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Archive for 11. Dezember 2010

Computerspiele können Kunst sein. Und Kunst kann den Betrachter gezielt vor moralische Herausforderungen stellen, ihn auch in ethische Fallen tappen lassen. Wenn Kunst nur der Unterhaltung und Entspannung diente, hieße sie nicht Kunst, sondern Feierabendbier.

Wenn jetzt ein Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ein Spiel veröffentlicht, das im Todesstreifen der innerdeutschen Grenze des Jahres 1976 spielt, über Monate hinweg von seinem Professor begleitet wurde und keinen kommerziellen Zweck verfolgt – dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Auch wenn es weh tut. Daraus kann man lernen, das ist die alte Sache mit der Herdplatte.

Die Spieler des Games können auf Flüchtlinge schießen, aber damit nicht gewinnen. Sie können sich auch mit den Flüchtlingen verbünden, sie können vom Grenzer zum Flüchtling werden. Oder als Angeklagter beim Mauerschützenprozess enden. Ein Spaß ist das nicht, die Ballerspielcharts wird es so nicht anführen können. Das Spiel ist im aufklärerischsten Sinne pervers und so schizophren wie die deutsche Geschichte.

Der empörte Aufschrei von Politikern und Boulevardpresse ist so nachvollziehbar wie dumm. Jedes Kreuzigungsgemälde der letzten 2000 Jahre war genau so provokativ, unnötig und aber doch erkenntnisfördnernd. Das Spiel heißt übrigens „1378 km“. Ich würde es gerne kaufen. Und ungern spielen.

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