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Archive for 10. Mai 2007

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Horst-Ulla Seeschmidt hat ein Papier veröffentlicht mit politischen Eckpunkten zum Thema Ernährung und Bewegung. Die Ausgangslage ist erschütternd, jedes fünfte Kind gilt als essgestört. Wahrscheinlich, weil seine Eltern kochgestört sind. Und das Fernsehprogramm RTL-II-gestört, also völlig tittenarschbauchbeinepo-fixiert. Dreißig Prozent der Erwachsenen sind körperlich zu wenig aktiv – nein, Bloggen zählt nicht als Sport. Laut Seeschmidt-Papier sind die dicksten und trägsten Bürger statistisch gesehen die bildungsfernen Männer auf dem Land. Öha! Die müssen dringend was tun, wenn nicht abnehmen, dann mindestens umziehen, Bücher lesen und ihre weibliche Seite entdecken. Kann helfen, rein statistisch.

Das Volksgesundheits-Papier liefert eine erschreckend konkrete Zielvorgabe: Wir sollen bis 2020 schlanker werden und besser essen. Von den Tischmanieren ist da noch gar nicht mal die Rede. Wieso eigentlich immer 2020 (wie beim CO2-Ausstoß)? Was ist da? Kommt da wichtiger Besuch? Und was wird ab 2021, geht’s da wieder richtig zur Sache? Ich hör mich immer öfter sagen: „Lass uns da 2021 noch mal drüber reden…“.

Der Handlungsplan sieht folgende Maßnahmen vor: Eine verstärkte Vorbildfunktion der öffentlichen Hand. Seh´ ich ein. Wenn der Staat verschlankt wird, fang ich auch an abzunehmen. Versprochen. Nächste Maßnahme: Bessere Produktinformation. Die Produkte müssen erklärt bekommen, wie dumm die Bürger sind. Das kann sich so ein Glas Nutella gar nicht vorstellen, wie viele Profifußballer es für ein wichtiges Nahrungsergänzungsmittel halten! Eine weitere Maßnahme: Die Politik soll Strukturen schaffen, die einen gesunden Lebensstil ermöglichen. Also wahrscheinlich den öffentlichen Nahverkehr komplett einstellen, damit wir uns als Fußgänger verschlanken. Brillantes Finale des Papiers: Die Forschung soll neue Impulse erhalten, damit sie endlich mal rausfindet, wie man die Leute zum gesünderen Leben bringt.

Allein die jährlichen Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten werden auf 70 Milliarden beziffert. Dafür könnte Ursula von der Leyen grob geschätzt Krippenplätze für 273% der Unter-Dreijährigen schaffen. Aha, jetzt ist klar, warum die Politik plötzlich so gesund abfährt: Nix fit for fun, fit for cash! Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen, am besten in Form von Situps! Bewegung als Standortfaktor. Wir erwarteten zwar 200 Milliarden Steuer-Mehreinnahmen. Aber damit werden Schulden getilgt. Alles andere müssen wir uns im Schweiße unseres Angesichts erarbeiten, äh, outworken.

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Endspurt: Der kleine Wettbewerb „Ein Buch für Angela“ läuft nicht bis 2020, sondern nur noch 3 Tage!

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