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Archive for the ‘Schwarzgelb’ Category

„Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen“, sagt Mephisto über den lieben Gott. Und ich aber manchmal über Gerhard Schröder.

Ist schon ein skurriles Schauspiel, zu sehen, wie er so aus seiner Gazprom-Versenkung rausgespringteufelt kommt, um in einer unerwarteten Verlängerung der legendären Elefantenrunde die Merkel anzupflaumen. Jetzt hat er ihren Aufschwung für sich reklamiert. Von wegen „meine Agenda“ und so.

Fast hätte er sich bei ihr noch ´ne Flasche Bier bestellt. Gemein, das. Grad, wo sie umfragetechnisch am Asphalt kratzt, kommt der alte Zirkusgerd und macht noch mal auf dicke Sozeneier. Und plötzlich ist wieder ein Hauch Testosteron und Rock´n Roll in der Politik – nach dem ganzen Pragmatiker-Koma und Gel-Adel-Hype.

Vielleicht kann er sich noch hochpöbeln bis zu einer Art Keith Richards der Berliner Republik. Oder er legt ein bisschen Make-Up auf und torkelt ab und zu aus Richtung Russland so Jack-Sparrow-mäßig in die Debatte. Aye!

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Frage dich nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern, was du für ihn rauchen kannst. Eigentlich sollte der Ökosteuer-Rabatt für stark energiefressende Unternehmen deutlich gekürzt werden. Das wird er jetzt nicht. Das fehlende Geld holt der Staat sich von den Rauchern, denen man dafür die Tabaksteuer erhöht.

Das heißt: Raucher rauchen für die Ökosteuer, die ihrerseits dazu dient, die Sozialversicherungs-Beiträge gering zu halten, wahrscheinlich damit die Raucher sich vom „mehr Netto vom Brutto“ auch genug Kippen leisten können. Raucher sind eigentlich die Schlüsselfiguren unserer Volkswirtschaft.

Erst hat man sie süchtig gemacht, dann auf die Straße verbannt und jetzt laufen sie im Hamsterrad aus Steuern und Nikotin, um hier das Perpetuum mobile in Gang zu halten. Die Hersteller von Nikotinpflastern sind der Staatsfeind Nummer eins. Und wir leben im Marlborough Country. Hier sollten überall Denkmäler stehen für „den unbekannten Raucher“, der sein Leben gegeben hat im Kampf für den Boom.

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Roland Koch hat ein Buch geschrieben, es trägt den Titel „Konservativ“. Was ungefähr so überraschend ist, wie wenn Lady Gaga eines geschrieben hätte, das „Plemplem“ hieße.

Dennoch enthält es Sätze, die man nicht automatisch von ihm erwarten würde, etwa diesen: „Die Konservativen leben noch. Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum.“ Klingt ein bisschen wie Zombies mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Konservatismus neigt also aktuell zu latenter Sinnlosigkeit und erschöpft sich im unmotivierten Bewahren von irgendwas. Klingt wie Briefmarkensammeln ohne eine Frau zu kennen, der man die Sammlung zeigen wollte. Das ist ernst.

Die Konservativen müssen „eindeutiger und verständlicher, aber auch einfühlsamer und zukunftsgewandter“ werden, so Koch. Wir alle würden ihm gerne dabei zuschauen.

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Der Bahnchef Grube findet, es gäbe kein Recht, gegen einen parlamentarisch beschlossenen Bahnhof zu protestieren. Da muss also nur ein Bahnhofsermächtigungsgesetz abgenickt werden und schon ist jeder Widerstand so sinnlos und illegal wie die „Weiße Rose“ oder der die „Operation Walküre“?

Jetzt ist die Bahn also nicht nur unpünktlich und unklimatisiert, sondern auch noch diktaturnah. Gut, das war sie ja vor 60 Jahren schon. Eigentlich müsste man sie boykottieren. Da biste aber echt im Dilemma: Rette ich die Zivilcourage oder die Umwelt?

