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Archive for August 2007

Die Frau als Schenkel

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Den Franz-Josef Wagner von der Blödzeitung mag ich immer am liebsten, wenn er über Frauen schreibt. Die sind ihm fremd wie Marsmenschen, aber er findet sie unglaublich geil. Nie sabbert er verwirrter, als wenn sein Schreibstift wiehernd erigiert, um irgend einem weiblichen Wesen ein Denkmal zu setzen. „Mit 36 macht man als Frau neue Rechnungen auf. Wie viel Glück bleibt mir noch, ehe meine Hüften breiter und meine Schenkel dicker werden? Wie viele Jahre habe ich noch?“ – so stellt er sich das letzte Lebensjahr von Lady Di vor, die für ihn eine Heilige, weil süchtig nach Liebe war. Wohl mal wieder eine Pilcher gefrühstückt, Herr Wagner?

Und jetzt kommt´s, im selben Atemzug fährt er fort: „Wenn mich jemand fragen würde, wer die größte Liebende des letzten Jahrhunderts war, dann würde ich immer sagen, Mutter Teresa und nicht Lady Di.“. Toller Gedankensprung, den er da in der Schüssel hat. Welche Rechnung wird die Ordensschwester wohl mit ihren 87 Jahren aufgemacht haben, also hüften- und schenkeltechnisch?

Egal, über welche Frauen er schreibt, der Ton wird unwillkürlich grabbelig. Wagner, bleib bei deinen Leisten.

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Musterung ohne Wert

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Die Bundeswehr hat sich verändert, das Heer ist nur noch halb so groß wie vor 20 Jahren und keine klassische Verteidigungsarmee mehr, sondern eher eine internationale Eingreiftruppe. Die Profis in ihren Reihen braucht und keine Abiturienten, Deppen oder Muttersöhnchen, denen man kaum was beibringen kann, bevor sie schon wieder entlassen werden müssen. Das hat zur Folge, dass man heute anscheinend schneller ausgemustert wird, als man auf Drei zählen kann.

Was war das früher für eine creative Branche, die Untauglichkeits-Darstellerei! Man hat sich tagelang nur von Kaffeepulver ernährt, um so dehydriert und hibbelig vor den Amtsarzt zu wanken wie Michael Mittermeier in der Wüste Gobi. Man hat sein Bettzeug mitgenommen, um live vor dem Amtsarzt bettnässen zu können. Hat Stöckelschuhe getragen, Marianne Rosenberg gesungen und den Beamten demonstrativ auf den Arsch geschielt.

Manche haben auch einfach nur überzeugend geweint und sich beim berühmten „Hodengriff“ gezielt erbrochen. Kurz: Es war ein Fest! Wie CSD, Schützenfest und Tag der offenen Psychiatrie in einem. Und heute? Es langt wenn man sagt: „Ich glaube, wo sie es grade vorschlagen, meine ich, es wäre im Rahmen des Möglichen, dass ich beim Anheben des Beines, unter Umständen einen Ansatz von Schmerz zu empfinden gedenke, wenn sie nichts dagegen haben.“. Und schwupp, T5.

Wenn man sieht, was da alles an fitten Sportlern und Abenteuerurlaubern ausgmustert wird, dann ist die sogenannte Wehrgerechtigkeit mittlerweile ein größerer Witz als die Unschuldsvermutung für Jan Ullrich. Es wird Zeit, die Musterung abzuschaffen und das Losverfahren einzuführen.

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„Und wie die zweite Ableitung dieser Formel aussieht…“, sagt der Mathelehrer, „…lernt ihr nach folgenden Verbraucherhinweisen, ich gebe ab zur Werbung!“. Ganz so weit ist es noch nicht, aber dass die Pause immer mehr zur Werbepause wird, steht zu befürchten. In Hamburg plant man, das Verbot von Produktwerbung an Schulen aufzuheben. Geworben werden kann mit Schildern, Logos auf dem Turnhallen-Boden, Postkarten und jeder Art von Druckerzeugnissen. Erlaubt ist alles, was „den Bildungsauftrag der Schule nicht gefährdet“.

