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Archive for 18. Juni 2007

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Sony hat sich bei der Kirche von England entschuldigt. Weil in einem Playstation-Spiel in der Kathedrale von Manchester herumgeballert worden ist. „Virtuelle Schändung“ hat das der Dekan genannt und verlangt, dass das Spiel vom Markt genommen, oder zumindest das Gotteshaus aus Level 8 entfernt wird. Das Spiel heißt übrigens „Resistance: Fall of Man“. Ich find, das klingt schon irgendwie ziemlich katholisch. Gut, das Spiel ist natürlich eher Ego-Shooter als Bergpredigt. Da prallen zwei Welten aufeinander: Playstation auf Praystation, Konsole auf Kanzel.

Sony bedauert, eventuell religiöse Gefühle verletzt zu haben, aber beweist für einen Spielehersteller erstaunlich viel Realitätssinn: Die Firma weist drauf hin, dass man bitte das reale Manchester des 21. Jahrhunderts unterscheiden müsse vom der Arbeit spieleprogrammierender Science-Fiction-Autoren. „Fall of Man“ handelt 1950. In einem 1950, in dem Großbritannien von Außerirdischen angegriffen worden ist und die verlassene Kirche als Lazarett dient, in dem verwundete US-Soldaten gepflegt werden. Noch mal kurz: Aliens, verlassene Kirchen und Soldaten – was wäre die natürliche Reaktion? Zu sagen: „Oh, ich füll mal eben das Weihwasserbecken auf!“? Oder: „Her mit der Wumme, ich putz die galaktischen Schleimscheißer weg!“? Genau.

Da kann ich ja auch gleich alle Filme verbieten, in denen jemals in einer Kirche mehr passiert ist, als der Papst es sich wünschen würde, ob Feuersbrünste, Schießereien oder Freikörperkultur. Wäre schade drum. Und um die „Freiheit der Kunst“. Ein hohes Gut, eine aufklärerische Errungenschaft des Abendlands. Hätte nicht gedacht, dass auf diese Weise mal Sony zu seinem Retter wird.

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