Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for August 2010

Da bin ich echt mal wieder baff, meine lieben Freunde vom atomverarbeitenden Gewerbe. Während die Kanzlerin noch überlegt, wie sie ihren Energiefreunden durch Laufzeitverlängerungen Milliarden in den Rachen werfen und dabei trotzdem irgendwie dunkelgrün wirken kann, während die Rede davon ist, dass die alten Meiler sicherheitstechnisch aufgerüstet werden sollen, damit sie auch einem abstürzenden Passagierflugzeug standhalten können, was macht Ihr da? Stellt mir ein Plakat in die Straße. Zum „Energietag 2010“. Mit dem Slogan „Da fliegen wir drauf“.

Jaissesdenn! Schön mit „Wann? 5. September, 10-18 Uhr!“ und „Wo? Energiezentrum Biblis!“, also direkter kann man den Osama ja nicht einladen. Der muss nur dahin, wo die Luftballons hängen, wahrscheinlich helft Ihr ihm noch beim schwerkraftintensiven Rückwärtseinparken der Maschine. So verstrahlt wie Eure Werbeabteilung möchte ich mal sein.

Read Full Post »

Die NPD bejubelt Thilo Sarrazin und sagt: „Komm zu uns, wir machen genau deine Politik und es gibt auch noch Fackelzüge!“

Ansonsten gilt der Mann, für den es ein Juden-Gen gibt und der Angst vor migrationsunwilligem und migrationsunwürdigem Gen-Material hat, erschreckend vielen Medien als „Tabubrecher“ und „Querdenker“, der nur etwas zu pointiert formuliert hat.

Und das, obwohl er selbst zugibt, die Zahlen, mit denen er argumentiert, teilweise mangels Erhebungen einfach erfunden zu haben. Würde man den Genpool des Barons von Münchhausen mit dem von Joseph Goebbels kreuzen, es müsste wohl etwas sehr Ähnliches herauskommen wie der Bundesbanker der Herzen, dieser Herrenreiter, der immer wirkt, als trage er ein Monokel im Hintern. Nein, das hier ist kein Sachlichkeitswettbewerb.

Wenigstens die TAZ hat heute klipp und klar mehrfach „Rassist“ geschrieben, wo andere „umstrittener Autor“ stehen hatten. Sarrazin will für immer „in der Volkspartei SPD“ bleiben. Das mit dem Völkischen der Sozis hat er wohl etwas falsch verstanden. Was für ein Glück, daß Sarrazin nur über das Charisma eines verstaubten Knäckebrots verfügt, sonst hätte die neue Rechte ihren Führer gefunden.

Read Full Post »

Als Kabarettist macht man ja zu Recherchezwecken die ekelhaftesten Sachen. Musikantenstadl gucken, auf Wahlkampfveranstaltungen der Jungen Union gehen oder das neue Buch von Thilo Sarrazin bestellen. Ihm 22 Euro in den Rachen werfen, die ich ihm dann bei Bedarf Cent für Cent auf der Bühne wieder aus dem Textkörper prügeln werde.

Ja, ich hab deswegen auch Bücher von Eva Herman und Peter Hahne. Im Dunkeln trau ich mich kaum an meinem Bücherregal vorbei. Alles nur, um dem Argument „Du hast es ja nicht mal gelesen“ entgegnen zu können: „Doch, und es war schlimmer, als befürchtet!“

Bei Amazon sammeln sich grade die 5-Sterne-Kundenmeinungen zu diesem Buch. Das ist fast noch unheimlicher als die Diskussion an sich. Von Amazon-Buchbesprechern möchte man wahrlich nicht regiert werden, die werfen in den unmöglichsten Zusammenhängen mit gelben Sternen um sich.

Aber eines halte ich jetzt schon mal fest: Lieber Herr Sarrazin, ein Deutschland, das aus lauter Leuten bestünde, die zu Ihrem Gedankenkosmos (merken Sie, wie nett ich zu sein versuche?) ostentativ „Recht hat er!“, „Kommende Generationen werden ihm dankbar sein“ und „Wird man doch wohl noch sagen dürfen!“ sagen, wäre ein Deutschland, von dem ich tatsächlich hoffte, es stürbe aus.

Read Full Post »

Heute ist der historische Tag, an dem die Blödzeitung in 3D erscheint. Damit einem die übliche Menschenverachtung noch mal besonders deutlich ins Gesicht springt. Vorne drauf Top-Gun-Guttenberg vor einem Kampfjet. So plastisch, als sei er berührbar. Gutti simuliert mal wieder Nähe. Und Kampfesmut. Wenn der mal Kanzler wird, bombt er persönlich Demokratie auf die Taliban.

Nächstes Thema: Sarrazin. Der Bildungsbürgerführer, dessen Horrorszenarien vom überfremdeten Volk ohne Raum so platt sind, dass nur 3D helfen kann. Ich fordere seine Zwangseinweisung in die NPD und krieg das kalte Kotzen bei diesem braun-brünftigen Blut-und-Boden-und-Bildung-und-Sperma-Geblubbere.

Dreidimensionaler Höhepunkt: Die Kanzlerin am Schreibtisch. Sie sitzt interessanterweise so sehr in der Bildmitte, dass man bei ihr in jeder Hinsicht nicht viel Perspektive sieht. Um sie herum gewinnt das Foto dann an Tiefe und zwar in Rot-Grün. Nie war die Bildzeitung subversiver.

