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Archive for November 2010

Die neue Ausdruckslosigkeit

Der WWF hat sich was ausgedacht. Und der WWF ist ein ehrenwerter Verein. Weil weltweit zu viele Bäume abgeholzt werden für zu viel Papier, auf dem zu viel ausgedruckt wird, macht der Verein jetzt ernst mit dem papierlosen Büro: Wer ein Dokument im neu entwickelten “.wwf”-Format abspeichert, stellt damit sicher, dass es nicht mehr ausdruckbar ist. Papier gespart, Planet gerettet, Kosmos lacht.

Ich frag mich nur, warum ich so viel blöder bin als der WWF. Weil: Ich kapier’s nicht. Wenn mir das wichtige Umwelt-Themenpapier, mit dem ich mich beschäftigen möchte, nur als “wwf” geschickt wird, dann sitz ich beim Lesen und Denken nicht mit Ausdruck und Textmarker auf dem Sofa, sondern mit dem Notebook. Das braucht Strom. Und da würde ich gerne den Planeten fragen: “Wie hättest du es denn lieber?”

Ich hoffe, das mit dem “.wwf”-Format ist nur eine PR-Eintagsfliege. Nicht, dass am Ende noch ein AKW-Betreiber verkündet: “Wir produzieren unseren Atomstrom nachhaltig, weil die Betriebsanleitung des Reaktors nur als wwf vorliegt!”

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Angie ist die Teflon-Merkel, Oettinger eine entsorgte lahme Ente, Niebel eine schräge Wahl, Seehofer unberechenbar und Westerwelle kein Genscher. Schön, zu lesen, dass die US-Botschafter ein doch ziemlich zutreffendes Weltbild haben. Ansonsten sind diese Erkenntnisse nicht sonderlich brisant, da hätte Washington auch einfach Urban Priol fragen können.

Spannend sind zwei Details, von denen eines zur Zeit in der Berichterstattung deutscher Medien gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Klar ist es interessant, dass irgendein FDP-Maulwurf hochengagiert der amerikanischen Botschaft aus den Koalitionsverhandlungen berichtet hat. Das ist ja fast eine klitzekleine Spionageaffäre.

Viel doller ist doch aber die Tatsache, dass der jetzt US-behördlich ausgewiesene Amerikafreund Guttenberg dem großen Bruder erzählt, die Kanzlerin könne sich wirtschaftspolitisch schlecht durchsetzen und der Vizekanzler habe eigentlich keine Truppen aufstocken wollen. Gutti ist neTransatlantikpetze und Strebersau. Wahrscheinlich wird unser künftiger Kanzler heute schon im Pentagon als IM “Pomade” geführt. Das ist der wirkliche Skandal, der an seinen Beliebtheitswerten so gefährlich knabbern könnte wie einst George Bush an seinen Salzbrezeln.

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Mut zur Lücke

Wikileaks veröffentlicht geheime US-Unterlagen über deutsche Politiker. Praktisch. Da muss ich mir gar kein neues Programm schreiben, sondern kann es einfach runterladen. Wenn der diplomatische Schleier fällt, kann das so erfrischend sein, wie eine kleine politische Eiszeit im Hochsommer. Und so peinlich wie Suff-Fotos bei Facebook.

Westerwelle soll besonders schlecht wegkommen, vermutlich als vom Amt überforderter Lobbyknecht. Und die Merkel ist eine Tröte. Besonders bitter wäre es, wenn die SPD gar nicht in den Unterlagen auftaucht, weil die Diplomaten regelmäßig alles Überflüssige von der Festplatte löschen. Nur der Guttenberg kommt angeblich gut weg beim Ami. Kein Wunder, den haben sie sich ja jahrelang zurechtgezogen, der ist quasi ein IM des Pentagons.

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Strippenzieher

Das FBI hat in Portland ein Attentat verhindert. Den Täter hatten sie mindestens ein Jahr lang im Auge. Und dann haben sie ihm per V-Mann eine Bombe geliefert. Eine Attrappe. Mir persönlich sind eindeutig zu viele amerikanische Bombenattrappen unterwegs da draußen.