Das heißt, wenn der Lehrer relativ würdevoll rüberkommt, kann er auch gerne beim Erklären des Newtonschen Gesetzes ein Plakat-Sandwich tragen. Vielleicht kommt es zu so schönen Synergieeffekten wie „Die Evolutionslehre präsentierte euch der Trigema-Affe“ oder „Alles über Krater und brennende Vulkane – schöne Lernerfolge wünscht Clearasil!“. Wer weiß, vielleicht werden auch ganz neue Fächer auf den Lehrplan gesponsort, dann wird „Windows“ endlich Abiturfach und die Note in „Unterhaltungselektronik“ versetzungsrelevant .

Bildung ist eigentlich nichts anderes als Verbraucherberatung, denn: Nicht für die Schule, sondern für das Leben kaufen wir.

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Wer fliegt, wird selig

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Glaube bewegt. Glaube erhebt. Glaube macht miles and more. Klar: Warum sollten die, die sich mit dem Himmel am besten auskennen, nicht auch direkt ins Fluggeschäft einsteigen? Der Vatikan bietet neuerdings Billigflüge zu Pilgerzielen wie Lourdes an. Also Pilgerflug statt Pilgerfahrt. Ganz modern ist dabei nicht mehr der Weg das Ziel, sondern das Ziel das Ziel. Egal, wie man hinkommt, Hauptsache da.

Wo bleibt dabei die pilgernde Anstrengung, die Passion? Gut, ich denke: Deswegen sind es ja Billigflüge. Das werden harte Sitze sein, vielleicht sogar mit Dornen ohne Lehne. Und rumpeln wird es sicherlich auch aufs Erbärmlichste. Nach der Landung wird nicht geklatscht, da gibt es ein „Lobet den Herrn“, denn das Cockpit ist sicher unbesetzt, es langt, wenn der Herr lenkt.

Aber nein, ich befürchte, es wird wohl doch eher komfortabel. Es ist die Rede davon, dass den Fluggästen „zu einem leichten Snack Devotionalien aus dem jeweiligen Wallfahrtsort“ angeboten werden sollen. Irgendwie klingt das wie eine zeitgemäße Mischung aus Himmelfahrt, Luftverpestung und Ablasshandel. In Lourdes wird sicher schon umgebaut, es wird Zeit für einen Fly-in-Schalter.

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Tag der offenen Tür bei der Bundesregierung. Die Bürger dürfen auf Tuchfühlung gehen und sich mit der Kanzlerin im berühmten G8-Strandkorb fotografieren lassen, die Stimmung ist ausgelassen. Nicht viel fehlt, und fast käme es zu euphorischem Trikottausch, also irgendwie Blazer gegen Windjacke, oder so. So aus der Nähe kann man den Politikern ja kaum noch böse sein, da versprühen sie so eine leicht narkotisierende Aura des gekonnt Gemenschelten, Profis eben.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass alles friedlich bleibt, als Ulla Schmidt im Bürgergespräch voller Überzeugung (aber welcher???) entspannt zusammenfasst: „Wir haben keine Zweiklassen-Medizin, nur eine Zweiklassen-Behandlung!“. Keiner protestiert, alle lächeln und denken: „Mensch, wir wollten doch noch kurz rüber zum Strandkorb!“. Keine Zweiklassenmedizin, das ist beruhigend, es ist die selbe Medizin, mit der die Reichen behandelt und die Armen nicht behandelt werden. Tag der offenen Tür – alles auf Durchzug, auch mental.

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Die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Arbeit will doch nur helfen. Und deshalb lässt sie Hartz-IV-Empfänger in der Arbeitsagentur Fragebögen ausfüllen, um „passgenauere Instrumente für den Förderbedarf“ zu entwickeln. Klingt super. Wenn man die Fragen aber liest, kommt es einem vor, als müsste es eigentlich heißen: „…um rauszufinden, was das für Deppen sind.“.

