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Archive for the ‘Krieg’ Category

Laut geheimen Papieren plant der Verteidigungsminister mittelfristig eine Verkürzung des Wehrdienstes auf 24 Stunden. Er verspricht sich davon eine „attraktivere Dienstzeit ohne jedwede Bummelei“. Die internen Strategie-Konzepte orientieren sich dabei in groben Zügen am Modell des McDonalds-Kindergeburtstags. Nach einer fünfminütigen Begrüßung mit Anbrüllen und Fackelzug soll dann die halbstündige „Einweisung GNRFL“ erfolgen, letzteres Kürzel steht für „Gewehr nicht runter fallen lassen“.

Nach 2 Stunden Schlammcatchen folgt ein Block mehrstündiger Demütigungsrituale mit Alkohol, Fäkalien und abwegigen sexuellen Dienstleistungen. Dann werden Rekruten für die Friedensmission in Afghanistan ausgelost, die anschließend noch einen guten halben Tag Zeit haben, in Kundus in einen Hinterhalt zu geraten.

In den letzten Minuten der Dienstzeit bügeln die Soldaten ihre Uniform auf, legen sie korrekt zusammen und fegen den Spind aus. Die Dauer des Zivildienstes verkürzt sich aus Gründen der Wehrgerechtigkeit auf 36 Stunden, in denen die Dienstleisten Inkontinenzwindeln mit dem Fön trocknen.

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Es ist immer schwierig, zu entscheiden, was wichtig ist und was unwichtig. Heute zum Beispiel: die Panzer oder die Brille?

Deutschland hat in den letzten fünf Jahren seine Rüstungsexporte verdoppelt und ist jetzt drittstärkster Leutetotmachzubehörhersteller der Welt. Gäbe es zu viel Frieden auf der Welt, wären jede Menge Arbeitsplatze bei uns bedroht. Gottseidank tendiert der Mensch zum Sichdiefresseeinschlagen und wir sind wieder Exportmeister der EU.

Frank-Walter Sparbier Steinmeier hat ne neue Brille, nicht mehr randlos wie im Wahlkampf, sondern mehr so nach dem Motto: Gebt mir so viel Rand, wie ihr habt! Im letzten Herbst hatte man noch versucht, ihn möglichst ungebremst aus dem Glas herausmenscheln zu lassen. Jetzt gibt er sich kantig, mit latenter Aktenvernichteraura. Das ist keine Brille, das ist ein professionelles Sehgerät, quasi die Flex unter den Guckgestellen.

Wenn ein Mann so aufrüstet, dann will er damit etwas sagen: „Der Spaß ist vorbei, ab jetzt wird genau hingeguckt, egal, wie es ausschaut!“ Vielleicht ist es auch nur der verzweifelte Versuch, mehr Profil ins Gesicht zu bekommen. Solche Äußerlichkeiten sind bei Politikern nicht unbedeutend, grade wo ein Leichtmatrose Vizekanzler ist, gefällt sich Steinmeier darin, auch noch mal optisch zu unterstreichen: Ich bin ein Schwergewicht!

Die Frage, ob Brille oder Panzer das wichtigere Thema des Tages sind, ist aber hinfällig. Das gehört zusammen. Ist wahrscheinlich Panzerglas.

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Autofahren und Religion passen nicht immer gut zusammen, spätestens seit Jesus, der ja chronisch mit 12 Anhängern unterwegs war. Im Straßenverkehr herrscht nun mal keine Nächstenliebe, da kannst du noch so viel Autobahnkirchen danebenstellen.

Jetzt hat es die Chefin der Evangelischen Kirche Deutschlands erwischt. „Da boxt der Papst“, sagte man bisher, wenn irgendwo die Stimmung besonders wild und ausgelassen war, künftig böte sich „da brettert die Käßmann“ an. Als hätte sie gedacht „Wenn Gott lenkt, kann ich doch ruhig mehr trinken!“ hat sie in Hannover beim Ampelübersehen 1,5 Promille im Blut mitgeführt.

