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Archive for Oktober 2007

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Die Kriminalpolizei warnt: Wer Omas vor den Bus schubst oder Vorgärten verwüstet, ist nicht auf der sicheren Seite, nur weil er dabei ein Halloween-Kostüm trägt. Anders gesagt: Randale und Sachbeschädigung sind nicht „Saures“, sondern weiterhin strafbar. Halloween ist halt eben auch diese Sache mit den hohlen Köpfen.

Die Verkürbisung unseres Landes begann ja 1991, als wegen des ersten Golfkrieges und der allgemeinen Betroffenheit hierzulande der Karneval praktisch ausfiel. Und da saß die faschingverarbeitende Industrie auf tonnenweise Kostümen und Konfetti, bis einer die Idee hatte: „Mensch, lasst uns doch versuchen, den Leuten das Zeug im Herbst noch mal anzudrehen, in den USA gibt es da so einen Brauch…“. Halloween in Deutschland ist also praktisch die Fortsetzung des Golfkriegs mit anderen Mitteln, aber mit mehr Betakarottin und weniger Kollateralschäden.

Gut, es gab Irritationen, im ersten Jahr hielten es viele für eine Aktionswoche des österreichischen Fremdenverkehrsverbands. Mittlerweile ist die Kürbiseritis voll ausgebrochen. Die Dinger stapeln sich in den Hauseingängen, und wenn du in den Koch-Zeitschriften blätterst, hast du das Gefühl, es wird nur noch Kürbis gegessen! Die Leute machen mit Kürbis Suppen und Aufläufe, und manche machen sogar mit Kürbissen Sachen, nach denen man sie besser nicht mehr essen sollte.

Sehr pfiffig find ich die Idee der nordelbischen Kirche, die an Kinder zur pädagogisch wertvollen Irritation „Luther-Bonbons“ verteilt, um darauf hinzuweisen, dass das früher „Reformationstag“ hieß. Ein Datum, an dem es um mindestens 95 andere Thesen ging als um „Die Kasse muss klingeln!“.

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Na, das ist doch mal ne schöne Perspektive: 2011 ist die Fußball-Frauen-WM in Deutschland. Und wenn wir dann wieder Weltmeisterinnen werden, will ich sehen, wie weibliche Auto-Korsos durch die Hauptsträßinnen jagen, überall Fähninnen geschwungen werden und die Bundeskanzlerin Kurtine Beck den Spielerinnen in die Arme fällt.

Ich glaube, Sportpatriotismus gefällt mir in seiner ihrer weiblichen Form am allerbesten. Wie steht es im neuen SPD-Grundsatzprogramm? „Wer die menschliche Gesellschaft erreichen will, muss die männliche überwinden“ – zur Not auch beim Kicken! Zu befürchten steht natürlich, dass Bischof Mixa sich beschweren wird, dass die WM Frauen zu Ballmaschinen reduziert. Oder dass Eva Herman fragen wird, ob die Damen während des Turniers nicht ihre Kinder vernachlässigen. Und dass Alice Schwarzer exklusiv für die Bildzeitung eine Sportkolumne schreibt. Da müssen wir durch.

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Heute hab ich gelesen, dass der deutsche Autokäufer auf sparsamere Motoren reagiert, indem er sich nicht „Klasse, da spar ich ja Benzin!“ sagt, sondern „Klasse, da kann ich mir ja ne größere Karre kaufen!“. Das ist der neuste Trendsport: Seinen Nachwuchs mit mindestens 2 Tonnen schweren Geländewagen in die Kindertagesstätte zu fahren, weil diese Einrichtungen ja auch immer irgendwo hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen im morastigen Unterholz liegen…

Diese SUV-Pest versteh ich einfach nicht. Das Kürzel steht angeblich für „Sport Utility Vehicle“, der Sport besteht dabei wahrscheinlich im Parkdeck-Zuparken mit möglichst wenig Fahrzeugen. Wenn du deinen Twingo neben so einem Monster parkst, hast du ja echt Angst, die fressen das arme Töff in deiner Abwesenheit einfach auf. Du kommst zurück und es ist vom Erdboden verschluckt, bloß dieser Porsche Cayenne stößt noch einmal so seltsam auf  – und du kannst nach Hause laufen.

