Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Bücher’ Category

Während sich bei uns das E-Book  zu etablieren versucht, kommt der allerneuste Trend mal wieder aus Japan: Das Ih-Book. Dabei handelt es sich um einen Mini-Horror-Roman, gedruckt auf Klopapier.

Die Story braucht 90 Zentimeter, heißt es. Wahrscheinlich ist sie auch sehr vielschichtig, oder zumindest dreilagig. Und wenn sie wirklich scheiß-gruselig ist, braucht sich keiner in die Hose machen, sondern kann sich direkt vor Örtchen mit einem Wisch von der reinigenden Wirkung der Literatur überzeugen.

Für Leute, die sonst Bücher nicht mal mit dem Arsch anschauen, kann das ein inspirierender Erstkontakt sein. Gerüchte, dass jetzt zum Jubiläum des Grundgesetzes eine ähnliche Ausgabe „von der Rolle“ geplant sei, entbehren jedoch jeder Wahrheit.

Werbeanzeigen

Read Full Post »

Während die deutsche Jugend sich weiterhin im Komasaufen ergeht, hab ich heute auf der sonnigen Terrasse in einen Thriller aus dem Goldmann-Verlag reingeblättert. Jetzt bin ich unsicher, ob Komasaufen nicht intelligenter wäre.

Bei Goldmanns gibt es entweder chronisch unterbezahlte Lektoren, gar keine Lektoren oder subversive Lektoren, die Bonunsbedeutungen einschmuggeln, wo sie nur können. Ich halte alle drei Möglichkeiten für wahrscheinlich. Erstes Beispiel: „Aus dem Augenwinken heraus beobachtete er…“. Aha. Da winkt also jemand mit den Augen und sieht dabei sogar noch etwas. Augenwinken ist wohl das Gegenteil von Fähnchenklimpern. Aber es kommt noch besser: „Die Frau, in der er sich verliebt hatte…“. Er war also zuerst in ihr. Und dann hat er sich auch noch verliebt. Wahrscheinlich beim Augenwinken.

Das Spannendste an diesem Thriller ist die Frage, ob die Sprache bis zum Schluss durchhält, oder ob sie krachend in sich zusammen bricht, so richtig mit Fehlermeldung: „Wollen Sie die Syntax wirklich neu starten, ja oder nein?“. Goldmann, das ist eine Art Komalesen.

Read Full Post »

Wer mehr über Roland Koch erfahren will, muss demnächst bei mir vorbeikommen. Denn ich hab noch eines der Exemplare der einzigen Koch-Biografie. Die jetzt aus den Handel verschwindet. Weil sie keiner lesen will. Nicht mal der Roland. Er ist ja persönlich dicke befreundet mit dem Dalai Lama. Die haben auch viel gemeinsam. Beide sind religiös und werden vom Kommunismus bekämpft, das verbindet.

Außerdem sind beide Wunderkinder. Der Dalai Lama ist mit 2 Jahren ernannt worden, Roland Koch hat mit 14 eine Junge-Union-Ortsgruppe gegründet. Seitdem gilt Eschborn ja als das Tibet des Rhein-Main-Gebietes. In buddhistischen Klöstern sollen hinter dicken Mauern teilweise sehr geheime und mysteriöse Rituale ablaufen, da war Kochs Spendenskandal nur die westliche Antwort drauf.

Bundespolitisch gilt er als einer, der sich permanent auf der Besetzungscouch räkelt. Das hat schon sein Vater vor Jahren über ihn gesagt: „Der Roland, der lernt auf Kanzler.“ Der rüttelt nicht am Kanzleramt und ruft: Ich will hier rein! Der stellt sich so lange davor, bis alle rausgeflüchtet sind.

Da hat er einen ganz entspannten Langzeitplan, das ist fast schon Buddhismus. Also, die hessische Variante. „Setze dich an den Fluss und warte, bis die Leiche deines Feindes vorüberschwimmt“, sagt der Buddhist. Und Roland fügt hinzu: „Genau, und dann spring ich auf!“. Los geht’s, immer den Bach runter.

Schöne Argumente gegen ihn stehen nicht nur in diesem Buch, sondern hängen auch, wie man in einem Video sehen kann,  beim lustigen  Brillenmann an der Wand. Auch ihm würde ich die Biografie jederzeit ausleihen, versprochen.

Read Full Post »

Irgendwann muss ich doch mal ein Buch des zeitgenössischen Philosophen Peter Sloterdijk lesen, obwohl ich natürlich Angst habe, dass mir dabei der Kopf platzt. Der Mann denkt bildhaft und in Pointen, vielleicht ist er sogar ein Undercover-Kabarettist, die akademische Reinkarnation von Wolfgang Neuss. In einem Interview mit der Süddeutschen bringt er (also der Neuss im Solterdijk) die globale Wirtschaftskrise so auf den Punkt:

„Der eigentliche Held des Neoliberalismus ist Harry Potter. Weil die Potter-Romane die Fibel einer Welt ohne Realitätsgrenze darstellen. Sie überredeten eine ganze Generation, den Zauberer in sich zu entdecken. Das englische Wort Potter bedeutet übrigens ´Töpfer´, einen Handwerker, der Hohlkörper verfertigt. Nur Verlierer glauben heute noch an die Arbeit, die Übrigen betreiben magische Töpferei und lassen ihre Produkte fliegen.“

Alles Kinderkram auf hohem Niveau. Jungs, die mit ihrem Zauberstab rumspielen, Zauberlehrlinge wie beim alten Goethe. Sich nicht die Finger schmutzig machen, aber auf dem Besen hinter goldenen Bällchen herjagen. Sich über Muggels lustig machen, also die arbeitende Bevölkerung, der sie hohlen Plunder andrehen. Brillenträger, die in einem Schrank aufgewachsen sind. Vielleicht hat „Du-weißt-schon-wer“ wirklich gute Gründe, so verbissen hinter ihnen her zu sein.

