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Archive for September 2007

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Er nannte sich den letzten Live-Rockn-Roller der deutschen Politik, aus der Bundespolitik hatte er sich verabschiedet mit den Worten „Ich geh jetzt nach Hause“. Joschka Fischer hat dieser Tage dem Spiegel erzählt, dass er am Schluss „einfach nur noch müde gewesen“ sei. Er hatte uns vorgeführt, wie das aussieht, wenn ein ehemaliger Straßenkämpfer auf dem langen Weg zu sich selbst in der internationalen Realpolitik ankommt – als live und laut dahingerockte Mischung aus bräsigem Elder-Statesman und grau meliertem Berufsrotzlöffel, als Person gewordener Jojo-Effekt, mal heiser im Wahlkampf über die Marktplätze schreiend, mal Madeleine Albright übers internationale Tanzparkett stemmend.

Genervt hat er mit seiner nöligen Sponti-Überlegenheit und Schröder-kompatiblen Platzhirschmentalität. Aber gerockt, gerockt hat er. Fällt mir gerade heute mal wieder auf. Im Vergleich zur aktuellen Kapelle mit Beck und Merkel und Roth und Co, dieser müden Tanzcombo, dieser Humptatata-Koalition. Joschka Fischer ist wahrscheinlich der Herbert Wehner meiner Generation, ein Charakterkopf-light zwar, aber immerhin mit hinreichenden Restbeständen an politischer Leidenschaft. Also, liebe Grüne, halten wir doch gemeinsam fest: Früher war alles irgendwie Fischer!

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2,5% hat sie bekommen, die Pauli. Vermutlich wäre sie in jeder anderen Partei mit einem besseren Ergebnis nicht zum Parteichef gewählt worden. In Fernsehinterviews hat sie angedeutet, die CSU sei undemokratisch. Ich frag mich nur, warum sie in dieser Partei bleibt, die sie am liebsten auf den Scheiterhaufen oder in die Psychiatrie schicken wollte. Wahrscheinlich, weil sie ein eitler, realitätsfremder Dickkopf ist. Also im Grunde die Idealbesetzung für den Parteivorsitz. So eine Mischung aus Mooshammer, König Ludwig und Else Kling.

Huber wird sich sicher bald drum kümmern, dass eine Parteimitgliedschaft künftig nach sieben Jahren automatisch erlischt, wenn sie nicht in gegenseitigem Einvernehmen verlängert wird. Oder wenn es sich um rothaarige Motorradfahrerinnen handelt. Wie wird die Pauli wohl enden? Als die Trude Unruh Bayerns? Als Gundel Gaukelei, die alljährlich mit dem Besen auf dem Parteitag einfliegt und den Patriarchen das Fürchten lehrt? Oder einfach als neue Konstante im deutschen Kabarett? Vorerst Glückwunsch zu den zweieinhalb Prozent, es hätte schlimmer kommen können.

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Absolute Suchgefahr!

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Die EU-Kommission will angeblich Online-Suchanfragen auswerten. Wer beispielsweise nach „Bombe“, „Völkermord“ oder „Terrorismus“ sucht, soll dann künftig überwacht werden, sicherheitshalber. Das heißt: Allein wer anhand dieser Begriffe ebendiese Nachricht überprüfen will, gilt schon als halber Taliban und braucht sich nicht zu wundern, wenn Tornados über sein Haus donnern und schon mal Scharfschützen im Nachbargarten positioniert werden.

Auch wer nur wissen wollte, wie diese bombige Sache mit der Colaflasche und den Mentos funktioniert. Oder ob der Musikantenstadl nicht eigentlich purer Terror ist. Als Autobastler würde ich auch nicht mehr nach „Zündung“ suchen. Und: Vorsicht vor Tippfehlern! Wie schnell steht man auf der Terrorliste, nur weil man nach einer „Eigenurantherapie“ gesucht hat. Auch vor dem „911“ das „Porsche“ wegzulassen, kann gefährlich sein. Wer sucht, wird gefunden.

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Das wurde ja auch mal höchste Zeit: Die Stiftung Warentest hat Schulbücher getestet. Sie sind alle sehr brauchbar und zuverlässig. Wenn man sie braucht, um sie unter die Beine wackeliger Tische zu legen. Auch Briefmarken und Blätter kann man prima damit pressen. Lernen kann man damit eher nicht.

