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Archive for April 2008

Heute ist in meiner Zeitung eine 8-seitige Werbebeilage der „Linken“, die, wohl um sich bewusst jedem Populismusverdacht zu entziehen, komplett wie die Bildzeitung aufgemacht ist. Da, wo in einem roten Quadrat sonst „Bild“ steht, steht „Klar“. Wohl weil sie unbedingt 4 Buchstaben wollten. Und „link“ irgendwie doof gewesen wäre. Statt „Post von Wagner“ gibt es die Kolumne „Post von Lafontaine und Gysi“, mutig, sie auf diese Weise mit dem durchgeknallten Sabber-Dadaisten gleichzusetzen.

Ansonsten geht es in „Klar“ um die bekannten Linksthemen: Rente rauf, Soldaten raus und Umverteilung von rechts oben nach links unten. An einer Stelle heißt es, wenn Walter Riester für Gagen von 7000 Euro aufwärts vor Banken Vorträge hält, seien das „nicht mehr normale Gefälligkeitshonorare und politische Korruption, wo doch ein Arbeitnehmer im Durchschnitt mit 2000 Euro im Monat auskommen muss“. Mit zwei, drei Klicks auf den Seiten des Bundestages habe ich dann gleich mal verifiziert, dass beispielsweise auch Gregor Gysi von der Deutschen Bank für die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion mehr als 7000 Euro bekommen hat. Natürlich ist Gysi unterhaltsamer korrupt, „klar“.

Das Schönste an dieser Zeitungsbeilage ist aber, dass die „Linke“ auch Plattenkritiken veröffentlicht. Fünf von fünf möglichen erhobenen Fäusten gibt es für „Back to black“ von Amy Winehouse, die sich um ihre Rente wenig Gedanken machen muss, weil sie sie wahrscheinlich gar nicht mehr erlebt. Sage ich. „Klar“ sagt: „Ein echte Perle. Aber Vorsicht: Soul in tiefen Zügen genießen kann nur, wer sich Aug´ und Ohr fürs Tragische bewahrt.“. Also Mitschunkeln bitte nur aus vollinhaltlicher, menschlicher Solidarität! Die A-Capella-Gruppe „Wise Guys“ bekommt nur 3 von 5 Fäusten, sei aber „jedenfalls hübscher anzuhören als das pseudoradikale Geplärr der Toten Hosen“. Wahrscheinlich sind die Hosen einfach zu SPD-nah. Sheryl Crow bekommt immerhin 4 von 5 Fäusten: „Hier rotzt und rockt sie wieder ab wie weiland ihn ihrer LA-Garage mit ´All I Wanna Do´“.

Ich freu mich schon auf die erste CD von „Greg and Oss“, die vermutlich „Letters from the left“ heißen wird. Und natürlich 5 Fäuste bekommt, wahrscheinlich weil die beiden da „rotzen und rocken wie weiland im Sozialstaat, dabei volltragisch ins Auge und ins Ohr gehen echt radikal in die Hose gehen“.

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Ja, ich war schon wieder beim Arzt. Mir selbst geht es bestens, ich habe nur eine mir persönlich nahestehende Fußkranke zum Orthopäden begleitet. Nach dem Antrittsappell der Begrüßung durch eine Sprechstundenhilfe, die über den Charme und die Stimme einer sehr osteuropäischen Kugelstoßerin auf Testosteron verfügte, saßen wir dichtgedrängt in einem stickigen Wartezimmer. Trotz Termin anderthalb Stunden. Orthopädie scheint eine Boombranche zu sein.

Die ausliegenden Zeitschriften waren vom Angstschweiß der Patienten so abgegriffen, dass die Titelbilder schon zu einem blau-grau-weißen Nebel verschwommen waren. Ich hatte ein Buch dabei. Moby Dick. Hab es aber doch schnell beiseite gelegt. Zum einen, weil die mitwartende Dorfjugend mich für einen perversen Buchfreak mit bildungsbürgerlichem Protzgehabe zu halten schien. Zum andern, weil ich selbst das Kapitel über das Zersägen und Zerlegen eines Walskelettes in diesem orthopädischen Umfeld als etwas pietätlos empfand.

Die Dorfjugend traf sich übrigens mit großem Hallo, hatte sich jeweils gegenseitig beim Ringen diverse Gelenke ausgekugelt und erweckte den Eindruck, dies auch weiterhin tun zu wollen. Kein Wunder, dass die Orthopädie boomt. Ach ja, es gab in diesem Wartezimmer noch eine dünne Tür, hinter der besonders masochistische Patienten unüberhörbar ihre Notdurft verrichten konnten.