Jegliche Häme der katholischen Konkurrenz ist unfair, sind dort doch die hohen Würdenträger vorsichtshalber so alt, dass sie ihren Führerschein eh schon abgegeben haben. Und wenn der Papst betrunken ist, tragen sie ihn in der Sänfte heim, das ist eben noch ein ganz anderer Umgang mit Autoritäten dort.

Vielleicht ist das Ganze auch nur eine schöne Image-Kampagne der EKD unter dem Motto „Wir sind die ohne Unfehlbarkeit!“. Wirklich schade wäre es nur, wenn künftig Käßmanns pazifistische Afghanistan-Kritik weggewischt würde mit dem Argument: Bevor wir die Truppen abziehen, sollen die doch erst mal ihre Bischöfin ausnüchtern!

Schade, wenn so ein Thema dann doch nur wieder an einer Person hängt. Auch da sollte die Synode ihrer Chefin öfters mal das Wasser reichen.

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Oberst Klein hat das Kundus-Bombaredment aus einem Befehlsstand der Sondereinheit KSK (Kommando krumme Sachen) befohlen. Laut seiner jüngsten Aussage waren dort lauter Leute, die er nicht kannte. Und den Funkverkehr mit den US-Piloten konnte er auch nicht mithören. Wenn er jetzt noch sagt, dass man ihm die Augen verbunden hat, würde sich keiner wundern. Anscheinend führt da das KSK Krieg und braucht ab und zu bloß mal einen offiziellen Depp mit Dienstgrad, der die Verantwortung übernimmt.

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Röttgen: Wir können doch Atomkraft nicht gegen das Volk durchsetzen!
Westerwelle: Wir können doch das Volk nicht gegen die Wirtschaft durchsetzen!

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Boris Becker hat einen neuen Sohn: Amadeus Benedikt Edley Louis. Tennis macht wirklich doof. Warum nicht gleich: Jesus Ludwig van Dante Guido?

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Die Bischöfin ist der Buhmann. Weil sie gesagt hat, in Afghanistan sei gar nix gut. Was dort geschehe, sei durch nichts zu rechtfertigen, Waffen schafften offensichtlich keinen Frieden. Jetzt gilt Margot Käßmann als naive Pazifistin, die unseren Soldaten in den Rücken fällt und quasi vom leibhaftigen Lafontaine besessen ist.

Sie rechtfertigt sich: „Ich habe gepredigt. In der Bibel steht ´Friede auf Erden´, da kann ich nicht auf der Kanzel stehen und sagen: ´Alles ist gut, lasst uns die Truppen verstärken´“. So macht Kirche Sinn. Wenn wenigsten sie sich gegen den allgemeinen Gewaltpragmatismus stellt. Irgendwer muss doch Utopien haben, wenn sie in der Politik mittlerweile peinlich und verpönt sind wie Hämorrhoiden.

Gewährt der Utopie Kirchenasyl! Und lasst die Bischöfin in Ruhe. Geistliche, die Waffen segnen, fand ich schon immer makaber. Wie Ökos, die sagen „Lass uns das AKW begrünen!“. Ernährungsberater, die an Kinder Chips verschenken. Eine Bankenaufsicht, die sagt: „Geld spielt keine Rolle!“. Oder eine Frau Käßmann, der Krieg Wurst ist.

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„Der Entzauberte“ titelt der Spiegel heute über Guttenberg. Die Presse schießt sich langsam ein auf den Shootingstar der deutschen Politik, überall dräut die Guttidämmerung. Es ist wie immer: Erst schreiben sie einen hoch, dann schreiben sie ihn runter. „Entzaubert“ ist natürlich schön, da schwingt die Idee mit, der Minister sei ein Illusionist.

Was hat er eigentlich bisher gezaubert? Er hat beim Thema Opel die Eiserne Jungsfrau zersägt, durfte so ein bisschen an der Merkel kratzen, obwohl man wusste, es ist nur ein Trick und sie bleibt ganz die Alte. Er hat einen General verschwinden und seinen eigenen Erkenntnisstand frei im Raum schweben lassen. Er hat Sätze faszinierend ineinander geknotet, dann elegant aufgelöst und als Schlusseffekt das Wort „Gesamtschau“ aus dem Nichts erscheinen lassen.

