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Archive for 17. Oktober 2007

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Seehofer will den Verbraucher schützen. Und zwar vor der Verdummung. Wenn ein Nahrungsmittel gaaanz viel Fett und Zucker enthält, soll das auf der Packung stehen – aber nur in Form von Zahlen und nicht in Form einer farblichen Kennzeichnung. So eine Warn-Ampel empfindet er als vereinfachende Verdummung. Wahrscheinlich weil dabei mathematisches Denken nicht geschult wird. Ich vermute, so mancher Kunde wird künftig die Packung anschauen und denken: „So viele Zahlen! In Zahlen war ich noch nie gut!“. Erinnerungen an den Matheunterricht steigen aus dem Unterbewusstsein auf. Und schwupp, landet die Packung als Nervennahrung im Einkaufswagen.

Hoffentlich kommt der Seehofer nicht auch noch auf die Idee, die Ampeln im Straßenverkehr durch numerische Anzeigen zu ersetzen, gegen die Verdummung. Statt Farben gibt es dann Prozentzahlen, die die statistische Verkehrssicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer bei einem maximalen An- oder Losfahren im Verhältnis zu Luftfeuchtigkeit und Abnutzungsgrad des individuellen Reifenprofils angeben. Oder so. Hauptsache der Verbraucher verdummt nicht soweit, dass er vernünftig einkauft.

Der Verbraucher muss dringend in Schach gehalten werden, das sieht man auch bei der aktuellen Energiepreisdebatte: Nicht jeder, der über erhöhte Strompreise jammert, spart Strom, wo er könnte. Und nicht jeder, der sich über mangelnden Wettbewerb im Energiesektor beschwert, macht sich die Mühe, auch zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Strom macht halt nicht nur hell und warm, Strom macht auch faul, das war schon immer so, das ist ja das Schöne am Strom. Ich kenne dieses Gefühl, ich fühl mich als Verbraucher auch oft überfordert, um nicht zu sagen, etwas verbraucht. Ich bin nicht mehr so frisch, dass ich ganz ohne Ampeln über die Konsumstraße komme. Und da kommt mir der Seehofer mit Kopfrechnen…

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