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Archive for Februar 2007

Drei offene Kurzbriefe

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Liebe Nordic-Walker!

Nicht nur, dass Ihr Euch zum Witz-Opfer Nummer Eins empor-gestochert habt (wofür Euch die Lehrer noch lange dankbar sein werden), nein, jetzt seid Ihr schon eine halbe Naturkatastrophe. Der Verein „Europäischer Tier- und Naturschutz“ bittet um besondere Vorsicht, wo es zur Begegnung von Krötenwanderung und Nordicwanderung kommt: Obacht beim Stockeinsatz, sonst gibt’s Kröte am Spieß. Werdet Euch bewusst, dass Ihr aus der Perspektive einer laichwütigen Kröte ausseht wie die Außerirdischen im Film „Krieg der Welten“. Und dann werdet bitte nicht größenwahnsinnig.

Liebe Bundesanstalt für Arbeit!

Schön, dass auch diesen Monat die Arbeitslosenzahl wetterbedingt (also klimakatastrophal) relativ gering ausfällt. Aber bitte nehmt davon Abstand, Eure schwer vermittelbaren Fälle zu Porschefahrern umzuschulen, nur damit der Treibhauseffekt Euch weiter zuarbeitet.

Und schließlich: Liebe Uni Freiburg!

Dass Eure Studenten während der Prüfungen nicht einmal bei anerkannter Blasenschwäche auf die Toilette dürfen und deshalb in Trink-Flaschen pinkeln müssen, mag für Euch kein Problem sein. Für mich schon. Immer wenn ich jetzt eine Flasche an die Lippen führe, frage ich mich, ob ich da grade aus einem Mehrweg-Akademiker-Klo trinke. Danke! Wäre nicht nötig gewesen.

Mit mehr oder weniger herzlichen Grüßen, in Sorge,
ein Freund.

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Verbotene Liebe

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So hätte er das machen müssen, der Ex-RAF-Terrorist Christian Klar: Zum Kerner gehen, weinen. Erzählen, dass ihn die Gesichter der Opfer bis in den Schlaf verfolgen. Und dann später: Ein freiwilliges soziales Jahr an der Frankfurter Börse machen. Kapitalismusfreundliche Kinderbücher schreiben („Pipi Hedgefonds“ oder „Ronja Räubertochter Arbeitgeberkind“). Zum Beckmann gehen und nochmal weinen. Oscar Lafontaine zurück in die SPD quatschen. Einen Werbespot für die neue Coke-Zero drehen. Paybackpunkte sammeln. Einen Anlageberater adoptieren, einmal in der Woche eine BWL-er-WG putzen und auf bundesdeutschen Bahnhöfen Kofferbomben entschärfen. Weinen und einfach wie eine geistesgestörte rückgratlose Polit-Amöbe seine Restexistenz der Unterhaltungsindustrie zur Verfügung stellen. Und nie mehr irgendwas wollen, nicht mal bei Tisch die Butter.

Aber dass er jetzt Sprüche von sich gibt wie ein radikal Linker, den man 25 Jahre eingesperrt hat, damit war ja echt nicht zu rechnen. Er hofft, dass die Zeit gekommen ist „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden“. Super Überraschung. Dabei dürfte er von mir aus sogar für die Überwindung der Schwerkraft kämpfen, solange es dabei keine Toten gibt. Einer muss es ja machen.

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Wir sind Oscar! Und das sogar mit einem Film, in dem keine Nazis vorkommen. Dafür Stasis. Aber es ist ein Anfang. Graue Abhörmenschen bürokrateln sich durch graue DDR-Straßen – das sieht der Ami gern, das ist so glamourbefreit und muffig, dagegen ist Guantanamo eine Broadway-Revue. Mal ganz unsachlich dahingedacht.

Der neuste Abhör-Skandal in Deutschland hat sich ja jetzt auch als ausgesprochen triste Angelegenheit erwiesen. Erinnert sich noch jemand an den Linkspartei-Abgeordneten, in dessen Büro man vor ein paar Wochen Mikrofone gefunden hat? Was heißt Mikrofone, das waren irgendwelche Dinger auf dem technischen Niveau von Yps-Gimmicks. Die hingen da von der Lampe und waren Reportern beim Interview aufgefallen („Moment, wir haben da ein Mikro im Bild! Ähm, nein, keins von unseren!“). Der Schreck war groß: Mensch, haben die Geheimdienste ihre Ausrüstung jetzt schon von Rudis-Reste-Rampe?

