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Archive for 25. Oktober 2009

Zucker im Hirn

Was mich an der aktuellen Fernsehwerbung am meisten nervt und belustigt, sind diese Interview-Spots, in denen jemand unglaublich realistisch und spontan in einer Art “Interviewsituation” seine Eindrücke zum Produkt in die Kamera stammelt, so ganz doku-reality-authentisch.

Grade der Süßwarenhersteller Storck leidet derzeit extrem unter akuten Talk-Fieber-Schüben, a` la: “Naja, erst ist es wie ein Sahnebonbon, aber dann beißt du rein und denkst ´wow´, da ist echt noch… ja, was ist das? So ein ein cremiger Karamellkern halt, der ist da irgendwie drin, also außenrum diese süße Schale und drinnen dann, ich weiß gar nicht, wie es das sagen soll, der Wahnsinn halt…”

Den Vogel schießt die Werbung für Toffifee ab. Da hat man echt das Gefühl, die Kreativabteilung arbeitet an der Zweitverwertung ihrer persönlichen Therapieerfahrung. In einem Spot sitzt ein Rudel emotional verwahrloster Hausfrauen und Mütter im lockeren Gesprächskreis und labert sich in einer Mischung aus Familienaufstellung und Zuckerschock ins hochkalorische Betroffenheits-Koma: “Mit Toffifee erleben wir uns als Familie wieder gemeinsam…”.

Was für arme Seelen, deren Familie nur durch ein knatschiges Stück Bonbon zusammen gehalten wird. Man würde sich nicht wundern, wenn eine von ihnen auf die Knie fiele und sagte: “Ohne Toffifee hätte ich mich schon längst von meinem Mann getrennt und die Kinder verkauft!!!”. So gesehen gehört Toffifee eigentlich von der Krankenkasse bezahlt und für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Ich habe Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, als man sich noch die Zähne verderben durfte, ohne dafür einen familientherapeutischen Überbau herbeischwurbeln zu müssen.

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