Was steckt wohl psychologisch dahinter, dass immer mehr Menschen sich solche Teile in die ächzende Garage stellen? Vielleicht ist es der Gedanke: „Die Welt wird immer unsicherer, also fahr ich besser Panzer.“.

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Heute war große Raucherdemo in Frankfurt. Naja, nicht ganz so groß. Statt der erwarteten 1500 Demonstranten, die gegen das neue Rauchverbot in Gaststätten hätten protestieren sollen, kamen nur 350. Der Rest hatte wohl Angst, dass die Luft bei der Demo zu schlecht ist.

Ich kenne einen Wirt, der sagt: „Ich bin Nichtraucher – endlich kann ich nach 20 Jahren in meinem Beruf wieder atmen!“. Plötzlich hat er sogar wieder eine Gesichtsfarbe! Natürlich sind ihm ein paar Stammzecher verloren gegangen, Genussmenschen, die nicht nur gepafft, sondern auch ordentlich gezecht haben. Aber ehrlich: Man muss nicht alles überall tun dürfen. Es soll auch Leute geben, die gerne zu Hause genüsslich furzen. Ich bin froh, dass die bisher auch ohne gesetzliche Regelung eingesehen haben, dass das am Tresen nicht direkt eine konsenstaugliche Bereicherung der Gastronomie wäre.

Nebengedanke: Vielleicht könnte man dieser Tage reich werden, wenn man „Ich-bremse-auch-für-Raucher“-Aufkleber verkauft? Damit die Wirte nicht pleite gehen, sind jetzt die Nichtraucher gefragt: Umsatz machen, einen trinken gehen, die Läden mit Leben füllen und ab und zu den Rauchern einen Tee mit Rum raus auf die Straße bringen!

„Gute Luft“ ist ein echtes Trendthema. Die SPD-Basis hat sich für eine Tempolimit entschieden. Das wird als rührender Anfall von Gutmenschentum belächelt und auch der Umweltminister weist zwinkernd darauf hin, dass das nur einen Bruchteil des CO2-Ausstoßes verhindern würde. Deshalb möchte ich noch mal genauso augenzwinkernd drauf hinweisen, dass er (und die aktuelle Tagespresse) zur Zeit gerne vergessen drauf hinzuweisen, dass es aber auch ein Mittel gegen Staus wäre. Und dass nach Schätzungen der Bundesanstalt für Straßenwesen die Anzahl der Getöteten auf den Autobahnen bei einem Limit von 130 km/h um 20% zurückgehen könnte. Und wenn die auch nicht mehr passiv rauchen müssen – dann sterben wir Deutschen nicht mehr aus, die Rente ist sicher und Ex-Tagesschausprecherinnen müssen keine Bücher mehr schreiben. So einfach könnte alles sein. Wir sehn uns dann in der Kneipe. Ja, wir werden uns da wirklich sehen können, die Luft ist transparent!

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Der SPD-Parteitag hat Beck bestätigt. Natürlich haben sie den Klavierspieler gewählt, sonst wäre ja auch plötzlich die Musik aus gewesen. Wie bei der „Reise nach Jerusalem“, bei der es ja auch tendenziell immer weniger Sitze gibt, und deshalb jeder versucht, möglichst beweglich zu bleiben.

Helmut Schmidt war es, der den größten Applaus bekommen hat. Und er war der Einzige, der im Saal rauchen durfte. Wenn du neben dem sitzt und einatmest, das gilt nicht als Passivrauchen, das ist eine ur-sozialdemokratische Inhalation, das zahlt wahrscheinlich sogar die Krankenkasse.

Schröder hat die Parteiflügel versöhnt mit dem herrlichen Satz „Das Bessere ist der Feind des Guten“. Den unterschreibt jeder. Auch wenn offen ist, was er bedeuten soll. Der Münte ist der Feind des Beck, oder umgekehrt? Der Satz trifft ja sogar auf die Kanzlerin zu, die ist gut, weil es nichts besseres gibt.

