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Archive for 18. April 2010

Über den Wolken

Sonntag, 14:00 Uhr, die Frisur sitzt, der Flughafenbetrieb in Frankfurt steht. Die Maschine, die mich allsonntäglich nach Mailand fliegt, kann nicht abheben. Und das, wo es mir doch seit Jahren eine liebgewonnene Gewohnheit geworden ist, in diesem kleinen Café in der Mailänder Altstadt zu sitzen und von dort aus meine Sonntags-Postings zu veröffentlichen.

Derartig zurückgeworfen auf mein erdgebundenes Nicht-Vogel-Sein blicke ich betrübt in den frappierend kratzerfreien Himmel über Südhessen und empfinde seine freche Bläue als reinen Hohn. Mit verschwimmendem Blick greife ich mir zum Trost Süßigkeiten aus einer Tüte und ergehe mich in grantelnder Sprachkritik.

„Unendlich zartschmelzend“ steht auf der Konfektpackung. Ja, geht´s noch? Was soll das sein? Die Schokolade schmilzt zart dahin, und immer, wenn man denkt „jetzt ist sie zart geschmolzen“, schmilzt sie noch weiter und noch zarter? Hört die nie auf zu schmelzen, geht das selbst nach dem Verzehr weiter und nimmt noch im Sanitärbereich Stunden später kein Ende?

Was hat Konfekt überhaupt mit Unendlichkeit zu tun? Das ist ja, wie wenn eine Eintagsfliege sich in der Bücherei „Krieg und Frieden“ ausleiht! Oder handelt es sich bei „unendlich zartschmelzend“ einfach nur das geschmacklich-sinnliche Pendant zu „saumäßig sensibel“?

Ist „zartschmelzend“ nicht eigentlich nur dann erträglich, wenn man weiß: Irgendwann wird es auch fertig sein? Es sollen sich schon Leute totzartgeschmolzen haben!!! Plötzlich schleicht sich mir ein wirres Lächeln ins Gesicht: Wenigstens meine Gedanken sind heute abgehoben.

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