Inzwischen ist das Rätsel gelöst: Vorher hatten in dem Büro zwei SPD-Mitarbeiter gehaust, die jetzt Papa Thierse gebeichtet haben, sie hätten sich zum Spaß zwei alte Computer-Mikros an die Lampe gepappt, als wihitziges „Abhörszenario“. Spasssich! Die müssen aber auch an chronischer Bedeutungslosigkeit gelitten haben, die beiden. Und bei der Büroübernahme haben weder SPD noch Linkspartei jemals ordentlich durchgewischt, die Dinger wurden glatt übersehen und vergessen. Das war also kein Abhörskandal, sondern ein Putzskandal. Wer weiß, vielleicht findet sich demnächst in einem Abgeordnetenbüro ein verwaistes Konfetti. Großes Kino!

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Noch 26 Tage und dann ist Zappenduster. Nämlich „Abschalttag“ (siehe http://www.shutdownday.org/?lng=de). Soll ein Test werden, ob man ohne eingeschalteten Computer überhaupt noch leben kann. Vielleicht nicht für alle, liebe Freunde draußen in den Atomkraftwerken und Intensivstationen. Nicht dass ihr sagt: „Jau, das war doch ne leichte Übung, jetzt fühl ich mich unglaublich entspannt!“ und dann schmelzen die Kerne und Herztöne nur so weg.

Für Blogger wird das auch ne harte Übung. Wie hat einst Shakespeare gebloggt: „Bloggen, oder nicht bloggen, das ist hier die Frage. Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Fenster des wütenden Bill Gates erdulden, oder, sich waffnend gegen eine See von Viren durch Widerstand sie enden? Runterfahren – ausschalten – Nichts weiter! Und zu wissen, dass ein Shutdown das Herzweh und die tausend Updates endet, die unsers Windows Erbteil, ´s ist ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen.“ Man sieht, im 16. Jahrhundert gab es durchaus noch Kreative, die nicht mit Mac´s gearbeitet haben.

Die Idee des Abschalttages ist, dass man mal schaut, ob einen dann eigentlich irgendwelche Freunde anrufen, um was zu unternehmen. Das kann bitter werden. Der PC ist aus und das Telefon schweigt. Nicht weil „festnetzloser Tag“ ist, sondern weil du nur noch Freunde hast, die die alten Kulturtechniken wie „mal rübergehen“ und „an die Tür klopfen“ nicht mehr beherrschen. Alle fit in „Web 2.0“, aber aus der Übung bei „Hallosagen 1.0“. Und: Nein, das gilt nicht, wenn man einfach nur in „second life“ einen virtuellen Rechner runterfährt, um dann beim Cybersex Grundstücke zu makeln, während man dem Spiegel trendige Interviews gibt.

Ich weiß noch nicht, was ich am Abschalttag machen werde. Ich wäre schon froh, wenn mein Computer mal einen Schnell-Hochfahr-Tag hätte.

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Frauen, die ihre Babys frühzeitig in Betreuungseinrichtungen abgeben müssen, werden zu „Gebärmaschinen“ degradiert, hat der Augsburger Bischof Mixa gesagt. Stimmt, und zwar von ihm. Aus welcher dunklen Ecke seines Wortschatzes hat er bloß diesen Hammerbegriff ausgegraben? Aus der „Alles-Schlampen-ausser-Mutti“-Schublade? Alles „von der Leyens“ außer Mutter Maria?

Und Kardinal Meisner springt ihm prompt zur Seite und meint: „Um des Heils unseres Volkes willen ist es wichtig, diese Sprache zu verwenden.“ Heil? Volk? Gebärmaschinen? Heiliges Mutterkreuz noch mal!!! Und jetzt, liebe Freunde der argumentativen Verwahrlosung, kommt Meisners Killerargument gegen die staatliche Kinderbetreuung: Die Krippe sei im Neuen Testament doch als Provisorium gedacht gewesen, erst die Neuzeit habe sie zur permanenten Einrichtung gemacht. Der Polemiker (wer, ich?) würde jetzt sagen: Klar, und an diesen beiden frauenverstehenden Oberhirten sieht man, dass auch Esel und Ochse noch immer Dauer-Zaungast sind, wenn es irgendwo um Krippen geht. Wenn die bleiben, darf die Krippe auch bleiben.

