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Archive for Mai 2007

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Wie es halt so ist in lupenreinen Demokratien: Es herrscht Pressefreiheit, aber eben nicht für jeden. TAZ-Redakteur Felix Lee hat mehrfach in Reportagen über die Globalisierungsgegner berichtet, dabei aber offensichtlich vergessen, sich hinreichend vor Ekel und Abscheu zu winden. Er hat niiiiicht: Zu Gewalt und Randale aufgerufen. Trotzdem hat das Bundespressamt ihm jetzt die Akkreditierung zum Pressecenter des G8-Gipfels „auf Empfehlung des Bundeskriminalamts“ nicht erteilt.

Das heißt: Zur Zeit entscheidet das BKA, was Journalismus ist und was nicht. Wahrscheinlich schnuppern sie erst an der jeweiligen Zeitung und dann an den kürzlich genommen Geruchsproben. So lange, bis beides ähnlich müffelt. Und dann streichen sie alle von der Berichterstatter-Liste, die sie eh nicht riechen können. Also, wenn ich Kanzlerin wäre, würd ich in den nächsten Tagen lieber nicht den Putin anrufen, um ihn in Demokratie abzufragen.

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Unser täglich mp3

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Der weiße Riese hört MP3? Anscheinend. Irgendeinen Sinn muss es ja machen, wenn die Firma LG Electronics jetzt eine Waschmaschine mit Anschluss für MP3-Player zum Patent anmeldet. Obwohl es aussieht, als wären die Lautsprecher nur nach außen gerichtet. Für die Buntwäsche oder versehentlich mitgewaschene Haustiere bleibt das Vergnügen also weiterhin tendenziell ein unmusikalisches. Aber alle, die schon immer gerne den halben Tag damit verbracht haben, meditativ in die rotierende Wäsche zu starren, kriegen dann den Soundtrack direkt aus dem großen weißen Kasten.

Was hört man da am besten? Die Toten Hosen? Oder Kuschelrock? James Blunt oder ähnliche Weichspüler? Und wieso bleibt der Kühlschrank unbeschallt, kann man da nicht auch was machen, von wegen Coldplay oder Cream? Was kommt nach den Haushaltsgeräten, die Erdmöbel etwa? Wird mein Sarg eine Ipod-Schnittstelle haben? Oder die Behandlungsstühle beim Zahnarzt, kriegen die dann vielleicht sogar Bluetooth? Und vor allem: Wenn überall Musik ist, könnte dann bitte wenigstens in den Fahrstühlen wieder Ruhe einkehren? Einfach Stille, von mir aus auch gerne im MP3-Format!

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Die niederländische TV-Produktionsfirma, die schon mit ihrer Erfindung „Big Brother“ einen Tiefpunkt des Fernsehschaffens ungefragt in die Welt gesetzt hat, legt nach, oder genauer: tiefer! Drei Nierenkranke kämpfen am kommenden Freitag live um Sympathie und eine neue Niere. Einer todgeweihten 37-jährigen Spenderin werden die Bewerber in Einspielfilmen vorgestellt, die Zuschauer können per sms empfehlen, welchen davon sie bevorzugen würden. Dass zum Finale dann direkt eingeschläfert und transplantiert werden soll, ist ein böses Gerücht, wäre den Berufszynikern von Endemol aber natürlich auch zuzutrauen.

Diese widerliche Mischung aus Organhandel und „Einer wird gewinnen“ soll angeblich auf die „schwierige Situation von Patienten, die auf Spenderorgane warten“ aufmerksam machen. Als würde die Situation weniger schwierig, wenn man im Fernsehen auch noch als optimal-sympathischer „Holland sucht den Nierenempfänger-Star“ zwei todkranke Mitbewerber unterhaltsam ausbooten muss. Mal wieder Darwinismus live! Wenn du als Patient nicht hübsch, witzig, anrührend oder privatversichert genug bist, hast du einfach Pech gehabt. Ich könnte kotzen.

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Och nö, nicht schon wieder. Seit 2004 ist Polen in der EU, also sollte sich bei mir ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl entwickelt haben, das sich aber einfach nicht einstellen will. Ewa Sowinska ist die polnische Ombudsfrau für Kinder. Das heißt: Sie ist anscheinend beruflich im Namen irgendwelcher Kinder zuständig für regelmäßige hysterische, homophobe Amokläufe. Jetzt lässt die die TV-Serie „Teletubbies“ untersuchen, von Psychologen. Weil die Tubbies eventuell „homosexuelle Propaganda“ sind und deswegen verboten werden müssen.  Allein diese Formulierung wär ja ein Grund für die fristlose Entlassung aus der EU, zumindest was Frau Sowinska angeht. Sie hat Angst, die Teletubbies seien schwul, weil: „Tinky Winky eine Handtasche trägt, aber männlich ist“.

Erstens: Was glauben sie, Frau Ombudsinska, wie oft grade heterosexuelle Männer Handtasche tragen! Entweder, weil ihre Frau sie ihnen beim Schuh-Anprobieren mal eben für 3-4 Stunden in die Hand gedrückt hat. Oder weil es Herrenhandtaschen sind, und ihre Träger pfeiferauchende Sozialkundelehrer beim Jazz-Frühschoppen. Zweitens: Von den Schwulen, die ich kenne, hab ich noch nie auch nur einen mit Handtäschchen gesehen!

