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Archive for April 2007

Erhöhte RTL-Gefahr

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In den USA gab es nach 9/11 im laufenden Fernsehprogramm immer Einblendungen wie „Terrorgefahr: hoch“. Der Erkenntnisgewinn war gering, der politische Gewinn für Bush groß. Bei uns ist es mittlerweile fast genau so. Es gibt einen Fernsehsender, der permanent den Schriftzug „RTL“ einblendet. Das könnte die Abkürzung sein für „Reißerische Terror-Lust“. Hatte der Sender doch die Tage berichtet, er wisse aus zuverlässigen Quellen, Attentäter seien grade auf dem Weg nach Deutschland – Leute, holt die Kinder rein, der Terror kommt in die Stadt!

Da hatte man bei RTL wohl das Interview mit einem Innenministeriums-Sprecher etwas in den falschen Hals (oder besser Sensations-Gierschlund) bekommen. Der hatte nur gesagt, dass man seit dem 20. April verstärkt mit Anschlägen auf US-Einrichtungen in Deutschland rechne und dabei auch von dem möglichen Szenario ausgehe, dass die Täter zu diesem Zweck einreisen. Verstärkt rechnen, mögliches Szenario – das langt RTL für ne ordentliche Terrorsause!

Terroristen sind Leute, die Angst und Schrecken verbreiten, also: Vielleicht hatte Stefan Raab ja doch tiefergehend recht, als er für seine „Rettet Max Buskohl“-Kampagne das RAF-Logo geringfügig modifizieren ließ. Der Mann kann ja auch mal Recht haben, ohne es zu merken. Ist auch besser so.

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In Köln wollte man Schulschwänzer ganz modern ermahnen, indem ihre Eltern von den Lehrern eine sms bekommen sollten. Wahrscheinlich irgendwas wie „hdl“, die Kurzform für „Holt den Lümmel!“. Den Plan hat die Schulbehörde dann aber verworfen. Wegen zu hohem Bürokratieaufwand und dafür extra nötig werdenden Ausbildungsmaßnahmen. Man hätte ja die Handy-Nummern der Eltern einholen müssen und, jetzt kommts, man hätte den Lehrern beibringen müssen, wie man Kurznachrichten tippt und versendet. Der Lehrkörper ist angeblich nicht sms-kompatibel! Bitte!!!

Mit sms regelt die Kanzlerin bekanntlich die Hälfte ihrer Politik. „Die ist ja auch Physikerin“, wird da die Schulbehörde sagen. Wie kann man eigentlich erwartem, dass Schüler sich von jemandem irgendwas beibringen lassen wollen, der nicht mal t9 kennt? Das sind dann Lehrer, die nehmen dir deine Nintendo DS weg, weil sie denken, so ähnlich müsste doch auch eine Fernsteuerung fürs Iranische Atomprogramm aussehen. Da wäre wohl mal eine berufliche Fortbildung in Sachen Alltagskunde angeraten. Denn wenn man aus dem Privatfernsehen eines lernen kann, dann dies: Wer die Millionen gewinnen will, darf nicht an der 50-Euro-Frage scheitern. Oder anders gesagt: Wer die geistige Elite des Landes formen will, darf sich nicht zu fein sein für die Niederungen des sms-sens. Oder wie immer man das schreibt…

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Gut betuchte Mexikaner aus der Hauptstadt Mexiko-City haben ein neues Ausflugsziel. Im Grenzdorf Alberto machen sie für umgerechnet 14 Euro eine Nachtwanderung, in der man die aufregende Flucht in die USA nachspielt. Getrieben von „Schlepper“-Darstellern, mit Schüssen, Rumkriechen, Wegducken und einem simulierten Toten. Eine Abenteuer-Touristin fasst zusammen: „Wir haben am eigenen Leib gespürt, was andere Mexikaner leiden müssen“.

Liebe Gutbetuchte in aller Welt: Bitte nicht nachmachen! Wir wollen keine Sylt-Schickimickis, die gegen Eintritt mal einen Nachmittag als Hartz-IV-Emfänger im Plattenbau verbringen. Keine höhensonnengegerbten Münchner Bussi-Typen, die sich mal zum Spaß von Neonazis in der Sächsischen Schweiz als Asylbewerber über den Dorfplatz prügeln lassen. Und schon gar keine pelzbesetzten Fabrikantengattinnen, die mal ein Wochenende in Kanada bei der Robbenjagd Knüppeln ausweichend über die Eisschollen rutschen. Wenn, dann ohne Eintritt. Und aus heiterem Himmel. Das wäre dann so eine Mischung aus der RAF und dem Film „The Game“. Buchen Sie jetzt!