In einer Frage soll man angeben, ob man seinen Speiseplan gerne mit exotischen Gerichten aufpeppt. Und wenn man da „ja“ hinschreibt? Dann kriegt man wahrscheinlich den Tipp: „Weglassen! Spart Geld! Und du brauchst sogar weniger Toilettenpapier!“. Toll auch die Frage „Schauen sie gern Filme, in denen viel Gewalt vorkommt?“. Da würde ich doch glatt mal testweise angeben: „Ja, am liebsten diese Streifen, in denen einer mit dem Flakabwehrgeschütz loszieht zum Arbeitsamt“.

„Finden sie, dass das Leben in der DDR gar nicht so schlecht war?“ ist eine weitere dieser unglaublichen Fragen. Wer da zustimmt, bekommt wahrscheinlich die passgenaue Förderantwort: „Dann geh doch wieder rüber!“. Weiter im Fragebogen: „Glauben sie, dass Kristalle oder Tarot Arbeitslosen helfen können, die richtigen Entscheidungen zu treffen?“. Dahinter steckt doch sicher die Befürchtung, Hartz-IV-Empfänger kommen bloß mit dem Geld nicht aus, weil sie immer diese blöden Hotlines anrufen. Ist das der alte Gedanke „Wer keinen Job kriegt, lebt verkehrt“?. Der Selber-schuld-Vorwurf verpackt in Lebenshilfe?

Ob Migration oder Arbeitslosigkeit, wenn Behörden Fragebögen rausbringen, verraten sie mit ihren Fragen immer mehr, als es die Antworten je könnten. Sie verraten ihre Hilflosigkeit und Alltagsferne. Ich bitte alle Betroffenen um möglichst kreative Antworten, macht sie fertig, verwirrt sie, stürzt sie in eine Sinnkrise. Zum Beispiel, indem Ihr auf die Frage „Fänden sie es schön, wenn eine Liebe ein ganzes Leben hält?“ einfach antwortet: „Ich möchte sie gerne kennenlernen, ich mag es, wie sie sich für Menschen interessieren! Und sie haben schöne Augen!“.

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Die wirklich wichtigen Reformen erfährt man immer erst zuletzt. Es muss in einem der hinteren Hinterzimmer des Schlosses Meseburg verhandelt worden sein, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wahrscheinlich sogar unter Ausschluss der Bundesregierung. Vielleicht war es nicht mal in Meseburg, sondern irgendwo in einer wassernahen Edelvilla in Potsdam, jedenfalls ist es jetzt beschlossene Sache. Ein Maßnahmenpaket, das im Prinzip jeden Bundesbürger betrifft, zumindest jeden mit Telefon. Nach Hartz-IV, Mehrwertsteuererhöhung und Nichtraucherschutz ereilt uns jetzt der nächste Akt über-reglementierter Willkür, zusammen in Tateinheit mit dem Aufruf zu spekulativem Finanz-Gebaren: „Jauch-II“!

Wichtigste Änderungen: Für besonders risikofreudige Bürger Kandidaten entfällt die hergebrachte Sicherheitsstufe von 16000 Euro. Und beim Telefonjoker gibt es die neue Option, den Computer zufällig einen Teilnehmer aus einer beliebigen Stadt anrufen zu lassen.

Gerüchteweise kam es in Berlin zu ersten reflexartigen Politiker-Statements. Westerwelle: „Ein enormer Sieg für die Freiheit!“. Lafontaine: „Großkapitalisten und Ausländer werden natürlich nie auf nur 500 Euro zurückfallen, denken sie an meine Worte!“. Schäuble: „Wir brauchen die Telefonjoker-Durchsuchung!“. Claudia Roth: „Das ist unmoralisch. Allein schon die Tatsache, dass immer nur vier Antworten vorgegeben sind.“. Merkel: „Endlich haben wir Rahmenbedingungen, die den Anforderungen im globalisierten Quiz-Geschäft gerecht werden, grade auch im internationalen Vergleich, wie mir befreundete Regierungschefs, mit denen ich regelmäßig in intensivem Gedankenaustausch stehe, sowie auch Reinhold Messner, mit dem ich regelmäßig in den Dolomiten wandere, bestätigen.“. Müntefering: „Die Kanzlerin hat Recht!“. Beck: „Und übrigens, ich meinte natürlich freiwilligen Wehr-DIENST!“.

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