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Archive for Juni 2010

Weil auch ich irgendwann mal Feierabend habe, poste ich hier mal das, was ich veröffentlichen würde, wenn Christian Wulff wie erwartet spätestens im dritten Wahlgang gewählt würde. Die stille Hoffnung, es könnte anders kommen, gönne ich mir quasi als politisches Feierabendbier am Ende eines heißen Tages…

Jetzt ist er also nicht mal mehr zweite Wahl. Der, den keiner wollte, der aber so sehr im Angebot war, dass er dann doch noch dringend gewählt werden musste. Im Präsidentenausverkauf. Der Wulff im Schafspelz. Der “Kinderlachen ins Schloss Bellevue bringt”, wie die Kanzlerin gestern sagte, die wohl zu viel “Kleiner Prinz” gelesen hat.

Das ist Demokratie: Wir machen das, was keiner wollte, aber alle dachten, tun zu müssen. Gewählter Drittewahlpräsident – das ist ein bisschen wie Brötchen vom Vortag. Durchaus noch genießbar. Günstig. Aber schon auch etwas zäh und pappig. Gegen den Teflonwulff wäre Gauck ja ein Gebirgsmassiv an Streitbarkeit gewesen. Frag mal die Linke. Die mit ihrer Zausel-Luc kaum mehr als engagierte Seltsamkeit demonstriert hat.

Und jetzt: Das Märchen vom Wulff und seiner jungen Frau, ein feuchter Traum für den Boulevard. Da hängt ein Hauch von Windsor über Bellevue. Fast als hätte die Kanzlerin nach Jahren stiller Demut endlich ihren Fitnesstrainer geheiratet. Glückwunsch. Gauck wird als gesalbter Festredner eine leuchtende Zukunft vor sich haben. Und Luc Joachimsen kommt vielleicht als Kommissarin in irgendeinem Tatort unter. Hauptsache, die Kinder lachen.

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Ball 2.0

Wegen der akuten Schiri-Geisterfahrten dieser WM denkt die Fifa jetzt über die Einführung technischer Hilfsmittel nach, was die Torlinie und deren Überschreiten angeht. Zum Beispiel den Chip im Ball. Toll. Dann ist bald das erste Tor ungültig, weil der Ball einen Virus hatte.

Oder das Spiel muss abgebrochen werden, weil der Ball abgestürzt ist. Ganz schlimm auch die Vorstellung, Hacker könnten sich Zugang zum Chip verschaffen. Dann sagt der Schiedsrichter: „Vom Sehen her hätt ich auch gedacht, der wär auf der Tribühne gelandet, aber er war wohl eindeutig drin.“

Und dann kommen die Datenschützer und warnen, dass der Ball speichern könnte, von wem er wann und wie getreten worden ist. Wie wäre es denn einfach mit zwei Torlinienrichtern? Die kosten nicht viel, brauchen keinen Strom und produzieren keine Fehlermeldungen wie „Ihr Ball konnte nicht gelesen werden, bitte kicken sie ihn noch mal ins Tor!“

Warum einfach, wenn es kompliziert geht? Man kann auch Omas einfach über die Straße helfen, oder ihnen Chips einbauen, die dann per Verkehrsleitsystem die Autos um sie herum routen…

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In der Union diskutiert man über Intelligenz. Das ist doch schon mal ein schöner Anfang. Leider geht es dabei um die Idee eines IQ-Tests für Einwanderer. Die will man also nach ihrer zu einem guten Teil angeborenen Intelligenz selektieren, äh, dem deutschen Arbeitsmarkt zugänglich machen.

Das ist natürlich diskiminierend. Genau so gut könnte man auch nach Körbchengröße und sexueller Aufgeschlossenheit auswählen. Das wär dann eben mehr so für den Fortpflanzungsmarkt. Ich fänd ja eine IQ-Tauschbörse interessanter. Für jeden zugewanderten Informatiker, der soundso viel Punkte über dem durchschnittlichen IQ liegt, bürgern wir einen D-Promi oder Kreistagsabgeordneten aus, der entsprechend drunter liegt. Das wär dann auch eine Art intellektuelles Upgrade.

Doch Vorsicht: Es gibt auch jede Menge Arschlöcher mit fantastischem IQ. Da bürgerst du ein paar Jahre fröhlich ein und plötzlich steht die FDP bei 30 Prozent. Apropos: Besonders lustig find ich, wie der Liberale Hartfrid Wolff diese Überlegungen im Sinne der Koalition gerade zu biegen versucht: Gemeint sei damit ja nicht die Intelligenz der Zuwanderer, sondern die Intelligenz der Auswahlkriterien. Allein das ist ein wunderbarer rhetorischer Intelligenztest. Wer´s glaubt, fliegt raus.

