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Archive for 4. Mai 2008

Die Sonne scheint. Es ist mehr als eine Expedition, es ist ein Kampf. Um Land. Meter um Meter holen wir uns unter Schwitzen und Keuchen das von der Natur zurück, was sie sich einverleibt hatte. Die Vegetation stellt sich uns machtvoll in den Weg. Wir, das sind in dem Fall meine Gartenschere und ich, beim Versuch, den gepflasterten Weg zum Komposthaufen freizulegen. Immer unter dem argwöhnischen Blick des Nachbarn, der aus seinem perfekt gepflegten Garten durch den Zaun herüberschielt, in einer Mischung aus Abscheu, Angst und Verachtung. Er ist ein Gartenkolumbus, ich bin einer dieser Typen, die ruckzuck im Dschungel verloren gehen. „WER hat´s erfunden?“ könnte auf seine Stirn tätowiert sein und keiner würde sich wundern.

Im Hintergrund hört man seit einer Dreiviertelstunde das Kampfgeschrei der anderen Nachbarn. Das junge Pärchen brüllt sich streitend an. Alle 10 Sekunden fällt das Wort „Mutter“, das macht bisher 270 mal „Mutter“, eine reife Leistung, wenn man bedenkt, das erst nächste Woche Muttertag ist.

Auf der anderen Seite der Straße bellt seit 7 Stunden ein Hund, ein Beagle. Ja, das ist ein Hund und kein Teigkringel mit Sesam drauf und einem Loch in der Mitte – auch wenn das die Bäckereifachverkäuferin am Eck nie verstehen wird. Der Hund wurde vor wenigen Tagen angeschafft, vermutlich, damit der Sohn des mittlerweile getrennt lebenden Herrchen öfter zu Besuch kommen mag, Wuffi ist eine weitere Attraktion neben dem Baumhaus und dem Schlagzeug. Fürs Sorgerecht wird das aber wohl doch nicht reichen. Im Moment ist der instrumentalisierte Beagle sehr verzweifelt. Er kämpf mit der Einsamkeit. Andere kämpfen mit Ödipuskomplexen. Wieder andere mit der Natur. Trotzdem fühlt sich heute alles gut an, denn die Sonne scheint. Als ob nichts wär.

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