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Archive for the ‘Alltag’ Category

In Berlin ist die Reichstagskuppel für Besucher gesperrt. Ich bin nicht ganz sicher, zu wessen Schutz. Der Besucher, der Parlamentarier oder der Kuppel. „Terror“ ist das meistgedruckte und getippte Wort dieser Tage, Experten rechnen aus, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer ist als die, vom Islamisten erwischt zu werden. Es sei denn, du läufst bei Gewitter mit einer Mohammed-Karikatur durch Kreuzberg.

Bald diskutieren wir über ein Vermummungsverbot für Weihnachtsmänner und den Einsatz der Bundeswehr im Wohnzimmerinneren. Fast ist man geneigt zu denken: Wenn da demnächst kein Anschlag passiert, ist die Politik in Erklärungsnot. So gesehen wäre ein Attentat fast schon eine vertrauensbildende Maßnahme. Es gibt Zynismus, der ansteckend ist. Hässlich, grade in der Vorweihnachtszeit.

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In Essen haben jetzt die ersten „Google-Fans“ verpixelte Häuser mit rohen Eiern beworfen und Zettel mit der Aufschrift „Google ist cool“ hinterlassen. Jetzt gibt es also schon Google-Fans. Wahrscheinlich hängen die sich zu Hause Suchergebnisse an die Wand und wollen den Such-Button heiraten, am besten mit den Worten „auf gut Glück!“ Was hohle Kürbisköpfe für Halloween, sind Google-Fans für den gläsernen Bürger. Aber kein Wunder, selbst Massenmörder haben irgendwelche Fans.

Am tollsten find ich die Pixelästheten, die unkenntlich gemachte Fassaden jetzt lautstark als Beleidigung für ihr Auge empfinden. Wie der Kommentator, der sich neulich auf n-tv aufgeregt hat, dass Häuser doch an Wert verlieren, wenn man sie nicht online anschauen kann – als wären alle Immobilienanzeigen gleich mit verpixelt.

Ich will doch bloß nicht, dass eine hochkommerzielle Datenkrake wie Google ohne Erlaubnis mit meinen Gardinen Geld verdient. Wenn irgendwelche Deppen meinen, sie müssten sie trotzdem knipsen und ins Netz stellen, ändert das nichts. Hätte ich die Anschrift der Deppen, würde ich mich auch bei ihnen beschweren. Nicht wegen meiner Privatsphäre, sondern wegen ihrem Googlegroupietum.

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I did it!

Was für ein Nachmittag! Ich habe 3500 E-Mails von Thunderbird nach Outlook2010 überführt. Das ist, für die Älteren erklärt, als ob man für 1000 Reichsmark Grammophonnadeln kauft und diese einzeln mit der Draisine in die ostafrikanischen Kolonien transportiert.

Und das Schlimmste ist dabei ist immer diese Angst, dass jeden Moment ein Apple-User um die Ecke gesprungen kommt und feixend „Mein Rechner macht das auf einen Knopfdruck und sieht dabei auch noch viel schöner aus!“ ruft.

Dafür, dass E-Mails immateriell sind, kann man ganz schön lange auf sie warten und hat auch jede Menge Schweißperlen auf der Stirn. Vor allem, wenn Frau Honigbrot darauf hinweist, dass mindestens 3457 davon einen hohen emotionalen Wert haben. Wenn da was im digitalen Nirwana verschwindet, bin ich ein toter Mann. Das ist ja das Unheimliche: Ein falscher Klick und du bist in der Beziehungshölle.

Ich habe Glück gehabt. Ich war nur in der Datentransferhölle. Manchmal lastet auch das papierlosteste Büro schwerer auf deinen Schultern als ein Zehnerpack Brockhauses, oder wie immer da der Plural heißen mag. So. Feierabend.

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Das Schlimmste an Halloween sind ja die Mütter. Es klingelt, du öffnest die Tür, vor dir steht ein als Zombie verkleidetes Kind und guckt dich ängstlich an. Zwei Meter hinter ihm schaut die Mutter strahlend um die Hausecke und feuert den Nachwuchs an: „Ja, geh hin, mach dem Mann richtig Angst, dann kriegst du auch Bonbons!“.

