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Archive for the ‘Musik’ Category

Ich bin im Internet über geheime Hartz-V-Pläne gestolpert. Das Ganze läuft wohl unter dem Motto „fordern und foltern“. Schon im Februar gab es eine erste Testphase am besonders hartnäckigen Klienten Arno Dübel (54), den die Bildzeitung „Deutschlands faulsten Arbeitslosen“ genannt hat. Diesem mental mit seinem Sofa eins gewordenen, tragischdoof schwervermittelbaren Sündenbock hat man doch tatsächlich die Jacob Sisters auf den Hals gehetzt.

„Wenn er singt, werden die Menschen ihn lieben, wir zeigen ihm, wie er den Ton hält!“, so das Statement des pudelschwingenden Frohsinnskampfgeschwaders. Im Schlepptau hatte es einen Musikproduzenten, der ernsthaft zu bedenken gab: „Herr Dübel sollte einfach erkennen, dass er hier die große Möglichkeit hat, der Allgemeinheit nicht mehr weiter zur Last zu fallen“. Finanziell vielleicht nicht, aber doch akustisch! Da zahl ich lieber für ihn, als meine Ohren hinzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich: Wie arbeitslos wären eigentlich die Jacob Sisters, wenn man sie nicht mühevoll auf Platte pressen würde? Und wieso soll Arno Dübel singen, werden solche Leute nicht vom Jobcenter aus direkt in den Big Brother Container reingecastet? Vermutlich sind diese Hartz-V-Pläne der verzweifelte Versuch der Musikindustrie, auf dem Rücken noch Schwächerer zu überleben.

Arno Dübel hat übrigens nicht gesungen. Ihm war das alles zu anstrengend. Dafür danke ich ihm. Den Jacob Sisters zu entkommen ist eine Leistung. Darauf kann man aufbauen.

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Ja, ich bin Karnevalsflüchter. Erst am Aschermittwoch fängt für mich der Spaß wieder an. Gestern Abend hab ich einmal aus Versehen 3 Minuten durchs TV-Programm gezappt, schon war mein Verstand von gefühlten roten Pusteln übersät, akute Pappnasenallergie.

Erst reißt ein alter Mann einen alten Witz über seine Alte, dann kommt ein Tusch, ich zappe. Dann steht da Guido Cantz, ein vermeintlich nicht ganz so alter Mann, und reißt einen noch älteren Witz über seine Alte, Tusch, der Saal bricht unkontrolliert in einen kölschen Karnevalsschlager aus, Humorinkontinenz nach Noten. Ich zappe.

Margit Sponheimer, die unkaputtbare Zsa Zsa Gabor der Määänzer Fassenacht, moderiert irgendwas, was darauf hindeutet, dass gleich ein uralter Mann einen Fossilwitz über seine mumifizierte Gattin reißen könnte. Ich zappe. Da! Eine historische Aufnahme. Heinz Schenk, immerhin in Schwarz-Weiß. Alte Witze in Schwarz-Weiß sind charmant. Mensch, der hat ja schon in den Sechzigern gesprochen, als trüge er ein tschechisches Billiggebiss. Immerhin gereimt. Der Mann hat alles gereimt, was geht. Was nie von Heinz Schenk auf den Lippen getragen wurde, kann kein echter Reim sein.

Die Bütt ist eine Zeitmaschine. Wer immer sie betritt, kippt rückwärts aus der Gegenwart und landet in der Ursuppe des ältesten gemeinsamen Witznenners. Wer hat eigentlich diese Tuschs erfunden? Diese akustische Blindenschrift für alle, die den Witz nicht kommen sehen, diese Spaßbefehlsfanfare, mit der in Guantanamo wahrscheinlich gefoltert wurde? Ach, ich sollte mich nicht aufregen, ich habe goldene Zeiten vor mir: Ab übermorgen gibt es Berliner!!!

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Die Resozialisierung geht gut voran, nach Sido ist jetzt auch Bushido in der Grauzone der Schwiegersohntauglichkeit angekommen. Groß geworden als frauen- und schwulenfeindlicher Ghettogangsterrapper, sagt er heute: „Ich will ein Imperium werden, IKEA ist mein Vorbild“. Früher Aggro Berlin, heute Softie Leksvik. In der Politik nennt man das einen Wendehals, in der Musikbranche eine Karriere.

Jetzt ist seine Story sogar schon ein Stück deutsches Kino, auch wenn er sich im Film noch selbst spielen muss und nicht von Bruno Ganz verkörpert wird. Heute besitzt er einen weißen Luxus-Mercedes, spielt mit Hannelore Elsner und darf mit Bernd Eichinger und Familie in den Urlaub fahren. Läuterung als Farce. Demnächst moderiert er wahrscheinlich auch noch den Musikantenstadl. Da kann er dann auch wieder frauen- und schwulenfeindlich sein.

Jürgen Rüttgers wartet ebenfalls schon sehnsüchtig auf die Verfilmung seiner Wandlung vom Aggro Nordrhein-Westfalen zum Barbapappa Berlin. Früher war er gefürchtet als Inder-Disser und Hardcore-Katholik, heute trainiert er für Germanys next Superkanzler und Grünenkuschler.

Ein Stoff wie gemacht für Bernd Eichinger, da steigt dann vielleicht sogar der Ganz wieder mit ein. Ein Maulheld, der sein soziales Gewissen entdeckt und sich dann als gesamtgesellschaftliches Billy-Regal unentbehrlich macht. „Wer will, dass in Berlin vernünftig regiert wird, der muss Rüttgers wählen“, sagt er zurzeit regelmäßig. Merkelfeindlich ist er also auch noch. Krass.