Aber es sollte ja auch keine Bombe hochgehen, sondern ein Terrorist. Ausgerechnet beim öffentlichen Einweihen eines Weihnachtsbaums. Ausgerechnet ein Täter, der Mohamed Osman Mohamud heißt. Besser geht’s nicht. Halten wir fest: Das FBI hat in Portland ein zu verhinderndes Attentat ermöglicht.

Wir sollen hierzulands ja auch bald eine Art FBI bekommen, sagt der Innenminister. Wer clever ist, macht also schnell noch eine kleine Bombenattrappenmanufaktur auf und lässt die Oma in der Garage im Akkord Wecker mit Drähten versehen. Schon wieder eine Branche, in der der Aufschwung ankommt.

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Superterror

Nachdem es der Bildzeitung und dem Innenminister gelungen ist, Deutschland in Sachen Terror ansatzweise in eine sachdienliche Massenhysterie zu versetzen, will RTL jetzt nachziehen. Während der Show „Das Supertalent“ soll das Land am Samstag in eine Massenhypnose verfallen. Nur so wenig natürlich, dass es noch in der Lage ist, per Telefonhotline davon zu berichten.

Gerüchte, der Hypnotiseur Martin Bolze sei in einem pakistanischen Hypnose-Camp auf Rechnung von Osama Bin Gähnen ausgebildet worden, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Der Innenminister bittet um Aufmerksamkeit: Wem am Samstag im Straßenbild besonders sedierte Menschen auffallen, die vielleicht auch noch aussehen wie RTL-Zuschauer, der möge diese bitte den örtlichen Behörden melden, damit sie vom Bundesgrenzschutz kontrolliert gesprengt werden können. Auch herrenlos am Straßenrand liegen gelassene Gehirne oder Fernbedienungen sind umgehend anzuzeigen.

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You can leave your hat on…

In den USA fangen jetzt auf den Flughäfen die ersten Bürger an, gegen die Nackscanner zu protestieren. Heute hat eine Dame sogar gestrippt. Leider ist das nicht nur ihre angebliche Protestform, sondern auch ihr Broterwerb. Damit ist natürlich das Anliegen etwas diskreditiert. Das ist ein bisschen so, als würde Verona Pooth gegen die Castor-Transporte Billigklamotten in die Kamera halten.

Wenn schon, dann müssen Amateure strippen, möglichst blutige Laien, die von so ausgesuchter Uneleganz und körperlicher Undefiniertheit sind, dass das Terminal wegen ästhetischer Überforderung geschlossen und vom Flughafenpfarrer neu geweiht werden muss.

Eigentlich müsste man das so planen, dass die nacktscannenden Beamten kapitulieren und um Versetzung in den Innendienst betteln. Extreme Bremsspuren in der Unterwäsche wären da etwa eine mögliche subversive Idee. Vielleicht auch moralisch besonders herausfordernde Gegenstände im Rektalbereich. Lasst sie Dinge sehen, die sie nie sehen wollten!

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Gesichterfasching

Vor ner Woche gab es bei Facebook diese lustige Aktion, bei der die Mitglieder seuchenartig ihre Portraits durch Comicbilder ersetzt haben. Ich war dabei, ich fand’s lustig und hatte auch keine Sorge wegen der aufkommenden “die verklagen uns alle!”-Hysterie. Den Anwalt hätte ich mal sehen wollen, der weltweit Hunderttausende abmahnt. Und den Comicrechte-Inhaber, der sich bei Comicfreunden mal so richtig zum Arschloch macht. Ich hätte ihm ne Rechnung geschickt, über 5 Tage Werbung.

Aber jetzt wird’s albern. Jetzt hat sich angeblich jemand ausgedacht, es könnte witzig sein, wenn weibliche Facebook-User statt Gesicht ein Foto ihrer Brüste ins Netz stellen. Nee, klar… Und als nächstes vielleicht die PIN- und TAN-Nummer? Oder einfach das Foto von jemand, der man lieber wäre? Kann alles passieren, solange es Leute gibt, die auch “Bill Gates will Geld verschenken”-Emails hundertfach weiterverschicken, weil sie seit Hermann, dem Kettenbriefteig, nichts dazugelernt haben.

