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Archive for März 2010

Wenn es im Inneren kriselt, braucht man einen äußeren Feind. Am besten Griechen. Eben noch „Muddi im Nebel“, schwingt sich die Kanzlerin jetzt auf zur Europa-Gouvernante und sagt ganz im Duktus ihrer sprichwörtlichen schwäbischen Hausfrau „Mir gäbet nix!“

Der Internationale Währungsfonds soll´s richten, auch wenn das dann so aussieht, als könnte Europa seine Probleme nicht selbst lösen. Und so sieht es derzeit aus. Prompt knicken die Börsenkurse ein, vielleicht werden Wirtschaftshistoriker dereinst von Merkel-Knick sprechen.

Und warum macht sie einen auf dicke Eier, weil Ostern vor der Tür steht oder die Wahl in NRW? Na, da ist ihr wohl im Zweifelsfall die Wahl wichtiger, denn dass sie durch den Osterhasen die Mehrheit im Bundestag verlieren könnte, davon hab ich noch nichts gehört.

Am deutschen Exportwesen soll die Welt genesen, das ist ihre Botschaft, wenn alle nur so fleißig exportieren würden wie wir, dann wär der Euro sicher. Naja, erstens kann man seinen Exportkram nur an Importierer verkaufen und zweitens hat auch der Exportweltmeister einen Arsch voll Schulden.

Das Einzige, was zurzeit sicher ist: Der Stammtisch boykottiert den Griechen, solange der Ouzo aufs europäische Haus geht. Und die Bildzeitung jazzt die Merkel hoch zum neuen Kaiser Wilhelm. Das ist kein Nebel mehr, das ist äußerst durchschaubar.

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Lyric from outer SPAM

Mein Tag ist gerettet! Es gab das erste Eis im Sonnenschein, meiner Agentur wurde eine Bombe unterm Hintern wegentschärft und ich habe eine herrliche SPAM-Mail bekommen.

Ich liebe diese Mails, in denen irgendwer mehrere Fantastilliarden auf einem gesperrten Konto hat und mir davon was abgeben will, wenn ich ihm behilflich bin, die Knete loszueisen. Am Ende muss man einem Anwalt Geld für ein Flugticket überwiesen und hört nie wieder was, aber sitzt dann bei Günther Jauch zum Thema „So wurde ich verarscht“.

Ich SCHWÖRE, dass ich am Text der Mail nichts verändert habe, sowas kann sich keiner ausdenken. Nur gekürzt hab ich etwas, satzweise. Bitte genießen Sie jetzt:

„Guten Tag und Gott segne Sie… Dieses Medium (Internet) wurde stark misshandelt, ich wählen Sie durch ihn zu erreichen, weil es immer noch die schnellste, sicherste und gesichert Medium der Kommunikation… Mein Name ist Mrs.Lilian Jones, ein Kaufmann in Dubai.

Ich habe mit Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. Es verfügt über alle Formen der medizinischen Behandlung besudelt, und jetzt habe ich nur ein paar Monate zu leben… Ich habe nicht besonders lebte mein Leben so gut, wie ich nie wirklich für jeden betreut (auch mich)…

Ich glaube, wenn Gott mir eine zweite Chance, auf diese Welt würde ich mein Leben anders zu leben, wie ich es lebte… Die letzte von meinem Geld, das niemand weiß, der ist der riesige Kaution von zwölf Millionen Dollar. Ich werde möchten, dass Sie mir helfen, sammeln diese Hinterlegung und versendet es an Wohltätigkeitsorganisationen… Mit freundlichen Grüßen in Christus, Mrs.Lilian Jones.“

Ich finde, diese SPAM-Mails sind eine eigene Kunstform. Irgendwann mach ich einen auf Hegemann und veröffentliche das ganze unter meinem Namen als Lyrikbändchen. Und geh damit auf Lesung. Allein der besudelte Krebs und die wunderbare Wendung „Ich werde möchten“ sind doch literaturpreisverdächtig.

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Es war nicht alles schlecht, sagt die Kanzlerin nach den ersten 145 Tagen der christlichgelben-schwarzliberalen Koalition, dennoch habe es „vieles gegeben, was vielleicht auch vermeidbar gewesen wäre“. Naja, zum Beispiel diese Regierung, die so geschlossen daherkommt wie ein Möbelhaus am Tag der offenen Tür.

Schäuble will die Griechen stützen, Merkel will sie ihre Dionysos-Platte selbst auslöffeln lassen. Rösler hat seine politische Zukunft mit der Kopfpauschale verknüpft, das ergibt ein hübsches ein Makramee der Perspektivlosigkeit. Guttenberg hat schneller Generäle entlassen, als Berichte gelesen. Westerwelle ist Elefant im Sozialladen und reist als Zuckerpuppe von der Connectionstruppe um die Welt. Dirk Niebel ist der Rambo der Entwicklungshilfe, trägt Militärmützen und drückt seine Kumpels ins Ministerium. Und Rainer Brüderle onkelt sich vor ins Lübke-Fach.