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Die Sonne lacht, mein Herz geht auf: Es lösen sich die Scorpions auf!

Vielleicht hat das ja auch mit Westerwelles neustem Aussteigerprogramm zu tun. Viele hätten sich nicht aus fanatischer Überzeugung der Band angeschlossen, so der Außenminister zur „Bild am Sonntag“, sondern aus wirtschaftlicher Not. Ihnen könne er eine wirtschaftliche und soziale Perspektive bieten.

Er wolle diejenigen, die bereit sind, dem Hardrock abzuschwören, mit materiellen Anreizen zur Aufgabe des elektrischen Klampfens bewegen. Dabei seien allerdings „zwei rote Linien“ zu beachten: Aussteiger müssten sich von jeder Zusammenarbeit mit Klaus Meine lossagen und nie wieder Gebrauch von jeglichem (gegen alle Genfer Konventionen verstoßenden) „Wind of change“-Gepfeife machen.

Es werde einen völlig neuen Ansatz zur Wiedereingliederung gealterter Hardrocker geben, so Westerwelle. Politiker aus der Union und von den Grünen warnten allerdings davor, den Musikterroristen zu viele Zugeständnisse zu machen.

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Weil die Leute so allmählich den Spaß an der Schweinegrippenhysterie verlieren, liest man zur Zeit überall, dass die Gefahr keineswegs gebannt ist. „Schweinegrippe: Zweite Welle droht“, lautet eine Überschrift in der Süddeutschen. Im Artikel wird dann eine Gesundheits-Staatssekretärin zitiert, die feststellt: „Wir schließen nicht aus, dass es eine zweite Welle gibt“.

Na das klingt aber gefährlich. Ich würde auch nicht ausschließen, dass Deutschland der nächste Fußballweltmeister wird, oder Johannes Heesters (Glückwunsch nachträglich!) 130. Man kann nicht mal ausschließen, dass der Mond aus Käse ist, solange man da nicht wirklich tief gebohrt hat.

In der Berichterstattung über die Folgen des Kundus-Bombardements heißt es derzeit immer, dass der verantwortliche Oberst Klein unter der Diskussion leide. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands sagt: „Es wird nicht verstanden, wie es Oberst Klein gehen muss. Das kann sich doch jeder ausmalen, dass er grade einen besonderen Leidensweg durchläuft – insbesondere was die Familie angeht“.

Stopp, Herr Vorsitzender. Er hat über hundert Opfer auf dem Gewissen. Die haben auch Familien. Der Angriff war seine Entscheidung, er ist Soldat, Soldaten sind Totmacher. Das ist seine Verantwortung, die nimmt ihm keiner ab. Auch nicht in der Vorweihnachtszeit. Er hätte ja auch Schalterbeamter werden können. Oder Zivi. „Leidensweg“ klingt da eindeutig eine Spur zu sehr nach Passionsfestspielen. Was man sagen kann ist: Augen auf bei der Berufswahl.

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Pappa ante Mediamarkt

Der Papst will noch rechtzeitig vorm Weihnachtsgeschäft eine CD veröffentlichen, eine Mischung aus Originalaufnahmen seiner Reden und Musik. Hat sein Vorgänger auch schon mal gemacht, das Werk hieß „Abba Pater“ und befindet sich in meinem Plattengiftschränkchen.

Ein übermäßiger Hit ist es damals nicht geworden, auch wenn man sich vom „Abba“ im Titel vielleicht mehr Umsätze erwartet hätte. Das Problem ist einfach, dass die Plattenläden nicht wissen, in welche Abteilung sie so was einsortieren sollen, ist es „Weltmusik“, „Soul“ oder „Folklore“?

Die Scheibe von Benedikt dem XVI (als Bandname würd ich ja einen Songtitel von Elton John vorschlagen: „Benny and the Jets“) soll „Alma Mater“ heißen. Da steckt „Mutter“ drin, wie beim Abba-Musical, das ja „Mamma Mia“ hieß – passt schon!

Das Problem ist nur die Sache mit dem Index. Denn dieser Tage ist ja die neue Platte von Rammstein im Auftrag des Familienministerium indiziert worden, „weil in den Texten zu ungeschütztem Sex aufgerufen“ werde. Hoffentlich hat man für die Papst-CD auf Redefragmente zum Thema Kondome verzichtet.

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Das schleswig-holsteinische „Landesministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren“ ist natürlich auch zuständig für Motörhead, Anthrax und In Extremo. Weil die beim Open-Air in Wacken auftreten und man sich Sorgen macht, ob die rockenden Zuschauer einer Pandemie standhalten können.

Die offiziellen Tipps besagen, man solle „enge Begrüßungsrituale vermeiden und Bierflaschen nicht kreisen lassen.“ Kuscheln und Flaschendrehen, so stellt man sich im Ministerium also Heavy-Metal vor.

Was ich so gehört habe, müsste man eigentlich eher die Fans in der ersten Reihe bitten, nicht mehr in Kanister zu urinieren, um sie dann nach hinten wegzuwerfen. Das wird ein Fest: 75000 Virusgrippezombies ziehen headbangend durchs Wackener Umland, „Thriller“ war ein Dreck dagegen! Haut rein!

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