Read Full Post »

Ich mag ja Charlotte Roche. Wer derartig souverän bei Harald Schmidt seine Schneidezahnprothese rausnehmen, in die Luft werfen und mit dem Mund so wieder auffangen kann, dass sie sitzt als wäre nix gewesen – Respekt! Ich gönne ihr auch den Erfolg ihres kleinen schmutzigen Buchs, dieser bis dahin für unmöglich gehaltenen Kombination aus Wichsvorlage, Feminismusvorlage und Herpesvorlage.

Aber dass sie und diese „Lady Bitch Ray“-Rapperin jetzt als endgeile Fackelträgerinnen der Aufklärung gefeiert werden, das geht mir doch irgendwie zu weit. Und damit das mal klar ist: Der Erste, der gerne voller Begeisterung öffentlich von seiner Muschi geschwärmt hat, war Edmund Stoiber! Was mich an der Bitch am meisten nervt ist diese Haltung, als wollte sie permanent sagen: „Ich darf in der ARD dem Pocher mein eingetuppertes Vaginsalsekret überreichen und dabei das Vokabular eines triebgestörten Bierkutschers verwenden, weil ich nämlich grade meine Doktorarbeit schreibe!“. Toll, eine Akademikerschlampe, darauf hat die Welt gewartet.

Wenn jetzt auch Frauen es cool und fortschrittlich finden, wie 14-jährige akne-geplagte und schwellkörpergesteuerte Daueronanisten zu reden, dann frage ich mich, ob das wirklich ein Erkenntnisgewinn ist, oder nicht einfach ein Niveauverlust. Das ist doch keine Emanzipation, das ist ein ästhetisches Downgrading.

Gleichberechtigung ist, wenn alle gleich eklig sind? Wenn die Kanzlerin nicht nur Dekolleté zeigt, sondern auch vor der Kamera flucht, popelt, kotzt und masturbiert? Wenn endlich die erste Frau ihre Kinder 20 Jahre im Keller missbraucht hat, oder was? O.k., einigen wir uns vielleicht darauf: „R&B“, also Roche und Bitch, waren ein Befreiungsschlag, aber jetzt käme es ganz schnell darauf an, rauszufinden, wie es danach weitergehen soll. Und wer aufwischt.

Read Full Post »

„Welches Auto würde Jesus fahren?“ – ist eine blöde Frage von Buchautor Franz Alt, aber immerhin eine, die für Aufmerksamkeit sorgt. Vielleicht hätte Jesus gar keinen Führerschein, sondern würde von den Jüngern zu seinen vielen Terminen gefahren. Und: Würde Jesus auch Hamburger essen, bei Lidl einkaufen oder in eine Riester-Rente investieren? Wäre Jesus heute überhaupt Jesus, oder nicht lieber Franz Alt?

Gut, nehmen wir die Ausgangsfrage mal testweise ernst. Was würde er denn nun fahren? Mit dem Smart raus nach Golgatha, mit dem Maybach zur Speisung der 5000? Es ist natürlich eine Statusfrage, er kann ja nicht als Sohn Gottes mit einem Twingo ankommen. Er bräuchte was PS-starkes, allein schon wegen der Kupplung für die 12 Anhänger. Hätte er eigentlich einen Jesus-Aufkleber auf der Heckklappe? Und würde er nach Sylt mit der Autofähre übersetzen, oder ginge er lieber zu Fuß? Hätte er überhaupt ein eigenes Auto, oder wäre er nicht eigentlich der klassische Typ für Car-Sharing? Es müsste ja nicht mit den 5000 sein. Was würde er beim Tanken sagen, etwa „Ja, bin ich denn Krösus?“?

Ach, was waren das für selige Zeiten, als man noch als Fußgänger Religionen begründen konnte.

Read Full Post »

__________

Es ist Buchmesse in Frankfurt, die Hotels sind ausgebucht, aber die Bordellbetreiber jammern: „Die Büchermenschen gehen nicht in den Puff“. Mehr los sei da während der internationalen Autoausstellung. Kein Wunder, dort räkeln sich ja auch die leichtbekleideten Hostessen über die Karosserien, bis der Messebesucher hochbrünftig aus den Hallen wankt. Das wollte man sich bei der Buchmesse gar nicht vorstellen: Animierdamen, die rittlings auf der Grass-Gesamtausgabe mehr oder weniger gelangweilt vor sich hin-animieren.

Am glücklichsten sind die Etablissements übrigens mit der Sanitärmesse, da brummt es. Klar, wenn du da ein paar Stunden zwischen den Ständen unterwegs warst, hast du nur noch einen Gedanken: „Ich will jetzt irgendwas tun, wonach man richtig duschen muss!“. Die Bücherwürmer haben es wohl nicht so mit der praktischen Libido, die bevorzugen eine Erotik, bei der man jederzeit ein Lesezeichen reinlegen und morgen weitermachen kann.

Das Geschäft mit den Büchern läuft ja zur Zeit wieder besser, wie man liest. Und gleichzeitig sinken die Geburtenraten. Ich weiß zwar nicht, was das jetzt mit den Puffs zu tun hat, aber vielleicht bräuchten wir einfach mehr Sanitärmessen als Bücherausstellungen. Dann müsste immerhin auch Eva Herman nicht mehr so viel schreiben. Ich bin verwirrt. Was ist eigentlich los, wenn eine Zeitung wie die Süddeutsche anlässlich der Buchmesse den Chef eines Eros-Centers interviewt?

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »