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Archive for the ‘Sport’ Category

Heute Nachmittag um Drei habe ich mich durch einen unbedachten Knopfdruck in ein Paralleluniversum gebeamt. Denn auf einmal hatte ich auf dem Fernseher das ARD-Bild und den ZDF-Ton. Das heißt: Ich sah das WM-Spiel Niederlande gegen Japan und hatte dazu den Ton der königlichen Hochzeit in Schweden. Fantastisch! Muss man dabei gewesen sein!

Während sich verschwitzte Fußballer über das Grün bolzten, hörte ich ein Kommentatorenpaar mit gedämpfter Stimme freudig-ergriffen moderieren. Im Hintergrund abwechselnd ein jubilierender Kinderchor und die Stille in der Nikolaikirche. Man sieht die ersten Fouls und Freistöße, dazu die Worte: „Das Volk jubelt vor den Großleinwänden, auf deren Aufstellung Victoria bestanden hat!“

Von Bommel läuft durchs Bild: „Hier kommt Königin Beatrix!“ Van de Wiel bekommt Gelb: „Die Kronprinzessin sieht heute fantastisch aus!“ Großaufnahme des japanischen Trainers Okada: „Für einen Bürgerlichen hat Daniel Westling das höfische Winken bereits gut verinnerlicht!“ So schön kann Fußball sein. Endergebnis: 1:0 fürs schwedische Königshaus.

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Och, das ist ja putzig, wie die Blödzeitung sich die Fußball-WM als Konjunkturprogramm schönredet. Je besser die Nationalelf kickt, desto konsumfreudiger seien die Deutschen. Klar, weil wir uns alle neue Fernseher kaufen, wenn Klose seine „inneren Reichsparteitage“ feiert, wie man im ZDF zielgruppengenau Freude zu umschreiben pflegt.

Mit Sportartikeln, Sammelbildchen, Bier und Cola werden wir hier ein Wachstum generieren, das sich nur so gewaschen hat. Allein, wenn man an die Zuwachsraten im trötenproduzierenden Gewerbe denkt, muss man feststellen: Kommt, lasst den Hoteliers ihre Mehrwertsteuer, der Klose schießt uns aus dem Haushaltloch!

Wir malen uns jetzt einfach so viel schwarz-rot-goldene Farbe ins Gesicht, bis er kommt, der Aufschwung. Und dann lassen wir uns durch den Cacau ziehen, nach vorne natürlich!

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Seit der WM in Südafrika mag ich plötzlich Nationalhymnen. Weil da wenigstens mal für 1 Minute dieses Getröte nachlässt.

Ist schon lustig, wie empfindlich wir da sind und wie festgefahren, was unsere Seh- und Hörgewohnheiten angeht. Man könnte einfach den Fernseher leiser machen und gut. Aber nein, ohne Fangesänge und Gejohle ist es kein Fußball für uns. Wir haben die lauten Geräusche gerne zielgerichtet und aktionsbedingt. Wohingegen der Dauerton eher was kultisches ist, fast ein das Spiel tragendes Mantra. Gut, eine Mischung aus Mantra und Tinnitus.

Ich sag mal so: Grade wir sollten uns nicht über 90 Minuten Vuvuzela aufregen, denn bei uns regiert eine ganz bestimmte Tröte schon seit geschlagenen 5 Jahren – die Angeelameekel!

Es hat halt jeder seinen eigenen Umgang mit der WM. Meine Tante Ursel interessiert sich so wenig für Fußball, wenn da mal ein Autokorso durch die Stadt fährt, sagt sie glatt: „Oh, eine Hochzeit!“. Andere sind so mitgenommen und ergriffen, dass sie zu Hause vorm Beamer das Deutschlandlied mitsingen. Da gebe ich aber zu bedenken: Leute, die beim heimischen WM-Gucken zur Hymne aufstehen, sind wahrscheinlich die selben, die auch beim Pornogucken Viagra nehmen.

Zusammenfassend: Fußball ist immer nervig, ob mit Tröte, oder ohne, sonst wär es ja kein Fußball. Mööööööööööööööööööööööööööööööööh!

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Jetzt ist also WM. Und ich hab mir wieder die drei Sätze zusammengesucht, die ich beim Fußballgucken abwechselnd sage, um wichtig zu klingen. Und eventuell anwesende Fußballfans in den Wahnsinn zu treiben: „Hätte man geben können!“, „Mach ihn rein!“ und, besonders sportfeuilletonistisch, „Da ist aber auch KEINE Idee!“

Das ist ja mit das Schlimmste an diesem Sport, dass Deppen wie ich einfach mitfeiern und mitreden dürfen, wenn sie sich nur was schwarz-rot-gelbes ins Gesicht malen oder genug Bier mitbringen. Ich freu mich auch schon wieder auf die Bilder von Angela Merkel auf der Tribühne, wie sie die Fäustchen reckt und sich freut, mal einer Meinung mit ihrem Volk zu sein.