Beck hat fast zwei Stunden rhetorisch geglänzt wie ein Stück Kohle im Keller: „Bei der Jungen Union geht etwas hinten in den Kopf hinein und dann kommt vorne nix heraus“. Ist manchmal auch besser so. Auch schön: „Wir sollten das Gute auch gut nennen, um die Kritik dann auch wirklich empfinden zu können“. Und was ist mit dem Besseren? Nein, das war mal wieder ein Parteitag mit chronisch wenig Schwung. Nur weil einer Klavier spielt und ein anderer Rauch auf die Bühne bläst, ist es noch lange kein Jazzclub, in dem so mitreißend improvisiert wird, dass nach den Soli spontaner Applaus kommt.

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Zu schön, um wahr zu sein. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt vor einer sogenannten „Gewinnbenachrichtigung“. Mit der Aussicht auf einen angeblichen Gewinn sollen Leichtgläubige auf eine Kaffeefahrt gelockt werden. Also Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken glauben, sie hätten „sieben Jahre gratis tanken und einen Besuch des Schweriner Schlosses“ gewonnen. Und dann wahrscheinlich gleich mal Geld überweisen, für die Fahrt zur Tankstelle und zum Schloss. Nicht machen! Auf so was muss man erst mal kommen – Königshäuser und Treibstoff, alles was das Herz begehrt, die reinste Nepp-Poesie, großes Verarschekino.

In Berlin hat man jetzt die schönsten Wörter der Welt gekürt, „Gewinnbenachrichtigung“ war nicht dabei. Auf Platz eins landete das Wort „Yakamoz“, das ist der türkische Begriff für eine Widerspiegelung des Mondes im Wasser. Seufz. Mir persönlich gefällt besonders das zweitplatzierte Wort „hu lu“, chinesisch für „schnarchen“. „Schatz, du hast wieder die ganze Nacht hu lu gemacht!“, das ist ein Satz, der eine ernste Thematik anspricht, aber doch durch eine leicht heitere Note beziehungstechnisch deeskalierend wirken kann. Ausprobieren!

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Der durchgeknallte Gaga-Kolumnen-Möchtegern-Bukowksi der Bildzeitung, Franz Josef Wagner, hatte eine gute Woche. Erst schreib er: „Wir leben 2007. Eva Herman hat eine Familie beschrieben, die es nicht mehr gibt. Ich habe 18 Euro für dieses Buch bezahlt – wer gibt mir meine 18 Euro wieder?“. Ok, ein paar Sätze vorher heißt es „Wir leben in einer Patchwork-Family. Jeder hilft jedem. Beim Einzug, beim Auszug. Der Freund – Möbelpacker – gehört zur Familie.“. Da weiß man wieder, warum man nicht wollte, dass einem der Wagner an die Möbel packt.

Und jetzt das: Er hat über Kurt Beck nachgedacht und sein „Hinterwäldler-Deutsch“. Es klingt fast, als habe er sich ganz nach dem Motto Global-denken-lokal-sprechen in den Becksound verliebt, wenn er fleht: „Lieber Kurt Beck, bitte nuscheln sie weiter! Es ist das Deutsch der Provinz. Es ist die Sprache der Deutschen. Nuscheln sie weiter!“. Gemütliches In-den-Bart-Nuscheln. Das wird die Kanzlerin hoffentlich nie hinkriegen. Und wenn, möcht ich´s nicht sehen.

Vielleicht hat Wagner Recht: Der Deutsche will heimelig benuschelt werden. Er denkt ja auch gerne nuschelig. So ein tief emotionales Wohlfühlgrummeln, das sich warm übers Hirn legt wie fettes Essen auf die Hüften. Klartext ist einfach nicht schunkelkompatibel. Findet Wagner, der alte Nuschelsucher.

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Ist ja schon interessant, wie unsere Kanzlerin im Ausland wahrgenommen wird, zum Beispiel vom US-Magazin „Newsweek“. „Sie verkauft den kleinsten gemeinsamen Nenner als den größtmöglichen Erfolg“, heißt es da. Merkel sei eine „Mrs. Feelgood“, die ihr Volk mit Schlafliedern und Bonbons beruhigt, ohne jede politische Vision. Hauptsächlich damit beschäftigt, sich mit den Wählern wechselseitig im Reformgeist zu unterbieten, so eine Mischung aus Märchenfee und Schlaftablette.

