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Archive for 10. August 2010

Früher hatte man als neugieriger Spanner-Nachbar ein Kissen auf der Fensterbank liegen. Heute ist das Kissen digital und heisst Google Street View. Es ist eingentlich sogar ein fliegendes Kissen, dass dich noch dieses Jahr in 20 deutsche Städte tragen kann. Um da mal Strassenzug für Strassenzug zu gucken, wer so alles am Fenster hängt, im Hofeingang Drogen verkauft, Gartenzwergfetischist ist oder ein teures Auto vor der Hütte hat.

Das ist natürlich eine grosse Arbeitserleichterung für die Einbrecherbranche, die endlich im globalen Wettbewerb und quasi vom Home Office aus ressourcenschonend recherchieren und planen kann. Als mündiger Bürger und Hausbesitzer bekommt man von der Stasi, äh von Google jetzt sogar die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Man kann sein Haus im digitalen Strassenbild „vernebeln“ lassen.

Auch das ist eine praktische Hilfe für das Eigentumsüberführungsgewerbe, denn der Verdacht liegt nahe, dass grade bei den unkenntlich gemachten Objekten am ehesten was zu holen ist. Wer sich unausgespäht fühlen will, müsste sich mit seinen Nachbarn verbünden, um das ganze Viertel im Nebel der Unkenntlichkeit verschwinden zu lassen. Aber die Nachbarn sind ja noch aus Zeiten des analogen Fensterkissens schlecht aufeinander zu sprechen.

Die erste Stadt, die es schafft, sich der Datenkrake zu entziehen, komplett unscharf zu werden und von der abfotografierten Landkarte zu verschwinden, dürfte sich dann zu Recht das „Atlantis des Digitalzeitalters“ nennen. Auf, wer macht’s? Vielleicht Bielefeld!

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