Bitte nicht vergessen: Die lustige Frau, die da dem Schweini die Wange tätscheln und Podolski in den Hintern kneifen wird (also nur, wenn wir das Finale erreichen, denke ich), die mit Blazern in den Nationalfarben nur so um sich wirbeln und der Mannschaft für ihre „Tatkraft auch und grade in Zeiten großer Herausforderungen“ danken wird, das ist die selbe, die jetzt die Krise den Armen aus den Rippen spart, sich in Europa zur Wurst gemacht und die Bundespräsidentenwahl zur Lachnummer gemacht hat. Bei jeder ordentlichen Party muss es auch einen geben, der doof im Eck steht. Ich schlage vor, die Kanzlerin macht das.

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Jetzt geht er bald wieder los, der große Partyspaßnationalismus. Kurz vor der WM tauchen an den ersten Autos wieder diese Stoffteile auf, die man sonst toten Soldaten auf den Sarg legt, diese, äh, wie heißen die noch mal? Fahnen! Hab ich´s wieder!

Schon die Satelliten-Lena hatte sich ja nach dem Endsieg beim Song Contest die komplette Wirkung ihres kleinen Schwarzen durch das uninspiriert-befangene Rumschleppen einer Fahne ruiniert. Sofort war klar zu sehen: Sexy plus Flagge ist gleich weniger sexy!

Ich freu mich trotzdem auf die WM. Auf diese herrlichen Bilder von erwachsenen Fußballern, die gezwungen werden, öffentlich eine Hymne zu singen. Dieser Singzwang erinnert mich irgendwie immer an Weihnachten. Die eine Hälfte der Spieler flüchtet sich ja in die Pantomime und bewegt nur die Lippen. Wahrscheinlich so, dass Gehörlose instinktiv aufspringen und auf den Fernseher klopfen, weil sie denken, da liegt eine Störung vor. Die andere Hälfte singt wirklich und entgeht dabei den fiesen Richtmikrofonen nicht. Das sind dann so die Momente, in denen Gotthilf Fischer sich eine neue Tablette einwirft.

Apropos: Gestern Nachmittag hat der Nachbarsjunge stundenlang mit einer Höllenmaschine herumexperimentiert, die in unwahrscheinlicher Lautstärke ein wahnsinnig krächzendes „Oléoléoléolé“ von sich gibt. Da er dabei wohl direkt daneben steht, wird er unweigerlich taub und blöd davon. Weswegen er sich bis zum Anpfiff des Wettbewerbs in eine sabbernde Dauerschallkanone verwandelt haben wird. Es wird ein großer Spaß.

Aber eines versprech ich jetzt schon: Ich leih mir das Ding aus und mache einen Ein-Personen-Autokorso, wenn Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt wird.

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Der Fußball-Nationalmannschaft scheint es schlechter zu gehen, als ich Laie bisher geahnt hatte. Denn jetzt war doch tatsächlich Reinhold Messner im Trainingscamp für ein Motivation-Referat zu Gast.

Warum Messner? Weil er sich mit verdammt dünner Luft auskennt? Weil er den Yeti gesehen hat oder weil der Berg ruft? Spieler Holger Badstuber zum Vortrag des Exkletterers: „Es war schon ein bisschen nachvollziehbar“. Da hätte ich ja mehr Verständnis erwartet, wo Messners Bücher so Titel tragen wie „Leben am Limit“, „Die Wüste in mir“ oder vor allem „Arena der Einsamkeit“.

Eines der ersten Zitate, dass ich von diesem Motivator gefunden habe, lautete denn auch: „Das Fast-Sterben und dann überlebt haben ist das Stärkste, was wir spüren können“. Da wird es für die Verletzungs-gebeutelte Mannschaft noch einiges zu spüren geben…

Bin schon gespannt, welche Promis als nächstes im Trinaingscamp vorbeischauen. Vielleicht Detlef D! Soost auf ein herzliches „Pampampam!“ oder Steffi Graf mit einer großen Schüssel Barilla-Nudeln.

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Seit Tiger Woods offiziell an Sexsucht leidet, melden sich immer mehr Menschen in Klinken in den USA und Großbritannien und fragen: Kann ich das auch haben?