Der baden-württembergische Innenminister schimpft auf die Demonstranten, die sich aggressiv in die Wasserwerfer geworfen hätten. Fast meint man, er spielt Bürgerkrieg, nach dem Motto: „Seit Donnerstag 12:48 wird zurückgeknüppelt!“ Der Mann ist immer gut für vorschnelle Legendenbildung, schon nach dem Winnenden-Amoklauf hatte er einen angeblichen Bekennerbrief aus dem Internet gefischt, für den er sich später entschuldigen musste. Und diesmal eben Pflastersteine, die sich später als Kastanien entpuppt haben.

Ich lang mir ja zu Zeit auch regelmäßig an den Kopf bei Leuten, die sagen: „Wer seine Kinder mit auf ne Demo nimmt, muss sich nicht wundern, wenn sie auf die Fresse kriegen!“ Ja. Ist aber kein Grund, mit Wasserwerfern drauf zu halten. Ich überfahr ja auch keine Kinder, nur weil sie bei Rot über die Ampel gehen. Ich überfahr ja nicht mal Kinder, die von ihrer Mutter bei Rot über die Ampel geschubst werden. Die Mütter übrigens auch nicht. Das ist eine Stilfrage. Es gibt Formen von Rechthaberei, da siehst du nicht mehr wie ein Sieger aus, sondern nur noch wie ein Arschloch.

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In Stuttgart stehen sich jetzt zwei Lager gegenüber, die sich gegenseitig nicht ernst genommen haben, bevor es zu spät war.

Die protestierenden Bürger hätten nie gedacht, dass sie mal vom Freund und Helfer einen Knüppel ins Gesicht bekommen könnten. Das ist doch bisher nur den Krawallanarchisten in Gorleben passiert. „Wir sind brave Leute, wenn wir unsere Kinder an der Hand haben, fällt doch keiner einen Baum“ – der Gedanke ist nicht aufgegangen.

Und der Gegenseite war nicht klar, dass die Bürger Ernst machen könnte mit dem zivilen Ungehorsam. Jetzt sind die da, die hässlichen Bilder von blutigen Gesichtern und ramponierten Rentnern. Jetzt sind sich Staat und Volk endgültig suspekt.

Das „Demo und Kehrwoche“-Kombiticket hat sich als Illusion erwiesen. Es gibt Barrikaden, die kann man nicht stürmen, um hinterher wieder sauber durchzufegen. Stuttgart ist beschmutzt durch die Spuren einer Entfremdung, die jetzt wie Popcorn aufgeplatzt ist, aber schon lange im Dampfkochtopf war.

Es geht nicht um einen Bahnhof. Es geht darum, dass Politik ihre Bürger nicht mitgenommen hat. Auf der Straße hat stehen lassen. In Stuttgart ist der Zug abgefahren, vielleicht kommt er mit Verspätung wenigstens passend zur Wahl an.

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Im Finanzministerium kursierte schon 2008 eine Neuberechnung des Arbeitslosengeldes auf 364 Euro. Jetzt hat das Arbeitsministerium noch mal ganz wertneutral und eigenständig den „Bedarf“ ermitteln lassen. Und was kam raus? Genau dieselbe Summe. Diese Berechnung war offensichtlich so ergebnisoffen wie ein Playboy, der sagt: „Das Alter einer Frau ist mir egal, Hauptsache, sie ist unter 25“.

Eine ganz besondere Amtsschimmelwieherei ist es ja, wie das Ministerium Wasser zu Wein macht, äh, Bier gegen Wasser aufrechnet:

„Alkohol stellt ein gesundheitsgefährdendes Genussgift dar. Daher wird Alkoholkonsum nicht mehr als regelbedarfsrelevant berücksichtigt. Wird auf Alkohol verzichtet, muss die damit verbundene Flüssigkeitsmenge allerdings zumindest zum Teil durch alkoholfreie Getränke ersetzt werden. Daher wird statt der Ausgaben für Alkohol ein zusätzlicher Betrag für alkoholfreie Getränke anerkannt.