Insgesamt ein beeindruckender Hort der Unerfeulichkeit, dieses Wartezimmer. Der einzige positive Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, war der, dass man sich beim Orthopäden durchs Warten wenigstens keine ansteckenden Krankheiten holt. Obwohl ich mich dabei erwischt habe, über einen Ringkampf mit der Sprechstundenhilfe nachzudenken. Bei einem Facharzt für Atemwegserkrankungen möchte ich beispielsweise nicht sitzen, und wenn, dann höchstens im Taucheranzug. Man wird so sensibel mit der Zeit.

Ach ja, die Fußkranke geht schon wieder besser. Und ich arbeite an mir. Noch zwei, drei solcher Wartezimmer und ich bin ein Hypochonder.

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Moment mal: Der ganze Liebreiz der Gesundheitsreform zeigt sich im Begriff des „morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs“. Klar, es geht darum, den Kassen mit den krankesten Patienten einen Augleich zu finanzieren. Stell dir vor, Kasse A hat nur lauter Einbeinige mit Raucherbein als Mitglieder und Kasse B nur lauter nichtrauchende Tausendfüssler, da wird es ohne finanziellen Ausgleich schwierig mit dem Wettbewerbsgedanken. Trotzdem eine unangenehme Idee, dass der Gesetzgeber morbiditätsorientiert ausgleicht. Ein Kandidat für das „Unwort des Jahres“.

Moment noch mal: Porsche-Chef Wiedekind hat vor 5 Monaten in seinem Wolfsburger Hotelzimmer ein Babyfon gefunden und fühlt sich diese Woche davon so abgehört, dass er Strafanzeige erstattet? Babyfon? Das passt aber nicht unbedingt zum alten VW/Audi-Slogan „Vorsprung durch Technik“. Wiedekind versucht ja zur Zeit, für Porsche die VW-Mehrheit zu kapern und steht deswegen etwas als Buhmann da. Will er darum gerade jetzt auch mal ein bisschen als Opfer dastehen? Verständlich. Aber dann doch bitte nicht als Babyfon-Opfer, merkt er nicht, wie klein er sich damit macht?

Moment doch noch mal: Zypries und Schäuble haben mit dem US-Justizminister ausgemacht, dass auch Daten zum Sexualleben und der Gewerkschaftszugehörigkeit von Verdächtigen übermittelt werden dürfen, natürlich nur zur Terrorabwehr. Weil ja bekanntlich grade die Kuschelsex-Freunde mit Trillerpfeife terrorgefährlich sind. Oder vor allem auch die Jungfrauenfetischisten mit Megaphon. Die Minister behaupten, dass die Vereinbarung die Rechte von Verdächtigen im Gegenteil besonders schützt, da sie regelt, dass diese sensiblen Daten nur nach besonderer Prüfung weitergegeben werden können. Also kann man davon ausgehen, dass bisher auch Penislänge, Stillverhalten, Golfhandicap und Zehennägelschneidegewohnheiten übermittelt wurden.

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Der Präsident der Deutschen Rentnerversicherung, Herbert Rische, hat einen einfachen Trick, um die Altersversorgung eines Landes schnell zu beurteilen: Er geht zu McDonalds. Arbeiten dort vor allem ältere Menschen, gibt es ein Rentenproblem. Interessant. Künftig sagen wir nicht mehr „ich geh mal eben zum Meckes“, sondern „ich mach mal einen sozio-ökonomischen Kurz-Check“. Und wenn dir da jemand über 60 die Pommes in die Tüte schaufelt, dann kannst du direkt anfangen, dir Sorgen um deinen Lebensabend zu machen.

Rische sieht die Armut in Deutschland eher bei den Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden und Kinderreichen. Und bei den „Mc-Jobbern“ natürlich, also denen, die hart arbeiten, aber so wenig dabei verdienen, dass sie auf Staatsknete angewiesen sind. Dass die dann als Rentner ebenfalls arm sein werden ist keine künftige Überraschung des Rentensystems, sondern eine Folge menschenverachtender Arbeitsverhältnisse in der Gegenwart. Das reißt auch keine Rente mehr raus. Auch wenn manche „Rente“ anscheinend noch immer für einen vorparadiesischen Gnadenzustand halten, eine Art Wiedergutmachung kurz vor der Bahre nach dem Motto: „Wir haben dich so lange beschissen, da, jetzt mach mal ne Kreuzfahrt, sei dankbar und dann halt die Klappe!“.