Abgesehen davon: Wenn du quietschbunt bist, nur brabbeln kannst und einen Fernseher in den Bauch eingebaut hast, dann bist du wahrscheinlich nicht homo- , sondern asexuell. Was eigentlich das viel größere Problem ist, frag mal den Pumuckl, der sich grade vor Gericht mit seiner Schöpferin darum streiten muss, ob er eine Freundin haben darf. Ich hab mir mal ein Foto von dieser Frau Sowinska angeschaut: Raspelkurze Haare, dicke strenge Brille – wenn Tinky Winky schwul ist, dann ist die polnische Ombudsfrau eine Kampflesbe! Und Handtasche trägt sie wahrscheinlich auch noch.

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Adolf fühlt sich diskriminiert. Er und seine Leute würden in Deutschland nicht akzeptiert und stünden vor „völlig unnötigen Hindernissen bei der beruflichen Eingliederung“, sagt Adolf. Ja, es gäbe Probleme mit der männlichen Jugend, gibt Adolf zu, aber die wolle man versuchen, mit der Landsmannschaft zu lösen. Einen weiteren Zuzug seiner Leute, so Adolf, habe man durch „eine Überbetonung der Sprachkenntnisse“ praktisch gestoppt. Damit werde eine Volksgruppe, die nach dem zweiten Weltkrieg nicht zu ihrem Deutschtum habe stehen dürfen, erneut bestraft.

Ach so: Adolf heißt mit vollem Namen Adolf Fetsch und ist der Vorsitzende der Landsmannschaft der Russlanddeutschen. Jahrgang 1940. Klingt so, als hätten seine Eltern zumindest bei der Namensgebung noch voll zum Deutschtum stehen dürfen.

Wie auch die vom volkstümelnden Andy Borg. Der heißt mit bürgerlichem Namen Adolf Meyer. Was muss das für eine Kindheit sein, wenn deine Eltern dich noch im Jahr 1961 auf den Namen Adolf taufen, da kannst du später eigentlich nur Terrorist werden – oder Stadelmoderator. Was bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie sich im Herbst 68 nicht sonderlich zum Deutschtum bekannt haben!

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Wie sieht eigentlich ein Bekennerschreiben aus? 30-Jahre-RAF-Briefmarke und links oben als Absender „Ein Freund“? Haben die Buchstaben der Adresse einen auffälligen Linksdrall und müffelt der Brief nach dieser Mischung aus Kiffe und fair gehandeltem Kaffee? Der Hamburger Staatsschutz saß ja jetzt ein paar Tage im Briefzentrum Altona und hat 10.000 Briefe gesichtet, befummelt und dann nach eigenen Aussagen einen (in Zahlen: 1!) davon geöffnet. Das nenn ich effektiv! Und diese Selbstbeherrschung!!!

Die Aktion stand in „Zusammenhang mit Bekennerschreiben“, heißt es. Klar, die werden ja üblicherweise an Zeitungen geschickt und tauchen deshalb nie mehr in der Öffentlichkeit auf… Und wenn doch, müsste der Staatsschutz an den Kiosk gehen, das ist zu gefährlich, da stehen diese ganzen Penner und schimpfen auf den Staat. Angeblich waren sie sogar beim Leeren der Briefkästen mit dabei, wahrscheinlich um rauszufinden, wo der anonyme Absender seine Post einwirft. Kann sein, dass der Staatsschutz deswegen sogar in den Briefkästen saß, Passanten wollen im Dunkel hinter dem Einwurfschlitz neugierige Augenpaare gesehen haben. Die krampfhaft auf die Briefmarke geschielt haben. Laut Erkenntnissen des Staatsschutzes ist es ja so, das Autoanzünder ihre Bekennerschreiben vorzugsweise höchstpersönlich direkt in den Briefkasten bei sich ums Eck werfen. Das ist der berühmte Widerstand der kleinen Wege.

Verhaftungen gab es bisher keine. Der eine geöffnete Brief kann also nicht sehr brisant gewesen sein. Wahrscheinlich mal wieder eine Rechnung, so geht es mir meistens. Dementsprechend war die Aktion „notwendig“ aber überflüssig? Es sei denn, man hätte Bekennerschreiben gefunden, von denen man wollte, dass sie dringend verschwinden und eben nie veröffentlicht werden. Ich mach mir Sorgen um Heiner Geißler!

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Ein Traum: Kurzfristige Pressekonferenz im Bundesministerium des Inneren. In klammen Worten legt Wolfgang Schäuble ein Geständnis ab: „Ja, ich habe gedopt!“, sagt er müde. „Ich habe illegale Mittel eingesetzt, von denen ich hoffte, dass sie sich nicht nachweisen lassen. Ich hatte Angst, nicht mithalten zu können bei meinen internationalen Kollegen. Die Leistungen, die heute im Bereich der Inneren Sicherheit erbracht werden, sind ohne Doping kaum möglich, das ist an knallhartes Geschäft“.

Seine Augen füllen sich mit Tränen, als er fortfährt ausführt: „Mein Sohn will selber mal Innenminister werden. Wenn ich von ihm erwarte, dass er ein ehrlicher Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen“. Dann verschlägt es ihm für einige Sekunden die Stimme, bevor er verkündet: „Ich möchte mich hiermit aus dem aktiven Innenminister-Betrieb zurückziehen und wünsche daher in aller sportlichen Fairness den G8-Gegnern viel Erfolg! Hiermit gebe ich mein bisheriges Leben an der Garderobe ab und lege meine Zukunft in die Hände der Bürger. Ich hoffe, sie haben Verständnis, wenn ich jetzt keine weiteren Fragen beantworte“.

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