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Archive for 8. März 2010

Dawn of the Gag

Es ist immer schön, wenn einer vom toten Medium „Tageszeitung“ sich ins Kabarett begibt, um festzustellen, dieses sei noch viel töter. Das ist so eine Art Um-die-Wette-Stinken der Zombies.

Die Süddeutsche hat einen gewissen Burkhard Müller, vermutlich als disziplinarische Maßnahme, in die Münchner Lach- und Schießgesellschaft geschickt, für den das so angenehm gewesen sein muss, wie für unsereins der Aufenthalt im Dschungelcamp. Zur Strafe hat er dann mit dem Kabarett abgerechnet: „Richtig gut war es ja nie“, sagt er. Ihn widert an, wie das Kabarett „an der Illusion festhält, es begehre von unten her gegen die Mächtigen auf“ und sich dabei in „gedankenloser Personalisierung“ der Amtsinhaber ergehe.

Viel Kabarett kann er nicht gesehen haben in letzter Zeit. Geht es da doch immer öfter nicht um „den Westerwelle“, sondern uns, die wir ihn gewählt haben. Kabarett ist oft Fremdschämen im Sinne der Demokratiehygiene. Und hat doch immer mehr den Bürger und seine Verantwortung im Fokus, kämpft also nicht von unten, sondern aus der Mitte heraus gegen die, die noch immer Oben und Unten gegeneinander ausspielen wollen.

Richtig gut kann auch Burkhard Müller nie gewesen sein, wenn er Hoffnung in Horst Seehofer sieht, der am Aschermittwoch einen Westerwelle-Witz reißt: „Für einen Augenblick lebte das Kabarett da wieder auf wie zu seinen besten, den gefährlichen Zeiten. Denn im Gegensatz zu seinen Profi-Kollegen riskierte Seehofer etwas, ein besonders kostbares Gut sogar: den Koalitionsfrieden.“

Ich fass es nicht. Da erzählt einer einem kompletten Bierzelt genau das, was es hören will, und wird von der Süddeutschen als Kleinkunstmessias gefeiert. Es wird Zeit, dass George A. Romero, der Altmeister des Zombie-Films, mal einen Film dreht, in dem sich Feuilletonisten und Kabarettisten zerfleischen. Ich spiel ohne Gage mit!

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