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Nach dem Spiel

Dass die deutsche Nationalelf sich durch “undeutsche Tugenden wie Spielwitz und Kreativität” auszeichnet, hab ich heute irgendwo gelesen. Das klang gut und ungefähr so erfrischend wie alkoholfreies Bier. Nach dem Spiel muss ich sagen: stimmt! Zischt, perlt und man kann danach sogar noch Auto fahren.

So wie es die diversen ländlichen Klein-Korsos tun, die jetzt wie fröhlich beschwipste Bienenschwärme luftig am Horizont umherhupen. Selbst Günther Netzer hat Spaß an der Backe. Und den Delling, aber das macht heute nix. Für einen sommerlichen Moment fühlt sich Schwarz-rot-gelb gut an, wie die Mischung aus dem schwarzen Boateng, dem türkischroten Özil und dem goldigen Rest.

Wir sind eine junge Mannschaft. Das wär auch mal ein tolles Konzept fürs ganze Land. Her mit dem Spielwitz und der Kreativität! Dafür würde ich auch in Kauf nehmen, dass Delling und Netzer live aus dem Bundestag kommentieren.

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Sigmar Gabriel ist eine Tratschtante. Und damit eine Art Angela Merkel mit umgekehrten Vorzeichen. Wie sonst soll man sich erklären, dass er ihr vor gut 3 Wochen eine 1220 Zeichen lange SMS geschickt und darin Joachim Gauck als überparteilichen Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen hat? “Ich gehe davon aus, dass dieser Vorschlag vertraulich bleibt” hieß es da. Ein paar Tage später stand die Nachricht im Spiegel.

Vor allem natürlich wegen Merkels Antwort, die mit ganzen 41 Zeichen auskam und da lautete: “Danke für die info und herzliche grüße am”. Das nenn ich mal uckermärkische Knappheit. Und jetzt ist die Kanzlerin sauer auf den Oppositionsführer, aus dessen Umfeld dieser “Infoaustausch” indiskret die Öffentlichkeit erreicht haben muss. Jedenfalls beantwortet sie seine SMSe nicht mehr. Kein Anschluss unter dieser Merkel. Siggi wird ab jetzt nur noch weggedrückt und hat den stummen Klingelton “Ignorance No.1″.

Vielleicht sollte er es mal mit der Rufnummerunterdrückung versuchen. Oder eine Brieftaube schicken, das wäre doch sogar irgendwie traditionell SPD. Zur Not hilft nur noch ein Auftritt bei Kai Pflaumes “Nur die Liebe zählt”.

Natürlich hat Gabriel das Ding selbst rausgehauen. Aus reiner verletzter Eitelkeit. Da schwurbelt er sich einen ab und sie füttert ihn mit einem Textbaustein ab, den wahrscheinlich auch Pofalla bekommt, wenn er bei ihr über Hämorrhoiden klagt. 1220 zu 41. Das ist das Verhältnis, in dem er zu ihr steht. Knapp 30:1. Das ist weniger als die Frucht im Fruchtzwerg. Das ist schon nicht mehr Ignoranz, das ist Homöopathie.

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Das Schönste an der WM ist ja, dass man zurzeit mit dem ganzen Schwarzrotgelb prima Nazis ärgern kann. Weil die deutsche Elf eine Elf mit Migrationshintergrund ist, von Podolski über Cacau bis Özil. Da reagiert der Nazi empfindlich, wenn die Falschen zur Hymne stramm stehen, von Deutschland angefeuert werden und dann auch noch Tore schießen, nichtarische.

Der Pressesprecher der NPD sagt: “Uns stößt übel auf, dass damit der Ursprungsgedanke des Wettkampfs zwischen Völkern vernichtet wird!” Ich glaub, da verwechselt er Weltmeisterschaft mit Weltkrieg. Aber schön für ihn, dass er auch noch den Begriff “Vernichtung” in seinem Satz untergebracht hat.

Das wär ein Fest, wenn die Nationalmannschaft nur Müller, Meier, Schmitz hieße, Trikots von Thor Steinar und Springerstiefel mit Stollen tragen würde. Dann wären die Engländer aber mal richtig motiviert und wir hätten gar keine Chance mehr am kommenden Sonntag.

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Schöner gedenken

In Riesa gibt es eine pfiffige Oberbürgermeisterin, die ist sogar von der CDU. Sie hat mit einer Mehrheit im Stadtrat durchgesetzt, dass die Mannheimer Straße, in der eine NPD-Landesgeschäftsstelle sowie mehrere Büros von Politikern dieser Partei ihren Sitz haben, umbenannt wird. Die Straße heißt jetzt “Geschwister-Scholl-Straße”.

Man wolle damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen, heißt es. Doll, dass die Nazis damit den Widerstand gegen Hitler im Briefkopf tragen müssen. Jetzt muss man nur gut aufpassen, dass sie sich kein Postfach zulegen mit der Zahlenfolge von Führers Geburtstag… Wichtig wäre noch, dass die “Geschwister-Scholl-Straße” eine Vorfahrtsstraße ist oder wird, damit dort kein “Rechts vor Links” gilt.