Ansonsten sind Bilder geblieben: Das „That´s Showbusiness“-Foto am Time Square und das „Kundus, 13 Uhr, der Anzug sitzt“-Foto aus der Transall. Zum gründlichen Aktenlesen kam er nicht, weil er wohl zu sehr mit dem Auswählen der passenden Krawatten und Kaschmirpullover beschäftigt war. Gut, er hat sich vor seine Soldaten gestellt. Aber eben nicht hinter sie, denn da wäre er nicht im Bild gewesen.

Kann es sein, dass Guttenberg die größte Luftnummer seit der Hindenburg ist? Ein Symptom für die in Berlin verbreitete Krankheit, dass Minister keine Ahnung haben müssen, solange sie sich theoretisch einarbeiten können? Ihn jetzt runter zu schreiben ist vor allem deshalb erbärmlich, weil man ihn nie hätte hochschreiben dürfen.

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Jetzt muss sie sich auch noch von Herrn Naidoo beschimpfen lassen. Keine gute Woche für die Kanzlerin, deshalb guckt sie auf Fotos zurzeit auch immer so böse. Und weil kein Wahlkampf mehr ist, photoshoppt das auch keiner mehr zurecht.

Naidoo hat gesagt, ihr Verhalten in der Klimadebatte sei „mehr als enttäuschend“, weil sie weniger Entschlossenheit an den Tag lege als bei der Bankenrettung. Naidoo ist seit November der neue Greenpeace-Chef. Singt der jetzt „Sie sieht mich einfach nicht“ oder „Dieser Klimagipfel wird kein leichter sein“? Nein, denn es ist Kumi Naidoo, nicht das Jodelxaverl.

Und in der Kundus-Sache wird immer klarer, dass der Oberst Klein wirklich absichtlich Leute „vernichten“ wollte, nämlich Taliban. Das entspricht einerseits nicht dem aktuellen Auftrag oder Mandat unserer Truppen. Andererseits entspricht es einer vom Verteidigungsministerium und der Regierung abgesegneten „härteren Linie“. Wer war zu dem Zeitpunkt Regierungschef? Genau, die Flunschfrau.

Ich bin mal gespant, wer als Erster den Mumm hat, provokativ den Fehdehandschuh in den Ring zu werfen und ihren Rücktritt zu fordern. Dass eine Regierung an Volk und Parlament vorbei beschließt, in einem Nicht-Krieg mal eben Bomben auf Leute zu werfen, das hat doch eigentlich das Zeug zu einem großen Skandal.

Vornerum die Truppen als brunnenbauende Friedenstauben in Richtung Deutschland winken lassen und hintenrum Vernichtungskrieg spielen. So bleibt man nicht die Kanzlerin der Herzen. So kriegt man heue höchstens einen Friedensnobelpreis.

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Oslo, 13:00 Uhr, die Moral sitzt:

„Wir sind weiter im Krieg und ich bin verantwortlich… Einige werden töten, andere werden getötet werden… Es steht fest: Das Böse existiert in der Welt. Zu sagen, dass der Einsatz des Militärs manchmal nötig ist, ist kein Aufruf zum Zynismus. Es ist die Wahrnehmung der Geschichte, der Unzulänglichkeiten der Menschheit und der Begrenztheit der Vernunft… Lasst uns nach einer Welt streben, wie sie sein sollte. Danach, dass der Funken des Göttlichen sprüht.“

Was wollen uns diese Worte sagen? Wo gehobelt wird, fallen Späne, und wo gebombt wird, fällt der Funke des Göttlichen? Die Welt ist böse und blöd, aber ich steh dazu und übernehm die Verantwortung? Ich wette, wenn man in einem Anfall von Wahnsinn und Experimentierfreude Saddam Hussein einen Friedensnobelpreis verliehen hätte, er hätte eine ganz ähnliche Rede zusammenbekommen. Vermutlich sogar auch George Bush, Adolf Hitler oder Schneewittchens Stiefmutter.