Was in den 80ern die Tennismütter waren, sind heute die Halloweenmütter. Der reinste Horror. Und nachher kann RTL dann wieder berichten, wie Kinder für Bonbons jedem Schänder hinterherlaufen.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Phillipp H. Mißfelder (das „H“ steht für die Hüftgelenke, die er vor Jahren mal den Senioren nicht gönnen wollte) findet es schlimm, wie Halloween den Reformationstag und Allerheiligen aus dem Bewusstsein verdrängen. Halblang! Bei uns war in den Zeiten vor Halloween Allerheiligen auch nur der Tag, an dem das Einkaufszentrum im wenigen Kilometer entfernten Nachbarbundesland offen hatte.

Und den Reformationstag würde auch keiner kennen, wenn die Protestanten nicht als Halloween-Abwehr neuerdings Lutherbonbons verteilen würden. Ohne Halloween wüssten wir gar nicht, was wir nicht vermissen. Darauf einen Kürbis.

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Wunder der Produktwelt

Ich war heute wieder zum Wochenendeinkauf beim Dealer meines Vertrauens, äh, beim Netto. Und bin an folgendem spektakulären Angebot hängen geblieben:

Nudeln mit den Namen „Fixer Genuss“ ???!!!??? Ohne Vorkochen? Werden die direkt auf einem Löffel über der Kerzenflamme erhitzt? 40 Cent pro hundert Gramm ist ein verdammt guter Preis, wenn man es mal mit dem herkömmlichen Fixerbedarf vergleicht. Ich wette, diese Nudeln machen süchtig.

Sowas können sich auch nur die Kokser aus der Werbeagentur ausgedacht haben. Die lachen sich jetzt noch schlapp. Ich warte schon auf die ersten Fixernudelstuben. Und die passenden Entzugsprogramme mit Substituten wie… Reis?

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Heute hat mir Google geschrieben. Mit herzlichen Grüßen und bezüglich meines Widerspruchs gegen Street View:

„Wir werden zunächst versuchen, das Gebäude, auf das sich Ihr Widerspruch bezieht, verlässlich zu identifizieren und entsprechend zu bearbeiten. Sollte uns dies nicht gelingen, werden wir uns erneut mit Ihnen in Verbindung setzen. Bis dahin bedanken wir uns herzlich für Ihre Geduld.“

Ich versteh das so, dass die jetzt mal gucken, wie mein Haus so aussieht. Und dann schauen, ob sie passende Pixel zum Drübermachen auf Lager haben. Eventuell müssen sie dann erst neue Pixel bestellen oder anfertigen lassen.

Wenn die dann aber nicht passgenau sind, oder sich nicht vernünftig befestigen lassen, dann melden sie sich wieder und dann müssen wir zusammen noch mal neu überlegen. Ob es nicht einfacher wäre, wenn ich umziehen würde. Oder ob ich ihnen die Pixel eventuell kurzfristig festhalten könnte, oder ob es mir was ausmacht, wenn der Schornstein noch rausguckt.

Ich werde geduldig auf einer virtuellen Pixelbaustelle leben müssen, bis die das auf die Reihe kriegen. Wer noch welche übrig hat: bitte spenden an Google Germany in der ABC-Straße in Hamburg! Danke.

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Zu Recherchezwecken habe ich ein Buch gelesen, aus der Abteilung Ratgeber. „Entdecken Sie Ihr inneres Trüffelschwein“ hat es pfiffig versprochen. Und mich dann so gelangweilt, dass ich mit meinem inneren Trüffelschwein lieber ein Tartuffo-Eis essen gegangen bin.

Und dann haben wir zusammen bei Amazon geschaut, wie andere Leser das wohl so fanden. Es gab eine einzige Kundenrezension, mit vollen 5 Sternen. Da sagte das Trüffelschwein in mir: „Lass uns das relativieren, es wird dir gut tun!“.

Also habe ich 2 Sterne vergeben. Immerhin, wo mich das Buch doch wirklich bis zum Schluss genervt hat. „Auch dieses Buch erliegt leider der typischen Ratgeberkrankheit, altbekannte Binsenweisheiten (´werde aktiv´, ´sieh das Positive!´) anekdotisch auf 250 Seiten aufzublasen.“ – so mein Kommentar.

Heute hat die Autorin persönlich meinen Kommentar kommentiert und zwar mit den großen Worten: „…sagt ein Mann, der sonst nur Horror und Radiowecker beurteilt …. na ja ……“. Klingt, als wäre „Mann“ allein schon verdächtig.

Und dass die Dame sich die Mühe gemacht hat, nachzuforschen, was ich auf Amazon bisher schon beurteilt habe, ehrt mich fast. Die meisten anderen Dinge außer Radioweckern und Computerspielen beurteile ich ja gern und häufig in Artikeln, Blogs und auf Bühnen. Aber das kann sie ja nicht wissen und will sie auch nicht.