Mediziner sprechen von einer Modediagnose. Was ist Sexsucht? Ein derartig gesteigerter Fortpflanzungsdrang, dass er die Betroffenen von ihrem normalen Alltag abhält. Aber seit wann haben Golfprofis einen normalen Alltag? Sexsüchtige sind unter Umständen einfach das, was man früher peinlich dauergeile Böcke genannt hätte. Nur mit dem Unterschied, dass jetzt die Krankenkasse zahlt.

Das wird wahrscheinlich der Anmachspruch des Jahres 2010: „Hallo schöne Frau, würden sie mir helfen, rauszufinden, ob ich meine Sexsucht wirklich austherapiert habe?“ Bei Tiger Woods kann man da nicht so sicher sein, er hat jetzt übers Einputten bei seinem ersten Golfturnier nach dem Skandal gesagt: „Ich hab ihn rein gemacht und es hat sich einfach gut angefühlt!“

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Es ist eine interessante Frage, ob wegen des Zölibats junge Männer, die in ihrer Sexualität unsicher nicht sehr gefestigt sind, ganz gezielt – Schiedsrichter werden.

Ob Fußball, Klosterschule oder Reformschule, alle triebgesteuert und verantwortungslos. Gut, beim Fußball geht es um die dem Spiel zugrunde liegende verdrängte Homosexualität. Dieser Sport ist ja nichts anderes als die einzige gesellschaftlich ganzjährig tolerierte Form von Männerballett und frauenunabhängiger Hochemotionalität.

Bei den Schulskandalen ist das Erschreckende, dass hier grade die Rede von Fällen ist, die mindestens 25 Jahre her sind. Ist das die Halbwertszeit von Scham, die erst dann halbwegs erträglich wird? Wen wundert es, dass kiffenden Freigeistpädagogen und weihrauchinhalierenden Kuttenträgern die Moral in die Hose rutscht? Und schon nach 25 Jahren denkt die Gesellschaft ernsthaft drüber nach, Konsequenzen zu ziehen, das sind Reaktionszeiten wie der Bremsweg eines Ozeandampfers.

Bleibt nur zu hoffen, dass in den letzten Jahren die Dunkelziffer solcher Fälle abgenommen hat, weil a) das Thema in den Medien immer präsenter wurde und b) die Täter mehr Fußball gespielt haben.

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Ich frage mich ja wirklich, ob es korrekt ist, Leute, die bei Unwetter draußen joggen und von einem umfallenden Baum erschlagen werden, offiziell zu den „Orkan-Toten“ zu zählen, oder ob sie nicht eher auf die Liste der Darwin Awards gehören. Mich erinnert das immer an meinen alten Sportlehrer, der auf den Satz „Die alte Eiche vorm Bahnhof hat der Blitz gefällt“ mit „Ich weiß, da bin ich in dem Moment dran vorbei gelaufen“ geantwortet hat.

Ich frage mich ebenfalls, ob ein Film wie Pocahontas-3D Avatar, der das Hohelied auf die einfache Natur singt, aber dabei den technischen Aufwand betreibt, wie man ihn in einer kompletten Staffel Militärjets im Einsatz hat, nicht wie ein Alkoholiker ist, der Werbung für Milch macht. Und dabei noch stolz darauf ist, wie eindrucksvoll seine Schnapsfahne in den Raum ragt.

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Es klingt wie eine Mischung aus den Filmen „Speed“ und „Final Destination“: Die Olympia-Bob-Bahn ist so schnell und gnadenlos, dass es schon ein Todesopfer gegeben hat. Dennoch untersagt der Weltverband FIBT seinen Sportlern jegliche Kritik am Bob-Baumeister und seinen gefährlich scharfen Kurven. Die ersten Profis steigen aus und sagen: „Rutscht mir dich den Buckel runter!“

Und jetzt kommen die Frauen. Die eh nicht fahren können. Bei denen viel zu viele unerfahrene Athletinnen antreten. Die einen sind bei einer TV-Casting-Show zum Bobfahren gekommen, die anderen haben sich per Gerichtsurteil ins Starterfeld geklagt, weil jeder Kontinent vertreten sein darf. Das ist ein bisschen so, als hätte man dem legendären „Eddy the Eagle“ Bleigewichte ans Schienbein getackert, ihn auf die Zugspitze gestellt und dann gesagt: Jetzt spring!

Aber was soll´s: The Show must go on und das Streusalz ist eh knapp. Die Welt sitzt wie gebannt vor ihren HD-Bildschirmen und wartet darauf, dass sich die Bobs hochauflösend um die Pfosten wickeln. Das, mein lieber Außenminister, ist auch eine Form von spätrömischer Dekadenz. Ich schlage vor: Daumendrücken und wegschauen.

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