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Privates Intermezzo II

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Dieser Tage ereilte mich mal wieder ein „Stöckchen“, so ein Blogger-Fragebogen-Kettenbrief. Wenn man den ignoriert, bringt das bestimmt Unglück. Diesmal ist es ein besonders kurzatmiges Stöckchen. Die Fragen bestehen nur aus einem Wort, die Antworten sollen nicht länger sein. Immer noch besser, als einen Kuchenteig an 10 Freunde weiter verteilen zu müssen! Also bitte:

1.) Wo ist Dein Handy? Aufladen! 2.) Dein Partner? Frisör! 3.) Deine Haare? Eigenwillig! 4.) Deine Mama? Cabriofahren! 5.) Dein Papa? Handwerkern! 6.) Lieblingsgegenstand? Batman-Poster! 7.) Dein Traum von letzter Nacht? Vergessen! 8.) Dein Lieblingsgetränk? Espresso! 9.) Dein Traumauto? Sparsam! 10.) Der Raum in dem Du Dich befindest? Büro! 11.) Deine Ex? Ex! 12.) Deine Angst? Zahnarzt! 13.) Was möchtest Du in 10 Jahren sein? Papa! 14.) Mit wem verbrachtest Du den gestrigen Abend? Freundin! 15.) Was bist du nicht? Leichtfertig! 16.) Das letzte, was Du getan hast? Zeitunglesen! 17.) Was trägst Du? Nach! 18.) Dein Lieblingsbuch? Mehrere! 19.) Das letzte, was Du gegessen hast? Honigbrötchen! 20.) Dein Leben? Meins! 21.) Deine Stimmung? Wach! 22.) Deine Freunde? Fern! 23.) Woran denkst Du grade? Uhrzeit! 24.) Was machst du grade? Fangfragen-Beantwortung! 25.) Dein Sommer? Hirnerweichend! 26.) Was läuft in Deinem TV? Schmodder! 27.) Wann hast Du das letzte Mal gelacht? Vorhin! 28.) Das letzte Mal geweint? Sicher! 29.) Schule? Leben! 30.) Was hörst du grade? PC-Kühlung! 31.) Liebste Wochenendbeschäftigung? Frühstücken! 32.) Traumjob? Ja! 33.) Dein Computer? Zwei! 34.) Außerhalb Deines Fensters? Sonne! 35.) Bier? Selten! 36.) Mexikanisches Essen? Vegetarisch! 37.) Winter? Weiß! 38.) Religion? Privat! 39.) Urlaub? Nö! 40.) Auf Deinem Bett? Gerne! 41.) Liebe? Unbedingt!

Das „Stöckchen“ aufgreifen darf jeder, der sich angesprochen fühlt. Und 41 Wörter übrig hat, um zu antworten!

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Jetzt neu: Schäuble wird Datenschützer! Schily sei Dank. Was haben wir uns in den letzten Wochen aufgeregt über Schäubles Pläne zur Online-Durchsuchung. Und jetzt kommt raus: Schily war schon immer der schlimmere Schäuble. Umgekehrt natürlich auch. Vielleicht sollte man die beiden künftig zusammenfassen als Schäubly. Versuchen wir es mal, also:

Schäubly wollte per Gesetz erlauben, dass die Geheimdienste mit einem sogenannten „Bundestrojaner“ jeden Rechner durchsuchen können, der am Netz hängt und ihnen verdächtig vorkommt. Also jeden. Dafür hat die Öffentlichkeit den Schäubly herzhaft als Stasi 2.0 beschimpft. Dann kam aber raus, dass die Geheimdienste das eh schon seit zwei Jahren machen. Und zwar aufgrund einer Dienstanweisung von, raten-sie-mal-wem, Schäubly. Weil er sich gedacht hat: „Das Grundgesetz bin ich, äh, also wir beide“. Und jetzt hat Schäubly sich selbst Einhalt geboten, die Ausspähung gestoppt, um im Sinne des Datenschutzes seine eigene Rechtsgrundlage prüfen zu lassen. Er wird natürlich rausfinden lassen, dass die Schäublys Recht haben. Das ist gewissermaßen das doppelte Lottchen der inneren Sicherheit. Das wird wohl dieses Jahr noch auf ausgewachsene Schäubly-Festspiele hinauslaufen…

Übrigens: Der Bundestrojaner ist er wahrscheinlich selbst. Der ist doch nach diesem Teil benannt, das man anderen unterschiebt, und aus dem dann nachts Leute gekrochen kommen, mit denen man nicht gerechnet hatte. Schäuble reingerollt, Schily rausgekommen. Rätsel gelöst.

