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Archive for 11. April 2010

Der Erzieherkönig


Wer geistert so spät durch die entsetzte Nation?
Es ist der Vater mit seinem Sohn.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Sahst Vater, damals den Lehrer du nicht?
Den Erzieherkönig mit Peitsche und Latte? –
Mein Sohn, du warst doch nicht aus Watte! –

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch feuchte Träume sind in meinem Kopf
ich fass die Gelegenheit jetzt mal beim Schopf!“

Mein Vater, mein Vater, du fragtest nicht nach
Was man im Kloster mir sabbernd versprach! –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In druckfrischen Blättern säuselt der Wind. –

„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Und dafür deine Versetzung bestehn?
Meine Finger kriegen sich kaum mehr noch ein
Und streicheln und schlagen und machen dich klein.“

Mein Vater, mein Vater, und sahst du nicht dort
die grausige Schule am düsteren Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, jetzt lach ich bald
das war doch nur der Odenwald. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, wird dir jetzt klar,
was für ein Drecksack der Kunstlehrer war? –

Dem Vater grauset’s, er stammelt geschwind,
einen letzten Satz an das ächzende Kind:
Erzähl mir doch jetzt nichts vom Pferd
Das ist lang her und längst verjährt!

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