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Archive for 14. April 2008

Kilometerfresser

Was für ein überraschendes Comeback: Der Hunger ist wieder da! Peer Steinbrück nennt ihn beeindruckt ein „Ungeheuer, das plötzlich die politische Bühne betritt”. Mensch, den Hunger, den hatten wir doch schon in den Achtzigern aus unserem Bewusstsein weggespendet. Und jetzt hat er globale Volkswirtschaft studiert und sich einen neuen Trick ausgedacht: Essen ist genug da, es können sich bloß immer weniger Menschen leisten. Teuflisch! Da macht sich Betroffenheit breit unter uns Besseressern. Und Angst, dass uns die Dritte Welt bald die Butter vom Brot putscht.

Es hängt halt noch immer alles zusammen in der Welt, wie im Physikunterricht bei den kommunizierenden Röhren, fast möchte man von kommunizierenden Speiseröhren sprechen. Die Hälfte des weltweit produzierten Getreides landet im Vieh oder im Tank, in den USA ist beispielsweise ein Drittel der Maisanbaufläche für subventionierten Biosprit reserviert. „Die Armen haben keine Grundnahrungsmittel mehr? Sollen sie doch Kuchen essen!” – während wir mit dem Öko-Auto zum Bäcker fahren.

So ist das, mit Hunger kann man PKWs antreiben. Und wahrscheinlich kann man bald genau ausrechnen, wie viel Unterernährung ein Wagen auf 100 km erzeugt. Dafür gibt es dann eine Ernährungsplakette auf die Windschutzscheibe, und nur mit der grünen Plakette darf man in die Innenstadt zum Feinkosthändler fahren. Mist. Es langt halt nicht, nur das Klima zu retten – nach dem Motto: Gletscher bewahrt, Afrika verhungert. Wie würde Brecht es sagen? „Erst kommt das Fressen und dann das CO2″? Die Welt bleibt zuverlässig kompliziert.

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