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Bleischwere Synthesizer-Klänge, düstere Bilder einer Straße, eines Autos, eines Motorrads – war das John Carpenters „Nebel des Grauens“, gestern um 21:45 in der ARD? Nein, es war Vergangenheitsbewältigung nach den Gesetzen des Fernsehens. Mit dem ausgesprochen subtil dahingetupften Titel: „Das Opfer und der Terrorist“. Buback vs. Boock, man möchte sich gar nicht ausmalen, wie RTL so was angekündigt hätte („und jeeetzt, in der linken Ecke…“).

Dass der Sohn eines RAF-Opfers mit einem Ex-Terroristen das Gespräch sucht, weil ihn die Unkenntnis der genauen Tatumstände noch heute nicht zur Ruhe kommen lässt, ist natürlich spektakulär, wichtig, interessant und von historischer Bedeutung. Aber es ist nix für eine halbe Stunde TV. Der erste Knackpunkt war doch der: Das Gespräch hatte schon längst in Form mehrerer Telefonate stattgefunden. Warum sie jetzt noch mal vor Kameras setzen? Nur um zu zeigen: Diese beiden älteren Herren mit den feuchten Augen sind a) Menschen und haben b) miteinander geredet? Moderator Volker Herres war auf der Suche nach den großen Gefühlen. Man hätte sich nicht gewundert, wenn er zwischendurch aufgestanden wäre und persönlich in die Synthesizer-Tasten gegriffen hätte, wie einst Vincent Price auf der Horror-Kirchenorgel.

Als Boock auf Befragen die damaligen Abläufe schildert und dabei die Begriffe verwendet, die nun mal das Denken und Handeln der RAF mitbestimmt haben („Kommando“, „Plan“, „Aktion gelaufen“), fragt Herres, wie es Buback angesichts dieser technischen Sprache gehe. Als wäre ihm mit Kuscheltalk geholfen, als hätte man lieber von dieser „Du-weißt-schon-was-Sache“ sprechen sollen. So haben die damals eben geredet und gedacht. Das erklärt vieles, das darf nicht ausgeblendet werden, das weiß ein Buback seit 30 Jahren. Volker Herres ist es gelungen, das Gespräch übers Gespräch auf das Niveau eines Sportlerinterviews am Spielfeldrand zu ziehen, indem er den Ex-Terroristen doch tatsächlich gefragt hat, wie er sich denn jetzt emotional fühle. Also doch: Nebel des Grauens.

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Wer doof ist, wird zum Ersatzteillager. Der Nationale Ethikrat will „die Zahl der Organspenden in Deutschland erhöhen“. Dabei geht er ausgesprochen kreativ vor. Er plant eine große Aufklärungskampagne, an deren Ende jeder Bürger sich entscheiden soll, ob er Spender werden will, oder nicht. Wer sich nicht zum Thema äußert (weil er nicht drüber nachdenken wollte, nix kapiert hat oder einfach doof ist) gilt automatisch als Organspender. Das ist also nicht direkt eine Auszeichnung. Die Angehörigen dürfen natürlich widersprechen. Aber du weißt ja, wie sie sein können, die Angehörigen. Ethikrat-Mitglied Jochen Taupitz: „Wir halten die Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts in diesem Fall für vertretbar. Schließlich steht ihr die Rettung von Menschenleben gegenüber“. Na das ist ja mal ein Ansatz. Nach „Du bist Deutschland“ und „Wir sind Papst“ jetzt „Du bist Organspender“?

Es heißt, zurzeit sterben in Deutschland jährlich 1000 Menschen, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt. Also ist es keine Frage, dass fürs Spenden geworben werden muss. Aber es kann doch nicht sein, dass der mehr so ganzheitlich beigesetzt werden wollende Organ-Verweigerer sein Veto erst irgendwo hinterlegen muss. Wo es auch nicht wegkommt. Nicht jeder hat die Zeit, den Nerv und den Mut, sich das „Nein“ sicherheitshalber direkt auf die Niere tätowieren zu lassen. Nur um nicht zwangsverfreiwilligt zu werden. Für die wirklich Freiwilligen gilt weiterhin dieser empfehlenswerte Link.

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