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Archive for 8. Mai 2007

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Im „Second Life“ gibt es also Perverse. Ach. Danke liebe ARD, da wär ich nie drauf gekommen. Für den kulturpessimistischen Bildungsbürger, der dieses Blog aus Abscheu vor den neuen Medien nicht im Internet liest, sondern sich täglich hand-transkribiert auf Bütten vorlegen lässt, sei kurz erklärt: „Second Life“ ist eine virtuelle Spiel-Welt. Virtuell, das kennen Sie: Das ist wie wenn Sie zu Hause ein Arbeitszimmer haben, das Sie steuerlich absetzen. Und das aber eigentlich ein Gästezimmer ist. Dann ist das Arbeitszimmer virtuell, also zumindest fürs Finanzamt. Oder noch mal anders erklärt: Wenn Sie so besoffen sind, dass Sie alles doppelt sehen, dann ist die eine Hälfte davon garantiert virtuell. Virtuell sind Sachen, die es nicht wirklich gibt, mit denen man sich aber trotzdem stundenlang beschäftigen kann. So wie Goethes Faust.

Wenn ein virtueller schmieriger Familienvater hinter einem virtuellen Busch eine virtuelle Minderjährige entjungfert, dann ist das ekelhaft, aber nicht halb so schlimm wie im wirklichen Leben. Die virtuelle Minderjährige könnte sich nämlich jederzeit einfach wegbeamen und lieber durch die schicke neue virtuelle Mercedes-Benz-Niederlassung spazieren. Außerdem ist sie wahrscheinlich in Wirklichkeit ein schmieriger Familienvater. Da sich aber theoretisch auch jeder Benz-Besucher im Gegenzug umgehend hinter den perversen Busch beamen könnte (was in der Realität allen Beteiligten zum Glück erspart bleibt), ist die Pixelschänderei natürlich kein reines privates klebriges Gedankenspiel mehr, sondern Kinderpornographie. Die ist und bleibt zurecht verboten. Nicht die virtuelle Vergewaltigung an sich, das wär ja noch schöner. Dann müsste man auch virtuelle Morde ahnden und schon mal neue Großgefängnisse errichten für ca. hunderttausend Counterstrike-Spieler. Und überlegen wann und wie der Bundespräsident sie dann begnadigen darf.

Also, liebe ARD: Nicht alles was virtuell ist, ist auch neu. Und selbst im Virtuellen Raum kommt man mit gesundem Menschenverstand weiter als mit Panik. Das geb ich euch schriftlich, wenn es sein muss auch auf Bütten.

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Hinweis: Der kleine Wettbewerb „Ein Buch für Angela“ läuft noch 4 Tage!

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