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Archive for Mai 2010

Ich fass es nicht. Köhler tritt zurück. Der auch noch. Und dazu auch noch in der historisch einmaligen Rolle als beleidigte Präsidentenleberwurst.

Weil er missverständlich über deutsche Wirtschaftsinteressen und deren militärische Verteidigung gesprochen hatte und sich deshalb fragen lassen musste, ob er damit den Boden des Grundgesetzes in den Grenzen des Jahres 2010 verlassen habe.

Diese Unterstellung hat ihn verletzt, es mangele an Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten, sagt er mit feuchtem Blick. Ja, Herrschaftszeiten, darf man den denn nicht mal mehr scharf andiskutieren? Grade auch bei Themen von Leben und Tod, Moral und Geschäft?

Wie viel Würde braucht ein Amt, bis es zum Operetten-Popanz verkommt? Nur so als elegante Mischung aus Queen Mum und Barbapappa über den Dingen schweben, Diskussionen anstoßen wie einer, der auf die Kacke haut, aber dann weg ist, wenn es spritzt – so einen Grüßonkel braucht keine moderne Demokratie. Das kann man billiger haben, so was macht ein Stefan Raab noch nebenbei zwischen zwei WOK-WMs.

Das war also Merkels Mann. Wieder einer weniger, was für ein Verschleiß. Sie wird langsam zur weiblichen Variante von Heinrich dem Achten. Wer tritt als Nächster zurück? Westerwelle, Schäuble oder Guttenberg? Wenn das so weiter geht, rutscht die SPD bald wieder in die Regierungsverantwortung, lange bevor sie bereit dafür wäre.

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Was für ein erfrischend neues Deutschlandbild: Fräuleinwunder 2.0 ! Stell dir vor, die ganze BRD wäre leicht verrückt, gut gelaunt, aufgedreht und im entscheidenden Moment arschcool. Also ungefähr das Gegenteil von Angela Merkel.

Lena ist eine große Hoffnung – für alle Eltern, die sich sagen: „Vielleicht kann aus unserem hyperaktiven Kind auch noch was werden, wenn man das Ritalin weglässt“. Möglicherweise ist sie auch ein Rollenmodel fürs ganze Land. Mit Rettungsschirm, Charme und Melodie (naja, etwas, nicht viel) durch die Krise, Hauptsache Abi und Fußwippen.

Hör mir auf mit mediterraner Leichtigkeit, ab heute kommt die Leichtigkeit aus Hannover, jawoll! Und sie hat einen herzerfrischenden „Ich bin zwar erst 19, aber hab 40 Jahre in einer Suppenküche in Soho gearbeitet“-Akzent.

1982 sah das noch ganz anders aus, da klampfte eine „Ich hab keinem was zuleide getan“-Tröte in einem Kleid aus reinster modischer Kapitulation was von „ein bisschen Frieden“. Was schon damals so zupackend sinnvoll war wie „ein bisschen Schwangerschaft“. Auch Nicole war damals eigentlich eines von Kohls „Mädchen“. Drei Engel für Helmut: Nicole, Angela und Uschi Glas.

Heute heißt der Papa Stefan Raab und ist ein bildungsferner Spaßzyniker, der langsam erwachsen wird. Auch das ist Hoffnung. Der Aufschwung kommt an beim Zuschauer.

Wie ein Satellit hat uns die gute Laune umkreist, immer fast nervig, aber eben auch immer im kleinen Schwarzen. Die ideale Mischung aus Lebensfreude und Reduktion, Sparzwang und Ohrwurm. Hätten Audrey Hepburn und Helge Schneider ein gemeinsames Kind, es wäre Lena. Und es täte uns gut. Oder, um es mit Lenas Worten zu sagen: „Ich freu mich so, so hart“. Ein Satz, den man bisher nur aus der Pornobrache kannte.

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Kann es sein, dass im chinesischen Kalender irgendwie das Jahr der Pediküre ist, oder so? Wie sonst soll ich mir erklären, dass mich seit Wochen ein Wort verfolgt, das sich bisher im allerhintersten Winkel meines passiven Wortschatzes befand? Und jetzt läuft sie mir andauernd über den Weg, in Form von Salbe, Anzeigen und TV-Spots: die „Schrunde“.

Bis vor kurzem hätte ich eine Schrunde für eine Art kreisförmige Schrebergarten-Parzelle gehalten. Dank einer dauerpräsenten Werbung, in der der ein Damenfuß in Sandale sich schorfig und fast schon semi-grindig über eine Rolltreppe schleppt, weiß ich nun, worum es sich handelt.

Also ist mir auch klar, dass die Schrunde an und für sich kein Zeitgeist-Phänomen sein kann, dass eine gewisse Grundschrundigkeit des Menschen spätestens seit der Einführung des aufrechten Ganges zum Status quo gehört. Warum dann aber diese plötzliche Omnipräsenz der Schrunde?

Wer hat sie aus der ästhetischen Schattenwelt der Fußpflege so vehement in den Fokus der medialen Öffentlichkeit gezerrt? Arbeiten die Schrunden an der Weltherrschaft? Oder handelt es sich bei der Schrundensalbe um ein Abfallprodukt aus der Schweinegrippen-Impfstoff-Produktion, das jetzt dringend auf den Markt muss?

