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Archive for 1. September 2009

Marktplatz Mannheim. Etwa 700 Menschen warten auf den tiefroten Oskar. Die Wahlveranstaltung der Linken ist erfrischend schnörkellos, ohne Kulturprogramm wie rezitierende Tatortkommissare oder den Chor der russischen Schwarzmeerflotte. Bevor der Meister im silbergrauen Audi angekarrt wird, dürfen lokale Linksgrößen rhetorisches Gefälle herstellen, indem sie sich krampfig und überengagiert durch ihre Manuskripte stammeln. Danach ist Lafontaine vergleichsweise schon mal rein rednerisch ein Titan. Clever.

Ruhig fängt er an, so unpopulistisch er nur kann. In 45 Minuten arbeitet er sich vor bis hin zur markplatzgerechten Rage. Was sagt er? Viel Richtiges. Und dass die Linke die einzige Partei ist, die die Interessen der deutschen Mehrheit vertritt. Und weil die Linke trotzdem nicht die Regierung stellt, ist Deutschland keine echte Demokratie. Ah, so einfach kann das sein, das ist die Lafontainesche Demokratietheorie.

Oskar duzt das Wahlvolk und garantiert, dass es auf Bundesebene keine Regierungskoalition unter Beteiligung der Linken geben werde. Solange die anderen keine andere Politik machen, will er mit denen nix zu tun haben. Auch ne Koalitionsaussage, mit generell umgekehrtem Vorzeichen.

Der liebe Gott und das Glockenspiel des Mannheimer Rathauses machen sich einen besonderen Spaß, die Redepassage, in der es um Pelz tragende Milliardärinnen geht, mit den Klängen von “Guten Abend, gute Nacht” zu unterlegen, man weiß gar nicht, wer in dem Moment populistischer ist, das Gebimmel oder Oskar, der Rächer der Enterbten.

Im Prinzip sagt er: “Wenn ihr uns nicht wählt, seid ihr blöd.” Und deshalb mag ihn keiner wirklich. Weil man sich auch dieses Jahr wieder zutraut, auf diese Weise blöd zu sein. Verhaltene Standing Ovations, mehr aus der Abteilung “Füßevertreten”, denn der Großteil der Zuschauer durfte auf seniorenfreundlichen Bierbänken sitzen. Da muss Oskar auch schon weiter, Freiburg wartet.

Joschka Fischer hat ja über sich selbst gesagt, er sei der letzte Live-Rockn-Roller der bundesdeutschen Politik gewesen. Quatsch. Lafontaine rockt heute noch.

lafoMA

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