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Archive for 22. Oktober 2007

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Stell dir vor, du bist alt und keiner guckt nach dir. Die Familie meldet sich nur noch, um regelmäßig die neuste Bankverbindung durchzugeben, damit ein eventuelles Erbe sauber überwiesen werden kann. Das Altersheim ums Eck müffelt wenig einladend nach einer Mischung aus Gammelfleisch und Klosterfrau Melissengeist. Außerdem wird da so gespart, dass du im Dienste effektiver pflegerischer Abläufe in der Herrgottsfrühe frühstücken und direkt nach „Vera am Mittag“ ins Bett müsstest.

Bleibt die Wohnungsgesellschaft. Das ist mittlerweile der neuste Vermieterservice: Du kriegst einen Sensor an den Arm, der erfasst deine Bewegungen innerhalb der Wohnung. Und wenn ein Mieter plötzlich auffallend inaktiv stundenlang im Sessel sitzt, wird er angerufen und gefragt, ob er tot ist. Zunehmende Rastlosigkeit gilt als Zeichen beginnender Demenz, es sei denn, der Senior kann überzeugend darlegen, dass er mit seiner neuen Espressomaschine herumexperimentiert.

In Berlin hat man bereits gute Erfahrungen mit diesem System gemacht. Trotz anfänglicher Irritationen wie im Falle der 81-jährigen, die plötzlich andauernd Nickerchen machte, was dann aber nicht auf allgemeine Ermattungszustände, sondern auf besonders schmackhaftes Bockbier zurückzuführen war. Das ist die Zukunft: Betreutes Mieten! Senioren, die sich verkabelt alleine zuprosten. So ist das in einer Gesellschaft, in der immer mehr alte Leute keine Gesellschaft haben außer ihrer Wohnungsgesellschaft.

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