Ist das nicht wahnsinnig uncool, gleich auf die erste negative Kritik mit einer kleinen persönlichen Blutgrätsche zu antworten? Soll ich die Beurteilung des Werks jetzt auf einen Punkt herabstufen, weil ich den Sympathiebonus für Neuerscheinungen weiblicher Coaching-Experten abziehe?

Oder soll ich schnell noch was Pornographisches kaufen und beurteilen, einen Autokalender und ein Kilo Trüffel, um mein Beurteiler-Profil noch mysteriöser zu gestalten? Bin für jeden Hinweis dankbar und durchaus nicht beratungsresitent.

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Treue Leser wissen, wie sehr ich Bettel-SPAM liebe. Irgendwann mach ich damit mal eine Lesung. Heute erreichte mich folgende sprachliche Verrenkung:

„Guten Tag,
Ich glaube, Sie sind eine hoch angesehene Persönlichkeit, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich dein Profil stammen von den Völkern auf der Suche Datenbank web. Ich habe einen Vorschlag für you.
This ist jedoch nicht zwingend, noch werde ich in irgendeiner Art und Weise dich zwingen, gegen die Ehre Ihrer wird, aber ich hoffe, Sie werden am lesen und betrachten den Wert biete ich.
Ich habe einen geschäftlichen Vorschlag in Höhe von 19,5M US übertragen werden zu einem Offshore-Konto mit Ihrem assistace wenn bereit.
Ich freue mich von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen,Mr. Song Lile.“

Hier jetzt meine Antwort als offener Brief:

Tach! Ich glaube, Sie sind eine kleine Wurm ohne Profil und Datenbank. Ich habe eine Korb für you. This is very zwingend! Es geht gegen meine Ehre, zu lesen und betrachten ihre Vorschlag! Ich bin nicht bereit für ihre Suche nach Offshore-Völkern, die ihnen assistance geben in irgendeine Art und Weise! Ich würde mich freuen, Ihren Übersetzer sterben zu sehen, mit 19,5M Grüßen, Mr Fred.

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Jaaa! Heute war wieder das aktuelle „Rundenheft“ des örtlichen Sportvereins im Briefkasten. Wieder mit dem Besten aus sportlicher und sprachlicher Verzweiflung. Das ist der Don Quichotte unter den Vereinen, und der Rest der Liga besteht nur aus Windmühlen.

„Alle anderen Partien wurden mit Unentschieden beendet. Zum Teil mehr als unglücklich. Auch die Tischtennissparte ist weiterhin auf Erfolgsspur.“ Das ist wohl die Erfolgsspur in Richtung Tabellenende.

„Fazit: Weg vom Leistungsgedanken, zurück zum Freizeit-Volleyball, ab und zu ein Turnier gewinnen und hoffen, dass die Duschen bald wieder funktionieren.“ Also auch hin zum Freizeitduschen.

Besonders beeindruckend, und für mich als Fastnichtsportler auch mysteriös, ist aber folgender Satz: „Wir wollen vom Moralfußball hin zum gepflegten Spiel mit wenig Ballkontakten“. Kann mir das mal einer erklären? Ist das so wie in Stuttgart: Wir wollen von der Moralpolitik hin zum gepflegten Regieren mit wenig Bürgerkontakten? Ist da die Devise: Wir sind die Drecksäue, die mit dem Ball nichts zu tun haben wollen? Aber wie gewinnt man dann? Durch Nicht-Duschen?

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In der Sparkasse hängen Anzeigen für Immobilien aus. Ein Anwesen, direkt an der Bundesstraße gelegen, wird dort doch glatt als „verkehrsverwöhnt“ beschrieben. Wenn es direkt neben dem AKW Biblis läge, wäre es wohl „uranbegünstigt“. Oder neben dem Klärwerk „scheißzentral“.

Beim Bäcker steht auf der Werbetafel handschriftlich in Kreide: „Hefeteilchen 0,95 Cent“. Ich weiß gar nicht, wie die mir 0,05 Cent rausgeben würden. Am besten nehm ich hundert und runde großzügig auf einen Euro auf.

Gestern hinter der Bühne fragt mich ein älterer Kollege doch tatsächlich: „Und? Wie sind die Zuschis?“ Das ist ja noch schlimmer als „Fussi spielen“. Zuschi klingt für mich auch weniger nach Zuschauern, als nach rohem Fisch.

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