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Archive for 27. Juli 2010

Hörerwahn

Manchmal will ich fast schon die gute alte Telekom zurück. Zum Beispiel gestern. Da klappte bei einem neu angeschlossenen Telefon die Rufnummernübertragung nicht. Also die Service-Line des Kabelanbieters gesprochen und erfahren, das läge nicht an mir, sondern an der Konfiguration der Fritz-Box. Früher hat´s das nicht gegeben, da kam das Telefon aus der Wand und fertig.

Jedenfalls bekam ich eine Nummer, unter der ich mich von einem weiteren Mitarbeiter der selben Firma kostenpflichtig bei der Konfiguration beraten lassen sollte. Hat es früher auch nicht gegeben, da war „Konfiguration“ die Entscheidung, welche Farbe das Telefon haben soll.

Ich jedenfalls angerufen, 99 Cent die Minute. Der Berater ist erstaunlich kostenbewusst, redet also schnell und scheucht mich durch die diversen Menüs meiner Hardware. Da klingelt mein Handy. Ich hab keine Zeit und drück den Anrufer weg, wer immer das gewesen sein mag. Da klingelt irgendwo im Haus das zweite Festnetz-Mobilteil. Frau Honigbrot kommt damit ins Büro und ich zische sie mit einem beziehungsgefährdenden „Jetzt nicht!“ aus dem Zimmer.

Zwei Sekunden später steht sie wieder vor mir und sagt: „Es ist jemand wegen dem Telefon, er sagt, es sei dringend“. Ich sage zu meinem 99-Cent-Typen: „Moment, da ruft mich grade ein Kollege von ihnen an!“, halte mir den zweiten Hörer ans andere Ohr und habe da den Herren aus dem ersten Gespräch.

„Das ist etwas absurd“, sage ich, „ich rede grade mit der Nummer, an die sie mich verwiesen haben!“ Er: „Da können sie praktisch sofort auflegen“. Ich zum anderen Hörer: „Man sagt mir grade, ich soll nicht weiter mit ihnen sprechen, guten Tag!“ Und aufgelegt. „Ja“, meint der verbleibende Herr, „der Fehler liegt bei uns und wird behoben. Haben sie lange mit der Hotline gesprochen?“ Für die 5 Minuten verspricht er mir eine Gutschrift.

Diesen Moment werde ich nie vergessen, wie ich mit meinem Kopf zwischen zwei konkurrierenden Beratungsansätzen ein und der selben Firma hing. So ähnlich müssen sich Zeitreisende fühlen. Ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt noch Dienstleistung, oder vielleicht schon Wahnsinn war, vermutlich eine Art Borderline-Service. Und jetzt die Schlusspointe: Diese Schizo-Firma heißt ausgerechnet „Unity-Media“.

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