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Archive for 18. April 2007

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In Speyer ist der erste Arbeitslose verhungert. Eine knüppelharte Nachricht. Der 20-Jährige hatte im Vorfeld Arbeitsangebote und medizinische Untersuchungen ausgeschlagen. Daraufhin bekam er nicht mal mehr Hartz IV. Am Sonntag hat man ihn tot aufgefunden, bei ihm seine 48-jährige Mutter, die sagte, sie hätten aus Geldmangel keine Lebensmittel mehr kaufen können. Und die man dann ins Krankenhaus bringen musste, weil sie so schwach war. Das ist der entscheidende Punkt: Schwach. Zu schwach, mit Behörden zu kämpfen, zu schwach, den Überblick zu behalten und zu schwach für heitere Selbstmotivations-Kunststückchen.

Darwin hatte rausgefunden, dass die Natur solche Existenzen knallhart aussterben lässt. Der kannte Hartz IV noch nicht. Jetzt werden sie kommen, die Einwände. „Der ist nicht verhungert, der hat einfach nix mehr essen wollen.“ „Der ist nicht von den Behörden hängen gelassen worden, der war einfach zu doof, die Suppenküche zu finden.“ Genau. Da ist unsere Sozialpolitik der Evolution einfach entgegen gekommen. Zuletzt war theoretisch die „Gesellschaft für Arbeitsmarktintegration“ für den Mann zuständig. Die werden jetzt, wo er tot ist, kaum weniger für ihn tun können. Oder sie machen einen Haken hinter seinen Namen mit dem Vermerk: „Als Bestattungsauftrag in den Arbeitsmarkt integriert“.

Wenn du als Arbeitsloser kein knuddeliges Eisbärbaby bist, hast du es zur Zeit schwer, in Deutschland noch wahrgenommen  zu werden. Da musst du schon verhungern. Hoffen wir, dass dies einer der „Einzelfälle“ ist, die auch einer bleiben. Und dass das, was wie eine billige Brachial-Kabarett-Überspitzung klingt, nicht öfter eine reale Überschrift wird: In Speyer ist der erste Arbeitslose verhungert.

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