Dieser Betrag berechnet sich folgendermaßen: Es wurden für Einpersonenhaushalte der Referenzgruppe im Jahr 2008 durchschnittliche Verbrauchsausgaben von 8,11 € für alkoholische Getränke ermittelt. Davon entfielen rechnerisch 11,35 % für Spirituosen, die nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht dem Zweck der Flüssigkeitsaufnahme dienen.

Es verbleiben dann von den 8,11 € noch 7,19 € für alkoholische Getränke, die durch alkoholfreie Getränke zu substituieren sind. Es gibt für die Umrechnungen des Preises alkoholischer in alkoholfreie Flüssigkeitsmengen keine Vorgaben, so dass hier eine Plausibilitätsrechnung erforderlich ist.

Für 7,19 € lassen sich etwa 12 Liter preiswertes Bier kaufen. Ausgehend von 12 Litern Flüssigkeitsbedarf ergibt sich das maximal durch alkoholfreie Getränke zu substituierende Flüssigkeitsvolumen.

Da die Flüssigkeitsmenge mit einem preisgünstigen Getränk berechnet wurde, ist es angemessen, auch die alkoholfreien Getränke mit dem niedrigpreisigen Mineralwasser anzusetzen. Für die anzusetzenden 12 Liter Mineralwasser wurde ein Betrag von 2,99 € eingesetzt, für den Supermärkte flächendeckend eine entsprechende Menge Mineralwasser anbieten.

Legt man die Preise der preisgünstigen Discounter für 1,5 Liter Mineralwasserflaschen zugrunde, ergibt sich für 12 Liter Mineralwasser sogar nur ein Preis von 1,52 €. Bei den als regelbedarfsrelevant berücksichtigten 2,99 € ist also bei preisbewusstem Einkauf durchaus Spielraum für Saft oder andere alkoholfreie Getränke.“

Einfach gesagt: Der Wenigverdiener kauft sich im Monat durchschnittlich für 8,11 € Alkohol. Davon dienen nur 88,65% dem Durstlöschen. Das entspricht 12 Litern preiswerten Bieres. Wenn man diese 12 Liter in Form von billigem Mineralwasser trinkt, kostet das durchschnittlich 2,99 €. Die werden also angerechnet. Wer besonders billig einkauft, kriegt die 12 Liter sogar mancherorts für 1,52 und hätte dann sogar noch 1,47 € übrig für einen genussgiftbasierten Vollrausch. Ich gehe mal davon aus, dass die Referenten des Bundesarbeitsministeriums wesentlich mehr übrig haben.

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Die am beharrlichsten verbreitete Lüge zu den neuen Hartz-IV-Sätzen ist ja die, sie seien jetzt erstmals daran orientiert, was Bedürftige tatsächlich brauchten. Weil das buddhistische Standesamt (alter Scherz meiner Mutter, aber immer wieder schön) ganz wertneutral erhebt, für was die unteren 15% der Lohnbezieher, also die mit geringem Einkommen, ihr Geld ausgeben.

Das ist also nicht der Warenkorb, den man braucht, sondern der Warenkorb, den Niedriglöhne grade noch zulassen, der KiK-Warenkorb, der Ausbeuterwarenkorb, der Warenkorb des sozialen Grauens. Der hat Löcher und keinen Griff, ist quasi die Obstkiste unter den Warenkörben, nur mit weniger Obst.

Klingt zu abstrakt? Kein Problem: Das ist, wie wenn die gesetzlich vorgeschriebene Dauer des Beischlafs abgeleitet würde von den 15% der Bundesbürger, die besonders schlechten Sex haben. Bedürfnisbefriedigung sieht anders aus. Da wär der Deutsche schneller ausgestorben als das Verfassungsgericht „Moment mal!“ sagen kann.

Die Kanzlerin freut sich über ihren „Herbst der Entscheidungen“, weil sie endlich umsetzen kann, für was sie sich gewählt fühlt: „Was wir wollten, konnte jeder schon in unserem Wahlprogramm lesen.“ Erst lesen, dann wählen – würde der Ypser sagen.

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