Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Mai 2010

Gestern hab ich ja endlich mal „Avatar“ nachgearbeitet, beziehungsweise geguckt. In 2D, aber auf einem großen Fernseher. Das ist natürlich ungefähr so, wie wenn man Wagners Ring auf einem Radiowecker hört, aber dennoch aufschlussreich.

Schon grotesk, dass der dreidimensionalste Film des Jahres gleichzeitig auch einer der plattesten ist. Das Überraschendste, was passiert, ist, dass der Film einfach nicht aufhören will. Ich meine: Blaue Figuren dabei beobachten, wie sie vor bunten Hintergründen eins mit der Natur werden, das konnte man immer schon, indem man sich bekifft die Schlümpfe anschaut.

Offenbar hat der 3D-Effekt eine betäubende Wirkung auf das Gehirn. Mit so einer Brille auf dem Kopf würde wahrscheinlch auch ein Tuschkasten tiefsinnig und hochemotional wirken. Erst in 2D schaut man wirklich hinter diesen Film, der nichts weiter ist als ein kitischiger Öko-Eso-Hightech-Porno.

Ja, Porno: Schwache Handlung, schlechte Dialoge, komische Farben. Hauptsache es geht zur Sache und die Bilder sind geil. Eine Mischung aus „Blaue Lagune“, Streichelzoo und Zimtlatschen. Nur mit mehr Explosionen. Und wenn ich mal sehen will, wie mir eindrucksvoll was entgegen geflogen kommt, dann geh ich zum Griechen und sag beim Bezahlen: „Die Rechnung geht auf den IWF!“

Werbeanzeigen

Read Full Post »

Die sogenannten Sondierungsgespräche nach der NRW-Wahl sind geplatzt. Weil die SPD entweder eine ausgewachsene Sozialismusphobie hat, oder in erster Linie daran arbeitet, die Politikfähigkeit der Linken zu dementieren. In den Gesprächen ist es angeblich die ersten zweieinhalb Stunden nur um die DDR gegangen. Im Jahr 2010. In Nordrhein-Westfahlen.

Vermutlich sollten dabei die Verteter der Linken sich „Die DDR war ein Unrechtsstaat“ auf die Stirn tätowieren lassen, im Kreis laufen und sich dabei mit einem Honecker-Bild den Kopf blutig schlagen sowie kolletkiv auf eine Hammer-Zirkel-und-Ehrenkranz-Fahne urinieren.

Jedenfalls behautet der Linke-Landeschef Zimmermann, er hätte schon nach einer Stunde sagen sollen: „Ihr tickt doch nicht ganz richtig“. DDR-Exorzismus ist ja genau das, was NRW im Moment am meisten gefehlt hat.

Read Full Post »

Seltsamer Tag heute. Erst stehe ich im Supermarkt vorm Regal, um Kakaopulver zu suchen, das ich für mein morgiges High-End-Tiramisu brauche. Da spricht mich eine Dame an, die offenbar mein Tiramisugesicht erkannt hat:

„Sagen sie mal, Tiramisu, das ist doch mit Mandeln, oder?“ „Naja, mit Mandellikör, genau genommen“, antworte ich. „Oh“, meint sie, „Ich mach es doch für die Kinder“. Ich: „Die andere Hälfte wäre dann auch noch Espresso. Das ist dann ja auch nicht so ideal.“ Sie enttäuscht: „Oh!“ Ich großzügig: „Ach, was soll´s. Espresso, Amaretto und ne Zigarre dazu, dann passt das!“ Lachend verschwindet die Frau hinter dem nächsten Regal.

Später zu Hause steh ich im hochsommerlichen Garten und übe mich in Extreme-Multitasking. Einerseits versuche ich, den größenwahnsinnigen Flieder, der anscheinend von unserem kleinen Garten aus die Weltherrschaft übernehmen will, zurechtzuschneiden.

Andererseits denke ich, während ich mir einen Sonnenbrand hole, über die Aufgabe nach, die ich noch diese Woche erledigen soll: Nämlich eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Für eine CD, die rechtzeitig in den Handel soll. So rechtzeitig, dass ich jetzt bei 25 Grad, mit der Heckenschere in der Hand, „Leise rieselt der Schnee“ summe, um wenigstens etwas in vorweihnachtliche Dichter-Stimmung zu geraten. Ich möchte nicht wissen, was die Nachbarn denken. Na, dann kann es ja Pfingsten werden.

Read Full Post »

Es ist eine Katastrophe in der Katastrophe. Während BP seit 5 Wochen am Meeresboden in der Ölquelle rumstochert, legt der Konzern über Wasser ein Krisenmanagement an den Tag, gegen das ist Angela Merkel Superwoman und der Euro gerettet.

2,2 Millionen Liter der Chemikalie „Corexit“ hat man versprüht, um die Ölpest in den Griff zu kriegen. Ein Mittel, das laut BP-Manager Bob Dudley „im Prinzip so harmlos wie Spülmittel ist“. Bloß, dass jetzt die ersten Helfer krank werden, sich wie auf Droge fühlen und aus dem Nichts eine spontane Raucherlunge entwickeln. Versuch das mal mit Spülmittel.

