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Archive for März 2010

Ich bin im Internet über geheime Hartz-V-Pläne gestolpert. Das Ganze läuft wohl unter dem Motto „fordern und foltern“. Schon im Februar gab es eine erste Testphase am besonders hartnäckigen Klienten Arno Dübel (54), den die Bildzeitung „Deutschlands faulsten Arbeitslosen“ genannt hat. Diesem mental mit seinem Sofa eins gewordenen, tragischdoof schwervermittelbaren Sündenbock hat man doch tatsächlich die Jacob Sisters auf den Hals gehetzt.

„Wenn er singt, werden die Menschen ihn lieben, wir zeigen ihm, wie er den Ton hält!“, so das Statement des pudelschwingenden Frohsinnskampfgeschwaders. Im Schlepptau hatte es einen Musikproduzenten, der ernsthaft zu bedenken gab: „Herr Dübel sollte einfach erkennen, dass er hier die große Möglichkeit hat, der Allgemeinheit nicht mehr weiter zur Last zu fallen“. Finanziell vielleicht nicht, aber doch akustisch! Da zahl ich lieber für ihn, als meine Ohren hinzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich: Wie arbeitslos wären eigentlich die Jacob Sisters, wenn man sie nicht mühevoll auf Platte pressen würde? Und wieso soll Arno Dübel singen, werden solche Leute nicht vom Jobcenter aus direkt in den Big Brother Container reingecastet? Vermutlich sind diese Hartz-V-Pläne der verzweifelte Versuch der Musikindustrie, auf dem Rücken noch Schwächerer zu überleben.

Arno Dübel hat übrigens nicht gesungen. Ihm war das alles zu anstrengend. Dafür danke ich ihm. Den Jacob Sisters zu entkommen ist eine Leistung. Darauf kann man aufbauen.

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Dirty Drinking

Im oberösterreichischen Örtchen „Fucking“ will man jetzt ein Bier brauen, kein Dunkelbier, sondern ein helles. Heißen soll es dann „Fucking Hell“. Aus Jugendschutzgründen soll das Gebräu aber nur unter zensiertem Namen im Supermarktregal stehen dürfen. Wie wäre es denn mit einem Dünger namens „Fucking Bullshit“? „Fucking Asshole“ ist sicher der örtliche Proktologe und Kinderwägen und Greifspielzeug kauft frau bei „Mother Fucking“.

Ich wette, wenn es in 83367 Petting einen Laden für Übergrößen-Mode gibt, dann heißt er „Heavy Petting“. Haben sie in 14715 Kotzen einen Döner und welchen Namen trägt er wohl? Findet man in 55776 Tittenkofen einen Sexshop? Fragen über Fragen! Darauf ein „Scheiß Dunkel“, wo immer das gebraut wird.

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Man muss es einfach noch mal festhalten: Laut dem CDU-geführten Arbeitsministerium hat Guido Westerwelle Quatsch erzählt. Seine im empörten Tremolo des leistungstragenden Frühaufstehers vorgetragene Behauptung, eine „verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern“ verdiene beim Arbeiten 109 Euro weniger als mit Hartz-IV ist falsch. Offiziell falsch, amtlich belegter Bullshit deluxe, unredlicher Sprechdurchfall, setzen, Sechs.

Eben jene Beispielkellnerin verdient unter korrekter Berücksichtigung von Wohngeld und Kinderzuschuss ganze 465 Euro MEHR. Das ist eine Abweichung von 574 Euro. Wenn der Außenminister mit ähnlicher Präzision durch die Welt fliegt, dann geht er hoffentlich bald verloren.

Man könnte sich jetzt mit der klassischen Huhn-oder-Ei-Frage beschäftigen, also in diesem Fall mit der Erwägung, ob der Vizedekadenzler eher dumm oder niederträchtig ist. In Wirklichkeit ist es aber viel schlimmer. Laut FDP-Pressestelle hatte er die Zahl aus der Bildzeitung. Die wiederum eine falsche Rechnung der FAZ zitiert hat. Der Chef der Freien Demokratischen Partei holt sich also sein Weltbild aus der „Bild“. Und weil ihn die Tittenmädchen nicht ablenken, bleibt er an den Zahlen hängen. Man hätte ihn nie wieder aus diesem Big-Brother-Container herauslassen dürfen, das ist rein intellektuell sein natürliches Biotop.

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Der Winter war hart und Deutschlands Straßen sind löchrig wie Guido Westerwelles Umfragewerte. Um sie zu reparieren (die Straßenlöcher!) bräuchte man 3 Milliarden Euro, die hat keiner. Man könnte die Krater-Straßen natürlich als Kulisse an Hollywood vermieten, wenn da mal wieder eine Mondlandung verfilmt werden soll.

Bis dahin haben sich die deutschen Kommunen eine kostengünstige Zwischenlösung einfallen lassen: Statt Löcher zu flicken, werden einfach „Tempo 30“-Schilder aufgestellt. Deutschland ist porös, aber sicher – wenn alle langsam machen. Vielleicht findet irgendwer noch eine günstige Bezugsquelle für billige chinesische Straßenschild-Imitate.

