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Archive for 4. April 2008

Meine Zeitung behauptet heute, das Internetangebot „rottenneighbour.com“ würde demnächst auch eine deutsche Seite aufmachen. Das ist eine Mischung aus Stasi, Google, Blockwart und den Verwerfungen am US-Immobilienmarkt. Man kann da auf der Landkarte ein „rotes Häuschen“ platzieren und dann einen Kommentar hinterlassen, was für furchtbare Menschen sich an dieser Stelle finden, zum Beispiel Leute, die beim Sex zu laut stöhnen. Frechheit, Stöhnen! Und dann dabei auch noch Sex haben! Das ist natürlich praktisch, da weiß dann der puritanische Familienvater, wo er auf keinen Fall hinziehen sollte. Und der chronische Autoerotiker weiß, wo er definitiv hinziehen will.

Gewarnt wird auf dieser Website auch vor Transvestiten, Autobastlern, Pädophilen, Hundeschändern, Amerikahassern oder Menschen, die gerne Essen zubereitet, das komisch riecht. Aber seltsamerweise nicht vor Denunzianten. Fair wäre dieser Service eigentlich nur, wenn jeder, der ein rotes Häuschen auf die Karte setzt, selbst als schwarzes Petzenhäuschen vermerkt würde.

Ich weiß, wie furchtbar es ist, wenn Nachbarn nachts um 4 laut PUR hören oder Wolfgang Petri im Techno-Mix (gibt’s!), während sie ihrem Drogen-An- und Verkauf nachgehen, Kampfhunde züchten und öffentlich sexuell verwahrlosen. Vielleicht würde ich aber genau an diese Stelle ein grünes Häuschen auf die „Rottenneighbour-Karte“ setzen – so sieht es nämlich aus, wenn man einen lobenden Kommentar hinterlässt.

Ich würde schreiben: „Reizende Akademikerfamilie mit hilfsbereiten, nordisch benannten Kindern und einem Hausrat, der zu 80% aus dem Manufaktum-Katalog stammt.“ In der Hoffnung, dass demnächst hochqualifizierte Verstärkung in der Straße einzieht und wir gemeinsam der Brut den Garaus machen.

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