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Archive for 26. Juli 2010

In Duisburg machen die Zuständigen erste Übungsversuche in Richtung Verantwortung. Das ist gut, denn Verantwortung ist ein Muskel, der trainiert werden will, und sei es von McFit.

Die große Frage lautet auch heute noch, wie es sein kann, dass auf dem Gelände offiziell Platz für 250000 Menschen war, die Veranstalter aber am Tag der Parade stolz von 1,4 Millionen Besuchern berichteten. Das klingt ja fast wie der schlechte Witz, in dem der Sicherheitsexperte verkündet, das Areal sei auslegt für eine Million und ein paar Zerquetschte. Eine zynische Pointe, aber im Sinne der Wahrheitsfindung.

Dass dann aber auch noch direkt am Tag eins nach dem Drama die Autobahnbeauftragte Eva Herman aus der Gruft ihrer neo-konservativ-urchristlichen Märtyrerinnengrotte gekrochen kommt, die Love Parade als einen von den 68ern erst möglich gemachten Sündenpfuhl bezeichnet und die Todesfälle als mögliche Strafe Gottes – das ist Zynismus ohne Pointe aber mit Hohlkreuz.

Gerne hätte sie die Friedfertigkeit und Partyhaftigkeit einer drogendurchseuchten Nackttanzsause diskutieren dürfen. Aber ein paar Tage nächstenliebenden Schweigens hätte es dafür schon gebraucht. So muss sie aufpassen, dass man sie beim nächsten Karneval nicht gemeinsam mit Bischof Mixa auf einen „die 68er sind an allem Schuld“-Motivwagen bindet und zur Steinigung freigibt.

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