Das Mittel war auch nach der Exxon-Valdez-Katastrophe eingesetzt worden, damals fanden dann Biologen Seelöwen und Otter, denen davon praktisch das Gehirn weggebrannt worden war. Was die Vermutung nahe legt, Bob Dudley habe das Zeug bei sich zu Hause gelagert.

Corexit wird übrigens von der Firma Nalco hergestellt. In deren Aufsichtsrat sitzt BP. Das sind gute Freunde. Und die Aktie von Nalco ist um 10% gestiegen. BP ist die Un-Firma des Jahres. Man sollte anderswo tanken, solange bis der nächste Mineralölkonzern den noch größeren Bockmist verzapft. Ach ja: Raider heißt jetzt Twix und BP ist Aral!

Read Full Post »

Na, jetzt kann er ja langsam wieder kommen, der alte Kaiser Wilhelm. Auf dem Weg zur Monarchie ist ein weiterer wichtiger Schritt getan. Nach dem ganzen adeligen Von und Zu auf der Regierungsbank heißt der neue Bundeswehrbeauftragte jetzt Herr Königshaus.

Also werden wir künftig öfters Schlagzeilen lesen wie „Königshaus fordert Leopard-Panzer“. Da wird der eine oder andere „Goldenes Blatt“-Leser genauer hinlesen müssen, ob jetzt der oder das Königshaus sich Gedanken übers Komasaufen in der Ausbildung oder den Rückhalt an der Heimatfront macht.

Der letzte Wehrbeauftragte hieß Robbe, das hatte was von „durch den Schlamm robben“, und trotzdem etwas Verletzliches. Der Königshaus hat jedenfalls Freude am Fuhrpark: „Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, der überlegt sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift“. Schneidiger hätt es auch ein Karl-Theodor nicht hingeguttenbergt.

Read Full Post »

Wenn Sie den Babyspeck weit hinter sich gelassen haben und für das Verstehen dieses Satzes hier mehr als 5 Minuten brauchen, dann sind Sie wahrscheinlich sehr, sehr schön.

Denn Wissenschaftler haben herausgefunden: Botox in der Stirn lähmt im Nu das Hirn. Diese Wissenschaftler aus Wisconsin-Madison haben 20 Frauen die Falten weggespritzt und mit ihnen dann anschließend Sprach- und Lesetest gemacht, waren also wahrscheinlich sadistisch und homosexuell. Warum sie dann nicht Modedesigner geworden sind, weiß ich auch nicht.

Jedenfalls haben die Frauen nach der Behandlung eine Sekunde länger gebraucht, um Sätze zu verstehen wie „Sie verabschieden sich von einem guten Freund, den sie nie wieder sehen werden“. Weil es emotionale Sätze sind und das Hirn dabei die Mitwirkung der Stirnfalten braucht, um emotional empfinden zu können. Falten sind also die Gefühlskrücken des Gehirns.

Interessante Theorie. Keine Falten, kein Gefühl, siehe Heidi Klum oder Darth Vader. Der „Gute Freund, den sie nie wieder sehen werden“ wird also gewusst haben, warum er geht. Einer Botoxfassade sein Herz auszuschütten ist ungefähr so sinnvoll, wie einen Pudding an die Wand zu nageln, da bleibt nix hängen.

Künftig sagen wir also: „Nein, das sind keine Falten in meinem Gesicht, das ist eine Landschaft angewandter emotionaler Intelligenz“.

Read Full Post »

Letzte Woche hat die Kanzlerin noch überall verkündet, eine Finanztransaktionssteuer ließe sich in Europa nicht durchsetzen. Heute ist klar: Die EU will diese Steuer und auch die Regierungskoalition ist jetzt dafür. Da fragt man sich schon: Hat Maggie Merkel, die eisernste Lady seit Bismarck, überhaupt einen Durchblick in Sachen Europa? Oder haben die Sarkozys und Berlusconis sie bloß jahrelang mit Handkuss verarscht?

Ist der finanzpolitische Horizont der Kanzlerin etwa der ihrer sprichwörtlichen schwäbischen Hausfrau, die man hat mitreden lassen, weil sie einen guten Kartoffelsalat kann und sonst nix? Im Moment glaubt ihr nicht mal mehr die Bildzeitung die europäische Leadership-Nummer.

In der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende hat sie folgendes gesagt: „Als wir im Herbst 2008 das Bankenrettungspaket geschnürt hatten und wir es zum ersten Mal in einem solchen Zusammenhang mit dreistelligen Milliardensummen für Garantien zu tun hatten, da habe ich nach den getroffenen Entscheidungen in meinem Büro einen Teller Linsensuppe gegessen. Um in einer solchen Ausnahmesituation etwas ganz Alltägliches zu tun. So etwas ist mir immer wichtig“.

Linsensuppe. Da wird sie noch einige auslöffeln müssen. Man fragt sich: Ist das noch putzig und bodenständig, oder schon eine klassische Übersprungshandlung? Vielleicht sogar eine Art Kanzleramts-Hospitalismus.

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »