“ von sich gibt. Da er dabei wohl direkt daneben steht, wird er unweigerlich taub und blöd davon. Weswegen er sich bis zum Anpfiff des Wettbewerbs in eine sabbernde Dauerschallkanone verwandelt haben wird. Es wird ein großer Spaß.

Aber eines versprech ich jetzt schon: Ich leih mir das Ding aus und mache einen Ein-Personen-Autokorso, wenn Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt wird.

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„Wir machen den Weg frei – Bundeswehr“, so ähnlich lässt sich zusammenfassen, was der oberste Grüßonkel Hotte Köhler jetzt dem Deutschlandfunk laut ins Mikro gedacht hat:

„Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Weg sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung auch wissen muss, dass im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren“. Heißt: Warnung vor dem schießwütigen Exportweltmeister!

Nach dem Aufschrei der Opposition und dem vernehmlich lauten Schlucken der Union hat Köhler jetzt feststellen lassen, er habe hierbei natürlich nicht von Afghanistan gesprochen. Mit ist das eigentlich egal. Ich finde es verräterisch, wie der Präsident sich darüber freut, dass die „Breite Gesellschaft“ (und damit meint er wohl nicht das Publikum vom Musikantenstadl) langsam auch kapiert, was die politische Elite seit Jahren unausgesprochen praktiziert: Den totalen Wirtschaftskrieg a la „Seit 5:45 wird zurückexportiert! Und wenn euch das nicht passt, ist Polen offen!“

Es ist nun offizielles Herrschaftswissen, dass die Wirtschaft nicht nur die Gesetze macht, sondern auch die Toten. Kein Wunder, dass einer wie Roland Koch endlich da hin will. Wo er noch was bewirken kann. Und dass einer wie Köhler, der von dort her kam und jetzt als Politiker nichts mehr bewirken kann, gefrustet aus dem Nähkästchen plaudert.

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Spekulanten sind die Buhmänner der aktuellen Finanzkrise. Also neben den Politikern, der Europäischen Zentralbank, den Griechen und dem Sirtaki.

Kein Wunder, dass sie sich jetzt auch etwas positive PR generieren, zum Beispiel ein Interview auf www.tagesschau.de, in dem es heißt, das die Finanzmarkt-Zocker eigentlich nur Schwachstellen aufdecken und damit einen wichtigen Beitrag zur Schnürung ernsthafter Rettungspakete leisten. Bald gibt es wahrscheinlich einen Autoaufkleber wie „Ich bremse auch für Spekulanten!“

Herr Dornseifer vom „Bundesverband Alternative Investments“ jedenfalls behauptet, nachdem in mehreren europäischen Haushalten Feuer ausgebrochen seinen, hätten Spekulanten wie Feuermelder auf die Gefahr hingewiesen. Man sollte hinzufügen: Ja, wie Feuermelder, die im Brandfalle als Erstes ihre Kollegen anrufen und sagen: „Ich wette, die Hütte brennt ab!“

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