Mancher sehnt sich schon zurück nach rot-grünem Chaos. Das ist unheimlich, wenn die, vor denen man uns immer gewarnt hat, auch nicht schlechter waren als die, die uns vor ihnen retten wollten.

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Lappen weg

Es liegt also am Frontallappen. Das ist nicht das Stück Bierbauch, das einem eventuell über den Gürtel hängt. Der Frontallappen ist die vordere Region des Gehirns, die besonders stark durchblutet ist bei Menschen, die zu angemessener Selbstreflexion neigen. Das bedeutet umgekehrt: Die gnadenlosen Selbstüberschätzer haben einen Frontallappen wie einen ausgetrockneten Schwamm. Eine Denkwüste hinter den Augenbrauen. Wenn man denen an die Stirn klopft, müsste klingen wie ein alter, verstaubter Schuhkarton vom Dachboden.

Auf die Frage „Du hältst dich wohl für besonders toll“ könnte man also auch antworten: „Nein, mein Frontallappen kann einfach kein Blut sehen!“ Das sind übrigens dieselben Hirnregionen, die auch zuständig sind für logisches Denken und Entscheidungsfindung. Und je mehr man sich selbst überschätzt, umso weniger kommt man wahrscheinlich mit Fahrkartenautomaten oder Regierungsaufgaben zurecht. Deshalb sagt man ja auch im Volksmund: Diese Koalition hat doch nicht alle Blutkörperchen im Lappen!

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Der Typ, der der Steuerfahndung diese Schweizer Daten-CD verhökert hat, wollte dafür 2,5 Millionen Euro. Bekommen hat er angeblich 2,75 Millionen, damit er sie pauschal und ordentlich mit 10% versteuern kann. Und dann trotzdem auf seine Zweifünf kommt. Das nenn ich korrekt! Geschäfte mit Datendieben machen wir a) wenn es sich lohnt und b) wenn sie ordentlich Steuern zahlen.

Der vom Operettenreichsmarschall Guttenberg geschasste Generalinspekteur Schneiderhahn hat vorm Untersuchungsausschuss gesagt, er habe seinerzeit die Verteidigungsminister alt (Jung) und neu (Gutti) „in den Stand der Urteilsfähigkeit versetzt“. Dieser Satz ist von einer auserlesen vernichtenden sprachlichen Akkuratesse und bedeutet: Der hat den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Oder das Recht vor lauter Bomben, was weiß ich.

Da hat der schwarze Baron sich frisch im Job etwas zu flott durchgeyuppiet. Wenn es hart auf hart kommt, wird er sagen: „Ich kann nicht mehr zurücktreten, denn ich steh ja schon mit dem Rücken an der Wand.“

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Auf der Gedankenflucht

Blogger zu sein ist eine komische Existenzform. Heute zum Beispiel. Keine Zeit, Zeitung zu lesen, keine Zeit für TV oder Internet. Also null Input, nur Trubel um mich herum. Aber hier welterklärerisch und aktuell einen auf dicke Eier machen…

Eigentlich müsste man Passanten fragen, ob was wichtiges passiert ist: Guttenberg in der Badewanne aufgefunden, Westerwelle zurückgetreten, die Odenwaldschule einbetoniert oder Griechenland von den Chinesen aufgekauft.

Natürlich kann der chronische Blogger sich auch in die gnadenlose Ausbeutung des Privaten flüchten: Abgebrochene Fingernägel, prämenstruelle Lebensabschnittsgefährtinnen, nervige Telefonwerbung oder das aufdringlich Sprießen hyperaktiver Krokusse. Verwerfliche Nabelschau, eitle Naturbetrachtung, praktisch Blumfeld als Blog.

Aber nein, das wäre dem Leser gegenüber unredlich, hier muss es um die relevanten Themen gehen: Ich komm heut nicht zum Bloggen. Das wollte ich nur mal eben gesagt haben.

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Wow! Sonne! Frühling! Heißhunger auf Eisbecher! Jetzt geht´s loooos! Die Allergologen warnen: Jetzt kommt alles gleichzeitig geflogen, was krank macht: Die Hasel, die Birke, der Westerwelle. Eben die ganzen Frühblüher, die Pickel machen.

Ich glaub, wenn die Kanzlerin neben ihm auf der Regierungsbank sitzt, dann tränen auch ihr die Augen. Und es juckt sie, weil der Koalitionspartner doch ausschlaggebend ist. Ansonsten hält sie sich an das, was die Allergologen empfehlen: Sie vermeidet anstrengende Tätigkeiten, lüftet morgens regelmäßig das Kanzleramt, setzt sich zur Desensibilisierung gezielt dem Außenminister aus und vertraut nebenbei auf Akupunktur, also feine Nadelstiche. Bei ihm. Wir wünschen: gute Besserung.

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