Sein wir mal als kleine Entspannungsübung kurzzeitig fair: Recht haben die beiden Herren natürlich mit der Aussage, es ginge darum, familiengerechte Arbeitsplätze statt arbeitsgerechter Familien zu fördern. Point taken. Fairmodus aus und weiter. Eine menschengerechte Sprache wäre aber doch grade für spirituelle Leithammel mal das Erste.

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Die Kleinen nimmt keiner ernst. Da geht es den Fußgängerzonen nicht anders als den Menschen. In Siegburg gibt es eine, direkt vorm Bahnhof, die ist nur 200 Meter lang. Wenn sie groß ist, will sie mal Innenstadt werden. Und weil bis dahin noch viel Zeit ist, wurde sie vom Siegburger Autofahrer immer wieder bösartig ignoriert. Bis die kleine Fußgängerzone zum Geburtstag 2 Blitz-Apparate geschenkt bekam.

Mit diesen Starenkästen blitzt sie jetzt alles, was schneller als Schrittgeschwindigkeit ist. Das sind ab und zu auch mal Autos, oft aber Radfahrer. Die sogar lustig in die Kamera winken oder auch mal ihr Hinterteil entblößen. Der Bürgermeister sammelt diese Fotos, dann kann er seine Bürger mal irgendwann erpressen.

Gerüchteweise wird man auch geblitzt, wenn man zu schnell geht. Also zum Beispiel, wenn man dem Bus hinterher rennt. Das sind Erinnerungsfotos, wie man sie sich wünscht. Ich freu mich schon auf die Wanderausstellung „Siegburg hält Schritt“, nach dem Motto: Nix Big Brother, little pedestrian area is watching you! Ich weiß, das ist keine große Geschichte, aber darum geht es ja. Die Kleinen nimmt keiner ernst.

Ach ja, und hier noch etwas völlig anderes, ein TV-Tipp: Heute, BR-Fernsehen, 22:30 Uhr. Näheres hier: http://www.br-online.de/kultur-szene/sendungen/ottisschlachthof/index.xml

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Wer den Schaden hat…

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Herrlich war´s, wie er da im Trachtenanzug auf diesem hellblauen Feldherrenhügel stand, den sie ihm in die Passauer Dreiländerhalle gebaut hatten. Und er kam sowas von silbergrau rüber, vor allem als er lobend erwähnte, dass Angela Merkel „gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Breschnew Guantanamo kritisiert hat“. Da wird Breschnew aber zusammengezuckt sein. Er ist Russe. Und seit 25 Jahren tot. Dem geht Guantanamo am Arsch vorbei. Da war klar: Stoiber ist mental schon aufgefahren gen Himmel. Dass er da auf Breschnew trifft, muss ein Schock für ihn gewesen sein.

Ansonsten kann man froh sein, dass kein Brennholz in der Halle war, auf diesem himmelblauen Rednerpodest hätten sie die Frau Pauli glatt als Hexe verbrannt – die Stimmung war gut. Auch weil der Seehofer nicht da war. Der war in Krefeld beim „Fischessen der CDU“ und hatte „Wallerfilet auf Wonnekraut“. Gibt schon schöne Wörter mit „W“.

Genau wie „Waldzustandsbericht“. Den will Seehofer künftig nur noch alle 4 Jahre veröffentlichen. Dann hat der Wald mehr Zeit, sich endlich mal zu überlegen, was er nun eigentlich will: aufgeben oder weitermachen. Ein Stoiberzustandsbericht ist vorerst nicht mehr von Nöten. Übrigens: Früher hieß das „Bericht zum Waldsterben“, dann Waldschadensbericht“ und jetzt eben „Waldzustandsbericht“. Demnächst nennen sie ihn „Waldmeisterbericht“, dann klingt er RICHTIG lecker…

Und für alle die, die es lieber mit eigenen Augen hören: http://www.einslive.de/nachrichten/specials/stoiber_breschnew_070221.jsp

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