In den letzten Jahren wurde es doch auch immer Sommer, ohne dass man uns rissige Hornhaut unter die Sehnerven gehalten hat! „Schrunde“ ist ja als Wort fast noch hässlicher als im Hautbild. Eigentlich ein ideales Schimpfwort: „Du Schrunde, du!“ Effektiv und praktisch. Auf diese Weise kann man Leute beleidigen und hat gleichzeitig auch noch ein Mittel gegen sie parat.

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Der Fußball-Nationalmannschaft scheint es schlechter zu gehen, als ich Laie bisher geahnt hatte. Denn jetzt war doch tatsächlich Reinhold Messner im Trainingscamp für ein Motivation-Referat zu Gast.

Warum Messner? Weil er sich mit verdammt dünner Luft auskennt? Weil er den Yeti gesehen hat oder weil der Berg ruft? Spieler Holger Badstuber zum Vortrag des Exkletterers: „Es war schon ein bisschen nachvollziehbar“. Da hätte ich ja mehr Verständnis erwartet, wo Messners Bücher so Titel tragen wie „Leben am Limit“, „Die Wüste in mir“ oder vor allem „Arena der Einsamkeit“.

Eines der ersten Zitate, dass ich von diesem Motivator gefunden habe, lautete denn auch: „Das Fast-Sterben und dann überlebt haben ist das Stärkste, was wir spüren können“. Da wird es für die Verletzungs-gebeutelte Mannschaft noch einiges zu spüren geben…

Bin schon gespannt, welche Promis als nächstes im Trinaingscamp vorbeischauen. Vielleicht Detlef D! Soost auf ein herzliches „Pampampam!“ oder Steffi Graf mit einer großen Schüssel Barilla-Nudeln.

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„Wir machen den Weg frei – Bundeswehr“, so ähnlich lässt sich zusammenfassen, was der oberste Grüßonkel Hotte Köhler jetzt dem Deutschlandfunk laut ins Mikro gedacht hat:

„Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Weg sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung auch wissen muss, dass im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren“. Heißt: Warnung vor dem schießwütigen Exportweltmeister!

Nach dem Aufschrei der Opposition und dem vernehmlich lauten Schlucken der Union hat Köhler jetzt feststellen lassen, er habe hierbei natürlich nicht von Afghanistan gesprochen. Mit ist das eigentlich egal. Ich finde es verräterisch, wie der Präsident sich darüber freut, dass die „Breite Gesellschaft“ (und damit meint er wohl nicht das Publikum vom Musikantenstadl) langsam auch kapiert, was die politische Elite seit Jahren unausgesprochen praktiziert: Den totalen Wirtschaftskrieg a la „Seit 5:45 wird zurückexportiert! Und wenn euch das nicht passt, ist Polen offen!“

Es ist nun offizielles Herrschaftswissen, dass die Wirtschaft nicht nur die Gesetze macht, sondern auch die Toten. Kein Wunder, dass einer wie Roland Koch endlich da hin will. Wo er noch was bewirken kann. Und dass einer wie Köhler, der von dort her kam und jetzt als Politiker nichts mehr bewirken kann, gefrustet aus dem Nähkästchen plaudert.

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„Wir sind ein Planet, der Lärm produziert“, sagt André Maeder. Der Astrophysiker weist damit mal wieder auf die Tatsache hin, dass Außerirdische noch in hunderten von Lichtjahren Entfernung unser Fernsehprogramm sehen könnten. Kein Wunder, dass sie nicht landen wollen.

Und wenn, dann kommen sie bestimmt, um mit den Klobrillen zu sprechen. Denn leider sehen sie nicht nur Arte und Phoenix. „Hunderte von Lichtjahre“ bedeutet auch, dass jede verdammt Folge GZSZ, jedes elende Musikantenstadl und jedes einzelne European-Songcontest-Trickkleid sich nicht einfach „versendet“, sondern als mediale Abschreckungswaffe mit Langzeitwirkung ewig durchs All wabert. Auf diese Weise wird auch Gottschalk schon mehrfach die Erde gerettet haben.

Immer wenn ich künftig durch Programm zappe und bei Frauentausch, Bohlen oder im MDR lande, wird mich ein großes Gefühl von Sicherheit und Dankbarkeit erfüllen. Ihr Frontschweine in den Sendeanstalten, ihr macht einen Drecksjob, aber ihr macht ihn für uns!

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WM ohne Ballack, Kirche ohne Mixa und Hessen ohne Koch – das Zeitalter der zweiten Reihe ist angebrochen. „Politik ist nicht mein Leben“, hat Koch gesagt und es klang ein wenig wie ein Boxer, der behauptet, er wolle sich ja nicht schlagen.