Grade hat die Facebook-Community den Otto-Versand gefoppt und bei einer “Wer wird Model”-Wahl einen männlichen Studenten mit blonder Perücke zum Sieger auserkoren. Da herrscht also echt Witzzwang auf Facebook, das ist ja schlimmer als beim Comedy-Freitag auf SAT1. Und man ahnt, dass das Internet keine wirkliche Alternative zur parlamentarischen Demokratie ist.

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Where is my mind?

In Berlin ist die Reichstagskuppel für Besucher gesperrt. Ich bin nicht ganz sicher, zu wessen Schutz. Der Besucher, der Parlamentarier oder der Kuppel. „Terror“ ist das meistgedruckte und getippte Wort dieser Tage, Experten rechnen aus, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer ist als die, vom Islamisten erwischt zu werden. Es sei denn, du läufst bei Gewitter mit einer Mohammed-Karikatur durch Kreuzberg.

Bald diskutieren wir über ein Vermummungsverbot für Weihnachtsmänner und den Einsatz der Bundeswehr im Wohnzimmerinneren. Fast ist man geneigt zu denken: Wenn da demnächst kein Anschlag passiert, ist die Politik in Erklärungsnot. So gesehen wäre ein Attentat fast schon eine vertrauensbildende Maßnahme. Es gibt Zynismus, der ansteckend ist. Hässlich, grade in der Vorweihnachtszeit.

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In Essen haben jetzt die ersten “Google-Fans” verpixelte Häuser mit rohen Eiern beworfen und Zettel mit der Aufschrift “Google ist cool” hinterlassen. Jetzt gibt es also schon Google-Fans. Wahrscheinlich hängen die sich zu Hause Suchergebnisse an die Wand und wollen den Such-Button heiraten, am besten mit den Worten “auf gut Glück!” Was hohle Kürbisköpfe für Halloween, sind Google-Fans für den gläsernen Bürger. Aber kein Wunder, selbst Massenmörder haben irgendwelche Fans.

Am tollsten find ich die Pixelästheten, die unkenntlich gemachte Fassaden jetzt lautstark als Beleidigung für ihr Auge empfinden. Wie der Kommentator, der sich neulich auf n-tv aufgeregt hat, dass Häuser doch an Wert verlieren, wenn man sie nicht online anschauen kann – als wären alle Immobilienanzeigen gleich mit verpixelt.

Ich will doch bloß nicht, dass eine hochkommerzielle Datenkrake wie Google ohne Erlaubnis mit meinen Gardinen Geld verdient. Wenn irgendwelche Deppen meinen, sie müssten sie trotzdem knipsen und ins Netz stellen, ändert das nichts. Hätte ich die Anschrift der Deppen, würde ich mich auch bei ihnen beschweren. Nicht wegen meiner Privatsphäre, sondern wegen ihrem Googlegroupietum.

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Heiliger Strohsack!

Der Papst hat über Kondome nachgedacht. Vorsichtig, damit nix einreißt. Aber für die Hardliner seiner Kirche ist es ein Schock. Die machen sich Sorgen, dass der heilige Vater in einer Art viertem Frühling moralisch verlottert und vorm Zeitgeist einknickt. “Kondome können in Einzelfällen der Einstieg zu einer Moralisierung sein”, hat er gesagt.

Außerdem ist er für Moscheen in westlichen Ländern und gibt zu, dass im Vatikan keiner mal ordentlich im Internet nachgeschaut hat, wer eigentlich dieser Bischof Williamson gewesen ist. Jetzt kriegen die Vatikan-Fundamentalisten Angst, dass er bald anfängt zu kiffen, auf der Pferderennbahn rumzuhängen und sie per Dekret zum Kopftuchtragen zu verdonnern. Endlich ist wieder mal was los in der katholischen Kirche. Also seit der Inquisition, meine ich.

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