Altersarmut ist also nichts, was auf uns zukommt, sondern eine Armut, die wir heute schon kultivieren. Da können die bei Mc Donalds direkt schon mal anfangen, die Tasten ihrer Kassen in Großdruck zu beschriften…

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Großbritannien will auf seinen Flughäfen die automatische Überprüfung der biometrischen Daten anhand von Reisepass und Gesichtsscanner einführen. Sollten sie nicht erst mal üben, Koffer zu sortieren? Der Britische Grenzschutz-Entwickler Gary Murphy fragt sich: „Wird das angenommen werden? Wir müssen beobachten, wie die Leute reagieren, wenn die Maschine sie zurückweist“. Ob sie wohl drantreten? Oder versuchen, den Stecker zu ziehen?

Nach Murphys Gesetz wird diese Computer-Abfuhr oft der Fall sein. Da sagt der Bürger: „Oh, schön, dass mit meinem Gesicht was nicht stimmt, da fühl ich mich gleich viel sicherer!“. Diese Technologie hatte schon am Mainzer Hauptbahnhof nur eine Trefferquote von höchstens 40%, aber da kommt ein Murphy ja im Auftrag ihrer Majestät so selten hin.

Was ist übrigens mit den Terroristen, deren Gesicht zum Pass passt? Sind die jetzt ungefährlich, kriegen die von der Maschine Komplimente wie „herrliche Übereinstimmung, Sir, guten Tag, Sir!“? Was ist mit Botox und aufgespritzten Lippen? Da wird sicher bei manchem Ehepaar Er vor der Maschine auf die Knie fallen und sagen: „Danke, ich hab immer geahnt, dass sie was hat machen lassen!!!“. Und wenn der Scanner eine überdurchschnittliche Ähnlichkeit zwischen deinem Gesicht und deinem Koffer feststellt, wirst du automatisch aufs Gepäckband geschubst und in Heathrow sicherheitshalber verschlampt.

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Die machen was sie wollen, die Jungs vom BND. Jetzt vertraut ihnen nicht mal mehr die Kanzlerin und schickt ihnen eine „Prüfgruppe“ ins Haus. Die sollen dann bitte mal die bekannten Hobbys der Geheimdienstler auf ihre Rechtsstaatlichkeit überprüfen: Das Sitzenlassen von bärtigen Folteropfern (Kurnaz), das Raushauen von Millionen für raubkopierte DVDs (Liechtenstein), das Belauschen von Reportern und das Tolerieren von polizeilichem Nachhilfeunterricht in Lybien. „Der BND ist kein Sauladen!“ hatte Ernt Uhrlau vor zwei Jahren noch gesagt. Nein, aber ein Schlammpfuhl mit Trögen, Grunzen und Borstenvieh. Die Muppet-Serie „Schweine im Weltall“ war seriös dagegen.

Warum muss der BND-Chef nicht zurücktreten? Angeblich mochten die „Schlapphüte“ ihren Boss gar nicht, er hatte nicht den richtigen Stallgeruch. Vielleicht haben sie ihn auflaufen lassen, herzhaft geschweinigelt, damit es rauskommt und er die Konsequenzen ziehen muss. Eines darf man nicht vergessen: Genau diese Schnüffelrüssel aus dem Sauladen sind es, die ein Schäuble mit immer mehr Kompetenzen ausstatten will, dafür schraubt er sogar am Grunz… äh, Grundgesetz.

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18:12 Uhr, Badewanne, Lektüre des „Stern“

Gruselig:
Helmut Kohl lässt seine neue, junge Geliebte und Ehefrau in Spe tatsächlich die alten Hosenanzüge von Hannelore auftragen.

Putzig:
Angela Merkel sagt zum Wirbel um ihr Dekolletee: „Bei einem Mann hätte es diese Diskussion nicht gegeben“. Kommt wohl auf die Körbchengröße an und darauf, ob er Haare auf der Brust hätte.

Sympathisch:
Fußballprofi Philipp Lahm rechtfertigt sein soziales Engagement mit den Worten „Nur Fußballplatz und dann ab an die Playstation, das wäre mir auf Dauer zu wenig“.

Erstaunliche Selbstverortung: Ich am nahesten beim Natonalkicker. Fühle mich sportlich.

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