Spätestens ab heute ist Frieden auch nicht mehr, was er mal war. Friedfertig ist, wer einen gerechten Krieg führt. Und ein guter Mensch ist, wer Gründe hat, ein Arschloch zu sein. Die Nobelpreiskommission hat eine dicke, fette Dialektik-Bombe über dem gesunden Menschenverstand abgeworfen. Volltreffer.

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Weil die Leute so allmählich den Spaß an der Schweinegrippenhysterie verlieren, liest man zur Zeit überall, dass die Gefahr keineswegs gebannt ist. „Schweinegrippe: Zweite Welle droht“, lautet eine Überschrift in der Süddeutschen. Im Artikel wird dann eine Gesundheits-Staatssekretärin zitiert, die feststellt: „Wir schließen nicht aus, dass es eine zweite Welle gibt“.

Na das klingt aber gefährlich. Ich würde auch nicht ausschließen, dass Deutschland der nächste Fußballweltmeister wird, oder Johannes Heesters (Glückwunsch nachträglich!) 130. Man kann nicht mal ausschließen, dass der Mond aus Käse ist, solange man da nicht wirklich tief gebohrt hat.

In der Berichterstattung über die Folgen des Kundus-Bombardements heißt es derzeit immer, dass der verantwortliche Oberst Klein unter der Diskussion leide. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands sagt: „Es wird nicht verstanden, wie es Oberst Klein gehen muss. Das kann sich doch jeder ausmalen, dass er grade einen besonderen Leidensweg durchläuft – insbesondere was die Familie angeht“.

Stopp, Herr Vorsitzender. Er hat über hundert Opfer auf dem Gewissen. Die haben auch Familien. Der Angriff war seine Entscheidung, er ist Soldat, Soldaten sind Totmacher. Das ist seine Verantwortung, die nimmt ihm keiner ab. Auch nicht in der Vorweihnachtszeit. Er hätte ja auch Schalterbeamter werden können. Oder Zivi. „Leidensweg“ klingt da eindeutig eine Spur zu sehr nach Passionsfestspielen. Was man sagen kann ist: Augen auf bei der Berufswahl.

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Also: Der Jung konnte von den zivilen Opfern nix wissen, weil das stand ja in einem geheimen Bericht der Feldjäger, den er nach Brüssel weitergeleitet hat, ohne ihn zu lesen. Ist ja auch lästig, dieser Papierkram. Und dann geht es ja auch nur um den Afghanistaneinsatz, Bomben und zivile Opfer, da kann man echt nicht groß ins Detail gehen.

Vor allem, wenn es nur noch 3 Wochen bis zur Bundestagswahl sind und der Minister davon ausgeht, dann eh erlöst zu werden. Dass er aus Proporzgründen als Arbeitsminister weiterkaspern muss, konnte er ja nicht wissen, das haben Merkel und Koch unter sich ausgeschnickschnackschnuckt. Ohne ihm etwas zu sagen. Vielleicht hätte er es in irgendeinem Geheimpapier nachlesen können. Papierkram.

Die Feldjäger haben in ihren Bericht vor einer Weitergabe gewarnt. Weil er „ohne begleitende fachliche Kommentierung“ negative Folgen haben könne. Wahrscheinlich war die Weitergabe an Jung gemeint. Und sie haben ihm sicherheitshalber einen „Bitte nicht lesen“-Vermerk draufgeklebt. Mit einem Top-Gun Guttenberg kann man das nicht machen, da wird der sauer. Er hat ja zeitig sein Young-Leader-Diplom gemacht, damit er was Eigenes hat. Führen kanner. Wohin ist ein anderes Thema.

Was mich an der Affäre aber am meisten irritiert: Das Ganze ist ein Coup der Bildzeitung. Die hat den geheimen Bericht, die wird überall zitiert, die fragt, wie lange Merkel den Jung noch halten will. Wenn Bild gegen ihn ist, müsste ich dann nicht hinter dem Minister stehen? Oder: Von wem lässt sich Bild einspannen und für wen ist Jung nur der leichtentzündliche Strohmann?

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