Ach ja, das Tittenmädchen des Tages heißt Silvana und präsentiert ihre Doppel-D in Drei-D, Zwei mal Drei, das passt, das ergibt natürlich Sex. „Da will man nur noch eins: Zugreifen!“ Oder sich an den Kopf langen. 3D-Bild ist eine Art Greifspielzeug für Leser, die aus der analphabetischen Phase noch nicht ganz raus sind.

Read Full Post »

Halten wir mal fest: Den Ausstieg aus der Atomenergie hatte Rot-Grün vor derartig langer Zeit beschlossen, dass die Energiekonzerne sich darauf so entspannt vorbereiten konnten, wie ein Erstklässler auf die Rente mit 70.

Wenn Schwarz-Gelb nun zur Verlängerung der KBrückentechnologie die Laufzeiten an den legendären VW-Käfer anpasst (läuft und läuft und läuft…), dann können sie nicht erwarten, dass sie daran auch nur einen Cent verdienen. Zumindest nicht, wenn die Kanzlerin der Eindruck vermeiden möchte, sie sei der Atomlobby so weit in den Hintern gekrochen, dass sie nur noch mit den Füßen rauswinken kann.

Diesen Sondergewinn der Ernergietombola wollte sie eigentlich abfangen, um ihn direkt in die Brückenausfahrt zu investieren, also in erneuerbare Energien. Weil eine „Abgabe“ aber unter der Würde und dem staatstragenden Selbstverständnis dieser Hightech-Abzocker ist, wird sie jetzt nur einen freiwilligen Beitrag fordern. Das ist wie Selbstverteidigung mit dem Wattebausch. Du wirst dabei aufs Kreuz gelegt, aber wenn du Glück hast, fällst du wenigstens weich.

Dahin führt also ihre große Energie-Reise: Huschhusch zurück ins Körbchen. Und endlich spüren weite Teile der Union wieder das Gefühl, eine Identität zu haben. Nur wo man die dann eines Tages endlagern soll, das weiß jetzt noch keiner.

Read Full Post »

„Das arme Huhn“, jammert Frau Honigbrot seit zwei Tagen. Das kommt halt davon, wenn man halbwegs ländlich wohnt. Vor unserem Haus dackelt stolziert ein Huhn herum, keiner weiß, wo es herkommt oder hingehört. Es guckt. Und ist einfach da. „Aber es will doch bestimmt nach Hause“, sagt Frau Honigbrot. Ich antworte: „Da wo es rausgekommen ist, findet es auch wieder rein, wenn es will! Und wenn wir es zum nächstbesten Bauer bringen, wird der sagen: Ach, prima, das wollte ich eh grad schlachten!“

Aber vorhin saß es plötzlich auf meinem Auto. Ich habe einen empfindlichen Lack. Also sind wir zum Bauer am Ende der Straße. Die Dämmerung setzt ein, kein Mensch ist im Hof, aber die Haustür steht auf. Ich denke: So fangen immer die Filme beim „Aktenzeichen XY“ an. Und am Ende heißt es, dass ein Kabarettist vermisst wird.

Vorsichtig rufe ich „Hallo“. Der Agrarökonom schält sich aus dem Dunkel und trägt einen grünen Blaumann. Nein, sie hätten schon lange keine Hühner mehr, weil sie die immer nur aus Versehen mit dem Pflanzenschutzmittel vergiftet hätten. Das Huhn müsse wohl dem Haus gegenüber gehören, dem mit dem unordentlichen Garten. Und schönen Abend noch.

Wieder daheim stelle ich fest: Der gefiederte Lackkiller sitzt immer noch auf meinem Pkw. Da hört der Spaß auf! Ich stelle mich neben das Vieh. Es macht keine Anstalten, zu fliehen. Ich stupse es mit der Fingerspitze an. Ist ihm egal. Und da überkommt mich wahrer Heldenmut, ich wachse über den Städter in mir hinaus und packe das Huhn mit zwei Händen. Es schlägt einmal mit den Flügeln und dann lässt es sich friedlich tragen. Fast meint man, es hätte Spaß dran.

Ich steuere auf das Haus mit dem unordentlichen Garten zu, das Huhn bleibt neutral, hat zu diesem Vorgang keine erkennbare Meinung. Im Haus kein Licht, da ist niemand. Ich werfe das Huhn über den Zaun. Da hat es Gras und Holz und einen Zaun drum herum. Es sieht fast aus, als würde es da hingehören, passt schon. Von mir aus könnte es da bleiben. Es sei denn, morgen wird es wieder jemand anderem in den Vorgarten geworfen.

Ist so nicht das ganze Leben? Man wirft uns über Zäune, bis wir irgendwo bleiben dürfen. Und dann gibt es Chicken Nuggets. Übrigens: Hühnertragen macht Spaß, vor allem wenn man sie semikriminell im Halbdunkel von Grundstück zu Grundstück umtopft. Ich glaube, ich habe ein neues Hobby. Morgen werde ich versuchen, es zu hypnotisieren.

Read Full Post »

Fahr away!

Dass Friseursalons sich die blödesten Namen geben, ist ja bekannt. Jetzt fangen die Fahrschulen auch noch an. Heute gesehen: die Fahrschule „Let´s Go Drive“.

Ja wie jetzt, fahren oder gehen? Komm, wir gehen fahren? Was kommt als Nächstes? Die Fahrschule „Drive me crazy“? Oder „Gogo Drive“? Hauptsache lockerflockig und englisch. Right before left, you know? Now let the Kupplung slowly come! Baby, you can drive my car! Getting started at the mountain and so on! Let´s go drive – nie waren Fußgänger mobiler!

Read Full Post »

Older Posts »