Was haben wir Koch als Feinbild gehegt, gepflegt und gebraucht. Und jetzt steigt er einfach aus und macht einen auf Wirtschaftsflüchtling. Da ist er ein echter Profi und hat seinen Marktwert stets im Auge. Noch mal Ministerpräsident wär er wohl nicht geworden und die Kanzlerin hat ihn jobtechnisch hochachtungsvoll am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Der Aufschwung Koch war vorbei.

Seine CDU kann noch dreieinhalb Jahre in Hessen vor sich hinregieren und Roland steht da als der, der loslassen kann. Bevor er dann die Gelegenheit am Schopfe packt. Mal schauen, bei welchem Energieversorger er so unterkommt.

Für die Kanzlerin ist der Abgang ihres Vizeparteivorsitzenden ein Verlust. Ohne den hessischen Springteufel, der zuverlässig aus der rechten Ecke geschossen kam, wird es künftig schwer, dem konservativen Parteiflügel bei Laune zu halten.

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Gestern hab ich ja endlich mal „Avatar“ nachgearbeitet, beziehungsweise geguckt. In 2D, aber auf einem großen Fernseher. Das ist natürlich ungefähr so, wie wenn man Wagners Ring auf einem Radiowecker hört, aber dennoch aufschlussreich.

Schon grotesk, dass der dreidimensionalste Film des Jahres gleichzeitig auch einer der plattesten ist. Das Überraschendste, was passiert, ist, dass der Film einfach nicht aufhören will. Ich meine: Blaue Figuren dabei beobachten, wie sie vor bunten Hintergründen eins mit der Natur werden, das konnte man immer schon, indem man sich bekifft die Schlümpfe anschaut.

Offenbar hat der 3D-Effekt eine betäubende Wirkung auf das Gehirn. Mit so einer Brille auf dem Kopf würde wahrscheinlch auch ein Tuschkasten tiefsinnig und hochemotional wirken. Erst in 2D schaut man wirklich hinter diesen Film, der nichts weiter ist als ein kitischiger Öko-Eso-Hightech-Porno.

Ja, Porno: Schwache Handlung, schlechte Dialoge, komische Farben. Hauptsache es geht zur Sache und die Bilder sind geil. Eine Mischung aus „Blaue Lagune“, Streichelzoo und Zimtlatschen. Nur mit mehr Explosionen. Und wenn ich mal sehen will, wie mir eindrucksvoll was entgegen geflogen kommt, dann geh ich zum Griechen und sag beim Bezahlen: „Die Rechnung geht auf den IWF!“

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Die sogenannten Sondierungsgespräche nach der NRW-Wahl sind geplatzt. Weil die SPD entweder eine ausgewachsene Sozialismusphobie hat, oder in erster Linie daran arbeitet, die Politikfähigkeit der Linken zu dementieren. In den Gesprächen ist es angeblich die ersten zweieinhalb Stunden nur um die DDR gegangen. Im Jahr 2010. In Nordrhein-Westfahlen.

Vermutlich sollten dabei die Verteter der Linken sich „Die DDR war ein Unrechtsstaat“ auf die Stirn tätowieren lassen, im Kreis laufen und sich dabei mit einem Honecker-Bild den Kopf blutig schlagen sowie kolletkiv auf eine Hammer-Zirkel-und-Ehrenkranz-Fahne urinieren.

Jedenfalls behautet der Linke-Landeschef Zimmermann, er hätte schon nach einer Stunde sagen sollen: „Ihr tickt doch nicht ganz richtig“. DDR-Exorzismus ist ja genau das, was NRW im Moment am meisten gefehlt hat.

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Seltsamer Tag heute. Erst stehe ich im Supermarkt vorm Regal, um Kakaopulver zu suchen, das ich für mein morgiges High-End-Tiramisu brauche. Da spricht mich eine Dame an, die offenbar mein Tiramisugesicht erkannt hat:

„Sagen sie mal, Tiramisu, das ist doch mit Mandeln, oder?“ „Naja, mit Mandellikör, genau genommen“, antworte ich. „Oh“, meint sie, „Ich mach es doch für die Kinder“. Ich: „Die andere Hälfte wäre dann auch noch Espresso. Das ist dann ja auch nicht so ideal.“ Sie enttäuscht: „Oh!“ Ich großzügig: „Ach, was soll´s. Espresso, Amaretto und ne Zigarre dazu, dann passt das!“ Lachend verschwindet die Frau hinter dem nächsten Regal.

Später zu Hause steh ich im hochsommerlichen Garten und übe mich in Extreme-Multitasking. Einerseits versuche ich, den größenwahnsinnigen Flieder, der anscheinend von unserem kleinen Garten aus die Weltherrschaft übernehmen will, zurechtzuschneiden.

Andererseits denke ich, während ich mir einen Sonnenbrand hole, über die Aufgabe nach, die ich noch diese Woche erledigen soll: Nämlich eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Für eine CD, die rechtzeitig in den Handel soll. So rechtzeitig, dass ich jetzt bei 25 Grad, mit der Heckenschere in der Hand, „Leise rieselt der Schnee“ summe, um wenigstens etwas in vorweihnachtliche Dichter-Stimmung zu geraten. Ich möchte nicht wissen, was die Nachbarn denken. Na, dann kann es ja Pfingsten werden.

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