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Archive for 30. September 2010

Im Finanzministerium kursierte schon 2008 eine Neuberechnung des Arbeitslosengeldes auf 364 Euro. Jetzt hat das Arbeitsministerium noch mal ganz wertneutral und eigenständig den „Bedarf“ ermitteln lassen. Und was kam raus? Genau dieselbe Summe. Diese Berechnung war offensichtlich so ergebnisoffen wie ein Playboy, der sagt: „Das Alter einer Frau ist mir egal, Hauptsache, sie ist unter 25“.

Eine ganz besondere Amtsschimmelwieherei ist es ja, wie das Ministerium Wasser zu Wein macht, äh, Bier gegen Wasser aufrechnet:

„Alkohol stellt ein gesundheitsgefährdendes Genussgift dar. Daher wird Alkoholkonsum nicht mehr als regelbedarfsrelevant berücksichtigt. Wird auf Alkohol verzichtet, muss die damit verbundene Flüssigkeitsmenge allerdings zumindest zum Teil durch alkoholfreie Getränke ersetzt werden. Daher wird statt der Ausgaben für Alkohol ein zusätzlicher Betrag für alkoholfreie Getränke anerkannt.

Dieser Betrag berechnet sich folgendermaßen: Es wurden für Einpersonenhaushalte der Referenzgruppe im Jahr 2008 durchschnittliche Verbrauchsausgaben von 8,11 € für alkoholische Getränke ermittelt. Davon entfielen rechnerisch 11,35 % für Spirituosen, die nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht dem Zweck der Flüssigkeitsaufnahme dienen.

Es verbleiben dann von den 8,11 € noch 7,19 € für alkoholische Getränke, die durch alkoholfreie Getränke zu substituieren sind. Es gibt für die Umrechnungen des Preises alkoholischer in alkoholfreie Flüssigkeitsmengen keine Vorgaben, so dass hier eine Plausibilitätsrechnung erforderlich ist.

Für 7,19 € lassen sich etwa 12 Liter preiswertes Bier kaufen. Ausgehend von 12 Litern Flüssigkeitsbedarf ergibt sich das maximal durch alkoholfreie Getränke zu substituierende Flüssigkeitsvolumen.

Da die Flüssigkeitsmenge mit einem preisgünstigen Getränk berechnet wurde, ist es angemessen, auch die alkoholfreien Getränke mit dem niedrigpreisigen Mineralwasser anzusetzen. Für die anzusetzenden 12 Liter Mineralwasser wurde ein Betrag von 2,99 € eingesetzt, für den Supermärkte flächendeckend eine entsprechende Menge Mineralwasser anbieten.

Legt man die Preise der preisgünstigen Discounter für 1,5 Liter Mineralwasserflaschen zugrunde, ergibt sich für 12 Liter Mineralwasser sogar nur ein Preis von 1,52 €. Bei den als regelbedarfsrelevant berücksichtigten 2,99 € ist also bei preisbewusstem Einkauf durchaus Spielraum für Saft oder andere alkoholfreie Getränke.“

Einfach gesagt: Der Wenigverdiener kauft sich im Monat durchschnittlich für 8,11 € Alkohol. Davon dienen nur 88,65% dem Durstlöschen. Das entspricht 12 Litern preiswerten Bieres. Wenn man diese 12 Liter in Form von billigem Mineralwasser trinkt, kostet das durchschnittlich 2,99 €. Die werden also angerechnet. Wer besonders billig einkauft, kriegt die 12 Liter sogar mancherorts für 1,52 und hätte dann sogar noch 1,47 € übrig für einen genussgiftbasierten Vollrausch. Ich gehe mal davon aus, dass die Referenten des Bundesarbeitsministeriums wesentlich mehr übrig haben.

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