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Archive for Juli 2007

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Die Hamster waren unterwegs. Im Supermarkt gab es heute kaum noch Butter, ich stelle mir vor, wie in jeder zweiten Wohnung das Tiefkühlfach überquillt und Mama am Heiligabend sagen wird: „Esst, Kinder esst, das ist noch die billige Butter aus dem Sommer!“. Fleisch soll auch teurer werden, hab ich gerade gelesen. Wie hat Rilke einst gedichtet?

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr günstig.
Leg deine Braten in die Tiefkühltruhen,
und auf den Broten lass die Butter weg…
Wer jetzt kein Hack hat, kauft sich keines mehr!“

Was wird eigentlich billiger? Naja, alles wofür die Nachfrage sinkt. Dopingmittel zum Beispiel. Auch der gebrauchte Golf von Benedikt dem XVI wird immer günstiger. Den Beck kriegst du bald nachgeworfen. Windows Vista sowieso. Und Monrose. Lila Damenhandtaschen, Tom Cruise, Arschgeweihe und verrückte Froschklingeltöne. All das zusammen ist künftig weniger wert als eine kleiner Becher Creme Fraiche. Klingt vernünftig.

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Sind die Molkereien die neuen Ölscheichs? Bis in die Berliner Politik hinein ist man empört über die angekündigte Preiserhöhung für Milchprodukte. Dass die Milch teurer wird, ist prinzipiell begrüßenswert, endlich können Bauern mit Kühen wieder Geld verdienen und müssen nicht mehr davon leben, dass sie sich in billigen Fernsehshows verkuppeln lassen.

Jetzt gibt es keine absurd hochsubventionierten Milchseen und Butterberge mehr, das Angebot hat sich der Nachfrage genähert, auch global. Zwei seltsame Begründungen hab ich heute gelesen: die Asiaten kaufen uns unsere Milch weg! Nach dem Benzin und dem Metall jetzt auch noch unsere schöne Milch. Wahrscheinlich planen die Chinesen olympisches Milch-Doping im kommenden Jahr. Zweite Begründung: Die Biotreibstoffe! Weil Bauern jetzt immer mehr für den Tank produzieren statt für die Kanne. Wir müssen uns also entscheiden, ob wir Kernkraft oder billige Milch wollen. Der Chinese würde wahrscheinlich sagen: Beides!

Man munkelt, dass die Molkereien von den Ölscheichs gelernt haben und kleine Preiserhöhungen beim Rohstoff zu nutzen, um beim Endverbraucher dreifach zuzuschlagen. Wenn das so ist, wird die Milch wahrscheinlich künftig auch immer kurz vor den Schulferien teurer, bevor die Kids die Eisdielen stürmen? Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, Milch zu sparen. Die Milchschnitte teilen. Bewusst zum 3-Liter-Eis greifen. Scheibletten auch mal mehrfach verwenden. Auf Hybrid-Verzehr ausweichen, halb Quark halb Schlämmkreide. Oder einfach innerstädtisch öfter mal den Käse stehen lassen. Das Milkyway ersatzweise in Saft schwimmen lassen. Am Strand auf Sonnenmilch verzichten. Es gibt so viel, was man tun kann!

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„Gewalt ist nach wie vor männlich besetzt, aber die Frauen holen auf“, sagt der Jugendbeauftragte der Bremer Polizei, der feststellt, dass die Gewaltbereitschaft von Mädchen und jungen Frauen zugenommen hat. Schuld sind natürlich die Medien. Immer. Kannste dich drauf verlassen. Spätestens seit Tarantino im Kino vorzugsweise Frauen metzeln lässt (zuletzt mit Maschinengewehr an Stelle einer Beinprothese!) und der Wähler in Berlin vorzugsweise Frauen regieren lässt (zuletzt in Bayreuth mit lila ans Handgelenk getackertem Täschchen!).

Selbst Alice Schwarzer ist ja inzwischen so hemmungslos schmerzbefreit, dass sie Blut geleckt hat und Werbung für die Bildzeitung macht – das Fachblatt für alle emanzipations-relevanten Themen: Baller-sabber-schlitz-hechel-bumm-batsch! Neonazis schicken Frauen in den Wahlkampf, Regina Halmich prügelt sich erfolgreich ihrem Abschiedskampf entgegen und Madonna rettet mit einem Kinderchor das Klima.

Und was für Rollenvorbilder haben Jungs? Bart Simspson, über dessen Pimmel sich zur Zeit die ganze Welt kaputt lacht. Nix da mit Weiblichkeit als letztem Refugium für Sanftmut und Kultiviertheit, die Weiber sind die neuen Kerle. It is a men´s world.

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Und jetzt alle zusammen: „Der Cottbuser Glatzen-Ignorierer ignoriert den Cottbuser Glatzen-Aufmarsch!“. Engagierte Bürger haben dort glatt eine NPD-Demo ins sprichwörtliche Leere laufen lassen, coole Idee. Ein Aktionsbündnis aus Verbänden, Unternehmern und Kirche hat dafür gesorgt, dass die völkische Demo kein Publikum, sondern nur eine kurzzeitige Geisterstadt vorgefunden hat. Noch im letzten Moment baten kreative Widerständler die Bevölkerung per Lautsprecherwagen „Fenster und Türen zu schließen“, fast nach dem Motto „Holt die Kinder rein, die Nazis sind in der Stadt!“.