Und dann machen wir das prinzipiell überall so: Nicht Missstände beseitigen, sondern Schilder aufstellen. Da wo Schulgebäude baufällig sind, kommt ein „Steinschlag“-Schild hin. Da, wo die Leute bei den Tafeln für Essen anstehen, ein Hinweis auf „Staugefahr“. Und dort, wo nur Dumpinglöhne bezahlt werden, ein „Gefälle“-Schild mit genauer Prozentangabe. Zur Not erklären wir das ganze Land zur verkehrsberuhigten Zone. Dann wundert sich auch keiner mehr, warum wir aussterben.

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Schon direkt am Morgen nach dem Kundus-Bombardement lag im Kanzleramt eine E-Mail des Bundesnachrichtendienstes vor, in der er hieß: „Das Verheerende daran ist, dass dabei zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sind“. So was wird ja wohl einer Kanzlerin nicht vorenthalten. Und trotzdem hat sie sich noch ein paar Tage lang angeschaut, wie Franz Josef Jung von nix gewusst hat. Hat sie da mal wieder ihr berüchtigtes Merkel-Schach gespielt – alle Bauern sind am Springen, und am Schluss bleibt immer die Dame übrig?

Jung hat genervt, Jung war überfordert, aber er war Roland Kochs Mann. Und da hat sie sich gedacht: „Was er nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Und mit quasi naturwissenschaftlichem Interesse geschaut, wie lange es wohl braucht, bis der Verteidigungsminister auch mal informiert wird. In der freien Wirtschaft hieße das Mobbing, in der Politik nennt man es Führung.

Dem Vizekanzler wird sie auch nichts erzählt haben, denn Wissen ist Macht und außerdem war Wahlkampf. „Alle unfähig außer Mutti“, das ist im Zweifelsfall eine gute Strategie. Aber dass eine Kanzlerin den Bundestag und das Volk über Tage hinweg für dumm verkauft, das ist schon mehr als eine Skandal-Randnotiz. Und sie wird es ja nicht im Ernst damit begründen wollen, sie habe sich erst mal loyal hinter Jung gestellt. Wenn sie das im Untersuchungsausschuss so sagt, dann lachen aber die Hühner. Und die sind zum Ausschuss leider nicht zugelassen.

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Wenn er beliebt sein hätte wollen, dann wär er Schlagersänger geworden, hat Guido Westerwelle mal gesagt. Jetzt sind seine Umfragewerte so durch den Boden gebrochen, dass die Regierung gerüchteweise daran denkt, das so entstandene Loch auf seine Tauglichkeit als Atommülllager zu testen.

Noch nie ist im ZDF-Politbarometer ein Außenminister oder FDP-Vorsitzender schlechter bewertet worden, Merkel würde wohl sagen, er sei die rote Laterne des Kabinetts. Andere würden sagen, er stinkt. Es kann nicht mehr lange dauern, bis er anfängt, Schlager zu singen.

Wie unbeliebt muss ein Minister eigentlich werden, bis eine Kanzlerin anfängt, ihn rauszumobben? Oder lautet ihr neues Erfolgsrezept „Lasst unbeliebte Männer um mich sein!“? Gegen diesen Vize kommt einem die Unions-Chefin vor wie Lena Meyer-Landrut, man möchte sie den ganzen Tag knuddeln, auch wenn sie keinen Ton richtig trifft.

Westerwelle ist vorsichtiger geworden, zumindest, so heißt es aus der FDP-Führung, überlege er jetzt „schon im Voraus, welche Wirkungen er mit welchen Handlungen bei den Medien auslösen könnte“. Wow. Vorausdenken! Ich wette, er selbst empfindet das schon als ein heftiges Einsetzen von Altersweisheit.

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Jetzt hat der Bund derartig wachstumsbeschleunigt, dass es für die Kommunen die reinste Vollbremsung wird. Die Stadt Köln erwartet, dass ihr dieses Jahr auf die Weise 30 Millionen Steuereinnahmen entgehen und steuert (im wahrsten Sinne des Wortes) jetzt dagegen mit der Bettensteuer, einer Art Kurtaxe für Hotelgäste. Seit Jahren erheben die Kölner ja auch schon die volkstümlich „Sexsteuer“ genannte Abgabe für Prostituierte.

Beides sind Modelle, die andere Kommunen natürlich inspirieren. Es ist nur eine Frage der Zeit und der von der FDP durchgeboxten Steuersenkungen, bis überall in Deutschland neue kommunale Steuern auftauchen. Ob eine Arschgeweihsteuer in Gelsenkirchen, eine Wetterfroschwegsperrsteuer in Mannheim, eine Sängerknabenbefummelungssteuer in Regensburg, eine Weißwurststeuer in München oder eine Roasajogginganzugsteuer in Berlin-Marzahn. Es wird bunt.

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