Ja, aber das war sie doch immer. Mal abgesehen vom kleinen WM-Tribühnenjubel-Intermezzo und dem unfallfreien Beschreiten internationaler roter Teppiche. Der Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn antwortet heute in der Süddeutschen auf die Frage „Was hat Frau Merkel zum Aufschwung beigetragen?“ mit den Worten „Zum Glück nichts. Genauso wenig wie Herr Steinbrück“. Da würd ich als Kanzlerin aber in jeder Hinsicht die Sinn-Krise kriegen.

Je weniger die Politiker machen, desto besser läuft der Laden, oder wie? Sind wir echt auf dem Weg in die Repräsentative Demokratie, wählen wir nur noch Leute, die für uns in Kameras winken, während die Lobbys sich das Land zurechtgestalten? Nehmt der Blazerfee den Sternenstaub weg! Keine weiteren Gähn-Experimente! Ich wäre froh, wenn so ein „Newsweek“-Artikel die Kanzlerin wütend machen würde. Wut und Mut. Könnte sie beides brauchen. 

Im Wahlkampf hatte die CDU noch „Angie“ von den Stones rauf- und runter gespielt. Heute ist der Songtext richtiger und wichtiger denn je.

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Frau Böhmer von der CDU warnt, dass mittlerweile nicht nur im Osten des Landes qualifizierte junge Frauen aus den strukturschwachen Regionen abwandern. Einfach gesagt: Wer was in der Birne hat, will nicht bei den Landfrauen versauern, sondern zieht in die knackigen Ballungszentren. Männer sind da weniger flexibel, das heißt, im Zweifelsfall eher noch fauler als doof. Der Mann bleibt sitzen, wo er sitzt, auch wenn um ihn herum die Struktur immer mehr schwächelt. Er weiß zwar, dass er da tendenziell immer weniger ein Weibchen findet, setzt aber darauf, dass das dann statistisch gesehen immer wahrscheinlicher blöd genug ist, sich mit ihm einzulassen. Das ist seine Perspektive. Langt ihm, mehr braucht er nicht.

Das wird die künftige Konfliktlinie: Stadt gegen Land. Akademisches Matriarchat gegen Deppen-Patriarchat. Im einen werden immer mehr Krippenplätze benötigt, im anderen immer mehr Getränkehandlungen. Was will Frau Böhmer dagegen tun? Die weibliche Intelligenz mit Buschprämien für die Pampa begeistern? Ich weiß es nicht. Aber ich wohn ja auch auf dem Land.   

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Stell dir vor, du bist alt und keiner guckt nach dir. Die Familie meldet sich nur noch, um regelmäßig die neuste Bankverbindung durchzugeben, damit ein eventuelles Erbe sauber überwiesen werden kann. Das Altersheim ums Eck müffelt wenig einladend nach einer Mischung aus Gammelfleisch und Klosterfrau Melissengeist. Außerdem wird da so gespart, dass du im Dienste effektiver pflegerischer Abläufe in der Herrgottsfrühe frühstücken und direkt nach „Vera am Mittag“ ins Bett müsstest.

Bleibt die Wohnungsgesellschaft. Das ist mittlerweile der neuste Vermieterservice: Du kriegst einen Sensor an den Arm, der erfasst deine Bewegungen innerhalb der Wohnung. Und wenn ein Mieter plötzlich auffallend inaktiv stundenlang im Sessel sitzt, wird er angerufen und gefragt, ob er tot ist. Zunehmende Rastlosigkeit gilt als Zeichen beginnender Demenz, es sei denn, der Senior kann überzeugend darlegen, dass er mit seiner neuen Espressomaschine herumexperimentiert.

In Berlin hat man bereits gute Erfahrungen mit diesem System gemacht. Trotz anfänglicher Irritationen wie im Falle der 81-jährigen, die plötzlich andauernd Nickerchen machte, was dann aber nicht auf allgemeine Ermattungszustände, sondern auf besonders schmackhaftes Bockbier zurückzuführen war. Das ist die Zukunft: Betreutes Mieten! Senioren, die sich verkabelt alleine zuprosten. So ist das in einer Gesellschaft, in der immer mehr alte Leute keine Gesellschaft haben außer ihrer Wohnungsgesellschaft.

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