Auf jeder fünften Seite der Biobücher fanden sich schwerwiegende Fehler, zum Beispiel hat der Darm des Blauwals nur die fünffache Länge seines Körpers – und eben nicht die 56-fache. Das ist ein Unterschied, frag mal den Wal! Und Uhus fressen eigentlich keine Wölfe. Das ist wichtig, frag mal den Wolf! Jetzt sagt der Pädagoge: „Ist doch egal, was du lernst, Hauptsache du lernst, wie man lernt“. Und da regen sich die Besserwisser auf, dass bei Wikipedia soviel Schwachsinn zu finden ist…

Letzten Endes geht es um Vertrauen. Es kann doch nicht sein, dass die Antwort auf die Frage: „Und wozu brauch ich das später im Leben?“ immer öfter lautet: „Damit du feststellst, dass es nicht stimmt.“. Wenn ich mir schon Zahlen in die Birne haue wie den Tag des Sturzes von Erich Honecker (18.10.1989, laut Wikipedia…) oder um ein Wievielfaches Elektronenmikroskope vergrößern (laut Schulbuch 20.000-fach, laut Tagesschau.de aber 500.00-fach…), dann will ich mich gerade als Heranwachsender drauf verlassen können, dass es stimmt. Sonst kann ich doch auch einfach Pokemon spielen, bis die Experten sich geeinigt haben.

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Alles bei Urbi und Obi! Das wusste ich gar nicht: Im Vatikanstaat kann man schick shoppen gehen. Das päpstliche Bahnhofsgebäude ist ein Nobel-Einkaufszentrum, da gibt es Zigarren, Uhren und Seidenunterwäsche, „die selbst unter der engsten Oberbekleidung unsichtbar ist.“. Und alles Duty-Free! Wahrscheinlich gib es da auch irgendwo einen Sexshop und einen Baumarkt, mit undichten Kondomen und Holzbalken für Jesusdarsteller.

Man macht sich als spiritueller Laie ja keinen Begriff von der Ganzheitlichkeit des römischen Katholizismus. Da muss man fast schon dankbar sein, dass die angebotenen Papstsegen (zum Beispiel der Herzenssegen, Modell V5, 35×50 cm in Bütten, für 23 Euro) einfach nur bedruckte Urkunden sind. Und nicht Gravuren auf Golfschlägern.

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Der Scheitel des Grauens ist wieder vor Gericht, der frisurgewordene Todesstreifen, Manfred Kanther, der für die CDU Millionen auf schwarzen Konten geparkt hat, ohne dass zum Beispiel Roland Koch auch nur irgendwas davon gewusst hat. Er ist in Revision gegangen, weil es ihm wichtig ist, wegen Betrugs verurteilt zu werden, und nicht wegen Untreue.

Generell kommt es mir so vor, als sei gerade die Zeit der feinen Abwägungen. Die Grünen überlegen, ob sie mit oder ohne Tornados gegen ihre Parteispitze vorgehen wollen. Frau Zypries überlegt, ob man einen Innenminister, dessen Denken von Terroristen gekapert worden ist, abschießen darf, bevor er ins Grundgesetz crasht. Und Angela Merkel überlegt, ob sie ihr Mittagessen diese Woche mal nicht beim Chinesen bestellt.

Sind das die wichtigen Themen? Oder sollte uns nicht eigentlich viel mehr die Lage in Saudi-Arabien erschüttern, dessen Premierminister sagt: „Das Königreich hat dringendere Probleme zu lösen, als Frauen das Recht aufs Autofahren zuzugestehen!“. Da muss aber echt die Kacke am Dampfen sein.

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„If you can make it here, you´ll make in anywhere, it´s up to you, Kabul, Kabul!”. Um die allem militärischem Handeln zugrunde liegende Obszönität zu illustrieren, schuf der liebe Gott einst die Truppenbetreuung. Die heutige Print-Ausgabe des „Spiegel“ erinnert mich daran, dass es das immer noch gibt, diese Künstler-Landverschickung in Krisengebiete. Da müssen dann junge Musical-Blondinen vor Soldaten in Afghanistan auftreten, während im Hintergrund arhythmisch Selbstmordattentäter explodieren. Was singt man da wohl? Irgendwas aus „Annie get your gun“, oder doch lieber gleich die Westside-Story, damit der Taliban weiß, wo der Hammer hängt?

Die Soldaten sind dankbar für die Abwechslung, heißt es. „Endlich mal eine Frau“, werden sie zitiert. Xavier Naidoo war auch schon dort, was werden sie da wohl gedacht haben? Endlich mal ein Jammerlappen? „Dieser Weg wird kein leichter sein…“. Gunther Gabriel hatten sie angeblich auch schon am Hindukusch, naja, der tritt ja aus Geldmangel mittlerweile in jedem Wohnzimmer auf, ist Krisengebiete also gewohnt. Kann es sein, dass die militärische Führung da ganz gezielt die Pappnasen engagiert, die man hören muss, um möglichst wenig Heimweh zu entwickeln?

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