Das ist mal ein ganz neues Mittel gegen Volksverhetzung und Volksverdummung: Volksentzug! Da werden die Glatzen gestaunt haben – keiner da zum Bedrohen, Anpöbeln, Agitieren. Raum ohne Volk. Braune Scheiße ohne Fliegen. Und trotzdem war es ein Medienereignis, die Cottbuser Bürger haben ihr „ohne uns!“ deutlich gemacht. Schade nur, dass sich diese Idee natürlich schnell verbraucht. Denn letztendlich bedeutet sie, dass man den Rechten die Straße überlässt. Mist.

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Ok, die Gehirnwäsche geht weiter! Dieses Volk hat eine super Regierung, jede Menge Jobs, umweltfreundliche Kraftwerke und eine Popstar-Casting-Show nach der anderen. Und was macht es? Es macht alles kaputt durch mutwilliges Übergewicht! Wenn man zur Zeit die Medien verfolgt, hat man echt das Gefühl, die chronische Verfettung Deutschlands habe so dramatische Ausmaße angenommen, dass bald deswegen Blauhelmtruppen einmarschieren müssen.

Wird das Thema momentan so hochgespült, weil im Freibad keiner mit seiner Bikinifigur (trag ich eh nicht!) zufrieden ist, oder ist das einfach das diesjährige Ablenkungsthema, mit dem die Politik uns beschäftigt, während sie hinter den Kulissen die echten Hämmer beschließt? So wie letztes Jahr: Vorne WM, Goleo und Merkel auf der Tribühne, hintenrum die Mehrwertsteuer erhöhen. Und dieses Jahr: Vorne die Fettleibigkeits-Paranoia, hintenrum die Online-Durchsuchung klar machen?

Ich weiß es nicht, ich find es einfach nur verdächtig, wie wir gerade mit dem Kalorien-Thema bombardiert werden. Heute zum Beispiel erfahre ich, dass der Medikamentenverbrauch im Osten des Landes überdurchschnittlich hoch ist, weil da die Leute überaltern und verfetten. Da würd ich mich als Wolf auch wieder ansiedeln, das klingt nach leichter Beute. Die meisten Übergewichtigen gibt es angeblich in Mecklenburg-Vorpommern mit ganzen 17,3 Prozent, eben McPomm irgendwie. An anderer Stelle lese ich, dass in Nordrhein-Westfalen jeder zweite übergewichtig ist, dort gibt es 2,3 Millionen Fettsüchtige und die meisten Dicken leben in Hamm, eben Hammbürger irgendwie. Angriff der Killerplauzen, oder was? Deutschland, ein Schlemmermärchen.

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Wer bisher mit seinem Übergewicht unzufrieden war, musste sich mit Ausreden behelfen wie „Die Gene!“, „Schwere Knochen!“, „Bin nur zu klein!“ oder „Sportverletzung! Darf mich nicht bewegen!“. Damit ist jetzt Schluss! Eine neue Studie hat es an den Tag gebracht: Schuld sind die sozialen Beziehungen! Wer Dicke um sich herum hat, wird angeblich eher dick. Fahr mal testweise eine Woche mit Tokio Hotel in den Urlaub, dann eine Woche mit Otti Fischer. Und dann unterhalte dich noch mal mit deiner Waage.

Also lautet jetzt die aktuelle Ausrede: „Ich hab zu viele dicke Freunde!“. Das klingt nicht verfressen, das klingt sozialkompetent. Muss ich mir künftig meine Freunde danach aussuchen, ob sie mir die Figur ruinieren? Ich hör mich schon sagen: „Du bist unheimlich nett, aber meine Hose spannt ja jetzt schon!“. Kann ich abnehmen, allein indem ich mich von den Wildecker Herzbuben fernhalte? Was wiegen eigentlich die Macher dieser Studie? Und welche Diät-Mafia hat sie bezahlt?

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10 Milliarden Wurstbrötchen. So stellt sich der Vegetarier die Hölle vor. Und der Steuerberater den Himmel auf Erden. Hä? Seit heute beschäftigt sich das Landgericht München mit der Klage eines Steuerberaters. Dessen Mandantin, eine Kioskbesitzerin, hatte einen Steuerbescheid von 2,1 Milliarden Euro Umsatzsteuer erhalten. Dafür hätte sie 10 Milliarden Wurstbrötchen verkaufen müssen, hat irgend ein Reporter ausgerechnet. Damit wäre wahrscheinlich ganz Bayern ins Cholesterin-Koma gefallen.

Erst als ihr Steuerberater Einspruch erhob, hat sich das Finanzamt korrigiert und gesagt: „Äh, wir meinen natürlich € 108,83 und schönen Tag noch!“. Jetzt könnte man sagen „was ham wir gelacht“ und zum Tagesgeschäft übergehen, sich zum Beispiel ein schönes Brötchen schmieren. Da hat der gesunde Menschenverstand aber die Rechnung ohne den Steuerberater gemacht. Der besteht jetzt darauf, dass ihm anteilig vom ursprünglichen Steuervolumen ein Honorar von 2,5 Millionen zusteht, das hätte er doch gerne vom Finanzamt ersetzt. Und weil er großzügig ist, würde er sich auch mit 600.000 Euro zufrieden geben, das entspricht wahrscheinlich dem Gegenwert der im Überschwang bestellten 3 Porsches.

Da kann man mal sehen, was deutsches Steuerrecht im Laufe der Jahre so im Kopf einer Steuerberaters ausrichten kann, der hat einen Realitätsbezug wie Michael Jackson oder Gülcan oder beide zusammen. Ich bin gespannt aufs Urteil, denn wenn die Finanzbehörde ihn teuer entschädigen muss, dann ist das für den Steuerzahler vor allem eines nicht: Wurst!

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