Da fällt mir ein, dass in Viernheim die “Anne-Frank-Straße” eine kleine Sackgasse im Gewerbegebiet ist. Zwischen Kino und Mediamarkt stehen da ein paar Mülltonnen und mehr ist nicht. Da fragt man sich auch, wer sich da so viel Mühe gemacht hat, das Gedenken zu verstecken. Man muss ja schon froh sein, dass die Straße nicht irgendwo zwischen Kläranlage und Tierheim gelandet ist. Aber es kann ja nicht jedes Städtchen ein so glückliches Straßennamen-Händchen haben wie Riesa.

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Singletaskerhumor

Klischees über Männer und Frauen sind ne feine Sache, sind sie doch die Geschäftsgrundlage ganzer Branchen wie Comedy, der Pornoindustrie oder der katholischen Kirche. Das ist ein bisschen wie mit dem Weihnachtsmann: Man kann ne Menge Spaß damit haben, solange man nicht ernsthaft dran glaubt.

Besonders reizvoll ist es, ein Vorurteil aus der Welt zu räumen, indem man ein anderes verwendet, das damit um so fester zementiert wird. So hat jetzt das Institut für Arbeit und Gesundheit eine Studie veröffentlicht, die widerlegen soll, dass Frauen bessere Multitasker sind als Männer. Sind sie nämlich nicht. Wenn man sie beim Korrekturlesen nebenher, Achtung: Auto fahren lässt.

Da feiern die Chauvis aber Karneval! Da haben sie bestimmt Spaß gehabt beim Forschen. Ich seh sie richtig vor mir, wie die Wissenschaftler bei jedem weiblichen Fahrfehler sackkratzend mit Bierdosen angestoßen und den Probandinnen zugerufen: “Und jetzt erklär mal noch die Abseitsregel!”

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“Lasst uns nicht allein!”, rufen die mit der Regulierung des Finanzsektors beschäftigten Abgeordneten des Europaparlaments uns zu. Es ist ein Hilferuf, wie aus dem Dschungel-Camp der Hochfinanz, fast als würden sie schreien: “Holt uns hier raus, wir sind Demokraten!”

In einem öffentlichen Aufruf outen sie sich als relativ wehrlose Opfer der Banken-Lobby, deren Deutungshoheit sie nicht entgegenzusetzen haben. Die Banker machen weiter wie immer und haben die politischen Gestaltungsräume so durchdrungen, dass die vermeintlichen Entscheider sich hilflos fühlen und von einer “Gefahr für die Demokratie” sprechen. Jetzt bitten sie die “Zivilgesellschaft” um Unterstützung, etwa durch den Aufbau schlagkräftiger Nichtregierungsorganisationen, also so was wie ein Finanz-Greenpeace.

So weit ist es schon, dass wir uns als Bürger mit Schlauchbooten zwischen die Geldhaie werfen müssen, um unsere EU-Abgeordneten vor dem Abschuss zu retten. Parlamentarier, die das Volk um Rückendeckung gegen die Wirtschaft bitten! Es reicht also nicht mal mehr, wählen zu gehen. Wir müssen unsere Politiker aus der Geiselhaft des Finanzterrors befreien. Der bewaffnete Kampf für die Demokratie gehört nicht nach Afghanistan, sondern zuerst mal nach Brüssel.

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Die Geschichte um Walter Mixa ist so grotesk, unwürdig und schäbig, fast muss man vermuten, dass da der Teufel die Finger im Spiel hatte.

Mixa bereut sein Rücktrittsgesuch, er fühlt sich von Kollegen gedrängt und gemobbt. Der Vatikan sagt, an diesem Rücktritt sei nichts zu rütteln, weil gegen den Exbischof eh Beschwerden vorlagen. Diverse Zeitungen von Süddeutsche bis FAZ berichten über ein Geheimdossier, nach dem Mixa ein Alkoholproblem und Priesteranwärterbefummelproblem hat.

Wenn da was dran ist, dann ist er ein saufender Schweinepriester, quasi die katholische Antwort auf Garry Glitter. Wenn da nichts dran ist, ist die Vatikanstasi desinformativ durchgeknallt. Mittlerweile wäre man ja froh, Mixa wäre einfach bei Rot angeheitert über die Ampel gefahren.

So sieht es aber aus, als habe er in der Kirche fummelnd, trinkend und mauschelnd Karriere gemacht, volle Kraft voraus auf der bigotten Überholspur. Wenn der Vatikan nicht dastehen will wie eine Art BP mit längerer Vorgeschichte, dann muss er schnell erklären, warum Bischöfe schlampiger gecastet werden als Superstars bei DSDS.

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