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Archive for 6. März 2008

Ich weiß: Meine Leser haben natürlich wichtigeres zu tun (Die Linke! Der Streik! Die Bahn!) als den deutschen Vorentscheid zum European Song Contest zu gucken. Ich aber bin daheim. Und kann nicht anders, ich guck. Und werde es mir nicht nehmen lassen, von Zeit zu Zeit live zu bloggen. Ich find den Vorentscheid ja schöner als das internationale Finale. Ist so herrlich deutsch. Wer sind wir, wer wollen wir sein und wie soll die Welt uns sehen? Ich hol mir mal ne Limo, guck Tagesschau (Die Linke! Der Streik! Die Bahn!) und dann wollnmama!

20:15
Jens Riewa grinst so beim „Guten Abend“-Sagen. Der freut sich auch schon.

20:22
Thomas Hermanns moderiert zuverlässig euphorisiert, als Warmup gibt es einen Siegerinnen-Mix der letzten Jahre, Trommeln, Blondinen und Ostlesben. Die gute Nachricht: Georg Uecker ist nicht dabei! Dafür Pocher, man kann nicht alles haben.

20:30
Haha! Frau Ebstein besteht darauf, gedutzt zu werden, da muss er durch, der Hermanns. Jetzt singt er Johnny Logan. Da muss sie durch, die Ebstein. Alle bekommen einen Karaoke-Anfall, die Show droht in Richtung Kindergeburtstag zu kippen. Stoppt die Quatschcomedy, lasst die Sänger ran, bitte! 20 Minuten sind rum, ohne dass es Ernst geworden wäre.  

20:40
Marquess singen ihren Titel „La Histeria“. Ist aber nur halb so hysterisch wie die Show bis jetzt. Wirkt wie die Tanzkapelle auf der Aida. Kommt mir spanisch vor. Aha, isses wohl auch. „Ohohoh“ sind die letzten Worte des Textes und das entspricht zimelich genau meiner Bewertung. Pocher ist Pate des Songs, passt. Das ganze ist so spanisch und hysterisch wie eine Tiefkühlkostpaella.

20:46
Tommy Reeve singt „Just one Woman“. Als Backgroundchor hat er aber vier. Ja wie jetzt? Singt gut, schöner Soulpop, aber zu defensiv mit der Aura eines melancholischen Fußballers aus der B-Jugend. Gutes Handwerk, prima Falsettgesang, „ganz schön schwere Noten“ sagt Thomas Hermanns. Kann man schicken, wird aber nix gewinnen.  
 
20:53
Manga-Alarm. Cinema Bizarre mit „Ever or never“. Sehen prima aus mit einem Chinchilla am Mikro und Riffraff an den Keyboards. Bis zum Refrain ist alles cool, dann kackt der Gesang ab. Stylish und leicht schwul – haben wir sowas schon mal losgeschickt in den Contest? Warum eigentlich nicht? Darum: Das ist mehr Makeup als Musik, leider. Wird nix. „Wenn ich Söhne hätte, sollten sie so aussehen“, sagt der Moderator. Ja. Sicher.

20:59
Carolin Fortenbacher mit „Hinter dem Ozean“. Das ist praktisch Pe Werner auf einer Überdosis Lloyd Webber. Großer klassischer Grand Prix, brutal einfache, aber funktionierende Refrain-Melodie, geballte Musical-Faust, die Haare wehen titanesk, Musik zum Schiffeversenken. Gut und ohne jede Überraschung. Ralph Siegel wird vorm Fernseher geweint haben. Katja Ebstein „Ich hab nix mit dem Militär zu tun, aber das war granatenmäßig“. Kurz hatte ich Angst, die Ebstein singt jetzt was von Brecht. Uff.

21:06
Die No Angels haben eine serbische Oma, das ist natürlich ein Argument. „Disappear“ nervt mit etwas plärrigem Satzgesang im Refrain, ist aber in den Strophen ganz angenehm. Die 4 schmeißen relativ viel Personality in die Performance, eigentlich besser, als ich erwartet hatte. Wenn die in Osteuropa noch genug Fans von Früher haben, könnte das klappen. Gähn.

21:11
Schnelldurchlauf. So beim Querhören klingt die Fortenbacher irgendwie am zupackendsten. Die androgynen Frettchen und die Schrebergartenlatinos fallen ab. Cinema ist zu bizarre. Und die Angles haben Ostmafiaconnections. Es darf angerufen werden. Womit füllen sie jetzt die Zeit bis zum Ergebnis? Hoffentlich nicht mit Pocher.

21:27
Nein, es ist Roger Cicero. Kommt mir im Vergleich erstaunlich originell vor. Bigbandsound ist ja immer schön, volles Rohr und so.

21:35
Fortenbacher und No Angels sind die Sieger und treten nochmal im Voting gegeneinander an. Spannend ist das jetzt nicht mehr. Das deutsche Schagerschicksal nimmt seinen Lauf. „Beide Acts haben die Windmaschine benutzt“ sagt Hermanns. Das war sicher bei beiden Acts das Originellste. So hat sich der ganze Abend entwickelt: Vom Kindergeburtstag zum Konfektionspopschmalz. Ich glaub, ich werd kangsam zu alt für kultige Songcontestfernsehabende… Am schönsten war der deutsche Vorentscheid immer, als es noch richtige Tiefpunkte gab, Slatko, Mooshammer, Scooter.  

21:54
Endgültig gewonnen haben die No Angels. Es gibt wichtigeres (Die Linke! Der Streik! Die Bahn!).

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Schniff, Google ist kaputt. Seit mindestens einer halben Stunde ist es nicht erreichbar. Wer soll mir jetzt die ganzen Suchenden aufs Blog schicken, die sich für „fiken im odenwahld“ oder „anke engelke nackt“ interessieren? Und wer beantwortet meine Fragen? Soll ich fremdsuchen? Einfach eine andere Suchmaschine benutzen? Aber wie find ich die dann ohne Google?

Google offline, das ist so irritierend und weltbilderschütternd wie wenn du feststellst, dass Weihnachtsmann und Osterhase aufgeschlitzt vor deiner Haustür liegen. Viele Menschen haben sich tagsüber schon mehr mit Google unterhalten als mit ihrer Freundin. Viele haben ihr ganzes Selbstwertgefühl nur daraus gezogen, sich selbst zu googeln. Wie soll das bloß weitergehen?

Lasset uns beten: Google unser im Internet, gerettet werde dein Server. Deine Antwort komme, Deine Suche geschehe wie im Web so im Cache. Unser tägliches „oder meinten sie“ gib uns heute, und vergib uns unsere Fragen, wie auch wir vergeben unserem Unwissen. Und führe uns nicht auf die Schmuddelseiten, sondern erlöse uns von der Dummheit. Denn Dein ist das Netz und die Welt und das Suchfenster im Browser.

So. Mehr kann ich vorerst nicht tun.

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